Kölner Grüngürtel
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Die Kölner Grüngürtel sind planmäßig angelegte Grünzonen, die sich halbkreisförmig um die Stadt Köln an beiden Ufern des Rheins legen. Sie sind aus den ehemaligen Festungsrayons des Festungsring Köln entstanden.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Schon im Mittelalter duldete die Stadt Köln rund um die Stadtmauern keine Bebauung, insbesondere keine Burgen oder Festen Häuser (befestigte Häuser). Dies blieb erst recht geboten mit dem Aufkommen von Kanonen und der Verstärkung der Stadtmauern durch vorgesetzte Bastionen und Bollwerke. Mit dem Übergang der französisch besetzten Rheinlande an Preußen nach dem Wiener Kongress 1815 baute die Militärverwaltung Köln 1816 bis 1846 (linksrheinisch) und 1818 bis 1863 (um Deutz) zu einer Festungsstadt aus. Vor die Bollwerke wurden nun im Abstand von 480 bis 560 m 14 Forts und 9 kleinere Lünetten gelegt, die aber schon nach dem Deutsch-Französischen Krieg durch einen ab 1873 bis 1881 um die Vorstädte gelegten äußeren Festungsring mit 11 Forts und unzähligen Zwischenwerken ersetzt wurden. Dennoch blieb der innere Festungsring bis zum Ende des 1. Weltkrieges intakt. Nach den Bestimmungen im Vertrag von Versailles mussten alle Befestigungsanlagen geschleift werden.
[Bearbeiten] Anlage der Grüngürtel
Nach dem Willen der englischen Besatzung sollten die Festungsanlagen als Ödland liegen bleiben. Der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer erreichte es, dass nicht alle Anlagen nach der Entfestigung abgerissen werden mussten und dass das Umfeld nach einem Generalbebauungsplan des Hamburger Stadtplaners Fritz Schumacher in Parkanlagen umgewandelt werden durfte, auch um dadurch Bodenspekulationen zu vermeiden. Ab 1922 konnte nach Überwindung von Widerständen von Seiten der zu enteignenden Grundbesitzer mit der Anlage von Grünflächen und Sportanlagen begonnen werden. Die Arbeiten wurden in der Zeit hoher Arbeitslosigkeit nach dem 1. Weltkrieg als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeführt. Der Innere Festungsring lässt sich in Deutz nur noch an Straßenverläufen rekonstruieren. Der innerste Rayon um Kölns mittelalterliche Mauern war bereits ab 1881 von den niedergelegten mittelalterlichen Stadtmauern und den neuzeitlichen Bastionen, die zu Ringstraßen gestaltet wurden, bis zur Bahnlinie mit der Kölner Neustadt planmäßig bebaut worden, nachdem die Stadt dem preußischen Fiskus diesen 120 ha großen Teil des Festungsgürtels mit Ratsbeschluss vom 23. Mai 1880 für 11 794 000 Mark abgekauft hatte. Auch die Ringe waren schon teilweise durch Grünanlagen aufgelockert worden. In die Neustadt waren bereits kleinere Parkflächen integriert. In den größten Park in der Südstadt, den Volksgarten, hatte der Gartenarchitekt Kowallek bereits Lünette 3 und Fort IV als Bauwerke integriert.
[Bearbeiten] Innerer Grüngürtel
Ganz ließ sich der Ring um Köln nicht schließen. Der Innere Grüngürtel reicht ca. 7 km vom Rhein bei Köln-Riehl bis zur Luxemburger Straße (bis in die 1960er Jahre nur bis zur Zülpicher Straße). Die Parkanlagen um Fort IV im Volksgarten sind durch die Bahnlinie zur Kölner Südbrücke abgetrennt und fallen so nicht als zum Grüngürtel gehörig auf. Die ab der Luxemburger Straße nach Köln abbiegende Bahnstrecke macht die Unterbrechung noch deutlicher. Erst am Rheinufer ist mit dem Friedenspark um Fort I mit erhalten gebliebenen Festungsterrassen als Blumengarten wieder ein Stück Grüngürtel zu sehen. Sein Gegenstück ist der Rosengarten um Fort X am Neußer Wall. Dazwischen liegen große Park und Wiesenflächen und der damals angelegte 4 ha große Aachener Weiher an der Aachener Straße. Auch die Universität konnte sich hier 1929/1934 ausbreiten. Ihre terassierte Akademische Lustwiese, im Studentenjargon abgekürzt Akaluwie, ist im Sommer ein beliebter Tummelplatz für die Studierenden. Besonders an der Universität und dem Aachener Weiher sind die damals dominierenden geometrischen Formen der Wege und Anlagen auch heute noch zu erkennen.
Der Innere Grüngürtel wird zur Innenstadt hin von der ringförmig um die Neustadt herumgeführten Bahnlinie und zu den Vororten von der Inneren Kanalstraße/ Universitätsstraße begrenzt. Die Anlage erfolgte im Wesentlichen zwischen 1922 und 1924.
Gebäude der WiSo-Fakultät Universität zu Köln Wilhelm Riphahn |
Aachener Weiher, Blick Fernmeldeturm Colonius |
Aachener Weiher, Blick Uni-Center (Köln) |
[Bearbeiten] Äußerer Grüngürtel
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Der Äußere Grüngürtel reichte über das damalige Kölner Stadtgebiet hinaus. Es mussten also auch Ländereien aus den Gemeinden des Umlandes gekauft oder gegen Entschädigung enteignet werden. Nach einem Stadtführer von 1927 sollten damals 200 ha Grünanlagen entstehen mit „Sport und Spielwiesen, Schulgärten, Waldschulen, Luftbädern und Blumengärten". Nach dem Abschluss der Arbeiten 1923 bis 1929 erscheint der Grüngürtel mit ca. 800 ha Fläche, davon 400 ha Wald, in folgender Dreigliederung: Zur Stadt hin von dem den Gürtel zur Gänze durchziehenden Militärring liegen kleinteilige Parzellen, Kleingärten und Friedhöfe. Auf der anderen Seite der Straße folgt ein mit Sportflächen und den ehemaligen Festungswerken durchsetzter Waldstreifen, an den sich wiederum offene Wiesen und eingebettete Wasserflächen (Kahnweiher, Decksteiner Weiher und Adenauer Weiher), deren Aushub zu Hügeln aufgeschüttet wurde,anschließen, alles mit begleitenden Fuß- und Radwegen. Den Abschluss bildet wieder ein neu angepflanzter Waldgürtel mit auch schnell wachsenden ausländischen Baumarten, der ursprünglich als Schutzzone zur im anschließenden Vorgebirge übermächtigen Braunkohle- und Chemieindustrie gedacht war. Heute schwächt er vor allem die Emissionen der Autobahnen A 4 und A 1. Besonders gut ausgebildet ist der Landschaftspark im Sektor zwischen der Aachener und der Bonner Straße. Er wird auch von der Bevölkerung Kölns und des Umlandes am stärksten genutzt. Beiderseits der Aachener Straße wurde im Zuge des Grüngürtels ein großes Sportzentrum mit Stadion und zahlreichen anderen Sportanlagen errichtet.
[Bearbeiten] Rechtsrheinischer Grüngürtel
Der rechtsrheinische Festungszug verläuft eher in nord-südlicher Richtung zwischen den auch dort die Wohnbebauung umfahrenden Bahnlinien und den Vororten. Ebenso verläuft der hier zwar nicht so deutlich ins Auge fallende, aber dennoch vorhandene Grünzug mit Friedhöfen, Kleingärten, Sportanlagen und Parkflächen.
[Bearbeiten] Radiale Verbindungen
Bereits 1896 war im Bereich des Gutes Kitschburg in Köln-Lindenthal der 105 ha große Kölner Stadtwald angelegt worden. Der Blücherpark zwischen Nippes und Neuehrenfeld entstand zwischen 1910 bis 1913. Der Vorgebirgspark von 1911 bis 1913 liegt zwischen Zollstock und Raderberg und verbindet im Grünzug Süd den Grüngürtel mit dem Volksgarten. Die 70 ha großen Müngersdorfer Sportanlagen mit den Jahnwiesen entstanden 1921. Diese Freiflächen zwischen den radial von Köln ins Umland strebenden Straßen, an denen sich auch die Vorort-Stadtentwicklung vollzog, konnten freigehalten werden und als Ansatz für einen Grün- und Frischluftzug zur Innenstadt entwickelt werden. Besonders deutlich ist dies in der Verbindung von Äußerem Grüngürtel, Stadtwald und den Spazierwegen am Kanal im Verlauf der Rautenstrauch- und Clarenbachstraße bis zum Aachener Weiher des Inneren Grüngürtels.
[Bearbeiten] Veränderungen nach dem 2. Weltkrieg
Manche Freiflächen des Inneren Grüngürtels mussten unmittelbar nach Ende des 2. Weltkrieges als Schuttabladefläche für einen Teil des Trümmerschutts von 30 Millionen m³ des zu über 80 Prozent zerstörten Kölns dienen (zum Beispiel im Inneren Grüngürtel Herkulesberg und Mont Klamott am Aachener Weiher, aber auch an verkehrsgünstigen, mit dem Zug erreichbaren Stellen im Äußeren Grüngürtel). In einigen Randbereichen wurde der Innere Grüngürtel dann auch bebaut (mit Hochhäusern und Fernsehturm Colonius, aber auch mit den Gebäuden der Naturwissenschaften als Erweiterung des Universitätscampus). Ein besonderes Schmuckstück ist das am Aachener Weiher erbaute Ostasiatische Museum mit kleinem japanischem Garten.
[Bearbeiten] Ausblick
Die Idee Adenauers und Schumachers wird stetig weiterentwickelt, soweit das möglich ist. So kann der Naturpark Rheinland jenseits der Ville als Dritter Kölner Grüngürtel angesehen werden. Gemeinsam mit den Planungsbehörden des Umlands werden die radialen Verbindungen der Grüngürtel dann auch bis zum Naturpark weitergeführt.
[Bearbeiten] Kölner Grün-Stiftung
In Verpflichtung für das Werk ihres Großvaters haben die Enkel Konrad Adenauers, Paul Bauwens-Adenauer und Dr. Patrick Adenauer, im Jahre 2004 die Kölner Grün-Stiftung gegründet, die am 17. November 2006 erstmals mit einer Bestandsaufnahme und mit einem Handlungsbedarfskatalog, überreicht an Oberbürgermeister Fritz Schramma, an die Öffentlichkeit trat. Die Stiftung hofft, durch weiteres bürgerliches und städtisches Engagement, Mäzene und Sponsortum der Industrie dem teilweise desolaten Zustand des historischen Kölner Grünsystems entgegenwirken zu können. Dem Kuratorium der Stiftung gehören weitere namhafte Kölner Persönlichkeiten wie Christopher Freiherr von Oppenheim, Konstantin Neven DuMont und Christian DuMont-Schütte an.
[Bearbeiten] Literatur
- Dorothea Wiktorin, Jürgen Blenck, Josef Nipper (Hrsg.): Köln, der historisch-topographische Atlas. Emons, Köln 2001, ISBN 3-89705-229-6
[Bearbeiten] Medien
- Rheinhard Zeese: 1900 Jahre befestigtes Köln, CD , LEB - Brühl, 2006