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Mehlbeeren - Wikipedia

Mehlbeeren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Mehlbeeren
Elsbeere (S. torminalis) mit tief gelappten Blättern und apfelförmigen, kleinen Früchten.
Elsbeere (S. torminalis) mit tief gelappten Blättern
und apfelförmigen, kleinen Früchten.
Systematik
Abteilung: Blütenpflanzen (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Rosales
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Kernobstgewächse (Maloideae)
Wissenschaftlicher Name
Sorbus
L. 1753
Eberesche (S. aucuparia) mit Blättern die fiedrig geteilt sind.
Eberesche (S. aucuparia) mit Blättern die fiedrig geteilt sind.
Echte Mehlbeere (S.aria) mit ungleichmäßig gesägten Blatträndern, die Blätter sind meistens nicht gelappt.
Echte Mehlbeere (S.aria) mit ungleichmäßig gesägten Blatträndern, die Blätter sind meistens nicht gelappt.

Die Mehlbeeren (Sorbus), auch Vogelbeeren, Ebereschen oder Elsbeeren [1] genannt, sind eine Gattung von sommergrünen Laubgehölzen in der Unterfamilie der Kernobstgewächse (Maloideae) aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die etwa 100 Arten dieser Gattung sind in den kühlen Klimazonen der nördlichen Hemisphäre beheimatet. Die meisten Arten weisen gefiederte Blätter auf und haben im Frühjahr endständige, gelblich-weiße bis weiß-rosafarbenee Blüten. Alle Arten tragen im Herbst auffällige Früchte. Einige Arten wie etwa die Japan- oder die Kaschmir-Eberesche werden wegen ihrer auffälligen Herbstfärbung in Gartenanlagen und Parks gepflanzt. Zu der Gattung gehören auch der Vogelbeerbaum, dessen Früchte zu Schnaps und Marmelade verarbeitet wird sowie der Speierling, der in der Apfelweinherstellung eine Rolle spielt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Erscheinungsbild

Die Gattung enthält Bäume und Sträucher. Bäume sind gelegentlich mehrstämmig und haben häufig eine weit ausladende Krone. Einige Arten erreichen eine Höhe zwischen 25 und 30 Metern. Zu den groß werdenden Arten zählt beispielsweise Sorbus pohuashanensis, eine bis zu 20 Meter hoch werdende Art, die in den Bergregionen Nordchinas zu finden ist.

Die meisten Arten bleiben deutlich geringer. Die in Mitteleuropa heimische Zwerg-Mehlbeere erreicht eine Höhe von etwa 3 Metern. Der in Westchina beheimatete Sorbus reducta wird sogar nur 1,5 Meter hoch und bildet durch seine zahlreichen Ausläufer dichte Gestrüppe.

Die Früchte der Mehlbeeren erinnern an kleine Äpfel, was aufgrund der botanischen Einordnung in die Kernobstgewächse (Maloideae) nicht überrascht. Der Fruchtknoten ist unterständig: Ähnlich wie beim Apfel sitzen oben an der Frucht sitzen die 5 Kelchblätter.

[Bearbeiten] Die apomiktischen Mehlbeeren

Es gibt eine Vielzahl von Bastarde zwischen den Arten innerhalb der Gattung. Meistens entstehen aus diesen Hybridisierungsvorgängen nur kleinräumig verbreitete Arten entstanden, die sich apomiktisch vermehren, indem sie Samen auf ungeschlechtlichem Weg mittels Agamospermie bilden. Nachkommen aus diesen Samen sind genetisch identisch mit der Pflanze, von der der Samen abstammt.

Beispielsweise umfasst der Komplex der Bastard-Mehlbeeren (Sorbus latifolia agg.) apomiktische Arten, die aus einer Hybridisierung der Elsbeere (Sorbus torminalis) und Arten der Sorbus aria-Gruppe hervorgegangen sind. Ein weiterer Bastard-Komplex ist aus der Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und der Felsen-Mehlbeere (Sorbus rupicola) entstanden. Hierzu gehören einige Endemiten aus England, wie die Art Sorbus leyana, die mit nur noch 16 Exemplaren zu den seltensten Bäumen der Welt zählt.

[Bearbeiten] Verbreitung und Lebensraum

Die Vertreter der Gattung der Mehlbeeren sind in ihrer natürlichen Verbreitung auf die nördliche Hemisphäre beschränkt: Sie wachsen in Europa, Asien und im Norden Nordamerikas. Einige wenige Arten kommen auch in Nordafrika sowie auf Madeira vor.

Eberesche
Eberesche

Typisch für die meisten Arten dieser Gattung ist ihre Anpassungsfähigkeit an extreme Standorte. Bäume und Sträucher dieser Gattung findet man beispielsweise in exponierten Felsenwänden, wo sie in nur wenig Erde führenden Spalten wurzeln. Gelegentlich sieht man junge Ebereschen, die in Dachrinnen heranwachsen. Die Ansprüche der Sorbus-arten an den Boden sind gering und sie sind in der Lage, auf nährstoffarmen und sauren Böden zu gedeihen. Die meisten Arten reagieren auf nährstoffreiche und humose Böden mit erhöhtem Wachstum. Zu den kalkfliehenden Arten zählen Sorbus cracilis und Sorbus poteriifolia, die Chlorosis entwickeln, wenn sie auf kalkhaltigen Böden stehen [2]..

Viele Sorbus-Arten reagieren empfindlich auf Trockenheit und werfen nach längeren Trockenperioden frühzeitig im Jahr ihre Blätter ab. Als besonders trockenheitsempfindlich gelten Arten, die im Himalaya beheimatet sind [3]. Trockene Standorte haben auch einen Einfluss auf das maximale Höhenwachstum eines Baumes. Speierlinge erreichen beispielsweise an optimalen Standorten in Bayern und Baden-Württemberg Höhen von über 30 Metern. An niederschlagsärmeren Standorten auf dem Balkan und Frankreich werden diese Bäume selten höher als 25 Meter [4]. Im Gebirge kommen Sorbus-Arten regelmäßig bis zur Baumgrenze vor. Sorbus-Arten zählen auch zu den Baumarten, die in der Waldtundra gedeihen.

Reine Bestände mit Sorbus-Arten sind selten. Sorbus-Arten sind tendenziell lichthungrige Pionierpflanzen, die an Waldrändern und Lichtungen gedeihen, wo die Konkurrenzsituation mit andere Baumarten geringer ist. Da der Samen von Sorbus-Arten regelmäßig durch Vögel verbreitet wird, findet man in Unterholz von Wäldern eine große Anzahl von Sorbus-Sämlingen. Fallen konkurrierenden Bäume einem Feuer oder Sturm zu Opfer, werden die entstehenden Lücken schnell durch Sorbus-Arten geschlossen.

[Bearbeiten] Schädlinge

Sämlinge und junge Bäume der Sorbus-Arten werden von Hirschen, Rehe, Hasen, Kaninchen, Wühlmäusen und Mäusen geschädigt. Mäuse und Wühlmäuse benagen unter anderem die Rinde der Bäume und können dadurch junge Pflanzen zum Absterben bringen [5].

Die Maden von Ottiorynchus sulcatus fressen die Rinden der Wurzeln und können im Extremfall eine Pflanze so schädigen, dass sie abstirbt. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Maden eine Pflanze schädigt, steigt mit dem Humusgehalt des Bodens. In normaler Erde ist der zu erwartende Schädlingsbefall gering [6].

[Bearbeiten] Fruchtfressende Vogelarten

Sorbus torminalis
Sorbus torminalis

Die auffälligen Früchte der Mehlbeeren werden einer großen Anzahl von Vogelarten gefressen. Der Samen der Früchte passiert in der Regel unbeschädigt den Darmkanal der Vögel. Zu den fruchtfressenden Arten zählen Amseln, Drosseln wie etwa die Rotdrossel, Rotkehlchen und Wacholderdrossel sowie Stare und Seidenschwänze.

Die Geschwindigkeit, mit der der Fruchtbehang eines Baumes von Vögeln geplündert wird, scheint abhängig vom umgebenden Bewuchs zu sein. In Vorstädten werden nach den Untersuchungen von McAllister reifende Sorbus-Bäume innerhalb von nur ein oder zwei Wochen ihrer Früchte beraubt. McAllister führt dies auf einen höheren Bestand an immergrünen Pflanzen zurück, die den Vögeln Deckung bieten. Sorbus-Bäume, die vereinzelt in einem Feld oder auf einer Rasenfläche stehen, behalten ihre Früchte dagegen über Monate [7]. Auch die Sorbus-Art hat einen Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der Vögel die Früchte fressen. Von Vögeln besonders geschätzt sind die Arten Sorbus decora, Sorcus cascadensis, Sorbus sitchensis und Sorbus matsumurana. Diese früh reifenden Arten werden von Vögel bereits gefressen, bevor sie vollreif sind.

[Bearbeiten] Systematik

Die Gattung Sorbus gehört zu der Unterfamilie der Kernobstgewächse, einer auf der Nordhalbkugel wirtschaftlich bedeutsamen Pflanzengruppe. Zu ihr zählen auch die Äpfel, Birnen, Weißdorn und Zwergmispel.

[Bearbeiten] Mehlbeeren und Mensch

Mehlbeeren haben längst nicht die ökonomische Bedeutung wie andere Kernobstgewächse. Eine ökonomische Bedeutung haben vor allem die Eberesche und der Speierling.

Die Früchte der Eberesche werden sowohl in der Wildkräuterküche wie in der Pflanzenheilkunde verwendet. Die Früchte enthalten Sorbinsäure und zwischen 0.02 – 0.3 Prozent Parasorbinsäure [8]. Nach der Entbitterung werden sie meist zu Marmelade, Kompott oder Gelee gekocht. Ebenso werden aus ihnen Schnaps, Sirup und Tee hergestellt. Die Volksheilkunde setzt Vogelbeeren bei Rheuma, Verstopfung und bei Blutungen sowie Absude der Früchte als Gurgelmittel bei Heiserkeit ein [9]. Früher wurden die Früchte auch zur Sorbitgewinnung verwenet. Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der als Zuckerzusatz in Diabetikerpräparaten Verwendung findet.


[Bearbeiten] Arten (Auswahl)

Zu den Arten der Gattung Sorbus zählen unter anderem:

  • Echte Mehlbeere (S. aria)
  • Vogelbeere oder Eberesche (Sorbus aucuparia): Diese Art weicht besonders im Blattbau von den übrigen Vertretern der Gattung ab (und kann daher nicht als Namensgeber für die Gattung genutzt werden).
  • Kaschmir-Eberesche (Sorbus cashmiriana), ein weit ausladender Baum aus dem westlichen Himalaya
  • Zwerg-Mehlbeere (S. chamaemespilus), niedriger Strauch.
  • Japan-Eberesche (S. commixta), ein aufrecht wachsender Baum aus Japan
  • Speierling (S. domestica) mit gefiederten, ebereschenähnlichen Blättern. Bastardiert nicht mit den anderen Arten.
  • Schwedische Mehlbeere (S. intermedia)
  • Sudeten-Zwergmispel (S. sudetica)
  • Elsbeere (S. torminalis) mit gelappten, ahornähnlichen Blättern.

[Bearbeiten] Fußnoten, Literatur und Weblinks

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Die Vogelbeere oder Eberesche weicht im Blattbau deutlich von den anderen Arten dieser Gattung ab, so dass von einigen Botanikern die Bezeichnung Vogelbeeren oder Ebereschen für diese Gattung ablehnen
  2. McAllister, S. 33
  3. McAllister, S. 32
  4. Schmeling, S. 38
  5. McAllister, S. 35
  6. McAllister, S. 35
  7. McAllister, S. 36
  8. Andreas Alberts, Peter Mullen: Psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08402-5, S. 198
  9. Peter Flütsch: Unterhaltsames zur Flora von Davos“, Buchdruckerei Davos AG, 1988 – keine ISBN-Nummer, S. 19

[Bearbeiten] Literatur

  • Hugh McAllister: The genus Sorbus – Mountain ash and other rowans, The Royal Botanic Gardens, Kew 2005, ISBN 1842460889

[Bearbeiten] Weblinks

commons:Hauptseite
Commons
Commons: Sorbus – Bilder, Videos und/oder Audiodateien

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