Charakter (Mathematik)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Im mathematischen Teilgebiet der Darstellungstheorie sind Charaktere gewisse Homomorphismen in den Grundkörper.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Charaktere einer Gruppe
[Bearbeiten] Abstrakte und topologische Gruppen
Es sei G eine abstrakte Gruppe oder eine topologische Gruppe. Ein Charakter von G ist ein Gruppenhomomorphismus
in die multiplikative Gruppe der komplexen Zahlen; bei topologischen Gruppen wird noch Stetigkeit gefordert. Ein unitärer Charakter ist ein Charakter, dessen Bild in liegt.
Hinweis: Häufig werden allgemeine Charaktere als Quasi-Charaktere und unitäre Charaktere als Charaktere (ohne Zusatz) bezeichnet.
[Bearbeiten] Eigenschaften
- Die Charaktere von G bilden mit der durch
-
- erklärten Gruppenverknüpfung eine abelsche Gruppe, die Charakterengruppe.
- Pontrjagin-Dualität: Für lokalkompakte abelsche Gruppen ist die Gruppe der unitären Charaktere mit der Kompakt-offen-Topologie wiederum eine lokalkompakte Gruppe; sie wird auch duale Gruppe
genannt. Die duale Gruppe von
ist auf natürliche Weise zur Ausgangsgruppe G isomorph.
- Die Charaktere von G entsprechen den eindimensionalen komplexen Darstellungen von G, die unitären Charaktere den unitären eindimensionalen Darstellungen.
- Ein Charakter ist genau dann unitär, wenn
für alle
gilt.
- Ist G endlich, so ist jeder Charakter unitär.
- Für einen Charakter χ einer endlichen Gruppe G gilt
-
- dabei steht 1 für den trivialen Charakter mit χ(g) = 1 für alle
. Eine analoge Aussage gilt für kompakte topologische Gruppen; dabei ist die Summe durch ein Integral zu ersetzen.
[Bearbeiten] Dirichlet-Charaktere
In der Zahlentheorie versteht man unter einem Dirichlet-Charakter einen Charakter χ auf der Gruppe
Für einen solchen Charakter definiert man eine ebenfalls als Dirichlet-Charakter bezeichnete Funktion
,
.
Dirichlet-Charaktere spielen eine wichtige Rolle beim Beweis des Dirichletschen Satzes über die Existenz unendlich vieler Primzahlen in arithmetischen Progressionen. Dabei betrachtet man sogenannte L-Reihen, das sind Dirichletreihen mit einem Dirichlet-Charakter als Koeffizienten.
Da für endliche abelsche Gruppen die Charaktergruppe isomorph zur Ausgangsgruppe ist, gibt es verschiedene Charaktere auf der Gruppe
, dabei ist
die Eulersche Phi-Funktion.
Für n = 5 ist beispielsweise , d.h. es gibt neben dem Haupt- oder trivialen Charakter χ1 noch drei weitere Charaktere:
k | 1 | 2 | 3 | 4 |
---|---|---|---|---|
χ1(k) | 1 | 1 | 1 | 1 |
χ2(k) | 1 | -1 | -1 | 1 |
χ3(k) | 1 | i | -i | -1 |
χ4(k) | 1 | -i | i | -1 |
Für einen Dirichlet-Charakter χ gilt:
Für ein festes gilt:
wobei die Summe über alle Charaktere genommen wird.
Ein Dirichlet-Charakter ist eine vollständig multiplikative zahlentheoretische Funktion.
[Bearbeiten] Algebraische Gruppen
Ist G eine algebraische Gruppe, so ist ein Charakter von G ein Homomorphismus ; dabei ist
die multiplikative Gruppe. Die Charaktere von G bilden eine (abstrakte) abelsche Gruppe, die mit X(G) oder X * (G) bezeichnet wird.
[Bearbeiten] Charaktere von Darstellungen
Ist G eine Gruppe, K ein Körper und ρ eine endlichdimensionale K-lineare Darstellung von G, so heißt die Abbildung
die einem Gruppenelement g die Spur des entsprechenden K-linearen Automorphismus ρ(g) zuordnet, der Charakter von ρ. Im eindimensionalen Fall handelt es sich um einen Charakter von G im oben definierten Sinne. Im allgemeinen Fall ist χ jedoch nicht multiplikativ.
Charaktere sind konstant auf Konjugationsklassen. Eine tabellarische Aufstellung der Werte der Charaktere der irreduziblen Darstellungen einer endlichen Gruppe auf den einzelnen Konjugationsklassen nennt man Charaktertafel.