Glaserverfahren
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Das Glaserverfahren ist ein vereinfachtes Berechnungsverfahren für die Feuchtigkeitsverhältnisse in Baukonstruktionen z.B. Wänden.
Auf jede Seite der Wand wirken zeitlich veränderliche Temperaturen und Wasserdampfdrücke ein. Für die physikalische Beschreibung der Wände sind mehrere Faktoren erforderlich:
- Wärmeleitfähigkeit λ (u. a. abhängig von der Feuchte)
- Feuchtigkeitsdiffusion μ
- Wärmekapazität c
- Stoffdichte ρ
- Speichervermögen für Wasserdampf
- Speichervermögen für flüssiges Wasser
- kapillares Leitvermögen für flüssiges Wasser
- Verdunsten an der Oberfläche
Heute können mit moderner Rechentechnik die Verhältnisse in der Wand sehr realitätsnah berechnet werden. Allerdings sind hierbei viele Kennwerte zu beachten. Bei der Berechnung des Einflusses des Wetters hilft man sich dabei durch Verwendung von Testreferenzjahren.
Das Glaserverfahren vereinfacht die Berechnung, indem die Wasserspeicherung als beliebig groß angenommen wird, alle anderen Speicherwirkungen werden vernachlässigt. Auch die Abhängigkeit von λ von der Feuchte wird ebenso vernachlässigt wie Änderungen von μ und die kapillare Leitfähigkeit.
Die Wetterverhältnisse werden durch eine Tauperiode und eine Verdunstungsperiode angenähert und sind so gewählt, dass reale Verhältnisse möglichst auf der sicheren Seite genähert werden. Zur Berechnung wird zuerst unabhängig voneinander ein Temperaturprofil durch die Wand erstellt. Aus diesem Profil wird mit der Wasserdampftafel das zugehörige Profil des Wasserdampfsättigungsdruckes erstellt. Mit den Feuchtigkeitsdiffussionskoeffizienten wird dann ein Wasserdampfdruckprofil erstellt, das aber nie den Sättigungsdampfdruck überschreiten kann. Wo eine „Überschreitung“ erforderlich wäre, kommt es zur Kondensation des gasförmigen Wasserdampfes zu flüssigem Wasser.
Zur Zeit der Aufstellung des Glaserverfahrens war die computergestützte Rechentechnik noch nicht auf dem heutigen Stand. Deswegen war das Glaserverfahren ursprünglich als graphisches Verfahren konzipiert.
Grenzen des Glaserverfahrens: Beim Glaserverfahren (enthalten in der Norm DIN 4108) handelt es sich um ein eindimensinales Verfahren, bei dem Randeinflüsse (analog den Wärmebrücken) nicht berücksichtigt werden. Der Bereich der Randeinflüsse entspricht etwa der diffussionsäquivalenten Länge der beteiligten Schichten. Damit ist es nicht für die Berechnung eines Schichtaufbaus geeignet, bei dem der Randbereich größer als die zu untersuchende Fläche ist, wie das z.B. oft bei Gründächern ist.