Castra Regina
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Castra Regina ist der lateinische, antike Name von Regensburg. Die Stadt wurde als Legionslager gegründet, entwickelte sich aber schnell zu einem städtischen Zentrum, dass die Grundlagen des späteren Regensburg legen sollte. Hier war die 3. italische Legion stationiert. Der antike Ort bestand aus verschiedenen Teilen. Es gab das eigentliche Legionslager, es gab eine zivile Stadt, es gab umfangreiche Friedhöfe und diverse Heiligtümer im Umkreis der Stadt.
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[Bearbeiten] Vorläufer
Im Bereich der späteren römischen Zivilsiedlung gab es schon seit dem Ende des 1. nachchristlichen Jahrhunderts ein Dorf (vicus). Dieses scheint beachtliche Ausmasse gehabt zu haben. Es konnten einige Holzbauten beobachtet werden.
Weiter südlich gab es ein kleineres Militärlager. Bei Regensburg-Kumpfmühl konnten ein solches und eine umfangreiche zivile Siedlung angegraben werden. Das Lager datiert in die erste Hälfte es 2. Jahrhunderts und wurde wie die Donausiedlung beim Einfall der Markomannen um 170 für immer zerstört.
[Bearbeiten] Lager
Das Lager von Castra Regina wurde im späten 2. Jahrhundert an der Donau errichtet. Durch eine Bauinschrift ist bekannt dass das Legionslager im Jahr 179 fertiggestellt wurde. Das Lager ist ca. 540 x 450 m groß, was 360 zu 300 römischen passus (Doppelschritten) entspricht. Das Lager nahm damit eine Fläsche von ca. 24,5 Hektar ein. Es war von einer Mauer umgeben. Vor der Mauer befand sich ein Spitzgraben, der 6-7 m breit und ca. 2,5 bis 3 m tief war. Das Lager hatte vier Tore und diverse Türme. Die Porta Praetoria (das Nordtor) ist noch heute gut erhalten.[1] Innerhalb des Lagers konnten bei diversen Ausgrabungen im Stadtgebiet des heutigen Regensburg verschiedene Bauten beobachtet werden. Der Großteil des Lagers war zweifelslos mit Mannschaftsbaracken bedeckt, die für jeweils 100 Mann dienten. Am Kopf dieser Baracken befanden sich die Wohnungen der Hauptleute. Im Zentrum des Lages konnten die Reste verschiedener öffentlicher Gebäude beobachtet werden. Es gab mindestens zwei Badeanlagen und ein Praetorium. Es fanden sich auch Werkhallen (fabrica), die in diesem Fall mit einfachen Wandmalereien dekoriert waren.
Bei den Ausgrabungen konnten diverse Zerstörungshorizonte beobachtet werden. Das erste Mal wurde es wohl bei einem Germaneneinfall um 278 niedergebrannt, ein zweiter Zestörungshorizont kann anhand von Münzfunden eventuell auf 288 datiert werden. Kurz danach scheint das Lager wieder aufgebaut worden zu sein, wobei große Teile der zivilen Stadt ausserhalb des Lagers aufgegeben wurden und auch die Zivilbevölkerung innerhalb der Lagermauern untergebracht wurden.
Wohl 357 wurde das Lager ein drittes Mal, und zwar diesmal von den Juthungen zerstört. Dieses Ereignis war besonders einschneidend. Das Leben im Lager konzentriete sich von nun an fast vollkommen auf dessen Nordostecke. Es ist nicht bekannt, welche Truppensträrke noch vor Ort verblieb, doch scheint die Legion aufgelöst worden zu sein. Es kann damit gerechnet werden, dass die letzten Soldaten im fünften Jahrhundert abgezogen wurden.
[Bearbeiten] Zivilstadt
Westlich des Lagers entwickelte sich schnell eine Zivilsiedlung (canabae), die in etwa so groß wie das eigentlich Lager war und schon alleine deshalb sicherlich städtischen Charakter hatte. Verschieden Grabungen erbrachten Wohnbauten, doch ist das allgemeine Aussehen der Stadt unklar. Beim heutigen Arnulfsplatz konnte ein großes Wohnviertel angegraben werden. Es fanden sich Räume mit Hypokausten, ein Garten in einem Innenhaof und ein Bad. Die beim Bau verwendeten Ziegel stammen von der in Regensburg stationierten Legion, so dass vermutet wurde, dass dies die Stadtvilla eines Offiziers darstellte. Am heutigen Bismarkplatz konnten weitere Wohnbauten beobachtet werden. Es fanden sich Reste von Werkstätten und die dortige Strasse scheint mit einem Porticus versehen gewesen zu sein. Die Stadt blühte vor allem in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts. Bei den Germaneneinfällen scheint der Ort stark gelitten zu haben, es gibt jedoch Anzeichen, dass hier noch im viertenn Jahrhundert gebaut wurde.
Der einstige Rechtsstatus der Zivilstadt ist unbekannt. Auf einem Weihstein wird der Aedil Aurelius Artissius genannt. Ein Aedil ist ein Beamter einer Stadtverwaltung. Dies mag andeuten, dass der Ort eine rechtliche Verfassung hatte. Doch ist nur ein einizger Aedil bekannt, so dass die Interpretation der Inschrift unsicher ist.
[Bearbeiten] Friedhöfe
Vor allem südlich der Zivilstadt konnte ein großer Friedhof beobachtet werden. Es fanden sich vor allem Urnenbestattungen. Daneben fand man aber auch beschriftete Sarkophage (meist nicht am orginalen Aufstellungsort gefunden). Reste von reliefverzierten Blöcken zeigen, dass es auch monumentale Grabanlagen gab. Weitere Friedhöfe gab es östlich und südlich des eigentlichen Legionslagers.
[Bearbeiten] Heiligtümer
Innerhalb der eigentlichen Stadt konnte bisher kein Tempel ausgegraben werden. Südlich, ausserhalb der eigentlichen Stadt stand jedoch ein Merkurtempel, von dem sich sogar noch eine 92 cm hohe Statue des Gottes fand. Durch Inschriften ist auch ein Heiligtum des Liber Pater (Bacchus), westlich der Zivilsiedlung belegt. Beide Heiligtümer standen an Straßen, die in die Stadt führten. Weitere, vor allem auf Weihesteine genannte Gottheiten sind Jupiter, Juno, Larunda und Vulcanus.
[Bearbeiten] Großprüfenning
Bei Großprüfenning an der Donau, genau gegenüber der Naabmündung existierte etwa zeitgleich mit dem Legionslager ein weiters kleineres Lager mit einer umfangreichen Zivilsiedlung. Dieser Ort wurde im dritten Jahrhundert, wohl bei dem Einfall der Alamannen zerstört. Einzelne Münzfunde belegen ein Weiterleben, jedoch sicherlich in kleinem Umfang.
[Bearbeiten] Christentum und Weiterleben
Es gibt wenige Zeugnisse für das Christentum in der antiken Stadt. Immerhin gibt es einen christlichen Grabstein, der in das 4. Jahrhundert datiert.
Über die Geschichte der Stadt in der folgenden Zeit ist wenig bekannt. Die Münzfunde brechen, wie fast überall in Raetien um 408 ab. Dies muss jedoch nicht heissen, dass der Ort von den Römern aufgegeben wurde, sondern es zeigt nur an, dass der Münzumlauf zusammenbrach. Grabungen unter dem Niedermünster erbrachten, dass der Ort von Germanen weiterbesiedelt war. Raetien gehörte zu dieser Zeit offiziel noch zum Römischen Reich. Die Germanen können Söldner gewesen sein. Wann die offizielle Kontrolle abbrach ist unbekannt, doch wird dies im 5. Jahrhundert gewesen sein. Für den Übergang vom 5. zum 6. Jahrhundert gibt es Belege für Bauarbeiten unbekannter Art. Um 600 wurde hier eine Holzpalisade errichtet. Um 700 lassen sich dann die ersten mittelalterlichen Bauten belegen. Auch wenn die Belege mager sind, so scheint Castra Regina doch durchgehend besiedelt gewesen zu sein.
[Bearbeiten] Anmerkungen
[Bearbeiten] Literatur
- Karlheinz Dietz, Udo Osterhaus, Sabine Rickhoff-Pauli, Konrad Spindler: Regensburg zur Römerzeit, Regensburg 1979, ISBN 3-7917-0599-7
- Gerhard H. Waldherr: Auf den Spuren der Römer - ein Stadtführer durch Regensburg, Regensburg: 2001 ISBN 3-7917-1748-0