Konstruktiver Realismus
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Der Konstruktive Realismus (CR) ist eine von Friedrich Wallner entwickelte wissenschaftstheoretische Betrachtungsweise bzw. ein Denkgebäude.
Sein zentrales Anliegen ist die Darstellung des Zirkels von Gegenstand und Methode in der Forschung - also die Tatsache, dass Forschung zirkulär vor sicht geht, bei der Deutung von Wissenschaft zu berücksichtigen. Die zentrale Methode ist die der Verfremdung.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Zur Ontologie des CR
Der Konstruktive Realismus unterscheidet zwei klare Weltbegriffe, Wirklichkeit - das, was dem menschlichen Bewusstsein gegenübersteht - und Realität - der konstruierten Welt der Wissenschaft. Einzelne (sub)disziplinäre Konstruktionsleistungen werden als Mikrowelten bezeichnet, der kulturspezifische Hintergrund Lebenswelt.
- Wirklichkeit
- Vor jeder wissenschaftlichen Handlung wird - aus der Sichtweise des CR - der der Handlung zukommende Gegenstand als vorhanden vorausgesetzt - Diese gegebene Welt wird als Wirklichkeit bezeichnet; die Welt in der wir leben, die "von sich aus wirkt", ohne dass man dies erkennen kann - Wirklichkeit kann also nicht Gegenstand der Erkenntnis sein.
- Realität
- Durch wissenschaftliche Aktivität auf methodisch kontrollierbarem und überprüfbarem Wege wird ein neuer Gegenstand produziert, über dessen Beziehung zu seiner Voraussetzung noch keine Aussage erfolgt. Dieser Bereich kann grundsätzlich verstanden werden, da er geschaffen wurde. "verum et factum convertuntur" (Giambattista Vico)
- Mikrowelt
- Einzelne wissenschaftliche Konstruktionsleistungen, disziplinäre und subdisziplinäre Realitäten
- Lebenswelt
- tradierte Systeme bewährter Überzeugungen, kulturspezifischer Hintergrund
[Bearbeiten] Die Verfremdung im CR
Die Verfremdung (Strangification) ist die zentrale Methode im Konstruktiven Realismus. Im Prinzip geht es darum, ein Satzsystem s1 aus seinem (disziplinären) Kontext k1 herauszulösen und in einem anderen Kontext k2 (oder mehreren) zu betrachten, um sich einem Verständnis der (impliziten) Voraussetzungen der wissenschaftlichen Handlungen im Kontext k1 anzunähern.
[Bearbeiten] Wahrheit im CR
Der CR arbeitet nicht mit einem absoluten Wahrheitsbegriff, sondern hebt die Existenz lokaler Wahrheitsbegriffe hervor.
[Bearbeiten] Interdisziplinarität und CR
Wallner unterscheidet im Konstruktiven Realismus vier Formen von Interdisziplinarität:
- Instrumentalistische
- Für die Bearbeitung bestimmter Fragestellungen, die vorher klassifiziert und mit bestimmten Methoden verarbeitet werden, werden Informationen ("Erkenntnisse") aus anderen Disziplinen eingeholt.
- Universalisierende
- Typische Strategie der Interdisziplinarität, die auch jedermann zunächst einsichtig erscheint, bevor er darüber reflektiert; Sie führte im Extrem zur fächerübergreifenden, universellen Erkenntnis, zur Erkenntnis der Welt als Ganzes - das faustische Anliegen. Gedanken daran möchten die in den letzten Jahrzehnten verloren gegangene "Einheit des Ganzen" neu erzeugen, etwas bringen, was heutzutage weder die Religion, noch die Philosophie leisten können.
- Erklärende
- Eine Wissenschaft wird durch Methoden einer anderen Wissenschaft erklärt; die Arbeitsweise einer Wissenschaft wird zum Gegenstand einer anderen Wissenschaft.
- Verfremdende
- Für einen Themenbereich, für den ganz bestimmte Methoden üblich sind, bietet der Konstruktive Realismus (CR) ein anderes Methodeninventar an, und ermutigt den einzelnen Wissenschaftler, seinen Themenbereich einmal mit diesem Anderen zu strukturieren, und danach zu seinen üblichen Methoden zurückzukehren, um zu untersuchen, ob sich in seiner Beurteilung der Methodenauswahl und Bewertung der Ausgangsfragestellungen etwas geändert hat (anstelle der Universalisierung ist hier eine Konzentration auf das, was man hic et nunc tut vorgesehen).
[Bearbeiten] Literatur
- Fritz Wallner. Acht Vorlesungen über den Konstruktiven Realismus. WUV Universitätsverlag. 3. Auflage. Wien, 1992.
- Fritz Wallner. Die Verwandlung der Wissenschaft. Herausg. Martin Jandl. Verlag Dr. Kovac. Hamburg, 2002. ISBN-13: 978-3-8300-0584-1
- Kurt Greiner. Therapie der Wissenschaft. Eine Einführung in die Methodik des Konstruktiven Realismus. Verlag Peter Lang. Frankfurt am Main, 2005.