Winterscheid (Ruppichteroth)
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Winterscheid ist ein Ortsteil der Gemeinde Ruppichteroth in Nordrhein-Westfalen. Er hat etwa 1500 Einwohner[1] und liegt auf einer Höhe von 220 m ü. NN im Osten des Rhein-Sieg-Kreises, auf einem Ausläufer des Nutscheids zwischen dem Fluss Bröl und dem Derenbach.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Im Jahre 1131 wird der Ort erstmals in einer Urkunde[2] des Papstes Innozenz II. erwähnt, in der dem Bonner Cassiusstift ein Teilbesitz der Kirche in Winterscheid bestätigt wird. Die Urkunde hält auch die Verpflichtung der Winterscheider Bevölkerung zur Abgabe des Zehnten an das Stift fest.
Aus dem seit fast 700 Jahren bestehenden Kirchspiel Winterscheid, das zum Amt Blankenberg gehört, wird durch Dekret des französischen Kaisers Napoleon I. vom 14. November 1808[3] im Jahr 1815 eine selbständige Zivilgemeinde. Sie erhält allerdings, weil die Einwohnerzahl zu gering ist, keine eigene Verwaltung - diese teilt sie sich mit Ruppichteroth in der Munizipalität bzw. ab 1813 Samtgemeinde Ruppichteroth.
Erst im Jahr 1961 wird Winterscheid an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen[4]. Zuvor versorgten sich die Einwohner aus Dorfbrunnen und Siefen oder holten Brauchwasser aus Bröl und Derenbach.
Seine gemeindliche Selbständigkeit endet mit dem Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (Bonn-Gesetz) am 01. Juli 1969. Winterscheid bildet seitdem zusammen mit Ruppichteroth, Schönenberg sowie weiteren kleineren Ortsteilen die Gemeinde Ruppichteroth.[4]
1973 und 1981 entscheidet Winterscheid den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" auf Ebene des Rhein-Sieg-Kreises für sich[5], 1973, 75, 77, 79 und 81 werden Silbermedaillen im Landeswettbewerb errungen.
[Bearbeiten] Sehenswertes
[Bearbeiten] Kath. Pfarrkirche St. Servatius
Weithin sichtbar erhebt sich beim höchsten Punkt des Ortes der romanische Turm der Pfarrkirche St. Servatius. Die Existenz dieser Kirche ist spätestens mit der o. g. päpstlichen Urkunde nachgewiesen, der bestehende Turm wird dem 12. Jahrhundert[6] zugeschrieben[7]. Das jetzige Langhaus wurde - nach drei kleineren Vorgängerbauten - 1781[8][9] fertiggestellt. 1981 wurde der Bau vollständig restauriert[10].
Im Inneren befindet sich ein barocker Hochaltar. Die Ausstattung der Kirche im Zopfstil ist als schlicht ländlich[10] anzusprechen.
[Bearbeiten] Burg Herrnstein
Im Bröltal zwischen Bröleck und Ingersau trohnt auf einem Felskegel die Burg Herrnstein. Sie geht zurück auf ein um 1300 n. Chr. erbautes einfaches befestigtes Haus, das im Besitz der Herren „vam Steyne“ (vom Stein) war, und entwickelte sich dann durch mehrfache Um- und Ergänzungsbauten zu einer rheinischen Höhenburg. Weitere Baumaßnahmen bis zum 19. Jahrhundert gaben ihr das heutige Aussehen. Es sind sowohl Gebäudeelemente aus der Gründungszeit (Teile der Kellergewölbe, nördliche Schildmauer), als auch aus dem Barock (Fenster, Dachkonstruktion, Treppenaufgang) erhalten. Einige ergänzende Bauten wurden im 20. Jahrhundert nach historischen Ansichten errichtet. Die am Fuß der Burganlage liegenden großen Teiche - ein Altarm der Bröl - zeugen von der früheren vollständigen Umfassung mit Wassergräben.[11][12]
Seit spätestens dem frühen 15. Jahrhundert ist das Anwesen im Besitz des Grafengeschlechtes von Nesselrode, auch heute noch wohnt ein Angehöriger dieser Familie dort. Es ist außerdem Sitz der „Gräflich Nesselrodeschen Forstverwaltung“. Die Außenanlagen können besichtigt werden, i. d. R. findet jeden ersten Samstag des Monats eine Führung statt (Treffpunkt[13] ohne Anmeldung jeweils 11:00 Uhr vor dem Haupteingang).
[Bearbeiten] Rennenburg
(auch Rennenberg)
Auf einem steilen Bergsporn oberhalb der Mündung des Derenbachs in die Bröl gelegen wird diese frühmittelalterliche Ringwallanlage aufgrund gleichartiger Anlagen in die Zeit des 9. bis 10. Jahrhunderts datiert. Aus Richtung des Bergsattels kommend stößt man zunächst auf die Reste eines Walls mit Graben, die einem birnenförmigen Wallsystem vorgelagert sind. Es finden sich hier Reste eines Mauerkerns. Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt rund 150 m, die größte Breite ca. 100 m.
Ob es sich bei der Rennenburg um eine Fliehburg oder um eine Anlage zum Schutz einer Eisenschmelze gehandelt hat, ist nicht bekannt. Grabungen in den 1990er Jahren erbrachten keine Erkenntnisse hierzu.[14]
[Bearbeiten] Brauchtum
Klaspern
Es handelt sich um einen Osterbrauch, bei dem in der Karwoche das Glockengeläut durch "Klaspern" ersetzt wurde. Gruppen von Schulkindern zogen dazu an Gründonnerstag und Karfreitag mehrmals täglich durch den Ort und erzeugten mit einem kleinen Holzbrettchen, der "Klasper", an dem ein Griff und ein beweglicher Holzklöppel befestigt war, ein klapperndes Geräusch. Auch das Sammeln von Eiern, die anschließend an die teilnehmenden Kinder verteilt wurden, gehörte dazu.
Nachdem zwischenzeitlich das Interesse an diesem alten Brauch vollständig nachgelassen hatte[15], ziehen heute wieder Kinder aus Winterscheid an Karfreitag klaspernd durch ihren Heimatort.
Man findet diesen Brauch unter anderen Namen beispielsweise auch in der Fränkischen Schweiz, Ostbelgien, der Eifel und Teilen Österreichs.
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
geboren und gestorben
- Arnold Lückerath, „Herrgotts Arnöldche“, geb. 1805 verst. 1873, war ein über seinen Heimatort hinaus bekannter Holzbildhauer[3][6]
wohnhaft
- Joseph Dietzgen, deutscher Arbeiterphilosoph und Journalist
- Burkhard Ziese, internationaler Fußballtrainer
[Bearbeiten] Bilder aus Winterscheid
Dorfweiher von Winterscheid um 1930, ehem. Brandweiher[8] |
Brunnenhäuschen zur Wasserversorgung vor 1961[8] |
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Jahrbuch 2006, S. 17, nur Hauptort, Gemeindegebiet Winterscheid mit 17 Ortsteilen knapp 2800 Einwohner
- ↑ Jahrbuch 2006, S. 19 - 21, Text der Urkunde vom 21. März 1131 in der Übersetzung von Prof. Oberdörfer in Das alte Kirchspiel Much
- ↑ a b Das Kirchspiel Winterscheid aus dem Winterscheider Heimatbuch 1982, zugegriffen am 27.02.2007
- ↑ a b Winterscheider Heimatblatt, 1. Ausgabe September 1996
- ↑ Winterscheider Heimatblatt, 6. Ausgabe Mai 2003
- ↑ a b Winterscheider Heimatblatt, 2. Ausgabe April 1998
- ↑ abweichende Daten in Winterscheider Heimatblatt, 4. Ausgabe August 2001: Ende 10. Jahrhundert
- ↑ a b c Winterscheider Heimatblatt, 4. Ausgabe August 2001
- ↑ Winterscheider Heimatblatt, 2. Ausgabe April 1998: Bauzeit von 1765 - 1781
- ↑ a b aus dem Steckbrief der Gemeinde Ruppichteroth, zugegriffen am 05.03.2007
- ↑ Wandern auf den Spuren der Historie, S. 10 u. 11
- ↑ aus der Geschichte und Beschreibung Burg Herrnstein, zugegriffen am 04.03.2007
- ↑ nächste Termine: 31.03.2007, 05.05., 16.05. (18:00 Uhr!), 02.06., 04.08., 01.09., 06.10., 03.11. und 05.01.2008 lt. Anschlagtafel neben der Grundstückszufahrt
- ↑ Wandern auf den Spuren der Historie, S. 16 u. 17
- ↑ Luzie Guth in Winterscheider Heimatblatt, 6. Ausgabe Mai 2003
[Bearbeiten] Quellen
- Winterscheider Heimatblatt, Heimatverein Winterscheid e.V. (Hrsg.), Ausgaben 1 (1996) - 8 (2005)
- Jahrbuch 2006 - Nr. 9, Heimatverein Winterscheid e.V. und Arbeitsgemeinschaft „Winterscheider-Heimatblatt“ (Hrsg.), 2006
- Schönenbrücher, Werner und Otterbach, Dieter: Wandern auf den Spuren der Historie - 16 Rundwanderungen im Bergischen Land zwischen Agger und Sieg, Gemeinde Much Tourismusbüro (Hrsg.), 2006
[Bearbeiten] Weblinks
zum Ort
zur Burg Herrnstein
zur Rennenburg
Koordinaten: 50° 48' 54" N, 7° 22' 30" O