Infanteriekaserne Eschweiler
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Die Infanteriekaserne Eschweiler ist eine ehemalige Kaserne in der Stadtmitte von Eschweiler im nordrhein-westfälischen Kreis Aachen. Die Gebäude entlang der Gartenstraße und Preyerstraße werden heute von Firmen, dem Städtischen Gymnasium Eschweiler und der Polizei genutzt.
Die heutige Preyerstraße hieß bis 1955 Kasernenstraße, zeitweise Hindenburgstraße, und im 19. Jahrhundert Lohner Straße.
[Bearbeiten] Geschichte
Von 1907 an bemüht sich der Eschweiler Stadtrat und besonders Bürgermeister Ludwig Carbyn, Eschweiler zu einer Garnisonsstadt werden zu lassen. Carbyns Nachfolger, Dr. jur. Carl Hettlage setzt nach dessen Tod 1910 die Bemühungen fort. Das Berliner Kriegsministerium erwählt Eschweiler schließlich zum Standort eines Infanteriebataillons, teilt dies der Stadtverwaltung am 14. September 1912 mit, und die Kasernenbauten entstehen von 1913 bis 1914 auf dem ehemaligen Stürtz'schen Grundstück an der „Komm“ heute Ecke Gartenstraße / Preyerstraße auf einer Fläche von 3½ Hektar unter der Leitung von Stadtbaumeister Geis. Am 12. April 1913 ist Grundsteinlegung und am 3. November Richtfest. Die bebaute Fläche beträgt 6.713 Quadratmeter. Das Offizierskasino steht 200 bis 300 Meter entfernt an der Ecke Gartenstraße / Parkstraße. Gleichzeitig wird im Eschweiler St.-Antonius-Hospital ein Lazarett gebaut.
Die Mannschaftshäuser liegen zur Gartenstraße, und das Stabsgebäude, Beamtenhaus, Unteroffiziersfamilienhaus und Kammergebäude liegen zur heutigen Preyerstraße.
Am 1. Juli 1914 ziehen vier Kompanien des II. Bataillons des Infanterieregiments 161 (10. Rheinisches) aus Trier mit einer Stärke von 722 Mann am Nachmittag ein. Schon kurz darauf, um Mitternacht vom 5. auf den 6. August 1914, müssen die Soldaten an die Front, da der Erste Weltkrieg begonnen hat.
Nach dem Ersten Weltkrieg wird das Rheinland entmilitarisiert und von aliierten Truppen besetzt. Am 16. November 1918, fünf Tage nach Unterzeichnung des Waffenstillstands, wird das Infanterieregiment 240 in der Kaserne feierlich empfangen, und am 24. November zieht die Eschweiler Garnison ab. Die Eschweiler Kaserne wird am 5. Dezember 1918 vom 169. Französischen Infanterieregiment belegt. Es wird im Juni 1919 von belgischen Truppen abgelöst. Als am 5. November 1929 die letzten Besatzungstruppen Eschweiler verlassen, kommt es zu einer großen Befreiungsfeier mit Freudenfeuern rings um die Stadt.
Von November 1919 bis August 1921 sind in Eschweiler die so genannten „Marokkaner“ stationiert, das 1er Régiment Mixte des Zouaves et Tirailleurs. Von Soldaten dieses Regiments werden am 2. Juni 1920 in der Nähe des Eschweiler Hauptbahnhofs der Fabrikarbeiter Jakob Koch und der ihm zu Hilfe eilende Polizeiwachtmeister Karl Schmitz erschossen. Die Todesschützen werden am 13. Oktober von einem französischen Kriegsgericht freigesprochen.
Als am 16. Oktober 1923 Separatisten in Eschweiler die Fahne der Rheinischen Republik hissen, herrscht für zwei Wochen in der Stadt der Ausnahmezustand. Am 2. November weist die belgische Besatzungsmacht die Putschisten aus.
Das Offizierskasino wird nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen und an seiner Stelle Wohngebäude für Militärbedienstete der Bundeswehr errichtet.
[Bearbeiten] Siehe auch
Weitere Kasernen auf Eschweiler Stadtgebiet sind die Donnerbergkaserne der Bundeswehr und das ehemalige Camp Astrid der belgischen Streitkräfte.
[Bearbeiten] Literatur
- Eschweiler in alten Ansichten (Hrsg. Eschweiler Geschichtsverein), 1979, S. 28 - 29 <ISBN 90-288-2944-X>
- Eschweiler in alten Ansichten, Band 2, (Hrsg. Eschweiler Geschichtsverein), 1999, S. 20 - 22 <ISBN 90-288-6572-1>