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Dorfkirche Straupitz - Wikipedia

Dorfkirche Straupitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Dorfkirche Straupitz
Dorfkirche Straupitz

Die Dorfkirche Straupitz ist eine evangelische Kirche im am Nordrand des Spreewalds gelegenen Dorf Straupitz. Sie wurde nach Plänen des bekannten Architekten Karl Friedrich Schinkel erbaut und stellt mit ihrer vollständig erhaltenen ursprünglichen Innenausstattung ein Baudenkmal von überregionaler Bedeutung dar.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Architektur

Die Kirche stellt mit dem in der Nähe befindlichen Herrenhaus ein Bauensemble dar. Die Gebäude und eine ursprünglich südwestlich der Kirche befindliche Parkanlage symbolisierten das Zentrum der Herrschaft Straupitz. Die Ausrichtung der Kirche ist durch die Zwecke des Bauensembles bedingt und weicht von der Ausrichtung der Vorgängerbauten ab.

Der Grundriß der Kirche ist ein langes Rechteck. Das Dach ist als Satteldach gestaltet. An der südwestlichen Seite befinden sich über der Giebelfassade zwei mehrgeschossige Türme. Auf dieser Seite befindet sich auch der Eingang zur Kirche. Eine über die gesamt Breite der Kirche verlaufende Freitreppe führt dort auf drei Rundbogenportale zu. Über dem mittleren Durchgang ist als Inschrift der Schriftzug LOBET DEN HERRN IN SEINEM HEILIGTHUM; LOBET IHN IN DER VESTE SEINER MACHT! ALLES, WAS ODEM HAT; LOBE DEN HERRN; HALLELUIA! PSALM 150. V. 1. UND 6..

Um den Bau herum ziehen sich, als horizontales Gegengewicht zu den vertikalen Elementen, zwei Kämpfergesimse und ein Kranzgesims. Die Fassade ist orthogonal gestaltet. Um dieses System an der südwestlichen Seite nicht durch die Dachschrägen zu stören, wurde das eigentlich zwischen den Türmen befindliche Giebeldreieck durch eine nach oben gerade abschließende Attika abgedeckt.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Vorgängerbauten

Der älteste heute noch bekannte Vorgängerbau, vermutlich ein Holzgebäude, wurde 1624 bei einem Brand zerstört.

In den Jahren von 1655 bis 1658 erfolgte ein Neubau. Dieser durch General Christoph von Houwald veranlasste Bau wurde als mit einem Ziegeldach versehener Fachwerkbau und aufgesetztem Kirchturm ausgeführt. Bedingt durch die Teilung der Kirchengemeinde nach wendischer und deutscher Volkszugehörigkeit hatte diese Kirche zwei Haupteingänge und zwei Eingangshallen. Die deutsche Halle und auch die herrschaftliche Loge befand sich im Osten. Im Westgiebel befand sich die wendische Halle. Eine solche Trennung ist heute noch in der Wendisch-Deutschen Doppelkirche in Vetschau/Spreewald gegeben. Die Kirche verfügte über drei Bronzeglocken aus den Jahren 1621, 1685 und 1690. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude jedoch baufällig, so dass der Turm entfernt werden musste. Auch erwies sich die Kirche für die gestiegene Zahl der Menschen im auch die Nachbarorte Butzen, Byhlegure, Byhlen, Lassow, Mochow, Mühlendorf und Neu-Byhleguhre umfassenden Kirchspiel als zu klein.

[Bearbeiten] Planung und Bau

Entwürfe Schinkels
Entwürfe Schinkels

Der Patron der Herrschaft Straupitz, Carl Heinrich Ferdinand Freiherr von Houwald, beschloss daher 1826 einen Kirchenneubau. Das neue Gebäude sollte 1700 Menschen Platz geben, einfach und würdevoll ausgeführt werden und viele Jahrhunderte überdauern. Vermutlich durch eine Vermittlung des Dichters Ernst von Houwald, der zum Freundeskreis Schinkels gehörte, konnte der zur damaligen Zeit wohl bekannteste deutsche Architekt Karl Friedrich Schinkel für die Planung gewonnen werden. Im November 1826 übersandte er aus Berlin seinen Entwurf und empfahl für die Bauausführung A. Brix. Der Grundstein wurde dann am 2. Mai 1828 gelegt, nach dem zuvor im April das alte Gebäude abgerissen worden war. Eine Verwendung der Grundmauern des Vorgängergebäudes erfolgte nicht. Die alte Kirche war nach Osten ausgerichtet, der Neubau in nordöstlicher Richtung. Die Bauleitung übernahm, ebenfalls auf Empfehlung Schinkels, Baukondukteur Reichhard.

Zeichnung der Kirche um 1832
Zeichnung der Kirche um 1832

Für den Bau der Kirche waren 24.000 Taler veranschlagt. Dies stellte zwar bereits eine deutliche Überschreitung des für Dorfkirchen üblichen Budgets dar, erwies sich aber trotzdem als zu knapp. Nach einer preußischen Staatsorder durften Dorfkirchen an sich nicht mehr als 8.000 Taler kosten. Schinkel argumentierte gegen die vorgetragenen Einsparungsforderungen, dass Kirchenbauten für mehr als 1.000 Plätze Kosten in Höhe von zumindest 20.000 bis 24.000 Taler umfassen müssten, soweit sie nicht Schuppen oder Scheunen ähnlich werden sollten. Aufgrund der knappen Mittel kam es zu einer schlichten Bauausführung, wobei jedoch die künstlerischen Ansprüche Schinkels gewahrt blieben. Letztendlich kostete der Bau 30.000 Taler. 2.000 Taler stammten hierbei aus einen Zuschuss Friedrich Wilhelm III.

Eingang
Eingang

1830 wurde der schwer erkrankte Reichard von der Bauleitung entbunden. Nachfolger wurde Robeinsky, der vor allem eine schlichte Innenausstattung umsetzte. Die Ehefrau des Freiherrn von Houwald stiftete die Bekleidung von Altar, Taufe, Kanzel und auch der Logen. Farblich wurde der Innenraum von den Farben Weiß und Grau dominiert.

Das Richtfest wurde im Frühjahr 1831 gefeiert. Im August des Jahres erhielten die beiden Türme ihre eisernen Kreuze. Die Einweihung erfolgte dann mit einem Festgottesdienst am 5. August 1832.

[Bearbeiten] Renovierungen

Zum 75. Jahrestag der Kirche im Jahr 1907 erfolgte eine Restaurierung des Altarraums, sowie eine neue farbliche Gestaltung durch den Kirchenmaler Sandfort aus Berlin-Charlottenburg. Sandfort brachte am Hauptgesims Spruchbänder an und nutzte statt Weiß und Grau, auch Rot und Grün.

1932 wurden an der Fassade und den Türmen Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Im 2. Weltkrieg erlitt das Gebäude am Dach und im Chor Schäden, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst nur notdürftig ausgebessert wurden. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurden die Beschädigungen an der Raumdecke und dem Dach beseitigt. 1963 restaurierte A. Geisler aus Freital (Sachsen) die Bemalung der Altarapsis. Zugleich wurde der Innenraum farblich neu gestaltet. Soweit bekannt richtete man sich nach den historischen Ausführungen. Für die Decke kam jedoch, die historische Gestaltung war unbekannt, pompejanisches Rot zur Verwendung.

Der zunehmend schlechtere Zustand des Gebäudes machte jedoch in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, nach dem Ende der DDR, eine generelle Instandsetzung erforderlich. Auch die farbliche Gestaltung des Innenraums lehnte sich wieder an die historischen Vorbilder an. Für das Kirchenschiff kamen Grün, Rot und Weiß zur Anwendung. Der Choirraum wird von Goldocker, Weiß, Grün und Blau dominiert.

[Bearbeiten] Literatur

  • Hans-Joachim Beeskow, Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreises Lübben, Lübben 1998, ISBN 3-929600-14-5; Seite 211 ff.
  • Verena Friedrich, Die Dorfkirche zu Straupitz, Passau 1994, ISBN 3-930102-27-7

Koordinaten: 51,91105° N, 14,12055° O

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