Vesuv
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
Der Vesuv ist ein Vulkan bei Neapel in der Region Kampanien, Italien. Seine heutige Höhe beträgt 1.281 m. Eigentlich handelt es sich um einen "Doppelvulkan", bestehend aus den Resten eines alten Stratovulkans, die heute die Caldera des Monte Somma bilden, und dem im Inneren der Caldera gebildeten neuen Aufschüttungskegel des Monte Vesuvio, dem eigentlichen "Vesuv".
Die Aktivität wechselt zwischen
- langen (u. U. mehrere Jahrhunderte währenden) Ruhephasen,
- Phasen geringer Aktivität, in der Eruptionen vom Stromboli-Typ abwechseln mit Lava-Ausfluss (effusive Ausbrüche)
- und den katastrophalen plinianischen Eruptionen, die gekennzeichnet sind durch ungeheure Mengen von ausgeworfenem Material (mehrere Milliarden Tonnen) und das Auftreten pyroklastischer Ströme.
Die Aktivität wird gespeist durch eine Magmakammer, die sich in ca. 5 bis 7 km Tiefe befindet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Chronik
Chronik des Vesuvs | |||||||||
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Jahr | Ereignis | ||||||||
ca. -25000 | Beginn der Aktivität des Monte Somma | ||||||||
ca. -18000 | Beginn des Einsturzes der Monte Somma-Caldera | ||||||||
-8000 | Ottaviano-Eruption | ||||||||
-3700 (ca. 1740 v. Chr.) |
Avellino-Eruption: Zerstörung bronzezeitlicher Siedlungen | ||||||||
24. August 79 n. Chr. | Plinianische Eruption: Untergang von Pompeji und Herculaneum | ||||||||
472 n. Chr. | Subplinianische Eruption | ||||||||
16.12.1631 | Ausbruch tötet 4000 Menschen | ||||||||
1638 | Athanasius Kircher besteigt den Vesuv | ||||||||
6. März 1787 | Johann Wolfgang von Goethe war am Kraterrand und es fand sogar eine Eruption statt, bei welcher alle Personen unverletzt blieben. | ||||||||
16.6.1794 | Lavastrom zerstört Torre del Greco | ||||||||
1764 - 1800 | Sir William Hamilton, britischer Gesandter am neapolitanischen Hof, betreibt intensive Studien des Vesuvs. | ||||||||
1822 | erneuter Ausbruch, protokolliert von dem englischen Geologen George Julius Scrope | ||||||||
1841 | Macedonio Melloni eröffnet das Osservatorio Vesuviano, das erste vulkanologische Institut der Welt | ||||||||
1872 | Zerstörung der Dörfer Massa und San Sebastiano | ||||||||
1880 | Eröffnung der Standseilbahn zum Gipfel | ||||||||
ab 1904 | Ständige Schlackeneruptionen. | ||||||||
1905 | Höhe des Gipfels erreicht 1335m. | ||||||||
1906 | Gegend von Ottaviano durch Schlammströme verwüstet; in Neapel fordert der Einsturz einer Markthalle viele Opfer; Seilbahn zerstört | ||||||||
1911 | Immanuel Friedlaender gründet das Institut für Vulkanologie mit Sitz in Vomero bei Neapel | ||||||||
4.4.1944 | Letzter großer Ausbruch: Massa und San Sebastiano werden zerstört. |
[Bearbeiten] Geologische Entwicklung
Der Somma-Vesuv ist ein typischer Vertreter eines Doppelvulkans, der aus zwei ineinander steckenden Kegeln besteht. Der ältere Monte Somma bildet den Unterbau dieses Stratovulkans. An seinem Fuß misst er im Umfang etwa 80 km und bedeckt eine Fläche von rund 480 km². Von dem ehemaligen Riesenkrater des Monte Somma, der im Durchmesser 4 km misst, ist nur der nordöstliche Teil des Kraterrandes als sichelförmiger Wall erhalten.
In dem weitgehend aufgefüllten Krater des Monte Somma steht etwas exzentrisch als Tochtervulkan der eigentliche Vesuv-Kegel, der im Laufe seiner Geschichte mehrfach seine Gestalt verändert hat. Heute misst er 1.281 m und überragt damit den Somma-Wall um 150 m.
Der Unterbau des Vesuvs wird neben tertiären Sandsteinen, Mergeln und Tonen vor allem von Mesozoikum gebildet, an dem Kreide, Jura und Trias mit jeweils 1.500 bis 1.700 m Mächtigkeit beteiligt sind. Die Tiefenlage der Magmakammer wird aus seismischen Messungen mit etwa 5,5 km angegeben. Aber auch aufgrund von kontaktmetamorphen Auswürflingen schloss Alfred Rittmann, dass das Dach der Kammer aus Trias-Dolomiten besteht, die in etwa 5,5 km Tiefe anzutreffen sind. Denn unter den Auswürflingen sind nur die Trias-Dolomite besonders stark kontaktmetamorph verändert. Würden diese Dolomite nur die Schlotwandung bilden, so wären sie wegen der lediglich kurzen Kontaktdauer mit dem aufsteigenden Magma viel weniger umgewandelt. Das Kammervolumen wird auf 50 km³ geschätzt, der Kammerradius auf ca. 3 km.
Vor rund 12.000 Jahren kam es in der späten Würm-Kaltzeit in der Gegend des heutigen Monte Somma zu einem paroxysmalen Initial-Durchbruch, Magma drang aus einer Ostnordost streichenden Bruchlinie aus einer Herdtiefe von etwa 6 km zur Oberfläche. Danach setzte eine mindestens 2.000 Jahre lange vulkanische Ruhepause ein. In dieser Zeit sank infolge vulkano-tektonischer Schollenbewegungen das Dach der teilweise geleerten Magmakammer ein, was zu einer lokalen Meerestransgression führte. Gleichzeitig verlagerte sich die Magmakammer um etwa 500 m nach oben in die Trias-Dolomite.
Die durch Sieden des langsam auskristallisierenden Magmas frei werdenden und nach oben steigenden Gase - vor allem H2O, HCl, H2S u. a. - wurden durch die Gase der assimilierten Sedimente verstärkt, so dass aufgrund eines immer stärker werdenden Herd-Innendrucks ein neuer paroxysmaler Ausbruch erfolgte, mit dem die Tätigkeit des Alt-Somma begann. Der Beginn dieser Tätigkeit dürfte etwa 8.000 Jahre zurück liegen.
Nach einer etwa 2.500 Jahre andauernden, von zahlreichen Ruhepausen unterbrochenen Tätigkeit, erschöpften sich die endogenen Kräfte, der Schlot verstürzte und der Berg verhielt sich über mehrere Jahrhunderte ruhig. Erosion und Bodenbildung setzten ein. In der Tiefe jedoch ging die Assimilation der Trias-Dolomite weiter, in den höheren Herdteilen und im Schlot reicherten sich die Gase erneut an und es kam aufgrund des zunehmenden Innendrucks zu einem neuen Ausbruch. Mit dieser sehr heftigen Eruption, durch die der gasreiche obere Teil der Magmakammer in Form von Bimssteinen ausgeworfen wurde, begann vor etwa 5.000 Jahren die Tätigkeit des Jung-Somma.
Nach längeren Ruhepausen ereigneten sich ein zweiter und ein dritter paroxysmaler Ausbruch, wobei der dritte besonders heftig gewesen sein muss, denn seine Förderprodukte finden sich noch in weiter Entfernung. Mit diesem dritten Ausbruch begann eine länger anhaltende Tätigkeitsperiode, an deren Ende der Vulkan eine Höhe von über 2.000 m erreichte. Danach herrschte erneut Jahrhunderte lang Ruhe, bis es schließlich zu einem vierten und letzten Paroxysmus des Jung-Somma kam, dem sogenannten plinianischen Ausbruch des Jahres 79 nach Christus, bei dem Pompeji, Herculaneum und weitere kleinere Ortschaften zerstört wurden.
Mit diesem historischen Ausbruch ist die Tätigkeit des Jung-Somma abgeschlossen. In der entstandenen etwa 6 km weiten Gipfel-Caldera des Jung-Somma wuchs ab dem 3. Jahrhundert nach Christus der mächtige Kegel des heutigen Vesuvs empor.
[Bearbeiten] Avellino-Eruption um 1740 v. Chr.
Durch eine ganze Reihe archäologischer Funde ist die sogenannte Avellino-Eruption mittlerweile zweifelsfrei belegt. Sie fand ungefähr 1740 v. Chr. ± 150 Jahre statt, also irgendwann zwischen 1890 v. Chr. und 1590 v. Chr., und verlief in nordöstliche Richtung über die heutigen Ortschaften Avellino, Nola und das Dorf San Paolo Bel Sito hinweg. Das Gebiet von Avellino, etwa 35 km vom Vulkan entfernt, wurde mit einer ca. 50 cm dicken Ascheschicht bedeckt. In unmittelbarer Umgebung des Vesuvs betrug die Dicke der Ascheschicht sogar mehrere Meter. Beim Fundamentaushub für eine neue Autobahn nahe Avellino wurde 1972 erstmalig unter alten Schichten von Vulkanauswurf bronzezeitliche Keramik gefunden. Beim Bau eines Supermarktes in Nola 2001 entdeckte man einen verschütteten Schmelzofen aus der selben Epoche. Weitere Grabungen legten bedeutende Reste eines kleinen Dorfes frei. Alle Häuser waren von dicken Ascheschichten aus eben dieser Zeit begraben und wurden, nach den Befunden des englischen Bronzezeit-Archäologen Simon Stoddart und des Italieners Giuseppe Vecchio von der Archäologiebehörde Neapel, von den damaligen Bewohnern in aller Eile verlassen. Denn viele Reste von Gebrauchsgegenständen sowie die Skelette der Haus- und Nutztiere fanden sich in unmittelberer Nähe. Weil dieses Dorf damals im Angesicht des Vesuvausbruch überstürzt verlassen und kurz darauf von dicken Asche- und Lavaschichten verschüttet und damit "konserviert" wurde, ist es in einem – für bronzezeitliche Siedlungen dieser Gegend – einmaligen Erhaltungszustand. Es ermöglicht einen tiefen Einblick in den Alltag der damals dort siedelnden Bauern, aber auch in die Sozialstrukturen und Eigentumsverhältnisse dieser Siedlung. Im nahen San Paolo Bel Sito entdeckten Archäologen schon 1970 zwei Skelette (ein ca. 45-jähriger Mann mit arthritischen Knochendeformationen und eine ca. 20 Jahre jüngere Frau), die von dem italienischen Anthropologen B.P. Petrone als Opfer dieser Eruptionskatastrophe erkannt wurden. Sie konnten – vermutlich aufgrund des für damalige Verhältnisse vergleichsweise hohen Alters des Mannes und der körperlichen Schäden, die die harte Landarbeit für beide mit sich brachte – keinen langen Fluchtweg mehr schnell genug zurücklegen, der sie vor den nahenden Lava- oder Steinmassen gerettet hätte.
[Bearbeiten] Der Ausbruch von 79 n. Chr.

Der erste dokumentierte Ausbruch fand am 24. August (oder, so einige Forscher aufgrund des Fundes von Überresten frischer Oliven, am 24. Oktober) des Jahres 79 n. Chr. statt. Dabei wurden die Orte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und das ca. 12 km entfernte Stabiae unter Staub- und Aschemassen vollständig begraben.
Dass wir über den Ausbruch so gut unterrichtet sind, verdanken wir
- dem römischen Schriftsteller Plinius dem Jüngeren. Als Augenzeuge (aus der Ferne: er befand sich in Misenum an der Westspitze des Golfs von Neapel) gibt er z. T. mit Zeitangaben darüber Auskunft, was zu sehen war und wie dann sein Onkel Plinius der Ältere bei der Katastrophe ums Leben kam.
- den Ausgrabungen im Vesuvgebiet selbst, wobei die Zusammensetzung der Ablagerungen und die Art der Zerstörungen Aufschlüsse über den Ausbruch erlauben.
Vorher hatte der Vulkan jahrhundertelang geruht und galt als erloschen bzw. man wusste nicht einmal, dass es sich um einen Vulkan handelte. So waren die fruchtbaren Abhänge des Vesuv dicht besiedelt.
Dass sich eine neue Phase von Aktivität ankündigte, bezeugt ein schweres Erdbeben am 5. Februar 62 (das Datum ergibt sich aus der abgebrochenen Buchführung des Bankiers L. Caecilius Iucundus), doch wurde die Gefahr einer kommenden Eruption nicht erkannt. Als der Vesuv dann im Jahre 79 ausbrach, waren die Wiederherstellungsarbeiten in Pompeji und anderswo noch nicht beendet.
In der ersten Eruptionsphase (ab Mittag des 24. August 79) wurde die Spitze des Vulkans (ähnlich wie beim Mount St. Helens 1980) weggesprengt. Während der folgenden Stunden stieg eine Eruptionssäule bis in die Stratosphäre, aus der auf die südlich des Vesuvs gelegenen Orte (Pompeji, Stabiae, Oplontis) ein immer dichterer Aschenregen fiel. Durch das Gewicht der Asche und Lapilli-Bruchstücke brachen in den betroffenen Orten die Hausdächer ein und erschlugen die Bewohner.
In der zweiten Eruptionsphase begann die Eruptionssäule zusammenzubrechen. Bis dahin war Herculaneum nur wenig betroffen, doch jetzt rasten mehrere pyroklastische Ströme mit etwa 100 Kilometern pro Stunde und einer Temperatur von über 400°C durch Herculaneum. Wer noch nicht geflüchtet war, starb jetzt binnen Sekunden (dazu gehörten auch jene ca. 300 Menschen, die sich in die Gewölbe der Bootshäuser von Herculaneum geflüchtet hatten). Der Zusammenbruch der Wolke erfolgte mehrfach und erzeugte dabei auch mit schwerem Material stark gesättigte Ströme, deren gewaltige Wucht die aus den Fallablagerungen herausragenden Häuser zerstörte (weshalb die Ausgräber in Pompeji und Herculaneum weitgehend intakte Erdgeschosse, aber zerstörte Obergeschosse vorfanden). Insgesamt häuften Ascheregen und pyroklastische Flüsse eine Schicht von bis zu 20 Metern über den zerstörten Ortschaften auf. Das vulkanische Material verfestigte sich im Laufe der Zeit zu einer harten, durchgehenden Masse von Tuffstein.
Diese spezielle Art von vulkanischer Eruption wird heute nach ihrem Beobachter plinianische Eruption genannt. Schätzungsweise 2500 Menschen kamen damals ums Leben. Im 18. Jahrhundert wurde Pompeji wiederentdeckt und teilweise ausgegraben. Der im Jahre 79 entstandene Krater ist zu einer Caldera eingestürzt, die heute noch sichtbar ist.
Johann Wolfgang Goethe hat auf seiner Italienischen Reise während seines Aufenthalts in Neapel, bei dem auch die Ausgrabungen in Pompeji und Herculanuem besucht wurden, im März 1787 den Vesuv mehrfach bestiegen, wobei er sogar in ungemütliche Nähe eines aus dem Krater dringenden Lavaflusses vordrang:
- Wir versuchten noch ein paar Dutzend Schritte, aber der Boden ward immer glühender; sonneverfinsternd und erstickend wirbelte ein unüberwindlicher Qualm. Der vorausgegangene Führer kehrte bald um, ergriff mich, und wir entwanden uns diesem Höllenbrudel. (20. März 1787) Sein Begleiter Christoph Heinrich Kniep zeichnete die Bucht von Neapel mit dem Vesuv im Hintergrund.
[Bearbeiten] Die einzelnen Phasen des Ausbruchs
nach den Aufzeichnungen Plinius des Jüngeren
24. August des Jahres 79 n.Chr.
13 Uhr: Explosion der Vulkanspitze: kochende Lava steigt bis zu 15 km in den Himmel – die Bewohner Pompejis betrachten interessiert das einmalige Schauspiel - von Misenum auf der anderen Buchtseite aus beobachtet Plinius den Ausbruch. Die Feuersäule verliert an Kraft und breitet sich aus – der Wind weht Richtung Pompeji und nicht Richtung Meer wie sonst – der Himmel verdüstert sich – die gasförmige Lava verbindet sich mit der Luft, kühlt ab und fällt zur Erde.
13 Uhr 30: aus der Mischung von Lava und Luft entsteht Bimsstein, der jetzt stundenlang auf Pompeji fällt. Zwischen dem leichten Bimsstein fallen auch schwere Gesteinsbrocken mit 200 km/h auf die Erde.
14 Uhr: Panik breitet sich aus.
Nachmittag: mehr als 100 Mio. Tonnen Bimsstein und Asche sind auf Pompeji gefallen – die Dächer stürzen unter dem Gewicht allmählich ein.
17 Uhr: Herculaneum ist bis jetzt nicht betroffen, trotzdem fliehen viele Einwohner und hoffen am Strand auf Rettung – die Wolke aus Magma und Asche reicht nun 25 km in den Himmel.
20 Uhr: die immer noch herunterfallenden Bimssteine blockieren die Türen und schließen die Bewohner ein – jede Sekunde werden ca. 100.000 Tonnen in den Himmel geschleudert. Gleichzeitig entwickelt sich im Innern des Vulkans eine weitere Phase: die Magmakammer leert sich – jetzt wird Gestein nach oben gedrückt – dadurch wird der Schlot instabil und droht einzustürzen.
21 Uhr: Bimsstein und Asche ziehen die Feuchtigkeit aus der Luft, bei den Menschen werden Mund und Hals trocken und beginnen zu brennen.
Ein Teil des Schlots mit dem schweren Gestein bricht zusammen und stürzt wie ein Flutwelle den Vulkanhang hinunter: eine Lawine aus extrem heißer Asche und geschmolzenem Stein (pyroklastische Welle) – diese Welle rollt auf Herculaneum und seinen Strand zu – der Tod tritt sofort ein, die Menschen verkohlen (300 Skelette sind gefunden worden). Nach Ende der Katastrophe bedeckt Herculaneum eine 25 Meter dicke Schicht aus Vulkangestein.
25. August
3 Uhr: die Brunnen in Pompeji sind allmählich verstopft, das Wasser wird knapp.
6 Uhr: sämtliche Bewohner an der Bucht von Neapel geraten in Gefahr – im Zentrum des Vulkans stürzt die Magmakammer ein – Folge: eine weitere pyroklastische Welle, die direkt auf Pompeji zuläuft – die Lawine stoppt vor der nördlichen Stadtmauer, aber die tödliche Wolke aus CO2 verbreitet sich schnell in der Stadt, verätzt Augen und Mund und nimmt den Menschen den Atem.
Die Eruptionen des Vesuvs lassen nach – jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der ganze Schlot zusammenstürzt – auf einer Seite des Schlotes explodiert eine Blase aus Asche und Stein – diese pyroklastische Welle ist weitaus heißer und zerstörerischer als alle ihre Vorgänger, mit über 100 km/h erreicht sie in wenigen Minuten Pompeji.
7 Uhr: 18 Stunden nach Beginn des Ausbruchs stürzt der Fuß des Schlots zusammen – eine letzte große Giftwolke hängt über der Bucht von Neapel – die Giftwolke tötet Tausende, die aus Pompeji aufs Land geflohen waren – Plinius d.J. kommt davon und konnte das Geschehen genau beschreiben. Seine lange Zeit teilweise als unglaubhaft bewerteten Beschreibungen konnten mittlerweile von der Wissenschaft bestätigt werden – solche Wolken heißen heute ‚Plinius-Wolken’. Mehr als 10 Mrd. Tonnen Bimsstein, Felsen und Asche hatte der Vesuv in 18 Stunden ausgespieen. Mehr als 5000 Einwohner sterben. Man schätzt, dass sich eine solche Explosion alle 2000 Jahre ereignet.
[Bearbeiten] Die geologischen Ursachen
Infolge des Erdbebens des Jahres 62, das möglicherweise durch die Sackung einer Scholle des Herddaches oder das Aufreißen einer Spalte im Untergrund verursacht wurde, lockerte sich der Pfropfen, der den Schlot des Vulkans verstopfte. Dessen Widerstand wurde durch die eingeschlossenen aufsteigenden Gase und durch das stetige Anwachsen des Dampfdrucks in der Magmakammer immer mehr vermindert. Am 24. August 79 überwand der Innendruck den Widerstand des Pfropfens, der schlagartig zertrümmert und ausgeschleudert wurde. Unmittelbar darauf wurden in kurzer Zeit riesige Mengen von Bimssteinen und Aschen ausgeworfen. Die ebenfalls ausgeworfenen vom Herddach stammenden Trias-Dolomite sind ein Beleg dafür, dass der Schlot bis tief hinab leer geschossen wurde. Danach blies ein Gasstrahl zerriebenes Material der Schlotwandungen aus.
Während einer kurzen Ruhepause verstürzte der Schlot. Die nächste Eruption räumte ihn wieder und die Gewalt des Ausbruchs nahm rasch zu. Der Schlot verstürzte erneut und wurde ein weiteres Mal geräumt. Das gasreiche Magma der Tiefe stieg im Schlot empor, wurde durch heftige Explosionen zerstäubt und in einer sich immer mehr steigernden Folge von starken Aschen-Eruptionen gefördert. Der damit erreichte Höhepunkt des Ausbruchs war vermutlich von heftigen vulkanischen Beben begleitet. Gleichzeitig verwandelte ein wolkenbruchartiger Eruptionsregen auf dem Westhang des Vulkans große Aschemengen in Schlammströme.
Durch den Auswurf enormer Massen pyroklastischen Materials waren der Schlot und der obere Teil der Magmakammer entleert worden, so dass das Dach der Magmakammer längs Bruchlinien zusammen sackte. Aus einer dieser Bruchlinien drang Magma bis zur Oberfläche und ergoss sich über das Sumpfgelände am Nordfuß des Monte Somma. Durch den Zusammensturz der Gipfelregion entstand ein Riesenkrater von 6 km Durchmesser, in dem sich in der Folgezeit der Kegel des heutigen Vesuvs bildete.
[Bearbeiten] Weitere Ausbrüche

Weitere Ausbrüche des Vesuv ereigneten sich in den Jahren 202, 472 und 512. Insgesamt gab es zwischen 202 und 1139 11 Eruptionen. Für die folgenden 500 Jahre gibt es keine sicheren Berichte über Ausbrüche, der Vulkan war etwas zur Ruhe gekommen. Am 16. Dezember 1631 erwachte er wieder mit einer gewaltigen Eruption, die 4000 Menschen tötete. Bis zu seinem bislang letzten großen Ausbruch am 4. April 1944 folgten rund 20 weitere Eruptionen, die heftigste davon in der Nacht vom 7. auf den 8. April 1906, wobei der Berg etwa 200 Meter niedriger wurde. Beim Ausbruch von 1944 wurden die Städtchen Massa di Somma und San Sebastiano nahezu vollständig zerstört.
Seit 1944 ist der Vesuv ruhig, aber nicht erloschen und bleibt gefährlich. Es gibt zwar Evakuierungspläne für die mehr als eine Million Einwohner, die im Falle eines Ausbruchs wie im Jahr 79 unmittelbar bedroht wären, doch leider sind bis heute Vorwarnungen der Vulkanologen weder zuverlässig noch frühzeitig genug (die Pläne gehen von der bislang unerreichten Vorwarnungszeit von 2 Wochen aus!). Dichtestbesiedelte Siedlungen befinden sich heute selbst an den Hängen des Vesuv, auch im Bereich des antiken Herculaneum. Das Stadtzentrum von Neapel und die neuen Hochhäuser im Bahnhofsviertel liegen gleich weit entfernt wie einst das zerstörte Stabiae, sind aber durch den Sommawall einigermaßen geschützt. Der aktuelle Evakuierungsplan Vesuvia (ital. via "weg", also: "weg vom Vesuv") der Regionalregierung von Kampanien hat das Ziel, die Bevölkerung in der am meisten gefährdeten "roten Zone" des Vulkans sehr stark zu reduzieren: 150.000 Menschen sollen in den nächsten 15 Jahren umgesiedelt werden. Mit Prämien in Höhe von 30.000€ pro Familie sollen die gefährdeten Bewohner zum Wegzug motiviert werden, jedoch bisher ohne durchschlagenden Erfolg. So sind im Gegenteil laut der Umweltorganisation "Legambiente" in den letzten 20 Jahren allein in der "roten Zone" illegal 50.000 Häuser neu gebaut worden. Neuere Erkenntnisse weisen daraufhin, dass die Magma-Kammer des Vesuvs wieder erwacht. Weitere aktive Vulkane in Italien sind der Ätna und der Stromboli.
[Bearbeiten] Trivia
Das bekannte Volkslied Funiculì, Funiculà wurde anlässlich der Einweihung der ersten Seilbahn der Firma Thomas Cook auf den Vesuv im Jahr 1880 von Peppino Turco (Text) und Luigi Denza (Melodie) komponiert. Während das Lied heute weltbekannt ist, gibt es die Seilbahn nicht mehr. Sie wurde beim Ausbruch des Vesuvs von 1906 zerstört, lediglich am Kraterrand sind noch ein paar Metallreste von ihr zu sehen. 1977 gab es einen vorläufig letzten, vergeblichen Versuch, die Standseilbahn wieder aufzubauen. Der aus Südtirol stammende Architekt Kuno Krissler plante einen Neubau, mit einer Gipfelstation, die ein luxuriöses Hotel, ein Vesuvmuseum und ein Restaurant mit Blick in den Krater erhalten sollte.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Giovanni Battista Alfano & Immanuel Friedlaender: Die Geschichte des Vesuv. Berlin: D. Reimer 1929
- Robert Etienne: Pompeji. 5. Aufl. Leipzig: Reclam 1998. ISBN 3-15-010370-3
- J. P. Grattan & M. Brayshay: "Modelling the Impact of the Vesuvius/Avellino Eruption upon the Bronze Age Settlement of the Palma Campania", in: Albore Livadie (Hg.), L'Eruzione Vesuviana delle <Pomici di Avellino> e la Facies di Palma Campania. CUEBC, 1999, S. 125-132.
- Giuseppe Mastrolorenzo: "Der Zorn des Vesuv. Die Katastrophe des Jahres 79 n. Chr.", in: Verschüttet vom Vesuv - Die letzten Stunden von Herculaneum, hg. Josef Mühlenbrock & Dieter Richter, Mainz 2006. ISBN 3-8053-3445-1
- Hans Pichler: Italienische Vulkan-Gebiete I: Somma-Vesuv, Latium, Toskana. Berlin, Borntraeger 1990
- Dieter Richter: Der Vesuv. Geschichten und Gedichte über den brennenden Berg. Frankfurt 1990.
- Joachim Schüring: "Pompeji: Ende mit Schrecken", in: Abenteuer Archäologie 2/2004, S. 62-69. Spektrum der Wissenschaft Verl.-Ges., Heidelberg. ISSN 16129954
- Wagner, Horst-Günter: Die Kulturlandschaft am Vesuv. Eine agrargeographische Strukturanalyse mit Berücksichtigung der jungen Wandlungen. Hannover 1967, 243 S., 43 Abb., 39 Fig. = Jahrbuch der Geogr. Gesellschaft Hannover für 1966.
- Wagner, Horst-Günter: "Innovative Wandlungen der Agrarstruktur am Golf von Neapel 1965-1989", in: Erdkunde, Band 44, 1992, S. 180-194.
- Rollo Steffens: "Italiens Vulkane - Die schönsten Wanderungen vom Vesuv zum Ätna", Bruckmann Verlag München, 2004. ISBN 3-7654-3990-8.
- Dieter Richter: Der Vesuv. Geschichte eines Berges. Berlin (Wagenbach) 2007.
[Bearbeiten] Weblinks
- Deutsche Infos über den Vesuv
- Bilder, QuickTime-Panoramen, virtuelle Wanderungen
- Die 2 Briefe von Plinius d. J. über den Vesuvausbruch im Jahre 79. n. Chr. Illustrierte Edition
- Facharbeit: Vergleich des Vulkanismus von Vesuv, Ätna und Kilauea
- Der Vesuv bei naturgewalten.de
- Evelyn Lamy, Der Vesuv und die Phlegräischen Felder (PDF)
Koordinaten: 40° 49' 17" N, 14° 25' 32" O