Lebensberatung
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Der Ausdruck Lebensberatung - oft in Verbindung mit einem Städtenamen oder dem Namen eines Kirchenkreises - bezeichnet viele integrative Beratungsstellen in der evangelischen Kirche in Deutschland. Für Rat suchende Menschen jeder Altersstufe wird dort professionelle Hilfe und Unterstützung von Fachkräften aus dem psychologischen, pädagogischen, medizinischen, juristischen und theologischen Bereich angeboten. In der Regel verfügen die Mitarbeiter über eine spezielle Zusatzausbildung in "integrierter familienorientierter Beratung" des Evangelisches Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Grundlegend für die kirchliche Beratungsarbeit sind psychoanalytische und tiefenpsychologische sowie systemische Konzepte, teilweise wird auch auf gestalttherapeutische und verhaltenstherapeutische Konzepte zurückgegriffen.
Anlässe der Beratung in evangelischen Beratungsstellen sind vor allem Probleme mit dem eigenen Verhalten und Erleben, Beziehungsprobleme und Fragen im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung; bei Kindern und Jugendlichen auch Entwicklungsauffälligkeiten oder Schulprobleme. Ca. 10% der Klienten leiden unter schweren psychischen Störungen, finden aber regional keine entsprechenden zeitnahen Psychotherapieangebote im Gesundheitsbereich und nutzen in der Zwischenzeit die Lebensberatungsstellen.
Bei erwachsenen Klienten überwiegen deutlich die Anfragen von Frauen (ca. 70% der Anmeldungen), bei den Kindern werden bis zum Alter von 12 Jahren mehr Jungen als Mädchen angemeldet, bei den Jugendlichen dann wieder mehr Mädchen.
Lebensberatung wird verstanden als zeitlich begrenzte Form der Hilfe und Unterstützung, sie ist vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. Im Gegensatz zum konkreten "Rat-Schlag" durch Freunde, Bekannte oder Verwandte geben professionelle Berater zwar auch Informationen, sie versuchen in der Regel jedoch auf dem Hintergrund einer Beratungstheorie neuen Raum für Veränderungen zu öffnen; dabei bleiben die entscheidenden Handlungsschritte bei den Klienten.
Die meisten Beratungen (ca. 60 bis 70%) sind nach ein bis fünf Gesprächen beendet, nur ca. 15% aller Beratungen in evangelischen Beratungsstellen benötigen mehr als 10 Gespräche. Die Tendenz zu Kurzberatungen ist dabei sicher auch auf den großen Bedarfsdruck sowie die Entwicklung von speziellen Konzepten für kürzere Beratungen zurückzuführen. Für diese kirchliche Form der Lebensberatung, die auch als eine Form der seelsorgerlichen Zuwendung gesehen wird, gibt es bisher keine Alternativen des Staates und keine gesetzlich geregelte finanzielle Unterstützung. In vielen Beratungsstellen beteiligen sich daher die Klienten an den Kosten in Form von Gebühren oder durch Spenden.
Als Grundhaltung der Berater überwiegt eine ressourcenorientierte Wahrnehmungs- und Denkweise. Lebensberater gehen davon aus, dass Rat suchende Menschen selbst bei ausgeprägten Problemen oft noch über genügend eigene Ressourcen verfügen, die zur Klärung und Bewältigung in der kritischen Lebenssituation eingesetzt werden können. Der professionelle Berater ist in diesem Zusammenhang eher Klärungshelfer, Anreger und Unterstützer.
Wichtige Qualitätskriterien sind u.a. der freie, niedrigschwellige und unbürokratische Zugang, unabhängig von Konfession, Nationalität oder Einkommen, das multiprofessionelle Team, strenge Verschwiegenheitspflicht, Verpflichtung zu regelmäßiger Fortbildung und Supervision sowie Ausrichtung der Beratungsarbeit ausschließlich nach den Regeln des fachlichen Könnens. Bisher existiert keine allgemein gültige Beratungstheorie und der Beruf Lebensberater oder Lebensberaterin ist in Deutschland bisher nicht geschützt.
Fachverband auf Bundesebene ist die Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung (EKFuL); auf landeskirchlicher Ebene gibt es Beauftragte, z.B. in der Landeskirche Hannover die Hauptstelle für Lebensberatung (HSt); regionale Lebensberatungsstellen findet man auf den Internetseiten des Fachverbandes bzw. der Hauptstellen und vor Ort in Verzeichnissen der Landkreise und Kommunen oder der Kirchengemeinden.