Lokalbahn Tábor–Bechyně
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Lokalbahn Tábor–Bechyně | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kursbuchstrecke: | ČD: 210 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Spurweite: | 1435 mm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Stromsystem: | 1,5 kV = | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Höchstgeschwindigkeit: | 50 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Lokalbahn Tábor–Bechyně ist eine elektrisch betriebene Nebenbahn in Mittelböhmen im heutigen Tschechien. Sie gilt als die erste elektrisch betriebene Eisenbahnstrecke in Mitteleuropa.
Die Nebenbahn zweigt in Tábor, dessen Bahnhof ansonsten mit 25kV 50Hz Wechselstrom elektrifiziert ist, von der Eisenbahnlinie Prag - Budweis ab. Sie ist die letzte normalspurige Eisenbahnstrecke Tschechiens, welche noch mit 1,5 kV Gleichstrom betrieben wird. Früher waren noch der Knoten in Prag und die Hohenfurther Elektrische Lokalbahn von Rybník nach Lipno mit diesem Stromsystem elektrifiziert, beide Strecken wurden aber nach 1960 in 3 kV Gleichstrom (Prag) und 2005 in 25 kV 50 Hz Wechselstrom (Hohenfurther Elektrische Lokalbahn) umgebaut. Obwohl die Eisenbahnlinie nur den Charakter einer Lokalbahn hat, ist sie doch geschichtlich sehr interessant. Seit Jahren wird auf dieser Linie Museumsbahnverkehr betrieben, und es verkehren auf ihr mehrere historisch sehr wertvolle Museumsfahrzeuge. Gleichzeitig mit der Bahnlinie wird die als Bechyner Regenbogen genannte Brücke in Bechyně genannt, welche die erste Spannbetonbrücke Tschechiens ist.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die Geschichte der Bahn ist eng verbunden mit dem Namen František Křižík, der die elektrische Antriebsanlage der Strecke und elektrische Ausrüstung der Fahrzeuge konstruierte, und dessen Firma auch die Fertigung der elektrischen Ausrüstungen unternahm. Die Erfahrungen für den Bau dieser Trasse sammelte die Firma Křižik beim Bau der Straßenbahntrassen in Prag und Pilsen. Unmittelbar dem Bau vorhergegangen war der Bau der elektrischen Lokalbahn Prag - Dobříš, welche amtlich genehmigt wurde von der Direktion der Staatlichen Eisenbahn am 16. November 1897. Auf Grundlage deren erfolgreicher Prüfung gab das Ministerium für Verkehr am 4. September 1901 die Baugenehmigung für die Trasse Tábor - Bechyně mit elektrischem Antrieb. Der Bau der Trasse begann im April 1902, nach 14 Monaten war der Bau beendet, einschließlich des 174m langem, 20m hohem Eisenbahnviaduktes über die Lužnice. Am 21. Juni 1903 wurde der Betrieb auf der Bahn eröffnet.
Die Bahn wurde anfangs durch ein Elektrizitätswerk in Tábor versorgt, welches außer der Trasse gleichfalls die Stadtbeleuchtung und verschiedene Gewerkebetriebe versorgte. Das Elektrizitätswerk stand an dem Ufer der Lužnice. Die Energieversorgung wurde anfangs mit Dampfkraft unternommen. Dabei wurden von 3 Dampfmaschinen jeweils 3 Generatoren angetrieben, welche eine Gleichspannung von 2x700V erzeugten.
Die Spannung wurde über 2 Fahrdrähte mit unterschiedlicher Polarität an die Fahrzeuge abgegeben, die Rückführung erfolgte über die Schienen. Die Fahrdrähte hatten einen axialen Abstand von 1,2m bei einer Höhe von 5,5m über der SOK. Von dem Standpunkt der Einspeisung war die Trasse geteilt in 2 Abschnitte, die Trennstelle war die Station Malšice. Diese Energieversorgung der Strecke wurde 1929 verändert auf 1,5 kV Gleichstrom, welche über einen Quecksilberdampfgleichrichter aus dem öffentlichen Netz sichergestellt wurde. Von dieser Zeit an wurde auch die Fahrleitung als eine Einleiterfahrleitung umgeändert.
Der Betrieb startete mit 4 Paar Zügen täglich. Deren Zahl stieg auf 8 Paar Personenzüge und 2 Paar Güterzüge im Jahr 1941 an.
1929 wurde die Strecke, die von 1903 an zunächst bei der heutigen Station Bechyně zastavka endete, bis in das Zentrum von Bechyně verlängert. Dabei wurde über die Lužnice die als Bechyner Regenbogen benannte Brücke gebaut und der Bahnhof von Bechyně nahe des Zentrums der Stadt gebaut. Seit dieser Zeit benutzen der Straßen- und der Eisenbahnverkehr die Brücke gemeinsam. Das geschieht stets nach dem gleichen Ritual, daß zunächst der Autoverkehr von Tábor nach Bechyně abgesperrt wird. Danach kann die Eisenbahn die Brücke benutzen. Behindern sich Eisenbahn und Auto nicht mehr, so wird auch der Autoverkehr wieder freigegeben.
1937/1938 kam es zur Rekonstruktion der Traktionsleistung und zur Veränderung der Befestigung auf nahtlose Stahlrohre. 1931-32 und 1937-38 liefen auch die Rekonstruktion der Triebwagen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde unweit Sudoměřice ein Militärflugplatz gebaut, und dies sicherte der Bahn über Jahrzehnte einen großen Güterverkehr. Ständig wurde eine Schlepplokomotive von dem Prager Knoten nach Sudoměřice ausgeliehen, die den starken Anschlußverkehr bewältigen musste
[Bearbeiten] Zukunft
Nach 1989 wurde der Militärflugplatz in Sudoměřice geschlossen, und dies führte zu einem starken Rückgang des Güterverkehrs. Dieses Ereignis beeinflußte auch negativ die Beförderungszahlen des Personenverkehrs. Daher entschloß man sich, den Oberbau komplett zu sanieren und die Streckengeschwindigkeit auf 50 km/h anzuheben. Der Güterverkehr, der besonders aus Holztransporten besteht, durchläuft überwiegend in den nächtlichen Stunden. Und so verkehren heute in der Woche 9 Paar Reisezüge täglich und zum Wochenende 7 Paar. Der Zugverkehr wird als einfacher Nebenbahnbetrieb abgewickelt. Normalerweise bewältigt ein Zug den gesamten Tagesverkehr. Kommt es trotzdem zu Zugkreuzungen unterwegs, so erledigt das Betriebspersonal dieses in Eigenregie. Trotzdem ist der Bahn auch weiterhin eine Zukunft zugesichert. In Bechyniě sorgt ein Sanatorium, ein Schloß und ein Kloster für stetigen Bedarf. Bis auf wenige Ausnahmen, z. B. der Stillegung des Verkehrs im Jahr 1953 lief dieser stets mit elektrischen Lokomotiven ab.
[Bearbeiten] Fahrzeugeinsatz

Den Betrieb auf der Lokalbahn von Tábor nach Bechyně eröffneten 2 elektrische Triebwagen der Reihe ČSD Baureihe EM 400.0. Anfangs führten sie nur Personenverkehr durch, später wickelten sie auch den aufkommenden Güterverkehr als gemischte Züge ab. 1905 und 1908 wurden noch 2 weitere Triebwagen dazubeschafft. Diese 4 Triebwagen erledigten den Verkehr bis zum Jahr 1939, als der EM 400.003 ausbrannte. Deshalb wurde in dem Jahr 1941 von Škoda Plzeň der EM 410.001 hinzugeliefert, der 1973 verschrottet wurde. Der Triebwagen EM 400.001 ist erhalten geblieben und ist heute Exponat des Nationalen Technikmuseums in Prag. Heute kann man ihn gelegentlich bei Sonderfahrten auf der Trasse sehen. Zeitweise half auf der Trasse bei starkem Güterbedarf aus dem Prager Knoten die E 423.001 aus. Aus der zeitweisen Aushilfe wurde später ein Dauereinsatz, bevorzugt auf der Schleppbahn zu dem Flughafen in Sudoměřice. Auch diese Lokomotive wurde Exponat des Nationalen Technikmuseums und ist bei Sonderfahrtan zu bewundern.

1956 wurden die Lokomotiven der Reihe ČSD Baureihe E 422.0 fabrikneu geliefert, und die Lieferung dieser Fahrzeuge hatte zur Folge, daß 2 Triebwagen der Reihe EM 400.0 ausgemustert wurden. Auch die von dem Prager Knoten umgesetzten Fahrzeuge wurden nach und nach ausgemustert, bis auf die E 436.004, die Exponat des Nationalen Technikmuseums wurde. Von den kapesnich Bobina ist die E 422.001 als Exponat des Nationalen Technikmuseums erhalten geblieben und gelegentlich bei Sonderfahrten zu sehen. 1973 wurden 3 Lokomotiven der ČSD Baureihe E 426.0 geliefert, seit der Umstellung der Hohenfurther Lokalbahn wurden weitere Maschinen nach Tábor umbeheimatet. Die Bügeleisen und die E 422.001 erledigen den Verkehr auf der Trasse bis auf den heutigen Tage.
Der Wagenpark besteht heute bevorzugt aus überzähligen Doppelstockwagen und Langstreckenwagen aus DDR-Produktion. Meist besteht ein Zug aus einem Bügeleisen, einem Doppelstockwagen und einem Langstreckenwagen. Für den Museumsverkehr besitzen die Freunde der Lokalbahn Tábor -Bechyně zu dem Triebwagen passende Schürzenwagen, die je nach Bedarf den Verkehr beigegeben werden.
[Bearbeiten] Weblinks
- Webseite zur Lokalbahn Tábor -Bechyně (tschechisch)
- Webseite der Freunde der Lokalbahn Tábor -Bechyně (tschechisch)