Rheinkran (Bingen)
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Der alte Binger Rheinkran ist ein hölzerner Turmtretkran mit drehbarem Ausleger und Kuppeldach. Er steht neben der ehemaligen Zollverwaltung im ehemaligen Hafengelände von Bingen.
Das Kranhaus (Seitenlänge ca. 7 m, Höhe Dachkante ca. 6 m) ist eine Fachwerkkonstruktion aus Eichenbalken, die Außenwände bestehen aus einer Holzverschalung. Die drehbare, glockenförmige Krankuppel ist schiefergedeckt und mit einer Turmkugel abgeschlossen. Der Ausleger besteht aus einem massiven Eichenbalken nebst Stützbalken und ist mit Bleifolie beschlagen. Schon im 15. Jahrhundert ist hier ein Kran überliefert. Der jetzige Landkran wurde wohl ab 1613 nach Plänen des Aschaffenburger Baumeisters Georg Ridinger (Architekt für das Aschaffenburger Schloss Johannisburg des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz, Johann Schweikhard von Kronberg) erbaut. Nach einer Erneuerung im Jahre 1819 wurde der Kran in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stillgelegt. Das Bauwerk konnte durch das damalig gültige neue Denkmalschutzgesetz 1907 vor dem Abriß bewahrt werden. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde der Kran ab 1950 wieder hergestellt. 2005 wurde eine umfassende Restaurierung durchgeführt.
Angetrieben wurde der Kran mit Menschenkraft über zwei große Laufräder. Der obere Teil der Kuppel mit dem Lastarm konnte über einen großen Hebel von zwei bis vier Kranenknechten gedreht werden. In erster Linie wurden hier Wein, Salz und Getreide verladen. Für die beiden Letzteren hatte Bingen das Stapelrecht. Heute liegt der Kran ein Stück landeinwärts. Im Mittelalter reichte das Wasser des Rhein bis an seine Fundamentmauern. Mit dem Oestricher Kran im Rheingau und dem 90 Kilometer rheinabwärts liegenden Andernacher "Alten Krahnen" ist er der letzte Tretkran an den Ufern des Rheins.
[Bearbeiten] Siehe auch
Mittelalterliche und frühneuzeitliche Hafenkräne
Koordinaten: 49° 58′ 01" n. Br., 7° 53′ 42" ö. L.