Kinder auf der Landstraße
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kinder auf der Landstraße ist eine Erzählung von Franz Kafka, die 1913 im Rahmen des Sammelbandes Betrachtung erschien.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Inhalt
Ein kindlicher Erzähler wird an einem Sommerabend von einer Schar anderer Kinder aus dem Haus seiner Eltern abgeholt. Obwohl er müde ist, reiht er sich ein und beteiligt sich an ihren ausgelassenen Spielen im Naturgelände. Als endgültig die Nacht hereinbricht, laufen die Kinder zurück ins Dorf. Der Erzähler aber verabschiedet sich von seinen Kameraden und läuft alleine wieder in den Wald zurück. Sein Ziel ist die ferne Stadt, von der es heißt, dass dort die Narren wohnen, die nicht schlafen.
[Bearbeiten] Eine Deutung
Ungewöhnlich für Kafka ist das Eingebundensein des Erzählers in eine Gemeinschaft von Freunden. Sprache und Agieren dieses Freundeskreises ist geprägt von Naivität und Optimismus. Immer wieder wird mit dem Wort "Kommt!" die Gemeinsamkeit beschworen. Aber der Erzähler unterscheidet sich latent von den anderen. Bezeichnenderweise verwendet er ein für die Freunde unverständliches Wort, nämlich "Gnaden", ein abstraktes Wort also. Die anderen äußern sich ausschließlich in ganz konkreten Aufforderungen.
Obwohl er die gemeinsamen Aktivitäten zu genießen scheint, bringt der Erzähler mehrfach seine Müdigkeit zum Ausdruck. Man könnte meinen, dass er der kindlichen Spiele müde ist, ohne es selbst recht zu wissen. Sein Satz: "Wenn man seine Stimme unter andere mischt, ist man wie mit einem Angelhaken gefangen" zeigt, dass er die Gemeinschaft als einengend empfindet. Als die Kinderschar zum Dorf zurückgeht, wirkt er wie elektrisiert. Er verabschiedet sich euphorisch mit Kuss und Handschlag von den anderen und macht sich schleunigst allein auf den Weg in die Stadt zu den schlaflosen Narren. Die Narren sind ein Symbol für Wesen mit aufregender Andersartigkeit. Es scheint, dass der junge Erzähler ihre Nähe sucht, weil er sich selbst heimlich ihnen mehr zurechnet als der vertrauten Kinderschar.
Die Narren sind vergleichbar den Niemanden aus Der Ausflug ins Gebirge. Man begegnet hier der in frühen Kafka-Werken häufiger auftauchenden Ambivalenz von zwischenmenschlicher Nähe und Abgrenzung, von Zugehörigkeit und Entfremdung.
[Bearbeiten] Quellen
- Franz Kafka: Sämtliche Erzählungen. Hrsg.: Paul Raabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main und Hamburg 1970, ISBN 3-596-21078-X.
[Bearbeiten] Sekundärliteratur
- Peter-Andre Alt: Franz Kafka: Der ewige Sohn. Verlag C.H. Beck München 2005, ISBN 3-406-53441-4
[Bearbeiten] Weblinks
- Text der Erzählung Kinder auf der Landstraße
Kinder auf der Landstraße | Entlarvung eines Bauernfängers | Der plötzliche Spaziergang | Entschlüsse | Der Ausflug ins Gebirge | Das Unglück des Junggesellen | Der Kaufmann | Zerstreutes Hinausschaun | Der Nachhauseweg | Der Vorüberlaufenden | Der Fahrgast | Kleider | Die Abweisung | Zum Nachdenken für Herrenreiter | Das Gassenfenster | Wunsch, Indianer zu werden
Die Bäume | Unglücklichsein