Christian Bernhard Tauchnitz
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Christian Bernhard Tauchnitz, ab 1860: Freiherr von Tauchnitz, (* 25. August 1816 in Schleinitz, heute Gemeinde Unterkaka, bei Naumburg (Saale), † 13. August 1895 in Leipzig) war ein deutscher Verleger, der als erster preiswerte Paperbacks produzierte, die als Vorläufer des modernen Taschenbuchs gelten.
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[Bearbeiten] Leben und Wirken
Christian Bernhard Tauchnitz entstammte einer Leipziger Verleger-Familie, deren Name im Buchdruck- und Verlagswesen hochangesehen war.
[Bearbeiten] Familienhintergrund
Christian Bernhards Onkel, Carl (auch: Karl) Christoph Traugott Tauchnitz (1761-1836), geboren in Großbardau (heute ein Ortsteil von Grimma in Sachsen), hatte 1796 eine Buchdruckerei in Leipzig eröffnet und sie zwei Jahre später um einen Verlag erweitert, in dem er vor allem Wörterbücher, Bibeln und griechische und lateinische Klassiker in preiswerten Sterotypie-Ausgaben publizierte. 1834 erschien hier auch die Koran-Ausgabe von Gustav Flügel. Benedictus Gotthelf Teubner war zeitweilig hier angestellt, bis er seine eigene Buchdruckerei übernahm und seine eigene Klassiker-Reihe, die Bibliotheca Teubneriana nach Tauchnitzschem Vorbild auflegte.
Sein Sohn, Carl (auch: Karl) Christian Phillipp Tauchnitz (1798-1884), führte das Geschäft bis 1865 weiter und verkaufte es dann an O. Holtze. Noch zu Lebzeiten gründete er mehrere gemeinnützige Stiftungen. Er hinterließ sein beträchtliches Vermögen der Stadt Leipzig, die daraus die Stiftung eines Menschenfreundes gründete. Die Karl-Tauchnitz-Straße wurde nach ihm benannt. Sein Grabmal auf dem Leipziger Nordfriedhof schuf Hugo Licht.
[Bearbeiten] Neue Wege
1837 gründete Christian Bernhard Tauchnitz im Alter von 21 Jahren ein eigenes Unternehmen, eine Druckerei mit einem Verlag unter dem Firmennamen Bernhard Tauchnitz, in dem er sich zunächst der Herausgabe juristischer Werke widmete. Seine 1841 realisierte Geschäftsidee, preiswerte Buchausgaben englischer und amerikanischer Literatur zu produzieren, erwies sich als überaus erfolgreich. 1848 erwarb Tauchnitz das Schloss Kleinzschocher bei Leipzig, das er als nunmehr Rittergutsbesitzer 1865 umbauen ließ. 1860 wurde er von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha in den Freiherrnstand erhoben und 1877 zum Mitglied des sächsischen Herrenhauses ernannt. Von 1866 bis zu seinem Tod war er der britische Generalkonsul für das Königreich Sachsen und die umliegenden Fürstentümer.
Sein Sohn Christian Karl Bernhard von Tauchnitz übernahm später den Verlag, der bis 1943 existierte.
[Bearbeiten] Die Tauchnitz Editions
Bernhard Tauchnitz hatte 1841 die Idee, eine Library of British and American Authors herauszugeben, die vor allem Schüler, Studenten und Reisende aus dem englischsprachigen Raum ansprechen sollte. Die preiswerten Ausgaben, die es in unterschiedlichen Einbänden und Preisklassen gab, waren ein direkter Vorläufer des Taschenbuchs . 1868 erweiterte er die Reihe um eine englischsprache Collection of German Authors, der 1886 die Students' Tauchnitz editions folgten.
Die Reihe der Tauchnitz editions, die schließlich über 5800 Bände von über 800 Autoren umfasste, ist auch insofern bemerkenswert, als Tauchnitz erstmals direkte Exklusivverträge mit den Autoren abschloss und ihnen ein Honorar zahlte, was vor dem Abschluss der Urheberrechtsverträge eher selten vorkam. Tauchnitz gelang es häufig, europäische Erstauflagen gleichzeitig mit der britischen Erstauflage erscheinen zu lassen. Daher gelten die Tauchnitz-Editionen bis heute auch in textlicher Hinsicht als interessante Sammel- und Forschungsobjekte.
Eine der umfangreichsten Sammlungen an Tauchnitz-Editionen, die Todd-Bowden Collection of Tauchnitz editions mit ca. 6700 Bänden, wurde 1992 von der British Library erworben, unter anderem mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder.
[Bearbeiten] Literatur
- Ann Bowden, William B. Todd: Tauchnitz international editions in English, 1841-1955: a bibliographical history. New Castle, Del.: Oak Knoll Press; London: British Library 2003 ISBN: 1-58456-116-5 (USA) / 0-7123-4825-5 (UK)
[Bearbeiten] Weblinks
- Christian Bernhard Tauchnitz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 54, S. 672.
- Todd-Bowden Collection of Tauchnitz editions der British Library
- Komplette Liste der Tauchnitz Editions vom 1. Juli 1910 in der Arno Schmidt-Referenzbibliothek
- Seite zur Stiftung eines Menschenfreundes
Personendaten | |
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NAME | Tauchnitz, Christian Bernhard |
ALTERNATIVNAMEN | Freiherr von Tauchnitz |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Verleger |
GEBURTSDATUM | 25. August 1816 |
GEBURTSORT | Schleinitz |
STERBEDATUM | 13. August 1895 |
STERBEORT | Leipzig |