Kroatien-Krieg
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Kroatien-Krieg | |||||||||||||||||
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Beginn | März 1991 | ||||||||||||||||
Ende | 7. August 1995 (letzte Kampfhandlungen) | ||||||||||||||||
Ergebnis | Wiedereingliederung der so genannten „Krajina“ in kroatisches Staatsgebiet | ||||||||||||||||
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Verwandte Links |
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Jugoslawienkriege Bosnienkrieg Geschichte Kroatiens seit 1990 Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens |
Im Kroatien-Krieg (1991 - 1995) kämpfte die kroatische Armee gegen die Armee der Republik Serbische Krajina (RSK), welche von der Jugoslawische Volksarmee (JNA) unterstützt wurde.
Über 90% der kroatischen Bevölkerung, die an einem entsprechenden Referendum teilnahm, sprach sich für eine Loslösung von Jugoslawien aus. Dieses Referendum wurde unter anderem von den serbischstämmigen Bürgern boykottiert, die für einen Verbleib in Jugoslawien waren. Nach dem Referendum strebten Teile der Serben, die mit der neuen Verfassung Kroatiens vom zweiten Staatsvolk zu einer nationalen Minderheit degradiert wurden, nach einer Loslösung von Kroatien und einem Verbleib in Jugoslawien.
Nach sich häufenden gewalttätigen Zusammenstößen versuchte die JNA zunächst, das gesamte kroatische Gebiet unter ihre Kontrolle zu bekommen, scheiterte jedoch an der kroatischen Gegenwehr. Daraufhin beschränkten sich die Kampfhandlungen auf das Gebiet der RSK in der mehrheitlich Serben wohnten.
Letztendlich konnte sich die kroatische Armee durch einen militärischen Sieg durchsetzen und das Gebiet der ehemaligen RSK ist Teil Kroatiens.
Vorgeschichte
Allgemeine Lage
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Mit dem Zerfall der kommunistischen Systeme in Ost- und Südosteuropa bzw. dem Sturz der kommunistischen Regime (in der DDR 1989, Polen 1989, Tschechoslowakei 1989, Ungarn 1989, Bulgarien 1990, Rumänien 1989, Ungarn 1989 und letztlich ab 1990 in der UdSSR selbst) und der Demokratisierung in diesen ehemals kommunistischen Ländern, war zu Beginn der 1990er Jahre die „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“ neben Albanien, das letzte Land in Europa, unter kommunistischer Führung. Die beiden nördlichen Teilrepubliken Jugoslawiens, Slowenien und Kroatien, drängten zum einen unter dem Eindruck der beschriebenen Demokratisierungen in Osteuropa zu Reformen des Jugoslawischen Staatenverbundes. Zum anderen verstärkten sich nach dem Tod des langjährigen Staatsoberhauptes Josip Broz Tito aus der Sicht Kroatiens und Sloweniens die serbischen Hegemonialbestrebungen in den 1980er Jahren.
Rolle der Jugoslawische Volksarmee
Dies wurde vor allem in der Politik und den Äußerungen des seit 1987 amtierenden Chefs der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, Slobodan Milošević deutlich. Schon bisher waren die Polizei sowie ein großer Teil der Verwaltung auch in den Republiken serbisch dominiert, vor allem aber traf dies auf die Jugoslawische Volksarmee (JNA) zu. Die „JNA“ selbst wiederum sah sich auch in dieser Zeit des Europäischen Umbruchs noch uneingeschränkt in der Tradition der kommunistischen Tito-Partisanen und somit als Befreier Jugoslawiens von faschistischer Herrschaft. Dies alles sollte in den folgenden Jahren der kriegerischen Auseinandersetzungen noch eine große Rolle spielen.
Erste freie Wahlen seit 1945
Slowenien und Kroatien bildeten Ende der 1980er Jahre die wirtschaftlich stärksten Teilrepubliken eines sich wirtschaftlich in katastrophalem Zustand befindlichen Jugoslawischen Staatshaushalts: Slowenien vor allem durch seine Industrie, Kroatien durch den Adria-Tourismus. Auch im Bewusstsein dieser wirtschaftlichen Bedeutung forderten Slowenien und Kroatien eine Reformierung der Jugoslawischen Föderation und eine Gleichstellung der Republiken, gerade was die finanziellen Ausgleichszahlungen zwischen den Republiken und dem Zentralstaat anbelangte. 1990 gingen aus den ersten freien Wahlen nach 1945 in Slowenien und Kroatien die Befürworter einer Reform des Jugoslawischen Staatsverbundes, in Serbien und Montenegro hingegen die Kommunisten und somit die Befürworter eines weiterhin zentralistischen Systems als Sieger hervor. Wobei in Slowenien mit Milan Kucan zwar auch ein ehemaliger Kommunist gesiegt hatte, sich dieser aber klar zu einen Reformkurs bekannt hatte. In Kroatien war Franjo Tudjman mit seiner neu gegründeten HDZ (Kroatische Demokratische Partei) der Sieger dieser Wahlen. Beide Wahlsieger fühlten sich nunmehr durch die Legitimation ihrer Landsleute in Ihren Forderungen nach Reform der jugoslwaischen Föderation bestärkt und beide – Slowenien und Kroatien – brachten nun auch verstärkt die Option einer Unabhängigkeit der beiden Republiken ins Spiel, für den Fall, dass ihre Reformbemühungen scheitern sollten.
Amt des Staatspräsidenten
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Nach monatelegangem Kräftemessen und Ringen um Reformen der Föderation, das vor allem im Gremium des jugoslawischen Staatspräsidiums ausgetragen wurde, eskalierte die Situation, nachdem im Mai 1991 eine an sich turnusmäßige Übernahme des Vorsitzes durch den Kroaten Stjepan Mesić (HDZ) am Widerstand Serbiens und Montenegros scheiterte. Für Kroatien aber auch für Slowenien war dies nun der endgültige Beleg dafür, dass die beharrenden kommunistischen Kräfte in Belgrad an keiner echten Reform interessiert waren und die gemeinsamen Regeln der Föderation verletzten .
Unabhängigkeit Sloweniens
Nur wenige Wochen nach diesem Ereignis erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit vom Jugoslawischen Staatsverbund. Kurz darauf – Ende Juni 1991 - begann in Slowenien die kriegerische Auseinandersetzung zwischen der slowenischen Territorialverteidigung, welche nach der Unabhängigkeit auch die slowenischen Grenzübergänge übernommen hatte, und der Jugoslawischen Volksarmee (JNA), die ihre Befehle aus Belgrad erhielt. Die Kampfhandlungen konzentrierten sich auf einzelne Grenzübergänge (z.B. nach Österreich), auf wichtige Verkehrsknoten und auf Kasernen der JNA. Die Slowenen forderten den Abzug der JNA aus Slowenien, unter Zurücklassung ihrer schweren Ausrüstung, da diese nun slowenisches Eigentum bzw. der rechtmäßige slowenische Anteil der bisherigen Jugoslawischen Föderation sei. Überrascht von der slowenischen Abwehrkraft und unter internationaler Vermittlung, konnte nach wenigen Tagen ein Waffenstillstand ausgehandelt werden. Slowenien, aber auch die zweite nunmehr unabhängige Republik Kroatien, verpflichteten sich darin unter anderem ihre jeweilige Unabhängigkeit für einige Monate auszusetzen, sowie die Waffen ihrer neu gegründeten Territorialstreitkräfte an die JNA zu übergeben.
Unabhängigkeit Kroatiens

Belgrad, das im wesentlichen durch die JNA direkt in dem Konflikt involviert war, sah in diesen Territorialstreitkräften nicht legitimierte, Paramilitärische Kräfte auf Jugoslawischem Territorium, was juristisch auch durch die Nichtanerkennung der Unahhängigkeit der beiden Republiken gerechtfertigt wurde. Sowohl die Territorialkräfte Sloweniens als auch Kroatiens übergaben, nach eigenen Angaben zum wesentlichen Teil, im Sommer 1991 ihre meist leichten Waffen an die Jugoslawische Volksarmee. Vor allem für Kroatien sollte sich dies in den nächsten Monaten als entscheidender Nachteil erweisen. Major Veljko Kadijević, maßgeblicher Belgrader Militär der JNA, sprach Jahre später in einer BBC-Dokumentation (deutsch „Bruderkrieg“) offen darüber, daß das eigentliche Hauptaugenmerk Belgrads damals bereits auf Kroatien lag. Die Serben hätten schlicht keine nationalen Interessen in Slowenien gehabt bzw. ein offener Krieg gegen ein nach Unabhängigkeit strebendes Slowenien sei auf Dauer vor der internationalen Staatengemeinschaft schwer zu rechtfertigen gewesen, ganz im Gegensatz zu Kroatien. Aus heutiger Sicht scheint erwiesen, daß der rasche Rückzug der JNA aus Slowenien, und damit die faktische Aufgabe der Integrität der Jugoslawischen Föderation durch Belgrad, vor allem dem Zweck diente, die Kräfte in einem bereits geplanten Krieg gegen ein nach Unabhängigkeit strebendes Kroatien zu konzentrieren.
Zusätzliche kriegsauslösende Faktoren
Die serbische Minderheit in Kroatien wurde durch nationalistische Parolen im Wahlkampf 1990 einerseits seitens der Serbischen Demokratischen Partei (SDS) radikalisiert, andererseits von Seiten der Kroatischen Demokratischen Union (HDZ) verunsichert und nach deren Wahlsieg auch zunehmend ausgegrenzt (siehe hierzu den Artikel Krajina-Serben).
So hatte die serbische Bevölkerung nach der überarbeiteten Verfassung vom Dezember 1990 nicht mehr die Stellung des zweiten Staatsvolkes der damals noch jugoslawischen Teilrepublik, sondern die einer nationalen Minderheit und wurden somit den übrigen Minderheiten im Land gleichgestellt. Die serbische Bevölkerung stellte 1990 etwa 12% der Gesamtbevölkerung Kroatiens.
Ethnische Verteilung vor Ausbruch des Krieges
Laut Ergebnis der Volkszählung vom Frühjahr 1991 lebten auf dem Gebiet der späteren Republik Serbische Krajina (RSK) insgesamt etwa 470.000 Menschen, davon 246.000 (59,7%) Serben, 168.000 (30,2%) Kroaten und 56.000 (10,1%) Angehörige anderer Nationalitäten, wobei in den einzelnen später zur RSK gehörenden Landesteilen die jeweilige regionale Bevölkerungsverteilung (auf 100 gerundet) wie folgt war:
Serben | Kroaten | andere | gesamt | |
---|---|---|---|---|
spätere RSK gesamt | 245.800 (59,7%) | 168.000 (30,2%) | 55.900 (10,1%) | 469.700 |
Krajina im engeren Sinne | 170.100 (67%) | 70.700 (28%) | 13.100 (5%) | 253.900 |
Teile Westslawoniens | 14.200 (60%) | 6.900 (29%) | 2.600 (11%) | 23.700 |
Teile Ostslawoniens | 61.500 (32%) | 90.500 (47%) | 40.200 (21%) | 192.200 |
Quelle für die Zahlen: ITCY, Anklage gegen Slobodan Milošević, Absatz 69
Kriegsvorbereitungen
Quelle: Bericht des UN-Sicherheitsrates 1994
Eine Reihe von Anzeichen deutet darauf hin, dass die politische und militärische Führung des ehemaligen Jugoslawien die Vorbereitungen für ein militärisches Eingreifen in Kroatien im Jahr 1990 getroffen haben soll:
- Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt. Lediglich die kroatische Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Zudem erhöhte die JNA ihre Truppenstärke in Kroatien bereits in diesem Jahr. Im weiteren Verlauf soll sie lokale serbische Einheiten mit Waffen ausgestattet und Pläne für psychologische Kriegsführung, Provokationen und ethnische Säuberungen vorbereitet haben.
- Zwischen August 1990 und April 1991 haben laut Bericht des UN-Sicherheitsrates[1] „Vorkommnisse mit Bomben und Minen, sowie Angriffe auf kroatische Polizeikräfte" zu regelmäßigen Zusammenstößen zwischen kroatischen Einheiten und serbischen paramilitärischen Kräften geführt. In diesem Bericht wird allerdings die Formulierung „was reported" (=wurde berichtet) benutzt, er beruft sich in diesem Abschnitt teilweise auf unbestätigte Zeitungsberichte.
- Am 9. April 1991 verfügte der kroatische Präsident Franjo Tuđman die Sonderpolizeieinheiten zukünftig als “Zbor Narodne Garde” ("Volksgarde") zu bezeichnen. Dies war faktisch der erste Schritt zur Schaffung der kroatischen Armee.
Direkter Auslöser des Krieges
Am 19. Mai 1991 fand in Kroatien ein Referendum über die Unabhängigkeit von der Sozialistischen BR Jugoslawien statt. Lokale Serbenführer wie beispielsweise Jovan Rašković, Milan Babić und Milan Martić von der Serbischen Demokratischen Partei und der Serbischen Radikalen Partei riefen jedoch in einigen Teilen Kroatiens zum Boykott des Referendums auf.
Ein Ergebnis von über 55 Prozent der Stimmen hätte zu einem erfolgreichen Referendum gereicht. Als Ergebnis des Referendums sprachen sich 94,7 Prozent der Wähler für die staatliche Unabhängigkeit Kroatiens aus. Infolgedessen erklärte die kroatische Regierung am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien. Die Europäische Kommission bat jedoch die kroatische Regierung die Unabhängigkeitserklärung für drei Monate auszusetzen.
Kriegsverlauf
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Kriegstaktik der Jugoslawischen Volksarmee
Die Einsätze der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) in Kroatien sollten in drei Phasen verlaufen:
- Brücken über größere Flüsse wurden eingenommen und kroatische Polizeieinheiten „neutralisiert“.
- Die JNA versuchte die Verkehrsverbindungen zwischen der Hauptstadt Zagreb und den Kriegsgebieten zu unterbrechen.
- In den Gebieten, die unter serbischer Kontrolle standen, wurden ethnische Säuberungen an Kroaten und anderen Nicht-Serben durchgeführt.
Erste massive Kampfhandlungen 1991
Im August 1991 kontrollierten serbische Freischärler vor allem aufgrund der waffentechnischen Überlegenheit etwa ein Drittel des kroatischen Staatsgebietes. Sie proklamierten am 19. Dezember 1991 die unabhängige Republik Serbische Krajina. Diese wurde international nie anerkannt.
Die militärische Strategie der JNA beinhaltete größtenteils einen intensiven Artillerie- und Mörserbeschuss. Die Städte Dubrovnik, Šibenik, Zadar, Karlovac, Sisak, Slavonski Brod, Osijek, Vinkovci und Vukovar wurden von serbischen Streitkräften und Paramilitärs angegriffen.
Am 7. Oktober 1991 feuerte ein Kampfflugzeug der JNA eine Luft-Boden-Rakete in das Zagreber Regierungsgebäude, in dem sich Präsident Tuđman und weitere Regierungsmitglieder befanden. Bei diesem Anschlag wurde niemand ernsthaft verletzt. Am folgenden Tag brach das kroatische Parlament (Sabor) sämtliche staatsrechtlichen Verbindungen mit Jugoslawien ab. Daher wird seitdem am 8. Oktober in Kroatien der Unabhängigkeitstag gefeiert.
In der Grenzstadt Vukovar kam es im Herbst 1991 zur Schlacht um Vukovar, bei der der größte Teil der Stadt verwüstet wurde und der Großteil der Zivilbevölkerung vertrieben wurde. Die Stadt wurde im November 1991 von serbischen Truppen erobert.
Größenordnung der Auseinandersetzung
Während des Krieges in Kroatien kämpften bis zu 12.000 serbische Freischärler in Kroatien [2]. Im Oktober 1991 sollen annähernd 200.000 Gebäude, 50 Brücken, 100 Flussboote, tausende Privat-PKWs, über 200 katholische Kirchen, 500 Kulturdenkmäler, 20 Schulen und 250 Postämter zerstört worden sein.
Nahezu 30 Prozent Kroatiens geriet unter die Kontrolle serbischer Aufständischer. Im Jahr 1991 wurden 170.000 Kroaten aus diesen Gebieten vertrieben. Aufgrund der für die JNA unerwartet heftigen Gegenwehr der Kroaten verlor die JNA bis Oktober 1991 über 600 Panzer, 395 andere Militärfahrzeuge und 100 Kampfflugzeuge an die neu gegründete kroatische Armee. Nach dem Waffenstillstand im November 1991 zog die JNA mit einen Teil ihrer Waffen aus Kroatien ab und verlegte den Großteil ihre Einheiten nach Bosnien-Herzegowina.
Vermittlungsversuche durch die UN 1992
Im Januar 1992 kamen durch die UNO-Vermittlungen zahlreiche Waffenstillstände zustande und wurden fast genauso häufig gebrochen. Am 21. Februar 1992 stationierte die UN gemäß Resolution 743 des UN-Sicherheitsrates 16.000 Soldaten zur Erhaltung des Friedens in Kroatien und Bosnien und Herzegowina (UNPROFOR).
Kroatien verlor bis 1992 die Kontrolle über nahezu ein Drittel seines Staatsgebietes an die Republik Serbische Krajina. Gleichzeitig gewann es jedoch Zeit, um seine Armee aufzubauen.
Nach einem Waffenstillstandsabkommen im Mai 1992 verlegte die JNA einen Großteil ihrer Truppen und Kriegsgeräte nach Bosnien und Herzegowina, wo der Bosnienkrieg zu jener Zeit begann.
Am 22. Mai 1992 wurde Kroatien Mitglied der Vereinten Nationen. Der bewaffnete Konflikt in Kroatien wurde in den folgenden zwei Jahren nur noch mit geringerer Intensität fortgeführt.
Kroatische Militäroperationen zwischen 1991 und 1993
Zum Schutz kroatischer Städte vor Artillerie- und Mörserangriffen durch serbische Freischärler wurden mehrere Militäroperationen durchgeführt. Vor allem die nicht erfolgreiche Militäroperation Medak im Jahr 1993 schadete dem Ruf Kroatiens. Im folgenden Jahr unternahm die kroatische Armee keine weiteren Operationen. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ICTY erhob wegen Kriegsverbrechen während dieser Militäroperation Anklage gegen die kroatischen Generäle Janko Bobetko, Rahim Ademi und Mirko Norac.
Datum | Militäroperation |
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31. Oktober – 4. November 1991 | Militäroperation Otkos 300 km² in Region Bilogora (westlich der Region Slawonien und nördlich der Region Moslavina) |
1. - 13. Juli 1992 | Militäroperation Tigar (Hinterland von Dubrovnik) |
20. - 24. September 1992 | Gebiet Konavle (Hinterland von Dubrovnik) |
22. - 25. September 1992 | bei Vlaštica |
21. - 22. Juni 1992 | Miljevci Plateau (zwischen Krka und Drniš) |
27. - 28. Januar 1993 | Sprengung des Staudammes Peruča |
22. Januar - 10. Februar 1993 | Militäroperation Maslenica (Gebiet Maslenica in der Nähe von Zadar) |
9. - 17. September 1993 | Militäroperation Medak (ein Gebiet nahe der Stadt Gospić) |
Das UN-Beobachtungsmandat
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Am 21. Februar 1992 stationierte die UN gemäß Resolution 743 16.000 Soldaten zur Erhaltung des Friedens in Kroatien und Bosnien und Herzegowina. Das Mandat der UNPROFOR verpflichtete die Truppen zur Neutralität und erlaubte nur die Beobachtung der Einhaltung von Waffenstillständen, sowie in begrenztem Umfang den Schutz und die Versorgung der Zivilbevölkerung, besonders in den 1993 eingerichteten UN-Schutzzonen. Ein militärisches Eingreifen der Truppen wurde jedoch nicht gestattet.
Tatsächlich änderte sich durch die Präsenz der UN-Truppen an der Lage vor Ort wenig. Die jugoslawische Armee übergab bei ihrem Abzug ihre Waffen an die örtlichen serbischen Milizen. Die Republik Serbische Krajina (RSK) betrachtete die Waffenstillstandslinie als ihre Staatsgrenze und bildete aus den örtlichen Milizen eine eigenen Armee.
Die Führung der RSK sah in der Kontrolle der wichtigsten Verkehrsverbindungen vom nördlichen Kroatien nach Dalmatien durch die von ihr kontrollierten Gebiete in der Lika und Norddalmatien und nach Slawonien durch das von ihr kontrollierte Gebiet in Westslawonien ihr Hauptdruckmittel gegenüber der kroatischen Regierung. Die Verhandlungen über die Öffnung der Verkehrswege und eine Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen kamen nicht voran, da die serbische Seite als Vorbedingung die Anerkennung der Unabhängigkeit der RSK durch Kroatien verlangte, wozu dieses niemals bereit war. Die von internationalen Vermittlern vorgelegten Friedenspläne, die eine weitgehende Autonomie der Serben innerhalb Kroatiens vorsahen, hatten unter diesen Umständen keinen Erfolg.
Der Waffenstillstand wurde von beiden Seiten immer wieder gebrochen. Der Konflikt weitete sich 1993 auf Bosnien und Herzegowina aus und verschärfte sich zunehmend. Es kam in den folgenden Jahren wiederholt zum Völkermord auf allen Seiten.
Im Oktober 1993 erkannte der UNO-Sicherheitsrat die unter UNO-Aufsicht befindlichen serbisch besetzten Gebiete als „Bestandteile Kroatiens“ an. Dennoch konnten im Zeitraum 1992 - 1995 die vertriebenen Kroaten nicht in ihre Heimatorte zurückkehren.
Kriegsausbruch in Bosnien und Herzegowina 1992
Kroatische und bosniakische Freiwillige aus Bosnien und Herzegowina schlossen sich der kroatischen Armee an. Gleichzeitig kämpften zahlreiche Freiwillige aus Kroatien auf der kroatischen und bosniakischen Seite in Bosnien und Herzegowina.
Einige der engsten Regierungsmitglieder in der Regierung von Präsident Tuđman, wie z.B. Gojko Šušak und Ivić Pašalić stammen aus der Herzegowina und unterstützten die Kroaten in Bosnien und Herzegowina finanziell und materiell.
Am 3. März 1992 brach der Krieg zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite aus, nachdem die in Bosnien-Herzegowina lebenden Serben die „Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina“ ausriefen. Der Krieg verlagerte sich verstärkt in den Osten.
Im Jahr 1993 brachen in einigen Regionen Bosnien und Herzegowinas dann auch Kämpfe zwischen Kroaten und Bosniaken aus. Franjo Tuđman nahm an den Friedensverhandlungen zwischen den Kroaten und den Bosniaken teil, als im Jahr 1994 das Abkommen von Washington unterzeichnet wurde.
Damit reduzierte sich die Zahl der Krieg führenden Parteien im Bosnienkrieg wieder auf zwei. Das kroatische und bosnische Militär verbündete sich im Anschluss daran zur HVO um gemeinsam gegen serbische Verbände vorzugehen.
Kriegsverlauf seit Ende 1994

Ende des Jahres 1994 intervenierte die kroatische Armee mehrmals in Bosnien. Vom 1. November bis 3. November mit der Operation "Cincar" nahe Kupres und vom 29. November bis 24. Dezember mit der Operation "Winter 94" auf dem Dinara-Gebirge und bei Livno. Diese Operationen wurden zur Entlastung der damaligen Enklave und UN-Schutzzone Bihać unternommen.
Am 28. April 1995 beschloss der UN-Sicherheitsrat die Resolution 990 (Schaffung der UNCRO).
Am 2. und 3. Mai 1995 feuerten die Serben als Vergeltung für die Offensive der kroatischen Armee Raketen auf die Innenstadt von Zagreb ab. Die Bombardements – angeordnet vom Polizeichef Knins, Milan Martić – waren militärisch sinnlos, forderten aber mindestens fünf Todesopfer und zahlreiche Verletzte unter der Zivilbevölkerung (Martić stellte sich im Mai 2002 dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY).

Im Mai 1995 konnte die kroatische Armee bei der Militäroperation Blitz einen Teil des zentralkroatischen Gebietes unter ihre Kontrolle zurückbringen. Im August desselben Jahres führten die kroatische Polizei und Armee die Militäroperation Oluja durch und eroberten das gesamte Gebiet der RSK.
Hilfreich für die kroatischen Truppen war vor allem auch die Flugverbotszone über Bosnien-Herzegowina ab dem 12. April 1993. Diese wurde durch die Operation Deny Flight gewahrt und verhinderte Luftangriffe auf beiden Seiten.
In den folgenden Wochen setzte die kroatische Armee ihre militärische Offensive gemeinsam mit bosnischen Regierungstruppen und NATO-Luftstreitkräften mit der Militäroperation Maestral gegen die serbischen Truppen unter dem Kommando von Ratko Mladić in Bosnien und Herzegowina fort. Vor der Einnahme der Stadt Banja Luka wurde die Offensive auf Druck der US-Regierung gestoppt, da eine weitere große serbische Flüchtlingswelle befürchtet wurde.
Seither wird alljährlich am 5. August in Kroatien am Tag der heimatlichen Dankbarkeit (Dan domovinske zahvalnosti) der Beendigung und der Opfer des Krieges gedacht.
Kriegsende 1995
Nach diesen Militäraktionen wurde der Krieg in Bosnien-Herzegowina durch das Abkommen von Dayton beendet, welches am 14. Dezember 1995 in Paris unterzeichnet wurde. Dieses Datum stellt den Endpunkt der Jugoslawienkriege dar. Die serbisch kontrollierten Gebiete an der Grenze zur Vojvodina, Ostslawonien um Vukovar und die Baranja kamen unter eine provisorische UN-Verwaltung (UNTAES – United Nations Transitional Administration of Eastern Slavonia, Baranja and Western Syrmia) und wurden 1998 auf friedliche Weise wieder unter die Kontrolle Kroatiens gestellt. Etwa 80.000 Serben flüchteten jedoch im Zuge dessen nach Serbien und Montenegro.
UN-Resolutionen nach Kriegsende
Am 15. Januar 1996 wurde vom UN-Sicherheitsrat durch die Resolution 1037 eine Übergangsverwaltung in Ostslawonien eingerichtet (UNTAES).
Eine Friedenssicherungsmission auf der Halbinsel Prevlaka im Süden Kroatiens wurde am 27. November 1996 vom UN-Sicherheitsrat durch Resolution 1083 (UNMOP) eingerichtet.
Am 19. Dezember 1997 wurde vom UN-Sicherheitsrat die Resolution 1145 verabschiedet (Gründung der UNPSG).
Zeittafeln der wichtigsten Ereignisse
Quellen u.a. siehe Anklageschrift gegen Slobodan Milošević[3].
Kampfhandlungen
Datum | Kampfhandlung |
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31. März 1991 | Bewaffneter Zwischenfall bei den Plitvicer Seen |
19. Juni 1991 | Schlacht um Dubrovnik beginnt |
September 1991 | Schlacht um Vukovar beginnt |
7. Oktober 1991 | Bombardierung von Zagreb durch serbische Kampfflugzeuge |
20. November 1991 | Schlacht um Vukovar endet, Massaker von Vukovar, Ovčara (255 Tote, darunter auch Nicht-Kroaten) |
Dezember 1991 | Schlacht um Dubrovnik beendet |
21. Juni 1992 | Schlacht um Miljevci |
2. - 3. Mai 1995 | Serbischer Raketenbeschuss mit international geächteten Streubomben gegen die Zivilbevölkerung von Zagreb. [4] |
Kroatische Militäroperationen
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Datum | Militäroperation |
---|---|
31. Oktober - 4. November 1991 | Militäroperation Otkos 10 |
12. Dezember 1991 - 3. Januar 1992 | Militäroperation Orkan 91 |
1. Juli - 13. Juli 1992 | Militäroperation Tigar |
22. Januar 1993 | Militäroperation Maslenica |
9. - 17. September 1993 | Militäroperation Medak |
1. - 3. Mai 1995 | Militäroperation Bljesak |
4. - 7. August 1995 | Militäroperation Oluja |
8. - 15. September 1995 | Militäroperation Maestral |
Diplomatischer Verlauf
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Datum | Diplomatischer Verlauf |
---|---|
25. Juni 1991 | Unabhängigkeitserklärung Kroatiens und Sloweniens, 1. Brioni Abkommen |
23. Dezember 1991 | Kroatien wird von zahlreichen EG-Staaten (auch Deutschland) anerkannt |
21. Februar 1992 | Beginn der UNPROFOR-Mission, Stationierung von 16.000 UN-Soldaten in Kroatien und Bosnien-Herzegowina |
28. Februar 1993 | Washingtoner Abkommen |
April 1993 | Ausbruch bewaffneter Konflikte zwischen Kroaten und Muslimen in Bosnien und Herzegowina |
12. November 1995 | Abkommen von Erdut |
14. Dezember 1995 | Abkommen von Dayton |
15. Januar 1996 | Einrichtung einer Übergangsverwaltung in Ostslawonien (UNTAES) |
23. August 1996 | Normalisierungsabkommen zwischen Kroatien und Jugoslawien |
27. November 1996 | Friedenssicherungsmission auf der Halbinsel Prevlaka (UNMOP) |
19. Dezember 1997 | Einrichtung einer Unterstützungsgruppe für die zivile Polizei in Ostslawonien (UNPSG) |
Verbrechen an der Zivilbevölkerung
In der nachfolgenden Tabelle werden Opfer von Seiten der regulären Streitkräfte, der Polizeikräfte oder organisierten Paramilitärs nicht beachtet. Die große Mehrheit der hier angeführten Toten sind Kroaten.
Datum | Ereignis | Zahl der Opfer |
---|---|---|
2. Mai 1991 | Borovo Selo | |
21. September 1991 | Dalj durch Paramilitärs von Željko Ražnatović „Arkan“ | 11 Tote |
4. Oktober 1991 | erneut Dalj ebenfalls durch Beteiligung von Željko Ražnatović „Arkan“ | 28 Tote |
16. - 18. Oktober 1991 | Gospić | |
18. Oktober 1991 | Massaker von Lovas. Die Jugoslawische Volksarmee zwingt Einwohner durch ein Minenfeld zu gehen. | 21 Tote |
21. Oktober 1991 | Massaker von Dubica, Cerovljani und Baćina | 110 getötete Zivilisten |
August - November 1991 | Saborsko, Poljanak und Lipovanić | 37 Tote |
9. November 1991 | Erdut, Dalj Planina und Erdut Planina | 16 Tote, darunter Ungarn und Kroaten |
11. November 1991 | Klis | 11 Tote |
12. November 1991 | Saborsko | 29 Getötete |
18. November 1991 | Škabrnja | mindestens 38 Tote |
19. November 1991 | Nadin | 7 Zivilisten |
18. - 20. November 1991 | Lager Dalj | Mindestens 34 Menschen |
10. Dezember 1991 | Erdut | 5 Zivilisten |
13. Dezember 1991 | Voćin | 32 Tote |
26. Dezember 1991 | Erdut | 7 Tote, darunter Ungarn und Kroaten |
21. Februar 1992 | Erdut | 4 Einwohner |
4. Mai 1992 | Tötungen in Grabovac | 5 Zivilisten |
1. Oktober - 7. Dezember 1992 | Dubrovnik | 43 Zivilisten |
Politischer Weg zur Unabhängigkeit
Kroatien wurde vor dem Dezember 1991 von Slowenien, Litauen, der Ukraine, Lettland und Estland anerkannt. Diese Staaten waren zu dieser Zeit jedoch selbst noch nicht international anerkannt. Am 19. Dezember 1991 wurde Kroatien von Island anerkannt, das somit lange vor allen anderen Staaten der Welt bereits Kroatien anerkannte. Auch Deutschland ließ am selben Tag eine derartige Entscheidung verkünden, entschloss sich aber etwas mit der Ratifizierung abzuwarten. Am 13. Januar 1992 wurde Kroatien vom Heiligen Stuhl anerkannt. Tags darauf folgte San Marino. Am 15. Januar schließlich, inmitten des heftigen Krieges, folgte die Anerkennung der unabhängigen Republik Kroatien durch alle 12 Staaten der damaligen EU, wie auch durch Österreich, Bulgarien, Kanada, Malta, Polen, die Schweiz und Ungarn. Bis Ende Januar 1992 wurde Kroatien noch von sieben anderen Staaten anerkannt: Finnland, Rumänien, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Paraguay und Bolivien. Der erste asiatisch-islamische Staat, der Kroatien anerkannte, war der Iran. Erstes afrikanisch-islamisches Land, das Kroatien anerkannte war Ägypten.
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Unter internationaler Vermittlung wurde Anfang 1992 ein Waffenstillstand geschlossen. Demnach verpflichtete sich die jugoslawische Armee, ihre Truppen aus Kroatien abzuziehen. In die umkämpften Gebiete wurde eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen entsandt (UNPROFOR), die jedoch kein militärisches Mandat hatte, sondern lediglich beobachtende Funktionen wahrnehmen durfte. Die serbisch kontrollierten Teile Kroatiens blieben völkerrechtlich Teil Kroatiens. Über ihren endgültigen Status sollte in Verhandlungen zwischen der kroatischen Regierung und den örtlichen Serben entschieden werden.
Bis zur Vollmitgliedschaft in den Vereinten Nationen am 22. Mai 1992 wurde Kroatien von Russland, Japan, den USA, Israel und China anerkannt. Seit dem 24. März 1992 ist Kroatien Mitglied der OSZE.
Minensituation in Kroatien
In den bis 1995 umkämpften Gebieten besteht bis heute eine erhebliche Gefährdung durch Landminen. Dies gilt insbesondere für die damaligen Frontlinien. Es wird geschätzt, dass in Kroatien noch etwa 700.000 Minen verstreut sind. Da keine Lagepläne über die Minenfälder angelegt worden sind und Minen über die Jahre anfangen zu "wandern" ist die Minenbeseitigung sehr aufwendig. Betroffen sind folgende Gebiete:
- Ostslawonien (30 bis 50 km vor der Grenze zu Serbien und an der Grenze zu Ungarn, insbesondere Gebiete um Vukovar und Vinkovci);
- das westliche und südwestliche Grenzgebiet zu Bosnien (der Raum südlich von Sisak und Karlovac, östlich von Ogulin, Otočac, Gospić, am östlichen Stadtrand von Zadar und im Hinterland der Küste zwischen Senj und Split und in den Bergen südöstlich von Dubrovnik).
Flüchtlinge
Verschiedene Angaben zu der Zahl der vertriebenen Serben
Während und nach den Kroatischen Militäraktionen 1995 flohen die weitaus meisten Serben zum größten Teil in die Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina und nach Serbien und Montenegro, aber auch in die UNTAES-Zone. Dabei ist bis heute umstritten, ob es sich um geplante Vertreibungen von Seiten der kroatischen Streitkräfte gehandelt hat. Die politische Führung der Krajina-Serben hatte angesichts der sich abzeichnenden Niederlage die Evakuierung angeordnet. Danach wurden jedoch zahlreiche der verlassenen serbischen Häuser vernichtet oder es wurden dort kroatische Flüchtlinge aus Bosnien angesiedelt, was die Rückkehr der serbischen Bevölkerung bis heute sehr schwierig macht. Doch auch hier ist umstritten, welche Rolle die Streitkräfte hatten und inwiefern es sich um Zerstörungen aus Rache von zurückkehrenden kroatischen Zivilisten handelt.
Von den ursprünglich mehr als 220.000 geflohenen Serben sind mindestens ca. 140.000 bis heute zurückgekehrt. Den etwa 50.000 direkt am bewaffneten Aufstand beteiligten Serben wurde eine generelle Amnestie gewährt, sofern keine individuellen Verbrechen nachgewiesen werden können.
Serbische Stimmen
- 250.000 vertrieben nach Oluja
Kroatische Stimmen
Internationale Stimmen
- 300.000 darunter 35.000 – 45.000 Soldaten der militärisch besiegten Armee der Republik Serbische Krajina (Amnesty International - Public Statement) und im August 2005 sind rund 200,000 Flüchtlinge immer noch nicht in ihre Orte zurückgekehrt
- 200.000 darunter 35.000 – 45.000 Soldaten der militärisch besiegten Armee der Republik Serbische Krajina(UNO und BBC[6][7]) vertriebene nach Oluja
Flüchtlingsströme in Kroatien 1991 bis 1995
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- 170.000 Kroaten aus den kroatischen Gebieten vertrieben, im Jahre 1991, die unter die Kontrolle serbischer Freischärler und der JNA gelangten.
- 400.000 Flüchtlinge, davon etwa 60 % Bosniaken 1992 in Kroatien. Auch zu Zeiten, als in Teilen Bosniens Kroaten und Bosniaken gegeneinander kämpften, wurde in Kroatien Bosnischen Flüchtlingen Zuflucht gewährt.
In anderen kroatischen Gebieten in den Jahren 1991-1995 hunderttausende Vertriebene aus serbisch besetzten Gebieten der Republik Serbische Krajina und aus Bosnien-Herzegowina Zuflucht. Ein Teil der Vertriebenen zog weiter in EU Staaten oder in die USA, ein anderer Teil kehrte nach 1995 zurück in ihre Heimat.
Die Unterbringung, medizinische Versorgung, Versorgung mit Nahrung und z. B. der Schulunterricht wurden für die anfallenden Flüchtlinge nahezu völlig vom kroatischen Staat getragen und finanziert.
Von internationalen Hilfsorganisationen wurden Nahrungslieferungen erhalten, jedoch für etwa 95 % der Kosten kam die kroatische Regierung auf.
Reflexion
Weltpolitische Einordnung
Der Krieg in Kroatien brach aus, als der Fokus der Welt auf den Irak und den Golfkrieg sowie damit verbunden auch auf die steigenden Ölpreise und die lahmende Weltwirtschaft gerichtet war. Dennoch wurde die Situation auf dem Balkan immer mehr zum neuen weltpolitischen Brennpunkt. Die Vorgänge wurde von den verschiedenen Staaten verschieden eingeschätzt.
Während die westlichen Staaten, allen voran Deutschland, Österreich und Ungarn Kroatien nahe standen, standen Russland und Griechenland traditionell auf der Seite Serbiens. Stimmen aus dem Westen, allen voran aus Großbritannien (Premierminister John Major) und den USA (erst George Bush, dann Bill Clinton) waren gegen die Haltung Deutschlands und gegen die staatliche Unabhängigkeit Kroatiens und Sloweniens, da sie einen Krieg befürchteten. Kritiker waren auch Lawrence Eagleburger und Warren Christopher. Zu diesem Zeitpunkt war der Krieg jedoch schon im vollen Gange: Die kroatischen Städte Vukovar, Dubrovnik, Osijek und Karlovac wurden massiv von der Jugoslawischen Armee und serbischen Paramilitärs angegriffen. Die internationale Anerkennung Kroatiens fand erst nach den massiven Zerstörungen dieser Städte statt. Selbst das Mandat der UN- Friedenstruppe konnte jedoch aufgrund des reinen Beobachterstatus keine Ruhe in die Regionen bringen. Das UNPROFOR-Mandat gilt daher international als gescheitert.[8]
Waffenembargo
Die internationale Staatengemeinschaft verhängte über das gesamte ehemalige Jugoslawien ein Waffenembargo. Die waffentechnisch weit unterlegene Kroatische Armee, die anfangs lediglich von umgewandelten Polizeitruppen gestellt wurde, konnte sich meist lediglich durch erbeutete Waffen aus Beständen der JNA und durch Waffenschmuggel aus Drittstaaten Waffen beschaffen. Mit der Zeit formierte sich jedoch die Hrvatska Vojska (kroatische Armee). Nach dem Ausbruch des Krieges in Bosnien-Herzegowina schlossen sich die kroatischen und Bosnischen Truppen zur HVO zusammen.
Freiwillige Beteiligung am Krieg
Am Krieg beteiligten waren auch Freiwillige, aus Kroatien abstammende Menschen, welche im Dienst der Kroatischen Armee kämpften. Unter den Toten des Krieges sind daher auch 429 Deutsche [9] und etliche andere Staatsbürger, welche aus den Ländern in die sie emigriert waren zurück kamen um sich am Krieg zu beteiligen. Der bekannteste diese "Rückkehrer" war Ante Gotovina.
Folgen für die Militärführer
Serbische Hauptbeschuldigte
Der kroatische Staat verklagte vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien den Staat Serbien, als angeblichen Auftraggeber und Koordinator von Genoziden und Vertreibungen, auf Schadensersatz. Eine ähnliche Klage des Staates Bosnien-Herzegowina wurde 2007 abgelehnt.[10]
Slobodan Milošević
Im Zusammenhang mit nationalistischen Spannungen unterstützte Slobodan Milošević als Präsident Serbiens die Anfang 1990 in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina entstandene rechtsradikale Serbische Radikale Partei sowie die Serbischen Demokratischen Partei, um paramilitärische Verbände zu mobilisieren. Dies geschah auch durch die Lieferung von Waffen und Kriegsgerät der Jugoslawische Volksarmee (JNA) an lokale serbische Kräfte (unter anderem Zivilisten) in Kroatien und Bosnien. Diese Unterstützung hielt auch während der Jugoslawienkriege nach dem Zerbrechen Jugoslawiens von 1991 bis 1995 an, wobei Serbien bzw. die neu entstandene Bundesrepublik Jugoslawien außer bei dem kurzen Unabhängigkeitskrieg Sloweniens 1991 nie offiziell an diesen Auseinandersetzungen beteiligt war. Am 27. Mai 1999 wurde Milošević, der als Schlüsselfigur der Jugoslawienkriege galt, vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag angeklagt.
Die Anklageschrift vom 31. Mai 2002 spricht von einer „kriminellen Vereinigung“ und klagt Milošević an, an der Planung, Anordnung, Durchführung und Unterstützung von Verbrechen an nationalen, religiösen oder ethnischen Gruppen beteiligt gewesen zu sein.
Insgesamt 66 Klagepunkte wurden Milosevic in drei Anklageschriften für die folgenden Handlungen vorgeworfen, darunter im Bezug auf Kroatien Folgende:
- Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter
- Verfolgung, Tötung, Folter und unmenschliche Behandlung.
- Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Genfer Konventionen
- Deportation von mindestens 170.000 Kroaten und anderen Nicht-Serben
- Das Massaker von Vukovar
- Die Schlacht um Dubrovnik
Milošević wurde am Morgen des 11. März 2006 tot in seiner Zelle im Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals im Haager Stadtteil Scheveningen aufgefunden. Eine erste Obduktion der Leiche durch vom Gericht bestellte Gutachter ergab, dass er an einem Herzinfarkt verstarb.
Milan Martić
Martić war vor dem Krieg als Polizeichef von Knin tätig. Vom 4. Januar 1991 bis zur Militäroperation Sturm im August 1995 war Martić in unterschiedlichen Funktionen tätig. Darunter auch als „Außenminister“, Verteidigungsminister“ und als Präsident der international nicht anerkannten Republik.
Der vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) seit dem 25. Juli 1995 mit internationalem Haftbefehl gesuchte Martić stellte sich am 15. Mai 2005 den Behörden.
Anklagepunkte im Bezug auf Kroatien:
- Morde an hunderten Kroaten, Bosniaken und anderen nicht serbischen Zivilisten einschließlich Frauen und älteren Personen in Dubica, Cerovljani, Bacin, Saborsko, Poljanak, Lipovaca, Skabrnja, Nadin und Bruska in Kroatien; sowie in Prnjavor in Bosnien und Herzegowina.
- Das Festhalten, Mord und Folterungen in Internierungslagern in den Orten Knin und Korenica
- Das Festhalten von Menschen unter inhumanen Bedingungen
- Zwangsarbeit entlang der Frontlinie, Morde und Folterungen an gefangenen Kroaten, Bosniaken und anderen Nichtserben
- Raub und Folter
- Sexueller Missbrauch, Massenvergewaltigungen von gefangenen Personen.
- Plünderungen von Kroaten, Bosniaken und anderen nicht serbischen Zivilisten.
- Zerstörung von Häusern, öffentlichem und Privateigentum. Verwüstung von Kulturgütern, Kirchengebäuden.
- Angriff auf die Stadt Zagreb mit Streubomben
Kroatische Hauptbeschuldigte
Milan Babić
Der einstige Führer der Krajina-Serben, Milan Babić (1956-2006), wurde 2004 vom Tribunal in Den Haag (ICTY)für die in Kroatien begangene Verbrechen zu 13 Jahren Haft verurteilt.
Anklagepunkte:
- Mitwirkung an der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Kroaten und anderen nicht serbischen Bevölkerungsteilen aus dem Osten und Süden Kroatiens Anfang der 1990er Jahre
- Verbrechen gegen die Menschlichkeit
- Verstöße gegen die Brüsseler Konferenz über die Gesetze und Gebräuche des Krieges.
Bereits im Januar 2004 hatte sich Babić vor dem Tribunal für schuldig bekannt und von „tiefer Scham und Reue“ über seine Taten gesprochen. Er entschuldigte sich bei der kroatischen Nation und bot seine Mitarbeit bei anderen Kriegsverbrecherprozessen an, vor allem bei dem gegen den ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milošević. Babić hatte schon nach der kroatischen Gegenoffensive 1995 und der daraus resultierenden Flucht des Großteils seiner Krajina-Serben Zweifel an seiner eigenen Politik geäußert. Er erklärte in Interviews, Milošević und andere serbische Führer hätten die Krajina-Serben mit ihren Versprechungen und großserbischen Plänen 1991 in eine Falle gelockt. 1991 wäre es noch möglich gewesen, mit Kroatien über ein Autonomiestatut für die Serben zu verhandeln. Stattdessen habe die Regierung in Belgrad auf die ethnische Säuberung des Gebiets, das immerhin ein Drittel Kroatiens umfasste, gedrängt. Dieses Verbrechen hätten die Krajina-Serben später teuer bezahlen müssen. Babić beging am 5. März 2006 in seiner Zelle Suizid.
Ante Gotovina
Der für die Militäroperation Oluja hauptverantwortliche General, Ante Gotovina, wurde 2001 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) angeklagt.
Anklagepunkte:
- Tötung von mindestens 150 Krajina-Serben; zusätzlich seien mehrere hundert verschwunden
- Plünderung privaten und öffentlichen Eigentums
- Brandschatzung und Zerstörung von Dörfern und Städten
- Vertreibung von Zehntausenden Krajina-Serben
Franjo Tuđman
Auch Präsident Franjo Tuđman sei an der Planung und Durchführung beteiligt gewesen.
Die Anklageschrift spricht von einer „kriminellen Vereinigung“ (joint criminal enterprise), bestehend u.a. aus Ante Gotovina, Franjo Tuđman, Ivan Čermak und Mladen Markač, deren Ziel die gewaltsame und dauerhafte Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus der Krajina-Region gewesen sei.
Kriegsbezeichnungen
Der Krieg wird auch kurz Kroatien-Krieg, Kroatienkrieg, oft auch Kroatischer Unabhängigkeitskrieg genannt.
In Kroatien bezeichnet man ihn als „Domovinski rat“ (Heimatkrieg), Velikosrpska Agresija (Großserbische Aggression) oder auch als Patriotischer Krieg.
Einzelnachweise
- ↑ a b UN-Sicherheitsrat, “The military structure, strategy and tactics of the warring factions”, 28. Dezember 1994
- ↑ ICTY, Anklage gegen Slobodan Milošević, Absatz 69
- ↑ Zeitungsartikel aus Vjesnik, „Deportacije, progoni i pokolji koji se pripisuju Miloševiću“ (kroatisch)
- ↑ ICTY Anklageschrift gegen Milan Martic, Punkt 7
- ↑ Letter of the Permanent Mission of the Republic of Croatia to the United Nations Office at Geneva, 15. August 1995 (englisch)
- ↑ BBC News, Evicted Serbs remember Storm, 5. August 2005 (englisch)
- ↑ BBC News, Croatia marks Storm anniversary, 5. August 2005 (englisch)
- ↑ Bundestag über das Scheitern des UNPROFOR-Einsatzes
- ↑ http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv03/0103ob08.htm
- ↑ http://www.oe24.at/zeitung/welt/weltpolitik/article114486.ece -Wortlaut des Urteils zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien
Weblinks
Commons: Jugoslawienkriege – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- Die Politik der ethnischen Säuberung und Vorgehen der JNA Truppen- Abschlussbericht der UN-Expertenkommission, Dezember 1994, Englisch
- Umfangreiche Linksammlung Web Genocide Documentation Centre, Englisch
- Anklageschrift des ICTY gegen Milošević für Verbrechen in Kroatien
- Anklageschrift gegen Milan Babic
- ICTY-Anklageschrift gegen Vojislav Šešelj
- ICTY-Anklageschrift gegen Janko Bobetko
- Website des Museums des kroatischen Unabhängigkeitskrieges, Kroatisch
- War against Croatia, umfangreiche Informationen, Englisch
- Mine situation in Croatia (Karten und Informationen zur aktuellen Minensituation) (englisch)
- Auswärtiges Amt zur Minensituation in Kroatien