Osterbrunnen
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Aus der Fränkischen Schweiz stammt der Brauch, Osterbrunnen zu schmücken.
Zu Ostern werden (am Karsamstag) öffentliche Dorfbrunnen mit bemalten Ostereiern und anderem Schmuck zum Osterbrunnen verschönert. Wie alt der Brauch ist, lässt sich nicht feststellen, erste mündliche Überlieferungen berichten von einem Osterbrunnen in Aufseß um das Jahr 1909.
Hintergrund des Brunnenschmückens ist die Wasserarmut der Fränkischen Schweiz, durch die die Wasserversorgung einen besonders hohen Stellenwert bekam. Vor Ostern wurden die Brunnen gründlich vom Schmutz des Herbsts und Winters gereinigt und anschließend herausgeputzt. Dem Osterwasser wird zudem besondere Wirkungen zugesprochen.
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[Bearbeiten] Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz
Nachdem die Bedeutung der Brunnen durch moderne Wasserversorgungssysteme schwand, befand sich auch der Brauch am Aussterben. Ab dem Jahr 1952 nahm sich der Nürnberger Arzt und Burgenforscher Dr. Kunstmann dieses Themas an und engagierte sich zusammen mit seiner Frau für den Fortbestand des Brauchs. Ursprünglich nur in der Fränkischen Schweiz üblich, hat sich das österliche Brunnenschmücken seit den 1980er Jahren über weite Teile Oberfrankens verbreitet, so gibt es Osterbrunnen heute auch in Bamberg, im Steigerwald, in Altmühlfranken, aber auch in Sachsen, in der Pfalz und im Saarland.
Durch die weitere Verbreitung kommt es allerdings immer wieder auch zur mutwilligen Zerstörung des Schmucks. Um dies zu verhindern, werden die aufwendig in Handarbeit bemalten ausgeblasenen Hühnereier daher heutzutage teilweise durch Kunststoffeier ersetzt, die nicht so leicht kaputtgehen.
[Bearbeiten] Orte mit Osterbrunnen
Die Osterbrunnen bleiben normalerweise bis zwei Wochen nach Ostern geschmückt. Während dieser Zeit sind die Orte, die besonders schöne Osterbrunnen haben, beliebte Ausflugsziele. Besonders Brunnen wie in Heiligenstadt oder Bieberbach sind inzwischen Touristenattraktionen, die von Bussen aus München, Dresden und anderen Städten besucht werden. Zählungen haben ergeben, dass Heiligenstadt an einem Tag von etwa 80 Bussen angesteuert wird.
Affalterthal, Albertshof, Amlingstadt, Auerbach, Bärnfels, Baunach, Behringersmühle, Bernheck, Betzenstein, Bieberbach, Birkenreuth, Burggrub, Buttenheim, Coburg, Creußen, Cronheim, Dobenreuth, Draisendorf, Dreuschendorf, Drosendorf, Drügendorf, Dürrbrunn, Ebermannstadt, Eckersdorf, Effeltrich, Eggolsheim, Egloffstein, Elbersberg, Engelhardsberg, Ermreuth, Eschlipp, Forchheim, Frankendorf, Freiahorn, Freienfels, Hirschaid-Friesen, Gasseldorf, Gaisdorf, Geisfeld, Geschwand, Gößmannsberg, Gößweinstein, Götzendorf, Gräfenberg, Gunzendorf, Guttenburg, Haag, Hagenbach, Hammerbühl, Heckenhof, Heiligenstadt in Oberfranken, Herbitzheim, Hetzelsdorf, Hetzles, Hiltpoltstein, Hirschaid, Hohenmirsberg, Hochstahl, Hohenpölz, Hollfeld, Honings, Hummeltal, Hundsboden, Hundshaupten, Hühnerloh, Igensdorf, Kainach, Kalteneggolsfeld, Kasendorf, Kersbach, Kirchahorn, Kirchehrenbach, Kirchenbirkig, Kleingesee, Kleinsendelbach, Königsfeld in Oberfranken, Körbeldorf, Körzendorf, Krögelstein, Kunreuth, Kübelstein, Kühlenfels, Laibarös, Langenloh, Langensendelbach, Lauf, Leesten, Leupoldstein, Leutenbach, Lilling, Litzendorf, Löhlitz, Lohndorf, Lützelsdorf, Markt Berolzheim, Mengersdorf, Mistelgau, Mistendorf, Mittelehrenbach, Moggast, Moggendorf, Mostviel, Muggendorf, Neudorf, Neuhaus, Neunkirchen a. Brand, Neuses-Poxstall, Niederfellendorf, Niedermirsberg, Oberailsfeld, Oberehrenbach, Oberfellendorf, Oberleinleiter, Oberngrub, Obernsees, Obertrubach, Oberzaunsbach, Pegnitz, Pettendorf, Pinzberg, Plankenfels, Plech, Poppendorf, Pottenstein, Poxdorf, Pretzfeld, Prüllsbirkig, Rackersberg, Regensberg, Reifenberg, Rettern, Rüssenbach, Sachsendorf, Sanspareil, Scheßlitz, Schlaifhausen, Schönau/Lindau, Seigendorf, Siegritz, Siegritzberg, St. Moritz bei Leutenbach, Stackendorf, Stadelhofen, Stechendorf, Steifling, Steinfeld, Störnhof, Streitberg, Teuchatz, Thurnau, Theres, Tiefenellern, Tiefenhöchstadt, Tiefenlesau, Tiefenpölz, Tiefenstürmig, Traindorf, Trainmeusel, Treppendorf, Truppach, Tüchersfeld, Unterailsfeld, Unteraufseß, Unterleinleiter, Unterstürmig, Untertrubach, Unterzaunsbach, Urspring, Veilbronn, Voigendorf, Wadendorf, Waischenfeld, Walkersbrunn, Wangen, Wannbach, Weidensees, Weigelshofen, Weiher, Weingarts, Weismain, Weißenbach, Weißenohe, Weilersbach, Wernsdorf, Wiesenthau, Windischgaillenreuth, Wohlmannsgesees, Wohlmutshüll, Wohnsgehaig, Wolfsberg, Wonsees, Wöhrmühle, Würgau, Wüstenstein, Zeegendorf
Der größte fränkische Brunnen befindet sich in Bieberbach bei Egloffstein und bekam 2001 mit einem Brunnenschmuck aus 11.108 handbemalten Eierschalen sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg, wo der Brauch mittlerweile auch Einzug gehalten hat, wurde 2005 der Stadtbrunnen sogar mit 16.500 Eiern dekoriert.
[Bearbeiten] Brunnenkult in Thüringen
In dem Aufsatz aus dem Jahr 1898 mit dem Titel „Die Verehrung der Quellen in Deutschland“ beschreibt der Autor Karl Weinhold, dass es in Thüringen zu den Hauptzeiten des alten Brunnenkults gehörte, die Brunnen zu reinigen und mit frischem Grün zu schmücken. Die Reinigung vollzogen die Jungfrauen des Ortes unter Gebet und Gesang. Kein Mann durfte anwesend sein. Bis Sonnenaufgang musste die Reinigung beendet sein. Der Brunnen wurde dann bekränzt und der Festplatz geschmückt. Anschließend versammelte sich die Gemeinde zu Tanz und Spiel.
Es stellt sich die Frage, warum bis zum 20. Jahrhundert das Verbreitungsgebiet des Brauchtums bis auf das Kerngebiet der Fränkischen Schweiz zusammenschrumpfte. Gründe dafür mögen folgende Tatsachen gewesen sein:
- Christianisierung der Wenden und das Verbot heidnischer Kulthandlungen
- Kampf des Protestantismus gegen die Bräuche aus heidnischer Zeit