Wechselkursmechanismus II
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Der Wechselkursmechanismus II (auch WKM II) (engl. European Exchange Rate Mechanism II bzw. ERM II) ist ein seit 1999 zwischen verschiedenen EU-Ländern im Rahmen des Europäischen Währungssystem II bestehendes Wechselkurs-Abkommen. Es legt eine Bandbreite des Wechselkurses der Währung eines EU-Landes zum Euro fest. Derzeit nehmen am WKM II sieben Länder teil.
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[Bearbeiten] Grundlagen
Der Wechselkurs zwischen Währungen, die am WKM II teilnehmen und dem Euro darf maximal um ± 15 Prozent schwanken, es können aber auch engere Schwankungbreiten festgelegt werden. Diese Option wurde bislang lediglich für die Dänische Krone genutzt. Ihr Wechselkurs zum Euro schwankt lediglich um ± 2,25 Prozent.
Länder, die den Euro als Währung einführen wollen, müssen zuvor zwei Jahre ohne Leitkurs-Anpassung am WKM II teilgenommen haben. Diese zweijährige Teilnahme am WKM II ist eines von vier Konvergenzkriterien zur Euro-Einführung. Beim WKM-II-Vorgänger Europäisches Währungssystem (EWS) wurde diese Frist jedoch nicht immer eingehalten.
[Bearbeiten] Geschichte
Der WKM II ist mit dem Euro am 1. Januar 1999 installiert worden. Seitdem haben insgesamt neun Mitgliedsländer am WKM II teilgenommen. Dänemark und Griechenland waren die ersten Länder, die dem WKM II beitraten. Beide Länder hatten zuvor dem WKM angehört, der mit der Euroeinführung in den meisten seiner Mitgliedsländer zum 1. Januar 1999 aufhörte zu existieren. Griechenland verließ den WKM II automatisch, als es am 1. Januar 2001 den Euro als Währung einführte, nachdem die EU-Konvergenzkriterien erfüllt waren. Dänemark ist bis heute Mitglied des WKM II und beabsichtigt auch nicht, die Wechselkursbindung durch eine Einführung des Euro zu ersetzen. Ersatzweise vereinbarte Dänemark als einziges Land mit der Europäischen Zentralbank eine engere Wechselkursbindung, bei der der Wechselkurs zwischen Dänischer Krone und Euro lediglich um ± 2,25 Prozent schwanken darf.
Am 27. Juni 2004 traten Estland, Litauen und Slowenien als die ersten drei der mittel- und osteuropäischen EU-Länder dem WKM II bei. Estland und Litauen haben ihr Ziel, den Euro nach zwei Jahren einzuführen nicht erreicht (Litauen wegen Inflation um 0,06 Prozent oberhalb des Grenzwerts). Slowenien hat am 1. Januar 2007 den Euro eingeführt und nimmt deshalb seitdem nicht mehr am WKM II teil.
Estland (seit 1993) und Litauen (seit 2. Februar 2002) hatten ihre Währungen schon vor dem Beitritt zum WKM II mit einem Currency Board fest an die D-Mark bzw. den Euro gekoppelt. Auch mit dem Beitritt zum WKM II änderte sich an dieser Situation nichts. Malta hat seinen Währungskorb zum 29. April 2005 ganz auf den Euro umgestellt, damit entspricht das Arrangement einem Currency Board. Lettland bindet seit dem 1. Januar 2005 gleichfalls den Lats mit einem Currency Board an den Euro, lässt jedoch Schwankungen von einem Prozent zu. Alle diese Arrangements sind einseitige Verpflichtungen der jeweiligen Länder und nicht bindend für die EZB, letztere ist vertraglich erst bei einem drohenden Überschreiten der ± 15 Prozent Abweichung zum Intervenieren verpflichtet, kann dies aber auch zu jedem früheren Zeitpunkt tun.
Am 29. April 2005 verkündete die Europäische Kommission den Beitritt der EU-Mitglieder Lettland, Malta und Zypern zum WKM II. Der Beschluss war vorher nicht angekündigt worden, um Spekulationen an den Finanzmärkten zu vermeiden. Am 25. November 2005 trat auch die Slowakei, ebenfalls ohne Vorankündigung, dem WKM II bei. Am 18. März 2007 wurde der Leitkurs zwischen Slowakischer Krone und Euro in Absprache zwischen EU und Slowakischer Zentralbank angepasst; folglich begann die Zwei-Jahres-Frist für die Slowakei zu diesem Zeitpunkt erneut.
Land | Währung | Leitkurs (1 EUR =) |
WKM-II-Beitritt |
---|---|---|---|
Dänemark | Dänische Krone | 7,46038 | 1. Januar 1999 |
Estland | Estnische Krone | 15,6466 | 27. Juni 2004 |
Lettland | Lettischer Lats | 0,702804 | 29. April 2005 |
Litauen | Litas | 3,45280 | 27. Juni 2004 |
Malta | Maltesische Lira | 0,429300 | 29. April 2005 |
Slowakei | Slowakische Krone | 35,4424* | 25. November 2005 |
Zypern | Zypern-Pfund | 0,585274 | 29. April 2005 |
* seit 19. März 2007; davor: 38,4550 |
[Bearbeiten] Beitrittskandidaten
Von den 27 EU-Ländern haben 13 den Euro als Währung eingeführt, sieben nehmen derzeit schon am WKM II teil. Somit verbleiben nur sieben Länder als potenzielle Kandidaten für eine Teilnahme am WKM II: Bulgarien, Polen, Rumänien, Schweden, Tschechien, Ungarn und das Vereinigte Königreich.
Bis auf Dänemark und Großbritannien sind alle EU-Länder verpflichtet, den Euro einzuführen und damit auch zuvor dem WKM II beizutreten. Dennoch wird mit Ausnahme Bulgariens[1], dessen Währung bereits per Currency Board fest an den Euro gekoppelt ist, die Aufnahme weiterer Staaten in den WKM II in nächster Zeit nicht erwartet.
[Bearbeiten] Bewertung
Der WKM II hat sich bislang als stabiles Wechselkurs-Arrangement erwiesen; seit 1999 musste mit der Slowakei im März 2007 nur ein Mal eine Wechselkurs-Bandbreite korrigiert werden und mit Griechenland und Slowenien konnten zwei Länder ohne weitere Wechselkurs-Korrekturen den Euro als Währung einführen.
Land | Währung | Leitkurs (1 EUR =) |
WKM-II-Beitritt | WKM-II-Austritt |
---|---|---|---|---|
Griechenland | Griechische Drachme | 340,750 | 1. Januar 1999 | 31. Dezember 2000 |
Slowenien | Tolar | 239,640 | 27. Juni 2004 | 31. Dezember 2006 |
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ http://www.bnb.bg/bnb/home.nsf/vPages/EuroIntegration_Documents_BNBRole/$FILE/BNB%20Role%20April%202005.pdf