Western Union
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Western Union ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das Geldüberweisungen in Minuten mit Barauszahlungsoption anbietet. Die Auszahlung ist je nach Wunsch des Auftraggebers in ausgewählten afrikanischen Ländern für Transaktionen über $1000 auch ohne Ausweisdokumente möglich.
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[Bearbeiten] Geschichte
Western Union wurde 1851 in Rochester als The New York and Mississippi Valley Printing Telegraph Company gegründet.
Nach einer Reihe von Übernahmen von Mitbewerbern änderte die Firma 1856 ihren Namen in Western Union Telegraph Company, um die Verbindung der Telegraphenlinien von Küste zu Küste zu verdeutlichen.
Western Union stellte die erste transkontinentale Telegraphenline 1861 fertig. 1865 gründete sie – für den Versuch, Amerika und Europa über Alaska, Sibirien nach Moskau zu verbinden – die Russian American Telegraph.
Die Firma führte 1866 den ersten Börsenfernschreiber und 1870 einen standardisierten Zeitservice ein. 1871 führte Western Union dann ihren Service zur Geldüberweisung ein, der auf ihrem umfassenden Telegraphennetz basierte. Als das Telefon den Telegraphen ersetzte, wurde das Überweisungsgeschäft zum Hauptzweck des Unternehmens.
Als 1884 der Börsenindex Dow Jones Transportation Average für die New York Stock Exchange ins Leben gerufen wurde, war Western Union eine der ursprünglichen elf teilnehmenden Firmen.
1914 gab Western Union die erste Chargekarte für Verbraucher heraus; 1923 führte sie Fernschreiber ein, um ihre Geschäftsstellen zu verbinden. 1933 folgten gesungene Telegramme, Faxverkehr zwischen Städten 1935, und kommerzielle Mikrowellenkommunikation zwischen Städten 1943. 1958 begannen sie ihren Kunden Telex anzubieten. 1964 führte Western Union die Nutzung von Mikrowellenstrahlen für die transkontinentale Kommunikation ein.
Western Union wurde 1974 Amerikas erstes Telekommunikationsunternehmen mit eigenen Kommunikationssatelliten in einer geosynchronen Umlaufbahn. Diese Westar genannten Satelliten transportierten die Daten für Telegramme und Mailgramme zwischen den landesweiten Western-Union-Niederlassungen. Sie übernahmen auch den Verkehr für ihre Telex- und TWX-(Telex II)-Dienste. Die Transponder der Westar-Satelliten wurden auch an andere Unternehmen vermietet, um Video-, Sprach-, Daten- und Fax-Übertragungen weiterzuleiten.
In den frühen 1980er Jahren begann Western Union wegen rückläufiger Gewinne und steigender Schulden den langsamen Rückzug aus telekommunikationsbasierten Anlagen. Auf Grund der damaligen Deregulierung begann Western Union, ihr Geschäft mit Geldtransfers auf Gebiete außerhalb der USA auszuweiten und definierte sich neu als “The fastest way to send money worldwide”.
1994 wurde Western Union durch die First Financial Management Corporation aufgekauft, die ein Jahr später mit der First Data Corporation zusammenging. Am 26. Januar 2006 gab die First Data Corporation Pläne bekannt, nach denen Western Union als unabhängiges, börsengehandeltes Unternehmen ausgegliedert werden soll. Western Unions Fokus soll weiterhin beim Geldtransfer liegen.
Heute ist Western Union nach eigenen Angaben an rund 245.000 Vertriebsstandorten anzutreffen.
Übrigens: Western Union ist auch der Name eines Schiffs, das für die Firma als Kabelleger in der Karibik und Südamerika im Einsatz war. Sie ist momentan in Key West, wo sie gebaut wurde und vom Stapel lief, als Passagierschiff im Einsatz. Die Western Union ist rund 40 Meter lang und wiegt knapp 92 Tonnen.
[Bearbeiten] Internetvorläufer
Western Union war am Automatic Digital Network (AUTODIN) beteiligt. AUTODIN diente der Kommunikation des amerikanischen Militärs und wurde in den 1960ern entwickelt. Das Defense Message System (DMS) ersetzte AUTODIN 2000.
Eine aus AUTODIN hervorgegangene Erfindung war Western Unions computerbasierter Service EasyLink. Er wurde für die Verwendung in der Wirtschaft entwickelt und stellte eines der ersten Systeme dar, mit dem Nicht-Regierungs-Teilnehmer elektronische Nachrichten versenden konnten. Außerdem ermöglichte es, die gleiche Nachricht an verschiedene Empfänger als E-Mail, Fax, Mailgramm und Telex zu senden. Es ermöglichte auch den Empfang dieser Formate. Über den Dienst konnten die Nutzer über die InfoLink-Anwendung auch eigene Nachforschungen anstellen. EasyLink Services ist heute ein eigenes Unternehmen.
[Bearbeiten] Bidpay
Als das Internet zur Jahrtausendwende auch zu einer Handelsplattform wurde, startete Western Union ihr Onlineangebot. Geld kann seitdem online aus einer wachsenden Anzahl Länder transferiert werden und Bargeld kann bei weltweit tausenden Western-Union-Agenturen abgeholt werden.
Es wurde BidPay gestartet: ein Dienst zur Bezahlung von Onlineauktionen (etwa bei eBay). Der Dienst bot die Begleichung per Kreditkarte und Auszahlung als Zahlungsanweisung an den Empfänger. BidPay wurde 2004 nur kurzzeitig in Western Union Auction Payments umbenannt und am 31. Dezember 2005 eingestellt. Im März 2006 kaufte CyberSource Corp. das Unternehmen für 1,8 Millionen Dollar und gab Pläne für einen Neustart von BidPay bekannt.
Derzeit aktive Alternativen zu BidPay sind bei Online-Auktionen: Moneybookers und PayPal
[Bearbeiten] Missbrauch
Western Unions Geldtransferdienst wird oft in Zusammenhang mit Phishing und ähnlichen Betrugsvarianten wie Vorschussbetrug missbraucht. Das Unternehmen selbst hat jedoch nichts mit den Betrügern zu tun. Um die Spur zu den Tätern nicht anhand der Überweisungsdaten nachvollziehen zu können, werden die Gelder auf das Konto eines Mittelsmannes überwiesen (der sich meist in gutem Glauben anheuern ließ), der wiederum das Geld an eine Filiale von Western Union zur Barauszahlung ohne Ausweisdokumente überweist.