Sicherer Hash-Algorithmus
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Der Begriff sicherer Hash-Algorithmus (englisch secure hash algorithm), kurz SHA, bezeichnet eine Gruppe standardisierter kryptographischer Hash-Funktionen. Diese dienen zur Berechnung eines eindeutigen Prüfwerts für beliebige elektronische Daten. Meist handelt es sich dabei um Nachrichten. Es soll praktisch unmöglich sein, zwei verschiedene Nachrichten, auch Kollisionen genannt, mit dem gleichen SHA-Wert zu finden. Ob SHA-1 dieser Anforderung genügt, kann nicht sicher gesagt werden, da im Sommer 2006 eine wesentliche Schwäche dieses Algorithmus entdeckt und publik gemacht wurde. Grundsätzlich sollte SHA-1 daher nicht mehr in neuen Entwicklungen als sicherer Hash-Algorithmus vorgesehen werden.
Das NIST (National Institute of Standards and Technology) entwickelte zusammen mit der NSA (National Security Agency) eine zum Signieren gedachte sichere Hash-Funktion als Bestandteil des Digital Signature Algorithms (DSA) für den Digital Signature Standard (DSS). Die Funktion wurde 1994 veröffentlicht. Diese als Secure Hash Standard (SHS) bezeichnete Norm spezifiziert den sicheren Hash-Algorithmus (SHA) mit einem Hash-Wert von 160 Bit Länge für beliebige digitale Daten bzw. Nachrichten. Die Begrenzung auf Daten mit maximal 264 − 1 Bit hat keine praktische Relevanz (264 = 18.446.744.073.709.551.616). Der Algorithmus ähnelt im Aufbau dem von Ronald L. Rivest entwickelten MD4. Der SHA wurde wegen eines „Designfehlers“ 1995 korrigiert. Diese neue Variante ist heute als SHA-1 bekannt, die ursprüngliche als SHA-0. Sie unterscheiden sich nur in einem kleinen Detail (Linksshift), nicht jedoch in der Anzahl der durchlaufenen Runden oder sonstiger Maßnahmen, die unmittelbar eine wesentlich höhere Sicherheit erwarten lassen. Die Kryptoanalyse bestätigt jedoch, dass der Linksshift die Berechnung von Kollisionen offenbar erheblich erschwert.
Prinzipiell wurde von den gleichen Entwurfszielen wie beim MD4 ausgegangen. Mit seinem längeren Hash-Wert von 160 Bit ist SHA aber widerstandsfähiger gegen Brute-Force-Angriffe zum Auffinden von Kollisionen.
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Erweiterungen
Das NIST hat im August 2002 drei weitere Varianten des Algorithmus veröffentlicht, die größere Hash-Werte erzeugen. Es handelt sich dabei um den SHA-256, SHA-384 und SHA-512 wobei die angefügte Zahl jeweils die Länge des Hash-Werts (in Bit) angibt. Mit SHA-384 und SHA-512 können (theoretisch) Daten bis zu einer Größe von 2128 Bit verarbeitet werden. In der Praxis sind Dateien mit mehr als 264 Bit jedoch unrealistisch. Im Februar 2004 wurde eine weitere Version, SHA-224, veröffentlicht.
Die Algorithmen SHA-1 und SHA-256 sind auch die Basis für die Blockverschlüsselung SHACAL. Alle diese Weiterentwicklungen werden manchmal auch unter dem Begriff SHA-2 zusammengefasst.
Schwächen
Am 15. Februar 2005 meldete der Kryptographieexperte Bruce Schneier in seinem Blog, dass die Wissenschaftler Xiaoyun Wang, Yiqun Lisa Yin und Hongbo Yu an der Shandong University in China erfolgreich SHA-1 gebrochen hätten. Ihnen sei es gelungen, den Aufwand zur Kollisionsberechnung von 280 auf 269 zu verringern. 269 Berechnungen könnten eventuell mit Hochleistungsrechnern durchgeführt werden. Kollisionen wurden aber bis heute nicht veröffentlicht.
Kurze Zeit später, am 17. August 2005, wurde von Xiaoyun Wang, Andrew Yao und Frances Yao auf der Konferenz CRYPTO 2005 ein weiterer, effizienterer Kollisionsangriff auf SHA-1 vorgestellt, welcher den Berechnungsaufwand auf 263 reduziert.
Im August 2006 wurde auf der CRYPTO 2006 ein weiterer, wesentlich schwerwiegenderer Angriff gegen SHA-1 präsentiert, der möglicherweise auch in der Praxis Auswirkungen zeigen kann. Bei diesem Angriff kann ein Teil der gefälschten Nachricht (derzeit bis zu 25%) im Inhalt frei gewählt werden. Bei den bisherigen Kollisionsangriffen wurden die so genannten Hash-Zwillinge lediglich mit sinnlosen Buchstabenkombinationen des Klartextes gebildet und waren damit leicht zu erkennen.
Ein kritisches Angriffsszenario setzt aber voraus, dass der Angreifer eine zweite zumindest in Teilen sinnvolle Variante eines Dokuments erzeugen kann, die den gleichen SHA-1-Wert und damit auch die gleiche Signatur ergibt. Die bei der neuen Angriffsmethode derzeit verbleibenden 75% sinnloser Buchstabenkombinationen (also Datenmüll) können vor den Augen eines ungeschulten Betrachters ggfs. technisch leicht verborgen werden. Der Angreifer kann daher behaupten, die gefälschte Variante sei an Stelle der originalen Variante signiert worden.
Beispiel-Hashes
SHA-1
SHA1("Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern") = 68ac906495480a3404beee4874ed853a037a7a8f
Eine kleine Änderung der Nachricht erzeugt (mit sehr großer Wahrscheinlichkeit) einen komplett anderen Hash. Mit Frank statt Franz (nur ein Buchstabe verändert) ergibt sich:
SHA1("Frank jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern") = d8e8ece39c437e515aa8997c1a1e94f1ed2a0e62
Der Hash eines Strings der Länge Null ist:
SHA1("") = da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709
SHA-256
SHA256("Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern") = d32b568cd1b96d459e7291ebf4b25d007f275c9f13149beeb782fac0716613f8
SHA256("Frank jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern") = 78206a866dbb2bf017d8e34274aed01a8ce405b69d45db30bafa00f5eeed7d5e
Der Hash eines Strings der Länge Null ist:
SHA256("") = e3b0c44298fc1c149afbf4c8996fb92427ae41e4649b934ca495991b7852b855
SHA-512
SHA512("Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern") = af9ed2de700433b803240a552b41b5a472a6ef3fe1431a722b2063c75e9f0745 1f67a28e37d09cde769424c96aea6f8971389db9e1993d6c565c3c71b855723c
SHA512("Frank jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern") = 90b30ef9902ae4c4c691d2d78c2f8fa0aa785afbc5545286b310f68e91dd2299 c84a2484f0419fc5eaa7de598940799e1091c4948926ae1c9488dddae180bb80
Der Hash eines Strings der Länge Null ist:
SHA512("") = cf83e1357eefb8bdf1542850d66d8007d620e4050b5715dc83f4a921d36ce9ce 47d0d13c5d85f2b0ff8318d2877eec2f63b931bd47417a81a538327af927da3e
SHA-1 Pseudocode
Es folgt der Pseudocode für den SHA-1.
// Beachte: Alle Variablen sind vorzeichenlose 32 Bit-Werte und // verhalten sich bei Berechnungen kongruent (≡) modulo 2^32 // Initialisiere die Variablen: var int h0 := 0x67452301 var int h1 := 0xEFCDAB89 var int h2 := 0x98BADCFE var int h3 := 0x10325476 var int h4 := 0xC3D2E1F0 // Vorbereitung der Nachricht 'message': var int message_laenge := bit_length(message) erweitere message um bit "1" erweitere message um bits "0" bis Länge von message in bits ≡ 448 (mod 512) erweitere message um message_laenge als 64-Bit big-endian Integer // Verarbeite die Nachricht in aufeinander folgenden 512-Bit Blöcken: für alle 512-Bit Block von message unterteile Block in 16 32-bit big-endian Worte w(i), 0 ≤ i ≤ 15 // erweitere die 16 32-bit Worte auf 80 32-bit Worte: für alle i von 16 bis 79 w(i) := (w(i-3) xor w(i-8) xor w(i-14) xor w(i-16)) leftrotate 1 // Initialisiere den Hash-Wert für diesen Block: var int a := h0 var int b := h1 var int c := h2 var int d := h3 var int e := h4 // Hauptschleife: für alle i von 0 bis 79 wenn 0 ≤ i ≤ 19 dann f := (b and c) or ((not b) and d) k := 0x5A827999 sonst wenn 20 ≤ i ≤ 39 dann f := b xor c xor d k := 0x6ED9EBA1 sonst wenn 40 ≤ i ≤ 59 dann f := (b and c) or (b and d) or (c and d) k := 0x8F1BBCDC sonst wenn 60 ≤ i ≤ 79 dann f := b xor c xor d k := 0xCA62C1D6 wenn_ende temp := (a leftrotate 5) + f + e + k + w(i) e := d d := c c := b leftrotate 30 b := a a := temp // Addiere den Hash-Wert des Blocks zur Summe der vorherigen Hashes: h0 := h0 + a h1 := h1 + b h2 := h2 + c h3 := h3 + d h4 := h4 + e digest = hash = h0 append h1 append h2 append h3 append h4 //(Darstellung als big-endian)
Beachte: Anstatt der Original-Formulierung aus dem FIPS PUB 180-1 können alternativ auch folgende Formulierungen verwendet werden:
(0 ≤ i ≤ 19): f := d xor (b and (c xor d)) (Alternative) (40 ≤ i ≤ 59): f := (b and c) or (d and (b or c)) (Alternative 1) (40 ≤ i ≤ 59): f := (b and c) or (d and (b xor c)) (Alternative 2) (40 ≤ i ≤ 59): f := (b and c) + (d and (b xor c)) (Alternative 3)
Siehe auch
- Kryptographie
- Zyklische Redundanzprüfung (ZRP, engl. CRC)
- Prüfsumme
- Hamming-Code
- Elliptische-Kurven-Kryptosystem
- Parität
- MD5
Weblinks
- FIPS PUB 180-2, Secure Hash Standard
- RFC 3174, US Secure Hash Algorithm 1 (SHA1)
- Jacksum, ein Open-Source-Programm zum Berechnen div. Hash-Werte
- SHA1-Generator bietet Onlineberechnung verschiedener SHA-Hashes von Strings
- passcrack.spb.ru SHA1 Rainbow Tables
zu den Schwächen von SHA
- Pressemitteilung der GI Fachgruppe Krypto: Hashfunktion SHA-1 offenbar gebrochen
- heise online: Angriffe auf Hash-Algorithmus SHA-1 weiter vereinfacht
- heise online (25.08.2006): Hash-Funktion SHA-1 in Bedrängnis
- Bruce Schneier: SHA-1 Broken (englisch)
- Arjen Lenstra: Further progress in hashing cryptanalysis (englisch, PDF)
- Xiaoyun Wang, Yiqun Lisa Yin, Hongbo Yu: Finding Collisions in the Full SHA-1 (englisch, PDF)