Bund Deutscher Fußballspieler
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Der Bund Deutscher Fußballspieler (BDF) ist ein ehemaliger deutscher Fußballverband aus Berlin. Gegründet am 4. November 1890 in Berlin war der BDF zur damaligen Zeit der erste Fußballverband in Deutschland. Er wurde 1892 wieder aufgelöst.
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[Bearbeiten] Gründung
Der BDF wird am 4. November 1890 gegründet mit folgenden Vereinen als Mitgliedern: BFC Germania 1888 (der heute älteste Fußballverein in Deutschland), BFC Vorwärts 1890 (der spätere Bundesligist Blau-Weiß 90 Berlin), BFC Askania 1890, BFC Borussia 1890, BFC Concordia 1890, BFC Hellas 1890, BFC Tasmania 1890 und der BFC Teutonia 1891.
Der Begriff „Deutscher“ wird gewählt um einen zentralen Verband für das ganze Deutsche Reich zu schaffen, mit Sitz in der Reichshauptstadt Berlin. Dieses Ansinnen lässt jedoch sich weder durch den BDF, noch später gebildete Verbände realisieren. Das Verbandsgebiet bleibt auf den Großraum Berlin beschränkt.
Schon bei der Gründungsversammlung kommt es unter den anwesenden Vertretern der Einzelvereine zu unüberbrückbaren Differenzen über die Frage, ob ausländische Spieler und Funktionäre zugelassen werden sollen. Gemeint sind britische, in der Hauptsache englische Spieler und Offizielle. Insbesondere der BFC Germania 1888 wehrt sich in der gerade angebrochenen Wilhelminischen Epoche und deren neuem nationalistischen und nationalkonservativen Zeitgeist gegen die Zulassung von Personen, die keine deutsche Staatangehörigkeit besitzen. Weiterhin vertritt der BFC Germania 1888 auch die Auffassung, dass der Fußball der deutschen Mentalität angepasst werden müsse. In der Abstimmung über diese Frage unterliegen die Pro-Internationalen und treten dem BDF auch nicht bei, womit bereits auf der Gründungsversammlung dessen rascher Niedergang besiegelt wird.
[Bearbeiten] Erste ausgetragene Meisterschaft
Der BDF trägt vermutlich im Spätherbst 1890 seine „1. inoffizielle Deutsche Fußballmeisterschaft“ aus, die nicht in Form von Punktspielen sondern nur in einer Ausscheidungsrunde wie ein Pokalwettbewerb ausgespielt wird.
Meister wird der BFC Germania 1888, der das Finale gewinnt. Laut dem BFC Germania soll dieser eine zweite Meisterschaft des BDF gewonnen haben, während in einem später erschienenen Artikel über alle Berliner Meister der 1890-er Jahre nur von der Austragung einer Meisterschaft gesprochen wird.
Unbekannt ist ebenfalls, ob alle Mitgliedsvereine des BDF an der ersten Meisterschaft teilgenommen haben und nach welchen Regeln gespielt wurde. Zwar hatte der englische Fußballverband (The Football Association) im Jahr 1878 die bis dahin bestehenden vier unterschiedlichen Regelwerke in einem bindenden Regelwerk vereinheitlicht, aber im Deutschen Reich wurde je nach Region unterschiedlich gespielt und gezählt. Die hausgemachten Regeln reichen von der Unterschreitung der Spielzeit von zweimal 45 Minuten, bis zum Zählen von Ecken, Einschüssen (statt Einwurf), Abstößen usw.
[Bearbeiten] Auflösung
Als die auf der Gründungsversammlung des BDF unterlegenen Vereinsvertreter, die für die Zulassung ausländischer Spieler und Funktionäre votiert hatten, einen eigenen Verband gründen, der sich Deutscher Fußball- und Cricket Bund (DFuCB) nennt, kündigt sich das Aus für den Bund Deutscher Fußballspieler an. Der DFuCB wird am 17./18. Mai 1891 gegründet (auch der 19. November 1890 wird als Gründungsdatum genannt), ihm schließen sich bereits 14 Clubs an. Es dauerte danach auch nicht mehr lange bis die ersten Zersetzungserscheinungen im BDF einsetzten: BFC Concordia 1890 und BFC Vorwärts 1890 treten dem DFuCB bei, BFC Tasmania 1890 erklärt seinen Austritt und der BFC Borussia 1890 löst sich auf.
Am 14. Februar oder 9. März 1892 schließlich löst sich der Bund Deutscher Fußballspieler ganz auf, danach tritt der BFC Teutonia 1891 ebenfalls zum DFuCB über. Auch der BFC Germania beantragt die Aufnahme, auf Grund seiner starren Haltung auf der Gründungsversammlung der BDF wird dieses Ansinnen aber mehrfach abgelehnt und erst in der Saison 1892/93 kann Germania an den Punktspielen des DFuCB teilnehmen.
[Bearbeiten] Weitere damalige Fußballverbände
Dem BDF folgen eine Reihe von Berliner/Brandenburger Verbänden (entweder als reine Fußball- oder als Sportverbände), um Meisterschaften und Spielgelegenheiten für die angeschlossenen Vereine während der Wintermonate zu organisieren. Neben dem DFuCB gründen sich der Thor- und Fußballbund Berlin, der Allgemeine Deutsche Sport Bund, der Verband Deutscher Ballspielvereine (später umbenannt in Verband Berliner Ballspielveine und ab 1911 im Verband Brandenburger Ballspielvereine), die Berliner Fußballvereinigung (später umbenannt in Märkischer Fußball-Bund), der Fußball- und Athletik Bund Berlin, der Berliner Ballspiel-Bund, der Verband Berliner Athletikvereine und der Berliner Fußball-Bund.
Insgesamt bestanden somit in Berlin von 1890 bis 1911 also zehn Fußball- und Sportverbände die Meisterschaften organisierten. Eine Zahl die in Deutschland nirgendwo anders auch nur annähernd erreicht wurde, in Hamburg/Altona beispielsweise bestanden insgesamt nur zwei Verbände. Einserseits war dies ein Zeichen von Kleinkrämerei und oftmaligem Chaos in denen Meisterschaften abgewickelt wurden. Auf der anderen Seite war es aber auch ein Beweis dafür, wie individuell und innovativ die Urväter des Berliner Fußballs waren und sich nur ungerne in eine Zwangsjacke von Statuten, immer neuen Geldstrafen (für jedes mögliche Vergehen, um die Verbandskassen zu füllen) und - nicht zuletzt - den Interessen des Verbands über denen der Mitgliedsvereine pressen lassen wollten.
Daneben veranstaltete der BTuFC Alemannia 90 in der Saison 1897/98 noch eine Meisterschaft des Nordens.