Authentizität
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Authentizität bedeutet Echtheit (als Original befunden). Das Adjektiv zu Authentizität heißt authentisch.
"Authentizität" griech./ lat. = Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit
In der Musik werden außerdem gewisse Kirchentonleitern als authentisch bezeichnet, im Gegensatz zu den plagalen Kirchentonleitern.
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[Bearbeiten] Authentizität von Gegenständen/Informationen
[Bearbeiten] Geschichte
Authentizität von aufgefundenen Gegenständen (z.B. Kunstwerken, Münzen, Schriftstücken) bedeutet, dass der zu untersuchende Gegenstand tatsächlich von der Person oder Quelle stammt, von der er vorgibt zu stammen, also keine Fälschung ist. Die Hitler-Tagebücher sind ein bekanntes Beispiel für einen Gegenstand, dessen Authentizität nicht bestätigt werden konnte.
[Bearbeiten] Informatik
Authentizität einer Information ist die sichere Zuordnung zum Sender und der Nachweis, dass die Informationen nach dem Versand nicht mehr verändert worden sind.
Anhand des "Problems der byzantinischen Generäle" kann man viele Fragestellungen zur Authentizität von Informationen untersuchen. Bei diesem Szenario belagern mehrere Generäle, die sich gegenseitig nicht vertrauen, Byzanz, und lassen sich Mitteilungen zukommen. Gesucht sind Algorithmen zur sicheren Übertragung und Verifikation dieser Mitteilungen, da der Absender oder eine ganze Mitteilung von einem anderen gefälscht sein kann, Mitteilungen durch abgefangene Boten verloren gehen oder durch gefälschte Mitteilungen ersetzt werden können.
In der Informatik ist die Hauptfragestellung nach der Authentizität von Informationen durch digitale Signaturen gelöst worden.
Siehe auch: Authentifizierungsmerkmal
[Bearbeiten] Fachdidaktik
In der Fachdidaktik versteht man unter Authentizität, dass das vorliegende Material (z.B. Interview, Film, Nachrichtensendung, Zeitungsartikel, Hinweisschild, etc.), welches ein Lehrer benutzt, nicht für den Unterricht entworfen oder verändert wurde.
In der Fremdsprachendidaktik werden Situationen dann als "authentisch" angesehen, wenn sie unmittelbar-real (in der schulischen oder außerschulischen Lebenswelt) oder als lebensecht akzeptierbar sind und es den Schülerinnen und Schülern somit ermöglichen, mit "Handlungspartnern" zu kommunizieren. Wesentlich für die Authentizität einer Situation ist es also, dass sie von den Kommunikationspartnern als lebensecht akzeptiert wird.[1]
[Bearbeiten] Authentizität von Personen
Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch externe Einflüsse bestimmt wird, sondern aus der Person selbst stammt. Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.
Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders echt, das heißt, sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht notwendigerweise um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln, sondern es können auch Zuschreibungen des Betrachters diese Eindrücke verursachen, die etwa auch Teil einer gelungenen Inszenierung darstellen können. Ist die Inszenierung übertrieben, wirkt sie schnell Klischee-haft und wird zum Kitsch (siehe auch Medientheorie).
Wirtschaft: Auch in der Management-Sprache bezeichnet man es oft bereits als Authentizität, wenn eine Person den Effekt von Echtheit erweckt. Dies ist Ergebnis der Rolle als pars-pro-toto-Repräsentant für eine Unternehmensmarke (vgl. Repräsentanz Expert (Hrg., 2004); Wachtel 2003)
[Bearbeiten] Postmoderne/Existentialismus
In der Postmoderne stellen sich die Fragen von Authentizität und Künstlichkeit, Original, Fälschung und Serie unter neuen Bedingungen. Philosophen wie Jean Baudrillard beschäftigten sich theoretisch mit dem Authentischen, Künstler wie Andy Warhol spielten damit. In der Philosophie des Existentialismus ist die Authentizität ein technischer Term.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Vgl. Gerhard Bach & Johannes-Peter Timm: "Handlungsorientierung als Ziel und als Methode". In: Gerhard Bach & Johannes-Peter Timm (Hg.): Englischunterricht. Grundlagen und Methoden einer handlungsorientierten Unterrichtspraxis (3., vollst. überarb. u. verbess. Aufl.). Tübingen, Basel: A. Francke, 2003, 4-7 und 11-13.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Thomas Knieper / Marion G. Müller (Hrsg.): Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Köln: Herbert von Halem Verlag, 2003.
- Helmut Lethen: Versionen des Authentischen: sechs Gemeinplätze. In: Hartmut Böhme / Klaus R. Scherpe: Literatur und Kulturwissenschaften – Positionen, Theorien, Modelle. Rowohlt Taschenbuchverlag Reinbek 1996.
- Erika Fischer-Lichte / Isabel Pflug (Hrsg.): Inszenierung von Authentizität. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 2000.
- Repräsentanz Expert (Hrg.); Corporate Speaking. Auftritte des Spitzenmanagements. Bonn und London 2006
- Wachtel, Stefan: Rhetorik und Public Relations. München 2003
- Richard Sennett:Tyrannei der Initimität