Édith Piaf
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Édith Piaf, eigentlich Édith Giovanna Gassion (* 19. Dezember 1915 in Paris; † 11. Oktober 1963 in Plascassier) war eine erfolgreiche französische Chansonsängerin.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Als Édith Gassion geboren, wurde Édith Piaf bereits einige Wochen nach ihrer Geburt von ihrer Mutter Anita Maillard, einer Kaffeehaussängerin, verlassen und wuchs bei ihrer Großmutter mütterlicherseits auf, wo sie beinahe verhungerte. Ihr Vater Louis Gassion, Akrobat in einem Wanderzirkus, brachte sie 1917 bei seiner Mutter unter, damit seine Tochter wieder zu Kräften kommen konnte. 1919 erkrankte sie an einer Entzündung der Augenhornhaut und erblindete. Erst nach zwei Jahren heilte die Krankheit von selbst. Sie war erst sieben, als ihr Vater sie das erste Mal mit auf Tournee nahm. Mit zehn Jahren begann sie auf der Straße zu singen. Edith Piaf wurde stark geprägt vom Alkoholismus ihres Vaters und der Gewalttätigkeit des Milieus, in dem sie aufwuchs.
Als 15-jährige verließ sie ihren Vater und zog alleine als Straßensängerin nach Paris. Kurz darauf wurde sie von dem Kabarettbesitzer Louis Leplée entdeckt, der sie als Chanteuse in sein Kabarett holte und ihr den Namen gab, unter dem sie bekannt wurde: „La Môme Piaf“ (Kleiner Spatz).
Am 11. Februar 1933 brachte sie ihr einziges Kind zur Welt, ihre Tochter Marcelle. Das Kind wuchs bei seinem Vater auf, da Edith Piaf es vorzog, mit Simone Berteaut, einer langjährigen Vertrauten und Freundin, auf Musikveranstaltungen aufzutreten. Marcelle starb im Alter von zwei Jahren an Hirnhautentzündung.
1935 nahm Édith Piaf, die nur 147 cm groß war, ihre erste Platte auf. Kurz darauf wurde ihr Mentor Leplée ermordet und sie der Mitwisserschaft an der Tat bezichtigt. Obwohl sie freigesprochen wurde, flüchtete sie in die Provinz und kehrte erst 1937 wieder nach Paris zurück.
Unter der Förderung von Raymond Asso gelang ihr in den folgenden Jahren der große Durchbruch. Neben Bühnenauftritten in ganz Europa nahm sie unzählige Schallplatten auf.
Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzungszeit blieb sie in Paris und gab Konzerte für Kriegsgefangene. Dabei schmuggelte sie gefälschte Arbeitserlaubnisse in Gefangenenlager, um einigen Soldaten die Flucht zu ermöglichen. In dieser Zeit unterhielt sie ein leidenschaftliches Verhältnis zu dem sechs Jahre jüngeren Chansonnier Yves Montand, dessen Karriere sie förderte.
Édith Piaf hatte Zeit ihres Lebens schwere gesundheitliche Probleme. Der durch den Unfalltod ihrer großen Liebe, des Boxers Marcel Cerdan im Oktober 1949 erlittene emotionelle Schock löste nach Angabe ihrer Sekretärin die chronische rheumatoide Polyarthritis aus, unter welcher sie fortan litt. Die damit verbundenen Schmerzen bekämpfte die Sängerin mit starken und überdosierten Medikamenten, von denen sie abhängig wurde. Das führte dazu, dass fortan das Stigma der Drogensucht an ihr haftete. Hinzu kamen Alkoholexzesse. Sie machte sieben Operationen und unzählige Entziehungskuren durch.
1952 heiratete sie den französischen Sänger Jacques Pills (richtiger Name: René Ducos), von dem sie sich 1956 wieder scheiden ließ. Während eines Konzertes in Stockholm, Ende der 1950er Jahre, brach sie auf der Bühne zusammen – es wurde eine unheilbare Krebserkrankung diagnostiziert. Piaf ließ sich jedoch nicht davon beeindrucken und trat weiter auf. Auf ihren Tourneen wurde sie fortan von einer Krankenschwester begleitet, die ihr im Bedarfsfall Morphium gegen die Schmerzen verabreichte. In diese Zeit fiel ihre kurze Liebesaffäre mit dem wesentlich jüngeren Chanson-Sänger Georges Moustaki. Er war es auch, der 1959 für Piaf das bekannte Chanson Milord (veröffentlicht 1960) komponierte, das später ihr größter Hit wurde. 1962, wenige Jahre nach ihrer Affäre mit Moustaki, heiratete sie den zwanzig Jahre jüngeren Sänger Théo Sarapo und verursachte damit den letzten großen Skandal ihres ausschweifenden Lebens. Édith Piaf starb am 10. Oktober 1963 im Alter von nur 47 Jahren in Plascassier, in der Nähe von Grasse, an einer Zirrhose. Théo Sarapo brachte, von den engsten Freunden unterstützt, ihren Leichnam noch in derselben Nacht – heimlich und in einem Krankenwagen getarnt – in „ihre“ Stadt Paris zurück. Ihr Hausarzt, der den Totenschein für den 11. Oktober ausstellte, gab als Sterbeort Paris an.
40.000 Menschen nahmen an ihrem Begräbnis auf dem Cimetière du Père Lachaise teil. Noch heute wird ihr Grab, in dem auch ihr 1970 bei einem Autounfall ums Leben gekommener Ehemann Théo Sarapo ruht, ständig mit frischen Blumen geschmückt. Das kleine Edith-Piaf-Museum in Paris (Rue Crespin du Gast) stellt persönliche Souvenirs, ein Kleid und die Porzellansammlung der Künstlerin aus.
[Bearbeiten] Werk
Der „Spatz von Paris“ wurde zu einem der bekannten "Exporte" Frankreichs. Lieder wie Milord, Non, je ne regrette rien und La vie en rose waren weltweite Hits. Weitere Erfolge waren:
- 1945 - La vie en rose
- 1945 - Les Trois Cloches
- 1949 - Hymne à l'amour
- 1951 - Padam… Padam…
- 1954 - Sous le ciel de Paris
- 1956 - Les amants d'un jour
- 1957 - La foule
- 1959 - Milord
- 1960 - Non, je ne regrette rien
Neben ihrer eigenen Karriere (sie nahm über 200 Lieder auf Schallplatte auf) förderte sie aktiv den damaligen musikalischen Nachwuchs Frankreichs. Sie hatte unter anderem großen Einfluss auf die Karrieren von Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Eddie Constantine, Yves Montand, Georges Moustaki, Jacques Pills und Francis Lai.
Siehe auch: Liste der Nummer-Eins-Hits in Deutschland (1960)
[Bearbeiten] Literatur und Film
- Marc Bonel: Edith Piaf. Le temps d'une vie. Edition de Fallois, 1993, ISBN 2877061892 (französisch)
- Philippe Crocq, Jean Mareska: La vie pas toujours rose d'Edith Piaf Editions du Rocher, 2007, ISBN 2268061086 (französisch)
- Matthias Henke: Edith Piaf. „Süchtig nach Sehnsucht!“ List, 2002, ISBN 3612650870
- Monique Lang: Edith Piaf. Die Geschichte der Piaf, ihr Leben in Texten und Bildern. Insel, Frankfurt 2007, ISBN 3458322167
- André Larue: Edith Piaf. L'amour toujours. Lafon, Paris 1993, ISBN 2908652978 (französisch)
Das Leben der Édith Piaf diente mehreren Kinofilmen als Vorlage. Es wurde verfilmt von Claude Lelouch (Edith und Marcel, 1983 mit Evelyne Bouix) und Guy Casaril (Piaf, 1984 mit Brigitte Ariel) und zuletzt von Olivier Dahan (La Môme, deutscher Verleihtitel „La Vie En Rose“, 2006 mit der französischen Schauspielerin Marion Cotillard in der Hauptrolle). Dieser bisher letzte Film über die französische Chansonsängerin wurde während der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2007 uraufgeführt.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Édith Piaf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biographie bei Who's Who
- Fansite
- Chansons als mp3
- Photo Edith Piaf
- Les conquêtes de Piaf von Le Hall de la Chanson, Centre National du Patrimoine de la Chanson, des Variétés et des Musiques actuelles (Arrangement von Biographie und Musik, Flash erforderlich)
- Edith Piaf
- Als Schauspielerin (IMDb)
Personendaten | |
---|---|
NAME | Piaf, Édith |
ALTERNATIVNAMEN | Édith Giovanna Gassion |
KURZBESCHREIBUNG | französische Chansonsängerin |
GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1915 |
GEBURTSORT | Paris |
STERBEDATUM | 11. Oktober 1963 |
STERBEORT | Paris |