Frittenporzellan
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Frittenporzellan (frz.: pâte tendre) ist ein "unechtes" Porzellan, das im 18. Jahrhundert vorwiegend in den französischen Porzellanmanufakturen hergestellt wurde. Es wird zu Unrecht öfter dem Weichporzellan zugerechnet, weil es keinen Kaolin - einen unabdingbaren Grundstoff des echten Porzellans - enthält. Die berühmteste Frittenporzellan-Manufaktur ist die königliche Porzellanmanufaktur in Sèvres.
Die Herstellung von Frittenporzellan ist langwierig und kompliziert, daher war es erheblich teuerer als das "echte" Porzellan. Zunächst wurden Quarzsand, Salpeter, Kochsalz, Soda, Alaun und Kalk (in Form von Alabaster oder Gips) vermischt und gebrannt, bis ein glasiger Stoff - die Fritte - entstand. Dieser Stoff wurde zerbrochen und zermahlen, um dann mit kreide- oder gipshaltigem Mergel im 3:1-Verhältniss vermischt zu werden. Der Mischung wurde auch grüne Seife beigetan, um die Formbarkeit der Masse zu erhöhen. Nach einem aufwändigen Freisetzen von Luftblasen durch Kneten und Walzen, wurde die Masse geformt, glasiert und zum Endprodukt gebrannt.
Frittenporzellan ist empfindlicher für Temperaturschwankungen und stoßempfindicher. Die Glasur ist zugleich weicher und kann beispielsweise mit Eßbesteck beschädigt werden. Allerdings hat sie auch eine höhere Lichtbrechung, was die Leuchtkraft der Farben erhöht. Obendrein wird Frittenporzellan bei niedrigeren Temperaturen gebrannt, wodurch eine größere Farbpalette einsetzbar ist. Da es beim Brennen weicher, "flüssiger" wird, konnten darin keine allzu komplizierten Figuren realisiert werden.
Frittenporzellan wurde in Sèvres erst 1887 von der "pâte nouvelle" - einer neuen, kaolinhaltigen Rezeptur - abgelöst.
[Bearbeiten] Literatur
- Gustav Weiß: Ullstein Porzellanbuch. Eine Stilkunde und Technikgeschichte des Porzellans mit Markenverzeichnis. Ullstein, Frankfurt/M. 1964
- Sven Frotscher: dtv - Atlas Keramik und Porzellan. dtv Verlag 2003. ISBN 3423032588