Hammundeseiche
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Die Hammundeseiche (auch Hoheneiche genannt) ist eine Wüstung. Sie befindet sich auf 440 m ü. NN, zwischen Friedewald und Wildeck-Hönebach im Seulingswald im Nordosten von Hessen. Nicht weit entfernt führen die Landstraße 3069 und die hier parallel verlaufende Bundesautobahn 4 vorbei.
Von der Landstraße biegt am Nadelöhr ein Teil der ehemaligen „Flößholzstraße“ ab. Nach etwa 600 Metern erreicht man die Kirche der Wüstung, etwa 200 Meter südöstlich davon befindet sich die Dorfeiche, dazwischen befindet sich der Dorfbrunnen mit dem Dorfweiher.
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[Bearbeiten] Wüstung
Hammundeseiche wurde am Anfang des 10. Jahrhunderts vom Hersfelder Abt, an der Handelsstraße durch die Kurzen Hessen gegründet, die die beiden Messestätte Frankfurt und Leipzig verband. Der Ort wurde im Jahr 1141 das erste Mal urkundlich erwähnt. In diesem Jahr wurde die Kirche aus Stein neu errichtet (novella ecclesiola), vom Würzburger Bischof geweiht und zur Pfarrkirche erhoben. Im Jahr 1312 wird der Ort als „Hamndeych“ bzw. „Hamyndech“ erwähnt. In dieser Urkunde wird der Ort als ein schon länger verlassenes Dorf bezeichnet. In der gleichen Urkunde wird die Burg Friedewald als neues, bedeutendes Zentrum im Seulingswald erwähnt. Man vermutet daher, dass Friedewald der Nachfolgeort von Hammundseiche ist. Die Kirche stand noch bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, als man sie abtrug.
Der Ort geriet daraufhin völlig in Vergessenheit. Im 19. Jahrhundert wussten die Leute in den umliegenden Ortschaften lediglich noch von einem ehemaligen Dorf zu berichten, das fälschlich „Lingelbach“ genannt wurde. Im Jahr 1969 unternahm man Ausgrabungen und konnte nachweisen, dass es sich um die überlieferte Wüstung Hammundeseiche handelt. Aufgrund dieser Ausgrabungen schätzt man, dass das Dorf etwas 20 Höfe gehabt hat. Man fand die Grundmauern der Kirche, Gräber, den Dorfbrunnen mit dem Dorfweiher, einen Brennofen mit Scherben sowie einen Backofen und mittelalterliche Ackerraine.
Von dem Ort sind heute nur noch die Kirche, der Dorfbrunnen und die „Dicke Eiche“ zu erkennen. Alle anderen Gebäude waren aus Holz und sie sind damit vollständig verschwunden. Die Grundmauern der Kirche wurden nach den Ausgrabungen 1973 wieder aufgemauert.
[Bearbeiten] Eiche
Die ehemalige Dorfeiche ist heute ein Naturdenkmal und sie befindet etwa 200 Meter südöstlich der Kirche auf 435 m ü. NN. Man schätzt das Alter der „1000-jährige Dorfeiche“ zwischen 400 und 600 Jahre, ihr Stammumfang beträgt 8,77 Meter. Siehe auch: Markante und alte Baumexemplare
[Bearbeiten] Nadelöhr
Das Nadelöhr steht in einem schmalen Waldstreifen, zwischen der oben erwähnten Landstraße und der Autobahn. Es befand sich früher an der höchsten Stelle der Altstraße durch die Kurzen Hessen im Seulingswald, auf 470,3 m ü. NN.
Das Nadelöhr besteht aus drei Sandsteinblöcken und hat die Form eines kleinen Häuschens mit einem Satteldach. Es ist 63 cm tief, 102 cm breit und etwa 100 cm hoch. Die Öffnung in Form einer kleinen Pforte, ist etwa 60 cm breit und 65 cm hoch. Auf dem nördlichen Giebelfeld wurde mit kunstlosen unregelmäßigen Buchstaben "NĀDELŌR 1561" eingraviert. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen unter einem achtstrahligen Stern die Initialien "ML ZH".
Es wird als „Nollenöhr“ das erst Mal urkundlich erwähnt. Es wurde als hohle Eiche beschrieben, deren Öffnung in der Regel länglich und schmal war [1]. Solche Bäume mit Öffnungen (z.B. Astlöcher, Astschlingungen Astgabelungen oder Wurzellöcher), die auch künstlich geschaffen wurden, nannten man auch „Zwieselbäume“, „Durchzugs-Eichen“ oder „Elfenlöcher“. Es wurde als heilwirksam angesehen dort hindurch zu kriechen.
Dahinter verbirgt sich der Brauch einer Reinigung, einer „rites de passage“. Dieser Heilritus ist auf einen keltischen bzw. germanischen Brauch zurückzuführen. Rituelle Ähnlichkeiten gab es auch beim Durchzug von siegreichen römischen Heeren durch eine „porta triumphalis“, einen Triumphbogen. Die Kirche vereinnahmte diesen Brauch (Schlupfaltäre [2]) und auch die architektonische Form eines Triumphbogens wurde in der Romanik und in der Renaissance in die Kirchenbauten übernommen. Man erklärt sich so auch die die heutig Form des Nadelöhrs, indem das architektonische Element solcher Portale hier verkleinert wiedergegeben wurde.
Der verfallene Baum wurde vermutlich 1561 durch einen torähnlichen Buntsandstein ersetzt um den „Heilgebrauch“ und den „Hänselbrauch“ des Durchkriechens zu erhalten. Angeblich hat sich die Landgräfin bei einem Jagdausflug verirrt und der Landgraf fand sie am Nadelöhr wieder. Dies soll für den Landgraf Moriz von Hessen Anlass gewesen sein, den Stein erneuern zu lassen. Die Initialen auf dem Stein verweisen auf den Landgrafen.
Man sag heute: „Wer durch das Nadelöhr kriecht, der bleibt gesund“. Zum gleichen Zweck war es auch üblich, Geldstücke unter das Nadelöhr zu legen. Vermutlich stellte man deswegen im Jahr 1747 neben dem Nadelöhr einen Opferstock auf. Auf ihm seht die Jahreszahl und in einem Band rund um den Stein: „Ein Opferstok vor die Weisen Kinder zu Hersfeld“
[Bearbeiten] Quellen und Anmerkungen
- Helmut Siefert: Das Nadelöhr bei Bad Hersfeld; Medizinhistorisches Journal Band 3, Heft 2; Hildesheim 1968
- Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen ,S. 255, Deutscher Kunstverlag, 1966
- ↑ ein anderer Baum, der ebenfalls Nadelöhr genannt wurde, soll es in der Nähe des Franziskushospitals im Marburg gegeben haben. Ein in der Nachbarschaft gelegenes Grundstück hieß noch lange „Am Nolenohr“. Es gibt auch Ansätze zu einem nicht mehr vorhanden Schlupfaltar auf der Rückseite des Hochaltars in der Elisabethkirche, die auf das hiesige Nadelöhr zurückgehen könnte (Quelle: Dehio Hessen 1966)
- ↑ Zu den bekanntesten "Schlupfaltären" gehört der „Schliefstein” in der Falkensteinkapelle bei Sankt Gilgen, der Kiliansaltar im Würzburger Neumünster und das Grab des heiligen Otto von Bamberg in Kloster Michelsberg.
Koordinaten: 50° 54' 16" N, 9° 53' 26" O