Stil
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Der Begriff Stil bezeichnet eine (für ein Epoche, Region, Persönlichkeit, Schaffensphase, etc. bzw. allg. für eine Gruppe von Phänomenen) charakteristisch ausgeprägte Art der Ausführung menschlicher Tätigkeiten oder derer Manifestationen. Die „charakteristische Ausprägung“ bezieht sich auf Ähnlichkeit bzgl. formaler Merkmale (nicht auf die Gleichheit der Form wie bei Standardisierungsprozessen), die als Gemeinsamkeit dem Gros der Manifestationen/Tätigkeiten jener Epoche, Region, Person, etc. zugeschrieben wird. Ein Stil bildet sich durch die - nicht immer bewusste, aber stets kohärente - Auswahl, Bewertung und Anwendung bestimmter Ausführungsmerkmale. Anhand solcher stilbildender Merkmale lassen sich beispielsweise in den bildenden Künsten Stilrichtungen feststellen. Mit anderen Worten ist ein Stil der Kanon einer Formensprache.
In Kunst und Handwerk bezeichnet der Stil demgemäß die Art und Weise, wie ein (Kunst-) Werk geschaffen ist (die Art des Prozesses und die Art des Resultats), wobei es um Merkmale geht, die typisch bzw. charakteristisch sind für einen Künstler, eine Epoche, eine Schule oder auch nur ein Werk. Der Stil kann unabhängig sein von Funktion oder Inhalt des Werks; dann hat er sich verselbständigt. In der Kunst wird Stil manchmal von Manier abgegrenzt.
Außerhalb der bildenden Künste, allgemein, spricht man auch von Stilen, oft von Verhaltensstilen, je nach betrachtetem Verhalten / Resultaten einer Handlung, also etwa von Wohnstil, Modestil, Denkstil, Programmierstil, Lauf- oder Schwimmstil usw.
Stile können sich ändern; sie sind oft zeitgebunden und differieren zumeist örtlich, nach Gruppen und Individuen außerordentlich stark.
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[Bearbeiten] Herkunft und Aussprache
Stil ist seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen bezeugt und geht auf lat. stilus = Griffel bzw. ital. stile zurück. Die Verbindung ist folgende: Man konnte an einem Schriftstück erkennen, wie (also zunächst mit welchem Griffel) jemand etwas geschrieben hatte. Danach wurde die Bedeutung von 'Art zu schreiben' auf andere Werke übertragen. Das Wort ist möglicherweise nicht direkt aus dem Lateinischen ins Deutsche gekommen, sondern über das Italienische stile, wo es schon sehr viel länger bezeugt ist.
Stil kann im Anlaut wie Stadt ausgesprochen werden, jedoch sprechen manche Sprecher des Deutschen im Anlaut ein scharfes (stimmloses) s, um das Wort von Stiel zu unterscheiden, mit dem es allerdings von seiner Herkunft her sogar verwandt ist.
[Bearbeiten] Sonderbedeutungen
- Im Sport bezeichnet es die Art und Weise, wie die Bewegungen des Körpers im Rahmen bestimmter Regeln ausgeführt werden. Beispiel: im Hochsprung der Straddle, eine Rollbewegung über die Latte, und der Fosbury-Flop (kreiert durch Dick Fosbury) als über den Rücken gesprungene Technik.
- In der Sprache handelt es sich bei Stil um diejenigen Merkmale einer Äußerung oder eines Textes, die nicht die Bedeutung betreffen, sondern nur die Art und Weise, wie diese Bedeutung versprachlicht wird. Die gleiche Bedeutung kann auf unterschiedliche Art und Weise, also mit unterschiedlichem Stil versprachlicht sein. In der Rhetorik gibt es eine Reihe von Rhetorische Figuren, mit deren Hilfe besondere sprachliche Effekte erzielt werden.
- Jemand besitzt Stil, orientiert also sein (Konsum-)verhalten konsequent an einem von ihm vertretenen Wertkonzept, dem meist traditionelle Qualitäts- und Wertvorstellungen zu Grunde liegen.
[Bearbeiten] Stilkunde
Für die verschiedenen Künste, Handwerke und die Sprache gibt es jeweils eine eigene Stilkunde:
- Architekturstil (Baustil)
- Kunststil, Malstil, Modestil
- Schreibstil
- Sprachstil
- Gesangsstil
- Musikstil
- Tanzstil
[Bearbeiten] Wortumfeld des Begriffs „Stil“
- Es existiert ein ganzes Bündel an Begriffen, die ähnlich gebraucht werden, aber den Inhalt doch deutlich anders akzentuieren: Manier, Style, Duktus, siehe dort.
- Zu erwähnen sei noch das Spannungsfeld der Begriffe „mit Stil“, „kultiviert“, „manieriert“, „zivilisiert“, „gestylt“ (interessant ist hier auch, dass „mit Stil“ nicht bedeutungsgleich ist mit „stilisiert“),
- des weiteren das Spannungsfeld der Begriffe Formgebung, Entwerfen, Gestaltung, Styling, Stilisierung, etc.
- Weitere Wortableitungen von Stil (Wortfamilie): Stilistik, Stilbruch, etc.
[Bearbeiten] „Style“
Der Anglizismus „Style“ wird mittlerweile besonders im Kontext von Jugendkulturen und Mode häufig anstelle des Wortes „Stil“ verwendet, allerdings mit etwas anderen Bedeutungsschattierung.
[Bearbeiten] Literatur
- Ludwig Börne: Bemerkungen über Sprache und Stil (1826), in: Sämtliche Schriften, Bd. II, Düsseldorf 1964.
- Gerhard Dünnhaupt: Das Eindringen des marinistischen Prosastils in die deutsche Romanprosa mit Werders Dianea-Übersetzung, in: Studi Germanici, nuova serie XI.3 (1973), S. 257-272.
[Bearbeiten] Weblinks
Wiktionary: Stil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |