Donjon (Comic)
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Donjon ist eine seit 1999 zuerst im Carlsen-Verlag, später beim Reprodukt-Verlag erscheinende Comicserie.
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[Bearbeiten] Rahmen
Donjon wurde von den französischen Künstlern Lewis Trondheim, Joann Sfar, Christophe Blain und Manu Larcenet kreiert und behandelt die Abenteuer des jungen adeligen Enterichs Herbert von Vaucanson und seines mächtigen drachistischen Gefährten Marvin.
Beide leben und arbeiten in dem als Donjon bekannten, gigantischen Verlies, das täglich hunderte von Abenteurern anlockt, welche von den im Donjon angestellten Monstern und Kriegern niedergestreckt und ihrer Schätze beraubt werden. Ein einträgliches Geschäft, findet zumindest der Wärter, ein ununterbrochen Pfeife rauchender, schrulliger Zeitgenosse in langer schwarzer Robe, der vor vielen Jahren aus einem kleinen Herzogtum im Land der Terra Amata den mächtigen Donjon erwachsen ließ.
[Bearbeiten] Das Donjon-Universum
Donjon ist nicht etwa nur die Geschichte um Herbert und Marvin, obgleich diesen beiden Charakteren und ihrem Umfeld bisher die meisten Alben gewidmet sind. Nach Aussagen Lewis Trondheims machten die befreundeten Autoren einen Wettbewerb daraus, neben der Zenit betitelten Haupthandlung noch zwei weitere Zeitebenen zu behandeln: Zum einen die Zeit der Entstehung des Donjons, die den Titel Morgengrauen trägt und die Phase des Niedergangs, die Abenddämmerung. Zudem gibt es kleine Spin-Offs, die Reihen Donjon-Parade (die Abenteuer von Marvin und Herbert zu Beginn ihrer Freundschaft) und Donjon-Monster (hier werden die Geschichten der Nebencharaktere und Monster behandelt).
Der Zeichenstil der Reihe besticht nicht durch seine anatomische Korrektheit; dies macht aber einen Teil des Reizes der Terra Amata aus. In sich ist jedes Album abgeschlossen, ein Mix aus seltsamen Kreaturen, mystischen Orten, kuriosen Ereignissen und Slapstickeinlagen. Zudem sind die Donjon-Geschichten angefüllt mit Anspielungen und Gags.
Donjon schafft es mit seinem Humor, ein zuweilen bitterböses, sarkastisches Flair zu entwickeln.
[Bearbeiten] Themen
Neben den heute populären Soap-Elementen (also Liebe, Seitensprünge, Familienkonflikte, Tod des Hausdrachens...) stellt Donjon auch ethische und philosophische Problemansätze vor. Gerade der zweite Band der Zenit-Reihe – Der König der Krieger – ist, obgleich humoristisch und vergnüglich, mit einigen tiefsinnigen Ideen versehen. So verlangt der alte Meister des Drachens Marvin beispielsweise von Ente Herbert und Maus Henry, während ihrer Ausbildung die Kontrolle über je einen primitiven Stamm zu erlangen und sich mit diesen Stämmen gegenseitig bis zum Tod zu bekriegen. Henry perfektioniert die altbewährten Regeln der menschlichen Gesellschaft, er führt das Geld ein und lehrt seinen Stamm von Jägern, was Macht heißt, indem er manche von ihnen über die anderen erhebt: „Und er, Henry, befehligte alle, denn jene, die befahlen, waren ihm dankbar und jene, die gehorchten, hatten nichts zu sagen.“ Der Stamm lernt den Gebrauch von Waffen und Rüstungen und zieht gegen Herberts Stamm in den Krieg.
Herbert jedoch findet so großen Gefallen an der natürlichen, pazifistischen Lebensweise seines Stammes der Zyklopen, dass er sie nicht ändern kann. Selbst seine Warnung, sie würden von Henrys Stamm vernichtet, wenn sie nicht lernten, zu kämpfen, bringt die Zyklopen nicht dazu, ihre selbstgewählte, harmonische Lebensweise zu ändern – sie wollen akzeptieren, was auf sie zukommt – somit sind sie letztlich zum Tode verdammt.
[Bearbeiten] Figuren
[Bearbeiten] Herbert von Vaucanson / Der Große Khan
(frz. Herbert de Vaucanson alias le Grand Khân)
Die Ente aus dem Land, in dem die Vögel frei sind, hat eine schwere, prägende Kindheit hinter sich. Den Umstand, dass Herbert während der Schulzeit im Affekt einen seiner Lehrer getötet hat und daraufhin gegen seinen Vater im Zweikampf antreten musste, verbirgt er vor seinen Freunden. Abgesehen von diesen unschönen Kindheitserlebnissen, die in Donjon noch nicht näher beleuchtet wurden, ist Herbert jedoch ein sorgloser, etwas naiver Taugenichts, der sich gerne um Arbeit drückt und immer mit allen Mitteln versucht, sich von Schwierigkeiten fern zu halten. Das geht allerdings gründlich schief, als er in seiner Funktion des Botenjungen und Putzmannes im Donjon den Barbaren Ababakar Oktopuss, der mit seiner Sandale Königsgräber aufwühlt, zum Wärter des Donjons bringen soll. Oktopuss stirbt unterwegs durch die Hand des tumben Zongo – woraufhin Herbert nichts Schlaueres zu tun weiß, als sich selbst als Ababakar Oktopuss auszugeben.
Diese neue Rolle erfordert auch das Tragen des Schwertes von Oktopuss. Was Herbert nicht weiß: Bei dieser Waffe handelt es sich um das Schicksalsschwert, das seinem Träger erst zu Diensten ist, wenn dieser drei große Taten vollbracht hat. So lange kann vom Träger des Schwertes keine andere Waffe geführt werden. Unfreiwillig bringt sich Herbert so also vom Regen in die Traufe, denn als seine falsche Identität auffliegt, soll er sich als Krieger bewähren oder für den Donjon sterben.
In Donjon – Abenddämmerung hält das Schicksal eine schreckliche Aufgabe für den gänzlich veränderten Herbert bereit...
[Bearbeiten] Marvin, der stolze Drachist / Der Staubkönig
(frz. Marvin alias le Roi-poussière)
Ein Freund von Herbert. Marvin ist zunächst noch ein roter, fliegender Drachist mit Lendenschurz und einer Menge Schädelschmuck am Leib. Er verliert aber gleich zu Anfang seine Flügel, die ein paar Söldner zum Nachtisch verspeisen wollen und als er sich von seinem Meister abwendet, legt er auch die Schädel ab und sich selbst eine Rüstung zu. Marvin, der der Rasse der Drachisten, einer intelligenten, zweibeinig gehenden Untergruppe der Drachen angehört, ist einem strengen Ehrenkodex verpflichtet: Er darf niemanden töten, der ihn beleidigt und glaubt an die Ehre eines Kriegers. Außerdem weigert er sich als Vegetarier Fleisch zu essen.
Marvins beeindruckendste Angriffstechnik ist das Tong Deum: Marvin kann eine feurige Brühe spucken, die sich aus seinen (mit kleinen, zwischen den Zehen von Goblins wachsenden Pilzen angereicherten) Magensäften zusammensetzt und äußerst ätzend ist.
Obwohl Marvin ein mürrischer und ehrfurchtgebietender Krieger ist, hat er auch weiche Seiten: Seine Liebe gilt der dicken Sonja, einer diebischen Riesin, nichts macht ihn nervöser als die Gegenwart von kleinen Kindern und er kann sehr gut Plätzchen backen. Marvin hasst außerdem die Leute aus der Stadt der Hasen und hat geschworen, die Stadt in zwanzig Jahren niederzubrennen.
Auch Marvin erleidet in Donjon – Abenddämmerung ein furchtbares Los.
[Bearbeiten] Der Wärter / Hyazinth de Cavallère
(frz. Gardien du Donjon / Hyacinthe de Cavallère alias la Chemise de la nuit)
Ein verschrobener, mürrischer kleiner Vogel, der immer Pfeife raucht, weswegen der Boden seines Arbeitsraumes in dichten Qualm gehüllt ist. Er leitet den Donjon und unterhält die dort lebenden Monster. Weil ihm nach dem Tod seiner geliebten Alexandra nichts geblieben ist, als das finstere Gemäuer, stellt er die Sicherheit des Donjon vor alles andere. Mit einem Profitstreben, das Dagobert Duck alle Ehre macht, hortet er seine Schätze in einem Saal tief in den Mauern der Feste, in dem auch der riesige Donjon-Drache (auf dem Donjon-Logo zu sehen) haust. Den Namen Hyazinth vermeidet der Wärter.
Das Verhalten des jungen Hyazinth unterscheidet sich grundliegend von seinem späteren Charakter: Er ist gütig, freigiebig, idealistisch, naiv, liebenswert... und ständig den widrigen Umständen seiner Umwelt ausgeliefert. Als junger Mann verlässt er den Landsitz seines Vaters und kommt in die Stadt Antipolis, um dort zu studieren. Seine späteren engsten Vertrauten Alkibiades, den Gnomonisten und Horus den Totenbeschwörer lernt er bereits hier kennen. Und auch die Meuchelmörderin Alexandra, die eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den jungen Cavallère ausübt.
Als Hyazinth erkennt, dass die ganze Stadt, eigentlich die gesamte Welt korrupt und ungerecht ist, entschließt er sich, das Verbrechen zu bekämpfen und nimmt dazu eine zweite Identität an: Das Hemd der Nacht!
Leider stehen Hyazinths Taten, die sein Onkel und sein Vorarbeiter Jean-Michel ihm auftragen, allzu oft im krassen Gegensatz zu dem, was Hyazinth als Hemd der Nacht für die Gerechtigkeit tut.
Von kleinen Kobolden bekommt Hyazinth aus Dankbarkeit dafür, dass er sie gerettet hat, die Pfeife des lieben Gottes geschenkt. Mit verschiedenen magischen Tabaksorten erhält er seitdem durch beständiges Rauchen erstaunliche Fähigkeiten: Er kann seine Mitmenschen nackt oder gar ohne Haut sehen, durch Wände gehen und – sicher vieles mehr.
[Bearbeiten] Prinzessin Isis von Zephalonien
(frz. Isis de Céphalonie, princesse barbare)
Um einen Schwund an Besuchern im Donjon zu kompensieren, erfindet Herbert kurzerhand die mysteriöse, im Verließ als Geisel gefangene Prinzessin Isis, die sich - zur großen Überraschung aller - als keineswegs erfunden und sehr lebendig erweist. Tatsächlich kennen sich Herbert und Isis flüchtig aus ihrer Kindheit, sollte doch der Erpel von Vaucanson die Prinzessin der katzengestaltigen Krosaken von Zephalonien einst heiraten, um den Konflikt zwischen beiden Völkern zu beenden. Unwillkürlich wählt er ihren Namen für einen vermeintlichen Hilferuf, woraufhin die Prinzessin ihre Chance sieht und in den Donjon flieht. Sie ist nicht bereit, die großen, geistlosen Muskelberge zu heiraten, die ihr Vater, der Ataman (also Anführer) der Krosaken ihr zur Seite stellen will. Stattdessen sehnt sie sich nach einem schwächlichen, klugen, poetischen Gemahl. Der auch in Gestalt von Herbert gefunden zu sein scheint. Der Ataman sieht dies allerdings anders und verspricht Isis dem Wärter des Donjon. Widerwillig, um weitere Komplikationen zu vermeiden, stimmt dieser zu - nur um kurze Zeit später von Isis mit Herbert betrogen zu werden...
[Bearbeiten] Nubbel
(frz. Grogro)
Bester Freund von Marvin und Herbert, ein tolpatschiges, dickes, haariges Donjon-Monster. Nubbels liebstes Hobby ist Essen.
[Bearbeiten] Horus
(frz. Horus alias Horous, nécromant)
Ein Totenbeschwörer, der im Donjon arbeitet. Schon früh hat er sich mit Hyazinth mehr oder minder angefreundet und ihm im Kampf gegen das Unrecht geholfen. Horus beherrscht unterschiedlichste Techniken, seinen Mitmenschen Gedärme oder Extremitäten zu entfernen und diese wieder einzusetzen. Er kann auch untote Esel beschwören und leitet die Skelettfußballmanschaft im Donjon.
[Bearbeiten] Alkibiades
(frz. Alcibiade, magicien)
Ein Gnomonist, ebenfalls ehemaliger Kommilitone des Wärters, kann durch die Augen von Riesen oder durch Kristallkugeln wahrsagen und dient im Donjon als wissenschaftlicher Berater.
[Bearbeiten] Übersicht über die Alben
Donjon – Morgengrauen (Potron-minet) schildert die Entstehungsgeschichte des Donjon in einem sehr dynamischen, düsteren Zeichenstil mit vielen Schraffuren und Schattierungen. Hauptperson ist der junge Hyazinth, hier noch ein idealistischer, unerfahrener Student, der seine Pflicht darin sieht, für das Gute zu kämpfen. Die Alben erscheinen nummeriert von -99 an.
- -99 Das Hemd der Nacht; 2001 Carlsen (La chemise de la nuit)
- -98 Ein Rächer in Bedrängnis; 2002 Carlsen (Un justicier dans l'ennui)
- -97 Das Ende einer Jugend; 2006 Reprodukt (Une jeunesse qui s'enfuit)
- -84 Après la pluie (noch nicht in deutscher Sprache erschienen)
Donjon – Zenit (Zénith) zeigt den Donjon in seiner Blütezeit, in der das mächtige Gebäude unentwegt von Barbaren bedroht, von mysteriösen Kapuzenträgern belagert und von Wirtschaftskrisen erschüttert wird. Im Zentrum steht Herbert, der vom einfachen Botenjungen zum Krieger ausgebildet wird. Zenit ist nummeriert von 1 ab aufsteigend.
- 1 Das Herz einer Ente; 1999 Carlsen (Cœur de canard)
- 2 Der König der Krieger; 2000 Carlsen (Le roi de la bagarre)
- 3 Die Prinzessin der Barbaren; 2000 Carlsen (La princesse des barbares)
- 4 Missglückter Zauber; 2002 Carlsen (Sortilège et avatar)
- 5 Un mariage à part (noch nicht in Dt. erschienen)
Donjon – Parade: Die Abenteuer von Herbert und Marvin, die zeitlich zwischen Zenit 1 und 2 liegen.
- 1 Noch ein Verließ; 2004 Carlsen (Un donjon de trop)
- 2 Der Weise aus dem Ghetto; 2004 Carlsen (Le sage du ghetto)
- 3 Der Tag der Frösche; 2005 Reprodukt (Le jour des crapauds)
- 4 Gören, Grünzeug und Geziefer; 2005 Reprodukt (Des fleurs et des marmots)
Donjon - Abenddämmerung (Crépuscule) konfrontiert den Leser mit einer düsteren, trostlosen Welt, in der der Donjon zur Festung der finsteren Gehenna mutiert. Abenddämmerung nutzt eine krakelige, fast schon schmutzige Linienführung, um die Zerrissenheit und den Verfall der Terra Amata deutlich zu machen.
- 101 Das Drachenfriedhof; 2001 Carlsen (Le cimetière des dragons)
- 102 Der Vulkan von Vaucanson; 2002 Carlsen (Le volcan des Vaucanson)
- 103 Armaggedon (noch nicht in Deutschland erschienen)
- 104 Le dojo du lagon (noch nicht in Deutschland erschienen)
- 105 Les Nouveaux Centurions (noch nicht in Deutschland erschienen)
Donjon-Monster: Abgeschlossene Geschichten über die Nebencharaktere der Hauptserie, die jeweils von einem Gastzeichner gestaltet werden
- 1 Hans-Hans, der Schreckliche; 2006 Reprodukt (Jean-Jean la terreur)
- 2 Le géant qui pleure
- 3 La carte majeure; 2002
- 4 Le noir seigneur; 2003
- 5 La nuit du tombeur; 2003
- 6 Du ramdam chez les brasseurs; 2003
- 7 Mon fils le tueur; 2003
- 8 Crève-Cœur; 2004
- 9 Die Armeen der Tiefe; 2006 Reprodukt (Les profondeurs, auf Deutsch als Band 2 veröffentlicht)
- 10 Des soldats d'honneur; 2006
Die Reihe Donjon Bonus wurde bis heute (2006) noch nicht ins Deutsche übersetzt. Aber es gibt im Original bisher auch nur ein Werk:
- Clefs en mains, 2001 (2. Aufl. 2005), ein Rollenspiel vor dem Hintergrund des Donjon und der Terra Amata.
[Bearbeiten] Weblinks
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