Kibya-Massaker
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Das Massaker von Kibya (auch Qibya, Qibieh oder Qibye geschrieben) (auch "Qibya-Überfall" oder "Qibya-Operation") fand am 14./15. Oktober 1953 statt. Im Rahmen einer Vergeltungsaktion zerstörten Eliteeinheitenen der israelischen Armee im damals jordanischen Dorf Kibya fast 50 Gebäude. Dabei kamen auch 69 palästinensische Araber ums Leben. Die Operation führte zwar zu einem drastischen Rückgang palästinensischer Angriffe auf Israel, wurde jedoch auch international heftig kritisiert.
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[Bearbeiten] Ursachen
Der Angriff resultierte aus der Reihe der Grenzübergriffe, die fast sofort nach dem Unterzeichnen des Waffenstillstands 1949 angefangen hatten. Israel wurde mit einer Welle der palästinensischen Infiltration konfrontiert, wobei die jordanische Seite nicht Willens war, dem Einhalt zu gebieten. 1951 wurden 137 Israelis, meistens Zivilisten, von solchen Eindringlingen getötet. Im folgenden Jahr lag die Opferzahl bei 162. 1953 wurden 160 Israelis getötet.
Am 12. Oktober 1953 wurden in einem Überfall von jordanischen Eindringlingen eine unbewaffnete jüdische Mutter und ihre zwei Kindern in der israelischen Stadt von Yehud getötet. Die israelische Regierung entschied, einen Vergeltungsschlag gegen das Dorf Kibya in der damals von Jordanien annektierten West Bank nahe der Grenze zu Israel durchzuführen. Der Auftrag wurde vom Verteidigungsminister Pinhas Lavon in Abstimmung mit dem Premierminister David Ben-Gurion erteilt. Der israelische Kabinett war nicht informiert gewesen und anscheinend wurde Außenminister Moshe Sharett einigen Quellen zufolge auch nicht über den Operation informiert. Am 13. Oktober verurteilte der jordanische Repräsentant bei der Sitzung der MAC (Gemischten Waffenstillstandskommission) den Angriff auf Yahud und versprach Israel volle Mitarbeit bei der Fahndung nach den Mördern. Jordanien bat Israel Vergeltung zu nehmen (die Iron Wall, Avi Shlaim, S. 90-93). Sharett sagte später, dass "der Kommandant der Arabischen Legion, Glubb Pasha, um Polizei-Bloodhounds gebeten hatte, von Israel herüber zu schicken, um die Yahud-Attentäter aufzuspüren" (Jerusalem Post, 31. Oktober 1965).
[Bearbeiten] Verlauf
Der Angriff auf das Kibya begann am Abend des 14. Oktober 1953 mit Artilleriefeuer, bis Ariel Sharons Einheit 101 den Dorfrand erreichte. Eine Kompanie Fallschirmjäger unter dem Befehl von Aharon Davidi sicherte Sharons Flanken. Landminen wurden auf den Straßen verlegt, um ein Eingreifen jordanischer Truppen in den Kampf zu verhindern. Als der jordanische Widerstand gebrochen war, wurden die etwa 2700 Bewohner des Ortes von den Männern Sharons ausdrücklich dazu aufgefordert, das Dorf zu verlassen. Der Aufforderung wurde augenscheinlich Folge geleistet. Danach brachten israelische Soldaten bei vielen Häuser Sprengstoff an und jagten sie in die Luft. Zum Beginn der Morgendämmerung galt die Operation als abgeschlossen und die israelischen Truppen kehrten zurück.
45 Häuser der Dorfbewohner, sowie die Moschee, die Schule und der Wasservorratsbehälter waren zerstört worden. 69 Menschen waren der Aufforderung zur Flucht nicht gefolgt und kamen in ihren Häusern um, rund zwei Drittel von ihnen Frauen und Kinder.
Die israelische Regierung behauptete zunächst, dass die Tötungen von jüdischen Zivilisten begangen worden waren, die nahe der Grenze lebten, gab aber später zu, dass militärische Kräfte die Aktion durchgeführt hatten.
Die IDF behauptet, dass der eigentlich Plan gewesen war, den Kräften der Arabischen Legion in der Gegend einen Hinterhalt zu legen, indem sie zum Anlocken einige Häuser zerstörte. Die ursprünglichen Befehle, die der israelische Generalstab gegeben hatte, waren verhältnismäßig begrenzt. Sie wiesen die Truppen an "führen Sie einen Angriff... mit dem Ziel der temporären Besetzung und der Demolierung der Häuser und die Schädigung der Bewohner" durch. Allerdings änderte sich die Order auf dem Weg die Befehlskette hinunter, bevor sie die Kommandanten der Einheiten erreichte, "maximale Tötung" zu verlangen.[1]
Ariel Sharon schrieb später in seinem Tagebuch, dass er Aufträge erhalten hatte, den Einwohnern von Kibya schwere Schäden zuzufügen: "die Aufträge waren äußerst klar: Kibya sollte ein Beispiel für Alle sein". Sharon sagte, dass er gedacht hatte, die Häuser seien leer gewesen und dass die Einheiten alle Häuser überprüft hatten, bevor sie den Sprengstoffe zur Detonation brachte. In seiner Autobiographie Warrior (1987) schrieb er:
"Ich konnte meinen Ohren nicht glauben. Während ich über jeden Schritt der Operation ging, fing ich an zu verstehen, was geschehen sein muss. Über Jahre hinweg hatten israelische Vergeltungsüberfälle nie so erfolgt, mehr als einige nebensächliche Gebäude hochzujagen, wenn überhaupt. Dasselbe erwartend, müssen einige arabische Familien in ihren Häusern geblieben sein, anstatt während der Operation wegzugehen. In jenen großen Steinhäusern [...] konnten sich einige in den Kellern und in den Hinterzimmern leicht versteckt und stillgehalten haben, als die Fallschirmjäger zur Überprüfung hineingingen und eine Warnung brüllten. Das Resultat war diese Tragödie, die geschehen war."
Benny Morris drückt Zweifel an dieser Behauptung, anbetracht der Natur der Befehle, welche die Einheit 101 empfangen hatte. Er weist auch auf die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten, die UN und Berichte der Arabischen Legion zeigten, dass Dorfbewohner getötet wurden, bevor die Demolierung der Häuser anfing. Der U.N. Beobachter, der den Schauplatz überprüfte, Hauptgeneral Vagn Bennike, Stabschef der UN Truce Supervision Organisation (die den Schauplatz am nächsten Tag besichtigte), sagte: "eine Geschichte wiederholte sich oft: die von Gewehrkugeln zersplitterte Tür, die über der Schwelle ausgebreitete Leiche zeigte an, dass die Einwohner durch schweres Feuer gezwungen worden waren, drinnen zu bleiben, bis ihre Häuser über ihnen gesprengt waren."
[Bearbeiten] Folgen
Am 18. Oktober 1953 gab das Außenministerium der Vereinigten Staaten ein Bulletin heraus, die den Kibya-Überfall verurteilt und verlangt, dass die Verantwortlichen "zur Verantwortung gebracht werden". Anfänglich wurde die israelische Öffentlichkeit vom Angriff nicht unterrichtet.
Am 19. Oktober behauptete Ben-Gurion, dass der Überfall von israelischen Zivilisten durchgeführt worden war. "Nichts bedauert die Regierung von Israel mehr, wenn... unschuldiges Blut verschüttet wurde... Die Regierung von Israel weist mit aller Stärke die absurde und fantastische Behauptung zurück, dass 600 Männer des IDF an der Handlung teilnahmen... Wir haben eine Untersuchungkommission eingesetzt und es ist über alle Zweifel hinaus klar, dass nicht eine einzig Armeeeinheit während der Nacht des Angriffs auf Kibya von ihrem Stützpunkt abwesend war." (Aussage durch Premierminister David Ben-Gurion, ISA FM 2435/5)
Der Angriff hatte weitreichende Konsequenzen. Er wurde weit kritisiert, nicht nur von der internationalen Gemeinschaft, aber auch von vielen Israelis selbst. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte Israel in einer Resolution vom 24. November und die Vereinigten Staaten suspendierten die Wirtschaftshilfen für Israel vorübergehend. Viele Moslems sehen den Überfall als Terrorakt.
Ariel Sharon schrieb in seiner Autobiographie, obgleich die zivilen Opfer bedauerlich waren, dass nach der Kibya-Operation "es jetzt klar war, dass israelische Kräfte wieder fähig war, Ziele weit hinter feindlichen Linien zu finden und zu treffen." Nach dem Angriff wurden die Kräfte der Arabischen Legion auf dem Grenzabschnitt bei Qibya verteilt, um weitere Eindringlinge zu stoppen und weitere israelische Einfälle zu verhindern. Alles in allem ergab sich eine kurzfristige Verringerung der Einfälle entlang der Grenze.
Nach dem Angriff nahm die israelische Regierung von direkten Vergeltungsaktionen gegen die feindliche Zivilbevölkerung Abstand und unterstellte Sharons bisher unabhängige Einheit 101 den Fallschirmjägern.
[Bearbeiten] Weblinks
- UNO Sicherheitsrat: Resolution zur Qibya-Operation, Text von der jüdischen virtuellen Bibliothek und PDF-Bild von den Vereinten Nationen
- S/636/Rev.1 16. November 1953
[Bearbeiten] Quellen
- [Morris] Benny Morris, Righteous Victims, S. 278
- [Lexikon] Ze'ev Shchiff, Israel Army Lexicon