Bioenergiedorf
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Ein Bioenergiedorf ist ein Konzept zur Nutzung regenerativer Energiequellen im ländlichen Raum. Ziel ist die Nutzung der in ortsansässigen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben anfallenden Biomasse zur Energiegewinnung, um den Bedarf des Ortes an Wärme und Strom möglichst vollständig zu decken.
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[Bearbeiten] Technische Umsetzung
Gülle, Gras- oder Maissilage, Grünschnitt und andere Rohstoffe aus der Landwirtschaft werden in einer Biogasanlage vergoren. Aus dem dabei entstehenden Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk Wärme und Strom gewonnen. Die Wärme wird über ein Nahwärmenetz im Ort verteilt und zur Heizung genutzt. Der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist, aus dem ihn die Haushalte beziehen können.
Im Winter wird der zusätzliche Wärmebedarf durch ein Heizwerk gedeckt, in dem Hackschnitzel oder Stroh verbrannt werden. Auch diese Wärme wird über das Nahwärmenetz verteilt.
[Bearbeiten] Existierende Projekte
[Bearbeiten] Jühnde
Das erste Bioenergiedorf in Deutschland ist Jühnde im Landkreis Göttingen. In einem Projekt des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Universität Göttingen konnte das Ziel, den kompletten Energiebedarf durch regenerative Energieträger zu decken, im Januar 2006 erfolgreich umgesetzt werden. Neben der Deckung des Wärmebedarfs der Haushalte erzeugt der Ort doppelt soviel Biostrom, wie er selbst verbraucht.
Es wird geschätzt, dass die teilnehmenden Haushalte in Jühnde nach Abzug der Kosten 750 € pro Jahr an Energiekosten einsparen.
[Bearbeiten] Mauenheim
In Mauenheim, einem Ortsteil von Immendingen im Landkreis Tuttlingen mit rund 400 Einwohnern und 148 Gebäuden ist das erste Bioenergiedorf Baden-Württembergs entstanden (am Netz seit 1. November 2006). Die Biogasanlage und Hackschnitzelheizung wird durch eine Photovoltaikanlage ergänzt. Für die Finanzierung und den Betrieb des Projekts wurde eine Gesellschaft gegründet. Nach Berechnungen der Betreiber soll durch das Projekt etwa 1900 t CO2 pro Jahr eingespart werden.
[Bearbeiten] Rai-Breitenbach
Der Breuberger Stadtteil Rai-Breitenbach (rund 890 Einwohner) im Odenwald ist im Begriff zum Bioenergiedorf zu werden. Derzeit befindet sich das Projekt im konkreten Planungszustand. Es wurde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet und eine Genossenschaft gegründet.
[Bearbeiten] Abwägung
[Bearbeiten] Vorteile
- Durch die umweltfreundliche Energieerzeugung werden keine klimaschädlichen Abgase freigesetzt. Die Risiken und das Müllproblem der Atomenergie werden vermieden.
- Die Energie ist für die Verbraucher unter Umständen günstiger als konventionelle Energie.
- Es werden lokale Ressourcen ohne lange Transportwege genutzt.
- Die Energiekosten werden lokal ausgegeben, dadurch wird die lokale Wirtschaft gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen.
[Bearbeiten] Nachteile
- Hohe Investitionen
- Das Konzept funktioniert nur, wenn ein nennenswerter Anteil der Einwohner teilnimmt und sich an das Nahwärmenetz anschließen lässt
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Aktionsforschungsprojekt Das Bioenergiedorf des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Universität Göttingen
- Bioenergiedorf Jühnde
- Bioenergiedorf Rai-Breitenbach
- solarcomplex GmbH Singen (Betreiber des Projekts Bioenergiedorf Mauenheim)
- Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen