Anselm von Canterbury
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Anselm von Canterbury (* um 1033 in Aosta, † 21. April 1109 in Canterbury) war ein Philosoph des Mittelalters und wird vielfach als Begründer der Scholastik gesehen. Er wird auch "Anselm von Aosta" (seine Geburtsstadt) oder "Anselm von Bec" (Bec war ein französisches Kloster in dem Anselm lebte) genannt. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger und Kirchenlehrer verehrt. In der Forschungsliteratur existieren unterschiedliche Betrachtungsweisen, zum einen Anselm als politisch ehrgeizig und zum anderen als Person, die ihr Idealbild der Kirche durchsetzen will durch Nutzung der Macht.
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[Bearbeiten] Leben
Anselm wurde 1033 in Aosta, das in den italienischen Alpen an der Grenze zu Frankreich gelegen ist, geboren. Mit 15 Jahren suchte er den Eintritt in ein nahegelegenes Kloster, was ihm aber verweigert wurde, vermutlich, um Anselms Vater nicht zu verärgern, denn dieser hatte eine politische Karriere für ihn vorgesehen. Mit 23 Jahren verließ er dann sein Heim und zog insgesamt drei Jahre durch Frankreich, bis er vom Ruhm Lanfrancs, dessen Nachfolger in Canterbury er später werden sollte, angezogen zur Benediktiner-Abtei von Le Bec kam. Nach einigem Zögern trat er schließlich ein Jahr später im Jahre 1060 in sie ein. Schon drei Jahre später wurde er zum Prior gewählt, weitere 15 Jahre später zum Abt. In diese Zeit fallen auch seine ersten philosophischen und theologischen Werke, insbesondere seine beiden berühmten Schriften Monologion und Proslogion.
Als der damalige Erzbischof von Canterbury Lanfranc 1089 verstarb, wurde Anselm von vielen als sein Nachfolger favorisiert, doch erst 1093 von William II. ins Amt gesetzt. In den nachfolgenden vier Jahren trugen die beiden den Investiturstreit über das Verhältnis weltlicher und geistlicher Macht in England aus. Im Jahre 1097 dann bekam er die Erlaubnis, Rom aufzusuchen, um dort um Hilfe zu bitten, die er jedoch nur in beschränktem Maße erhielt. Die Rückkehr nach England wurde ihm dann von William verweigert, war deshalb 1097 bis 1100 in Lyon im Exil.
Erst als William 1100 starb, konnte Anselm unter dessen Nachfolger Henry I. nach England zurückkehren, musste jedoch 1103 schon wieder ins Exil zurückgehen, in dem er vier Jahre bleiben musste, bis er 1107 wiederum nach England zurückkehren konnte, wo er dann bis zu seinem Tode 1109 blieb. Anselm wurde 1494 heilig gesprochen und 1720 von Clemens XI. zum Doktor der Kirche ernannt.
[Bearbeiten] Werk
Am bekanntesten ist Anselm für seinen ontologischen Gottesbeweis, den er in seinem Proslogion, eigentlich einer Meditation über das Wesen Gottes, formuliert. Dieser gehört zu den am meisten diskutierten Argumenten in der Philosophiegeschichte. Philosophen wie Thomas von Aquin, Hegel, Descartes und Kant setzten sich kritisch damit auseinander. Zentrales Argument ist der Satz, Gott sei das, über dem Größeres nicht gedacht werden könne (quo maius cogitari non potest).
In der Schrift Cur Deus Homo? vertrat er die Lehre, die Erlösung durch Christus sei als Befriedigung des gerechten Zornes Gottes durch den Tod Christi zu verstehen (Satisfaktionslehre). Von einigen wird diese Lehre später als eine der Grundlagen der Reformation angesehen, aber in der orthodoxen Kirche abgelehnt.
Bekannt ist auch sein Streit mit Johannes Roscelin, den er als extremen Nominalisten einstufte.
Von seinen weiteren Schriften sind vor allem das Monologion, in dem er ähnlich wie im Proslogion Gottes Existenz beweist und versucht, seine Eigenschaften herzuleiten (siehe auch Natürliche Theologie), und De Veritate, das sich nicht nur mit der Wahrheit, sondern auch mit der Gerechtigkeit beschäftigt.
Sein Gedenktag ist in der katholischen (kein gebotener Gedenktag), evangelischen und anglikanischen Kirche der 21. April.
[Bearbeiten] Quellen und Literatur
- Anselm von Canterbury, S. Anselmi Cantuariensis Archiepiscopi Opera Omnia 4, hrsg. von Franciscus Salesius Schmitt, Stuttgart / Bad Cannstatt 1968, S. 118f., 124f. (lat. Text). Anselm von Canterbury, The Letters of Saint Anselm of Canterbury 2 (Cistercian Studies Series 97), übers. Von Walter Fröhlich, Kalamazoo 1993, S. 177f., 184-186.
- Eadmer von Canterbury: Eadmer’s History of Recent Events in England (Historia Novorum). Hrsg. und übers. von Geoffrey Bosanquet, London 1964.
- Eadmer von Canterbury: The Life of St. Anselm (Vita Anselmi). Hrsg. und übers. von Richard William Southern, Oxford 1962.
- Jori, Alberto, Die Paradoxien des menschlichen Selbstbewusstseins und die notwendige Existenz Gottes - Zu 'Cogitatio' und 'Intellectus' im Streit zwischen Anselm und Gaunilo, in: C. Viola and J. Kormos (ed.), Rationality from Saint Augustine to Saint Anselm. Proceedings of the International Anselm Conference - Piliscsaba (Hungary) 20-23 June 2002 (Piliscsaba 2005), S. 197-210.
- Schmidt, Martin Anton: Anselm von Canterbury. In: Martin Greschat (Hrsg.): Mittelalter I. Gestalten der Kirchengeschichte 3. Stuttgart u.a. 1983.
- Souhtern, Richard William: Saint Anselm. A Portrait in a Landscape. Cambridge 1990.
- Vaughn, Sally N.: St. Anselm and the Englisch Investiture Controversy reconsidered. In: Journal of Medieval History 6 (1980), S. 61-86.
- Über die Wahrheit. De veritate. Übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen hrsg. von Markus Enders. Philosophische Bibliothek, Band 535. Meiner, Hamburg, ISBN 978-3-7873-1646-5
[Bearbeiten] Weblinks
Wikisource: Anselmus – Quellentexte (lat.) |
- Literatur von und über Anselm von Canterbury im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag (englisch) in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (inkl. Literaturangaben)
- Heiligenlexikon
- Eintrag (mit Literaturangaben) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Monologion lat.dt.
- Proslogion lat.dt.
- Videovortrag und Skript zu Anselm von Canterbury
- Volltext: Hansjürgen Verweyen: Nach Gott fragen. Anselms Gottesbegriff als Anleitung (1978)
- bibliotheca Augustana: Verschiedene Texte in Latein
Vorgänger |
Erzbischof von Canterbury 1093-1109 |
Nachfolger |
Personendaten | |
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NAME | Anselm von Canterbury |
KURZBESCHREIBUNG | Philosoph des Mittelalters |
GEBURTSDATUM | um 1033 |
GEBURTSORT | Aosta |
STERBEDATUM | 21. April 1109 |
STERBEORT | Canterbury |