Nutzenschema der Nürnberger Schule
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Ein in den Wirtschaftswissenschaften als klassisch zu bezeichnender Ansatz zur Beschreibung der Bedeutung von Konsumgütern für den Konsumenten ist das so genannte „Nutzenschema der Nürnberger Schule“ nach Vershofen (1940).
Wilhelm Vershofen (1878-1960), der oft als “Vater” der Marktforschung in Europa bezeichnet wird, war u.a. Professor an der Handelshochschule Nürnberg und Mitbegründer der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK). Er entwickelte eine Theorie, derzufolge Produkte einen bestimmten Nutzen für Konsumenten in sich bergen. Dieser Nutzen lässt sich seiner Meinung nach konzeptionell in verschiedene Anteile aufspalten (siehe Abbildung unten).
Auf der obersten Ebene unterscheidet Vershofen (1940) "stofflich-technischen Grundnutzen" und "psychologischen Zusatznutzen" voneinander. Den "Zusatznutzen" teilt er weiter auf in "Geltungsnutzen aus der Sozialsphäre" und "Erbauungsnutzen aus der persönlichen Sphäre". "Erbauungsnutzen" besteht nun wiederum aus "Schaffensfreude aus Leistung" und "Zuversicht aus Wertung", letztere setzt sich aus "Harmonie durch Ästhetik" und "Ordnung durch Ethik" zusammen.
Zwar bleibt Vershofen (1940) in der Beschreibung der einzelnen Nutzenkategorien auf sehr abstrakter Ebene, seine basale Unterscheidung zwischen „Grund-“ und „Zusatznutzen“ fand aber dennoch großen Anklang in der wirtschaftswissenschaftliche Forschung und wird dort noch heute als gültig anerkannt. Sie wird deshalb im folgenden kurz erläutert und am Beispiel eines Automobils veranschaulicht: Laut Vershofen (1940) liegt der Nutzen von Konsumgütern auf der obersten Ebene zum einen in ihren stofflich-technischen, man könnte auch sagen „funktionalen“ Eigenschaften. Führt man sich diesen „Grundnutzen“ eines Automobils vor Augen, so wäre damit die Möglichkeit gemeint, mit dessen Hilfe eine Distanz von A nach B zu bewältigen. Auf der anderen Seite bieten Güter aber auch „psychologischen“ Zusatznutzen, der mit den weiter unten liegenden Verzweigungen des „Nutzenschemas“ begründbar ist: als „Geltungsnutzen“ im sozialen Umfeld wäre bei einem Automobil etwa Prestige zu nennen, individueller „Erbauungsnutzen“ könnte im Sinne von „Schaffensfreude“ das Erleben eigener Kompetenz beim Fahren sein, als Nutzen aus „Zuversicht“ bzw. „Wertung“ ist unter „Harmonie“ die Ästhetik des Automobil-Äußeren, unter „Ordnung“ die Verwirklichung eines evtl. persönlich empfundenen Rechtes auf Mobilität denkbar.
[Bearbeiten] Literatur
- Vershofen, Wilhelm: Handbuch der Verbrauchsforschung. Berlin 1940