Wilhelm Emmanuel von Ketteler
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Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler (* 25. Dezember 1811 in Münster (Westfalen); † 13. Juli 1877 in Burghausen, Landkreis Altötting) katholischer Bischof von Mainz und deutscher Politiker (Zentrumspartei). Er wurde der Arbeiterbischof genannt. Wilhelm Emanuel Ketteler ist der Gründer der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung)
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[Bearbeiten] Leben
Ketteler entstammte einem westfälischen Uradelsgeschlecht des Stammes von Hüsten. Er studierte in Göttingen Rechtswissenschaften und Staatswissenschaft, wo er sich dem Corps Guestphalia anschloss. Bei einem Duell verlor er hier seine Nasenspitze. Seine Studien setzte er dann ab 1831 in Berlin fort. Dort hörte er unter anderem Karl Friedrich von Savigny. Anschließend schlug Ketteler zunächst eine juristische Laufbahn ein, quittierte jedoch den Staatsdienst aus Glaubens- und Gewissensgründen. Anschließend studierte er von 1841 - 1843 Theologie in München, wo er dem Kreis um Joseph Görres angehörte. Am 1. Juli 1844 wurde Ketteler in Münster zum Priester geweiht. Bereits als Kaplan in Beckum wurde sein Interesse an der „sozialen Frage“ deutlich. Auf seine Anregung hin entstand dort ein Krankenhaus für die unteren Schichten. Im November 1846 übernahm er die verwahrloste Gemeinde Hopsten. Die Jahre bis 1848 als „Bauernpastor“ haben Ketteler entscheidend geprägt. Sein unermüdlicher Einsatz galt der Linderung des durch Armut, Krankheit und mangelnde Ausbildung hervorgerufenen Elends.
Am 15. März 1850 wird Ketteler zum Bischof von Mainz ernannt und am 27. Juli durch den Freiburger Erzbischof Hermann von Vicari zum Bischof geweiht.
In den Jahren 1848/1849 war er Mitglied der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und 1871/1872 Mitglied des deutschen Reichstags. Gemeinsam mit Ludwig Windthorst gründete er die Zentrumspartei als Gegengewicht zu den protestantischen Parteien und insbesondere Otto von Bismarck.
Kirchenpolitisch setzte er sich für die Autonomie der Kirche ein und war erklärter Gegner einer Staatskirche, was ihn zum Widersacher Bismarcks im Kulturkampf machte.
Unter dem Einfluss von Adolph Kolping erkannte er die Bedeutung der sozialen Frage in der neu entstehenden Industriegesellschaft und bereitete die Hinwendung der katholischen Kirche zur Sozialtätigkeit zum Wohle der Arbeiterschaft vor, die schließlich von Papst Leo XIII. vollzogen wurde. Er gilt damit als Mitbegründer der Katholischen Soziallehre und handelte sich so den Beinamen „Arbeiterbischof“ ein.
Obwohl Bischof Ketteler ein Gegner der auf dem 1. Vatikanischen Konzil beschlossenen Unfehlbarkeitserklärung des Papstes war, unterwarf er sich dem Konzilsbeschluss.
Ketteler starb am 13. Juli 1877 im Kapuzinerkloster zu Burghausen, er wurde am 18. Juli im Mainzer Dom beigesetzt.
Er war Mitglied der Accademia dei Quiriti in Rom, römischer Patrizier, päpstlicher Thronassistent und Hausprälat, Kommandeur 1. Klasse des hessischen Ludewigsordens und Ritter des preußischen Roten Adlerordens 2. Klasse.
[Bearbeiten] Verehrung
Ketteler zu Ehren sollte in einem Mainzer Vorort mit überwiegender Arbeiterbevölkerung eine Kirche mit eigener Ketteler-Kapelle errichtet werden. Hierzu wurde der Stadtteil Mainz-Mombach bestimmt. Die dortige Herz-Jesu Kirche wurde jedoch aufgrund des Ausbruchs des ersten Weltkrieges nie vollendet und Bischof Ketteler liegt noch immer im Mainzer Dom.
[Bearbeiten] Literatur
Herman Haupt (Hrsg.): Hessische Biografien. Band I, Lieferung 1. Großherzoglich hessischer Staatsverlag, Darmstadt 1912
[Bearbeiten] Siehe auch:
[Bearbeiten] Weblinks
- Eintrag von Ketteler im bbkl
- Eintrag von Ketteler in Catholic Hierarchy (en.)
- Biografie von Ketteler (pl.)
- Internetpräsenz der Ketteler-Stiftung
- Ketteler-Kolleg Mainz
- Literatur von und über Wilhelm Emmanuel von Ketteler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Vorgänger |
Bischof von Mainz 1850-1877 |
Nachfolger |
Personendaten | |
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NAME | Ketteler, Wilhelm Emmanuel Freiherr von |
KURZBESCHREIBUNG | Bischof von Mainz |
GEBURTSDATUM | 25. Dezember 1811 |
GEBURTSORT | Münster (Westfalen) |
STERBEDATUM | 13. Juli 1877 |
STERBEORT | Burghausen |