Benutzer:Irmgard/Hari
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Das 1873 entstandene Hotel Hari im Schlegeli ist das älteste Hotel in Adelboden und hat wesentlich dazu beigetragen, dass in Adelboden überhaupt Tourismus entstand. Es ist bis heute im Besitz der Nachkommen des Gründers.
[Bearbeiten] Geschichte
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lag Adelboden noch praktisch am Ende der Welt. Mitte des Jahrhunderts hatte die Kartoffelseuche eine Hungersnot im ganzen Tal verursacht. Ob die geplante Fahrstrasse nach Frutigen, dem nächsten Marktort, je Wirklichkeit würde, war offen. Auf der gegenwärtigen Strasse war Frutigen vier Stunden entfernt. Eine Reise nach Bern brauchte zusätzlich eine zweistündigen Wagenfahrt nach Spiez, von wo aus man mit dem Dampfschiff nach Thun, der damaligen Endstation der Bahn, gelangte - mit der anschliessenden Bahnfahrt nach Bern war man einen vollen Tag unterwegs. Der einzige Kramladen des Orts bot "Brot, Käse und andere Luxusartikel" an.
Christian Hari, der Gründer des Hotels, (1834-1897) gehörte zu einer alteingesessenen Adelbodner Familie. Er wurde 1855 vom Adelbodner Bäuert Ausserschwand zum Lehrer der dortigen Schule gewählt, einer Gesamtschule mit bis zu 120 Kindern, größtenteils aus armen Bergbauernfamilien, in einem Klassenzimmer. Um seiner Arbeit näher zu sein, kaufte er ein Bauernhaus im Schlegeli, einer Talterrasse zwischen Adelboden und Ausserschwand. 1872 wurde er vom damaligen Pfarrer des Berner Münsters, der für seine grosse Familie eine ländliche Sommerfrische suchte, angefragt, ob er nicht den Gaden (Dachboden) seines Hauses ausbauen könnte - der Münsterpfarrer würde dann mit seiner Familie während der nächsten Jahre den Sommer bei ihm verbringen.
Als Hari für das Projekt ein Darlehen suchte, traf er auf völliges Unverständnis im Dorf und sogar bei seiner eigenen Familie. Fremdenverkehr war im damaligen Adelboden utopisch. Hari ging das Wagnis trotzdem ein und führte seinen Umbau durch mit einem Darlehen von 500 Franken, die er vom örtlichen Pfarrer bekam, so dass sein Haus jetzt sieben Zimmer aufwies.
Der Münsterpfarrer machte sein Wort wahr und quartierte sich im nächsten Sommer mit Familie, Magd und einigen Bekannten, insgesamt 16 Personen, zu einem Pensionspreis von zwei Franken pro Person bei Christian Hari ein, während dessen sechsköpfige Familie, wie damals in Adelboden üblich, den Sommer auf der Alp verbrachte. Die Ausflüge, das Essen, die Spiele und sonstigen Aktivitäten der Gäste sind aus der Sicht des damals zwölfjährigen Gymnasiasten Walter Lauterburg, der mit Mutter und zwei Brüdern mit von der Partie war, in dessen Tagebuch geschildert.
Die angenehme Sommerfrische sprach sich im Bekanntenkreis des Münsterpfarrers herum: Im nächsten Sommer waren bereits 30 Sommergäste im Schlegeli, nicht nur aus Bern sondern auch aus St. Gallen und Neuenburg, im übernächsten Jahr 35, darunter Gäste aus Württemberg, Livland und Estland.
1880 wird eine Vergrösserung der "Pension Lehrer Hari" nötig: das Stöckli wird so ausgebaut, dass es weiteren acht Personen Platz bietet. 1887 baut Christian Hari das so genannte Mittelhaus, 1891 das Gartenhaus. Beide Gebäude gehören bis heute zum Hotel, werden allerdings in den letzten Jahrzehnten wegen des nach heutigem Standard niedrigen Komforts praktisch nur noch an Selbstversorgergruppen vermietet.
Nach dem Tod von Christian Hari übernahm sein Sohn Johannes (1864-1938) die Leitung der Pension. Er war seit 1891 in der Bäuert Hirzboden Lehrer und blieb bis 1903 im Schuldienst um sich dann ganz der Pension zu widmen, die ihm sein Vater schuldenfrei hinterlassen hatte. Während in Adelboden um die Jahrhundertwende auch andere Hotels gebaut werden, ergänzte er das Hotel 1900 durch das Haupthaus, womit er 180 Betten hatte. Gleichzeitig sicherte er durch Servitute ab, dass ihm die Aussicht nicht verbaut werden konnte. 1903 kam elektrisches Licht, 1908 im Haupthaus eine Kohlenheizung, die den Winterbetrieb ermöglichte. Die Gewinne der Pension legte er, der Zeit seines Lebens im Nebenamt Bauer war, in Land und Bauernhäusern an, so dass er an fünf seiner acht Kinder ein stattliches Anwesen abtreten konnte. Johannes Hari hatte das Bergführerpatent und führte regelmässig Gruppen von bis zu 100 Personen auf die Berge der Umgebung.
Der erste Weltkrieg führte zu einer Krise der Pension - die Einnahmen gingen auf ein Viertel zurück. Johannes Hari hielt sich dank der guten Viehpreise als Landwirt über Wasser. Nach dem Krieg diente das Schlegeli als Erholungsheim für ungarische, österreichische und deutsche Kinder, was anschliessende umfangreiche Renovationen brauchte.
1920 entschloss sich Johannes Hari, die Pension als Gütergemeinschaft an seine acht Kinder abzutreten. Zu den Bedingungen gehörte, dass niemand eine Aufhebung der Gütergemeinschaft beantragen dürfe, dass die Pension als christliches Erholungsheim mit täglichen Abendandachten fortgeführt werden solle, aber auch, dass der Saal in der Zwischensaison der Evangelischen Gesellschaft als Gottesdienstraum und im Oktober den Heimberger Brüdern, einer innerkirchlichen pietistischen Bewegung, als Versammlungssaal zur Verfügung gestellt werden solle.