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Bockstensmann - Wikipedia

Bockstensmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Zeichnung des Bockstensmann vom finnischen Künstler Harry Kivijärvi auf einem Gedenkstein in Varberg.
Zeichnung des Bockstensmann vom finnischen Künstler Harry Kivijärvi auf einem Gedenkstein in Varberg.

Als Bockstensmann oder Bocksten-Mann wird ein archäologischer Fund bezeichnet, der 1936 im schwedischen Hochmoor Bockstens Mosse gemacht wurde und danach ins Museum von Varberg in Halland überführt wurde. Es handelt sich um das Skelett einer mittelalterlichen Person mit erstaunlich gut erhaltenen Haaren und Kleidungsstücken, das der 12-jährige Thure G. Johansson auf dem Grundstück seiner Eltern entdeckte.

Das Moor liegt beim Ort Rolfstorp in der Gemeinde Varberg. Im Mittelalter lag der Fundplatz an einem Hauptweg der Region, der Teil der schwedischen Via Regia war. Die gefundenen Leiche war ermordet worden und danach an einen Pfahl gebunden, der in den Boden des damaligen Sees gerammt war. Vermutlich befürchteten die Mörder eine Wiederbelebung des Opfers und wollten es so am gehen hindern.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entdeckung

Fundplatz des Bockstensmann (mit einem Kreuz markiert)
Fundplatz des Bockstensmann (mit einem Kreuz markiert)

In den 1880er Jahren entstand am Hochmoor ein Hof und das Moor selbst wurde mit Dränage für die Torfgewinnung vorbereitet. Schon 1934 entdeckte man bei der Mahd der Moorwiese eine Schuhsohle, doch dieser wurde vorerst keine Beachtung geschenkt.

Am 22. Juni 1936, einen Tag vor dem Mittsommerfest, arbeitet der 12-jährige Thure mit seinem Pferd und einer Egge auf dem Moor, während sein Vater eine Scheune für die Lagerung von Torf vorbereitet. Zwischen 18 und 19 Uhr verhängt sich ein Gegenstand der an Sackleinen erinnerte in der Egge. Als Thure die Stelle genauer untersucht findet er Skelettteile und holt seinen Vater zur Hilfe.

Am folgenden Tag informiert der Vater den örtlichen Polizeiwachtmeister. Dieser hatte gleichzeitig die Aufgabe des Friedhofswächters inne, was von den beteiligten Personen als praktisch angesehen wurde, da man gedachte die Leiche auf den Friedhof zu überführen. Im weiteren Verlauf besahen sich auch zwei juristische Beamte und ein Arzt den Fund. Als diese feststellten, dass der gefundene Mann schon sehr lange tot war, nimmt ein Beamter einige Knochen mit nach Hause und der Arzt kontaktiert Albert Sandknef, der Leiter des Museums Varberg war. Dieser fährt sofort zur Wohnung des Beamten, besieht sich die Knochen und kommt schon zwei Tage später mit mehreren Wissenschaftlern zum Fundplatz. Zu den Fachleuten gehörte ein Geologieprofessor mit seinen Studenten, der gerade in der Nähe Untersuchungen durchführte. Als erstes wurde der Fund fotografiert und ausgemessen. Danach wurden die noch in der Erde befindlichen Teile ausgegraben und auf eine Bahre gelegt, welche man danach zum Museum von Varberg fuhr. Die oberen Körperteile waren durch die Egge beschädigt, doch der Unterleib mit Ausnahme des rechten Fußes war noch vollständig intakt.

Nach den Feiertagen nahm Albert Sandklef Kontakt mit dem Staatlichen Historischen Museum Schwedens auf, worauf ein Konservator und ein Textilexperte nach Varberg reisten, um bei der Untersuchung zu helfen. Nach der Konservierung des Fundes wurde dieser 1937 im Museum von Varberg ausgestellt, zuerst hängend und seit dem Ende der 1970-er Jahre liegend.

[Bearbeiten] Beschreibung des Fundes

Der Mann war 170 bis 180 cm groß und hatte eine schmale Gestalt. Skelett, Haut, Haare, Magen und Gehirn waren sehr gut erhalten geblieben. Der Schädel besaß keine Haut mehr und war auf der rechten Seite beschädigt. Außerdem war der Schädel aufgeweicht und am Stirnbein leicht eingedrückt. Weiter innere Organe von denen Teile erhalten blieben waren Lunge und Leber sowie ein paar Knorpel.

Die Kleidung des Mannes zählt zu den am besten erhaltenen europäischen Textilien des Mittelalters. Sie war aus kräftigem Streichgarn von Schafwolle gewebt. Als Kopfbedeckung hatte der Mann eine Zipfelmütze, mit einer 90 cm langen und 2 cm breiten Spitze. Die Beine waren von zwei strumpfartigen langen Schläuchen bedeckt. Als äußeren Schutz trug der Mann einen Mantel. Außerdem fand man noch einen Stoffbeutel, Fußlappen, Lederschuhe, einen Gürtel und ein Lederetui mit zwei Messern. Das Lederetui war etwa 40 mm breit, 62 mm lang und in drei Schichten gefertigt. Auf der äußersten Schicht war ein Zeichen eingeritzt, welches man als Kombination aus einem Andreaskreuz und einem Georgskreuz deutete. Dies entspricht dem gleichen Muster wie die britische Flagge. Auf der inneren Schicht befand sich das Symbol eines Stabes, der durch eine kleinere Version des Zeichens der Außenschicht abgeschlossen wurde.

Ans Holzkreuz war der Mann mit zwei Pflöcken geschlagen. Der erste war aus Eichenholz und ging direkt durchs Herz und der zweite bestand aus Birkenholz und lag in der Mitte des Rückens. Die Mörder versuchten einen weiteren Pflock durch den Mann zu schlagen, doch dieser verursachte nur Zeichnungen an den Kleidern und am Hüftbein.

[Bearbeiten] Deutung des Fundes

Mehrere Personen, darunter Albert Sandknef, Margareta Nockert und Owe Wennerholm, haben versucht zu bestimmen, wer der Mann von Bockstens Mosse war.

[Bearbeiten] Datierung

Aufgrund der gefundenen Kleider, speziell mit Hinblick auf die Zipfelmütze, wurde der Fund ins 14. Jahrhundert datiert. Wennerholm meinte , dass ähnliche Mützen schon vorher verwendet wurden und legte einen Todeszeitpunkt zwischen 1250 und 1520 fest. Er verarbeitet jedoch eine Reihe anderer Indizien, was ihn zu der Hypothese verleitet, dass es sich um die Person Simon Gudmundi handelt, von der man weiss, dass sie 1491 starb.

Ein Stoffrest wurde in den 1980-er Jahren mit der Radiokohlenstoffdatierung untersucht. Das Ergebnis gibt eine 68-prozentige Sicherheit für die Periode von 1290 bis 1410 und eine 95-prozentige Sicherheit für den Zeitraum 1290 bis 1430. Einige Unsicherheiten gibt es aber weiterhin. Das liegt zum Einen daran, dass die Kleidung des Mannes konserviert wurde und zum Anderen daran, dass der Mann über einen sehr langen Zeitraum in einem Moor lag.

[Bearbeiten] Alter der Person

Ein rechtsmedizinischer Odontologe hat nach der Untersuchung der Zähne des gefundenen Mannes, ein Lebensalter von 25 bis 35 Jahren berechnet. Dagegen meinte der Osteologe Nisl-Gustaf Gevall, dass der Mann aufgrund des Skelettes zwischen 35 und 40 Jahre alt gewesen sein muss. Es ist sogar möglich, dass er bis zu 60 Jahre alt war.

[Bearbeiten] Sozialer Status

Die Einordnung der Person in eine Gruppe der damaligen Gesellschaft erfolgte vor allem aufgrund der gefundenen Kleidung. Zipfelmützen wurden im Mittelalter hauptsächlich von Personen des Hochadels getragen. Es könnte sich also beispielsweise um einen Steuereintreiber oder einen Verantwortlichen für die Rekrutierung von Soldaten handeln. Diese Vermutungen passen zusammen mit einer nachführend folgenden örtlichen Sage.

Zipfelmützen wurden auch von geistlichen Personen getragen. Owe Wennerholm deutete deshalb einen der gefundenen Gegenstände als Minischild und betrachtet die gefundene Person als Mitglied einer Ordensgemeinschaft.

[Bearbeiten] Die lokale Sage

Kurz nach der Auffindung des „Moormannes“ berichtete ein Bauer aus dem Ort Grimeton, eine Sage, die er als Kind gehört hatte. Zwei Personen sollen seinem Vater einen Mann beschrieben haben, der durch die Gegend zog und Soldaten anwarb. Dieser Mann wurde von Bauern erschlagen und in einem Moor vergraben. Danach begann der Mann als Geist in der Gegend zu spuken und um ihn daran zu hindern wurden Pfähle durch den Körper geschlagen, was auch zum Ende des Spukes führte. Der alte Bauer meinte aber, dass es sich um den Ort Nackhälle beim Moor Store Mosse handelt, doch er könnte die Handlung auch verlegt haben, da er aus jener Gegend stammte.

Bei Befragungen von älteren Bürgern des Ortes Nackhälle war die Sage jedoch unbekannt.

[Bearbeiten] Todesursache

Es war lange Zeit unklar ob der gefundene Mann durch Gewalteinwirkung starb, doch im Januar 2006 führte eine genauere Untersuchung an einem Plastmodell des Schädels zu folgendem Ergebnis. „Er erhielt zuerst einen Schlag an den Unterkiefer, danach einen Schlag am rechten Ohr und später einen weiteren Schlag weiter hinten, was wahrscheinlich zu seinem direkten Tode führte. Vermutlich lag er schon am Boden. Ein Pfahl oder ein Hammer kann als Waffe verwendet worden sein.“

[Bearbeiten] Identität

Owe Wennerholm hat die Hypothese entwickelt, dass es sich bei dem Ermordeten um den Dompropst, Simon Gudmundi, von Linköping handelt, der auf Order des Priesters Hemming Gadh erschlagen wurde.

Diese Vermutung basiert auf Markierungen im gefundenen Minischild, die Wennerholm als Initialen Gudmundis deutete. Gudmundi soll sich in der Gegend aufgehalten haben, weil im Ort Mute ein Mirakel geschehen sein soll, was man für die Heiligsprechung von Katharina von Schweden ausnutzen wollte. Laut Wennerholm gab es auch ein Mordmotiv da Hemming Gadh, den Posten des Dompropstes selbst ausführen wollte.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  • Albert Sandklef: Bockstensmannen - Fyndet, konserveringen, dateringen, dräkten, mannen, myten. Fabel, Stockholm 1985. ISBN 91-7842-056-3
  • Owe Wennerholm: Vem var Bockstensmannen? Fjärås, Carse 1998. ISBN 91-971061-7-8

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