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Massaker von Glencoe - Wikipedia

Massaker von Glencoe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Massaker von Glencoe war ein politisch motiviertes Massaker gegen den Clan der MacDonalds von Glencoe in Schottland am 13. Februar 1692.

Glencoe, Schottland
Glencoe, Schottland
Robert Campbell of Glenlyon
Robert Campbell of Glenlyon

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Hintergrund

Im Jahre 1688 stimmte Wilhelm III. von Oranien zu, den englischen Thron zu übernehmen. Diese britische Hilfe kam ihm im Kampf gegen die Franzosen gerade recht. Das schottische Parlament jedoch war noch nicht überzeugt und trat in Korrespondenz mit Wilhelm und seinem Rivalen Jakob II. Da Jakob allerdings äußerst arrogant dem schottischen Parlament gegenüber auftrat, akzeptierte es Wilhelm als König. Der Viscount von Dundee, John Graham of Claverhouse, versuchte durch Jakobinische Aufstände unter Beteiligung der schottischen Hochlandbewohner, den Thron für König Jakob zurückzugewinnen. In der Schlacht von Killiecrankie wurde Dundee allerdings getötet und der Aufstand durch die Schlacht von Dunkeld schließlich beendet. Auf dem Rückweg von dieser Schlacht plünderte der Clan der Maclains von Glencoe, ein Ableger des Clans MacDonald, zusammen mit ihren Cousins aus Glangarry die Ländereien von Robert Campbell von Glenlyon.

Sie stahlen sein Vieh, was seine durch Spielschulden hervorgerufene finanzielle Situation immer dramatischer werden ließ. Er war schließlich gezwungen, ein Armeekommando zu übernehmen, um seine Familie zu versorgen. Er forderte die Leute aus Glengarry außerdem auf, ihm den Schaden zu ersetzen, was aber nie geschah. Dieser Vorfall sollte ein paar Jahre später noch Bedeutung erlangen. Am 1. Mai 1690 wurden die schottischen Jakobiten in der Schlacht bei Cromdale schwer geschlagen, und die Niederlage Jakobs in Irland in der Schlacht am Boyne beendete den Aufstand. Am 27. August 1691 bot Wilhelm den Hochlandclans eine Amnestie für ihre Teilnahme am Aufstand an, wenn sie bis zum 1. Januar 1692 offiziell einen Treueeid schwören würden. Danach hätten sie mit Konsequenzen zu rechnen.

Die Oberhäupter der Clans setzten sich mit Jakob, der sich in Frankreich im Exil befand, in Verbindung und wollten von ihm die Genehmigung bekommen, diesen Eid zu leisten. Jakob zögerte eine Entscheidung hinaus, da er immer noch der Meinung war, dass er kurz davor stehe, nach England zurückzukehren und den Thron zu besteigen. Als aber schließlich klar wurde, dass dies vor dem Stichtag am 1. Januar nicht passieren würde, informierte er die Clanchefs, dass sie den Eid leisten dürften.

Die Antwort erreichte sie Mitte Dezember, wenige Wochen vor dem Stichtag. Die Wetterbedingungen im Hochland waren außerdem ziemlich schlecht. Einige Clans leisteten sofort den Eid, während andere dies verweigerten. Alastair MacDonald, 12. Chief von Glencoe, wartete bis zum letzten Tag, bevor er sich aufmachte, den Eid zu leisten.

Am 31. Dezember 1691 reiste er nach Fort William und fragte den Kommandeur Colonel Hill, ob er den Eid leisten könne. Hill erklärte ihm, dass er für die Abnahme des Eids nicht zuständig sei und MacDonald schnell nach Inverary reisen müsste. Dort könne er den Eid vor Sir Colin Campbell, dem Sheriff von Argyll, ablegen. Hill gab MacDonald einen Schutzbrief mit und außerdem einen Brief für Sir Colin Campbell, der bestätigte, dass MacDonald rechtzeitig in Fort William gewesen wäre, um den Eid abzuleisten. Außerdem versicherte Hill, dass in der Zwischenzeit keinerlei Maßnahmen gegen MacDonald getroffen würden, ohne dass dieser sich vor dem König oder einem Gericht rechtfertigen könnte.

MacDonald brauchte drei Tage bis nach Inverary, nicht zuletzt wegen der winterlichen Reisebedingungen. Bei seiner Ankunft war Sir Colin Campbell nicht anwesend und MacDonald musste drei weitere Tage auf ihn warten. Dann allerdings nahm Sir Campbell den Eid entgegen. Während MacDonald nun der Meinung war, dass er durch die Eidesleistung allen Vorschriften entsprochen habe und deshalb keinerlei Repressalien gegen ihn durchgeführt werden würden, sahen einige Personen innerhalb der Regierung die Verspätung als willkommene Gelegenheit, an den MacDonalds ein Exempel zu statuieren und damit gleichzeitig einige Gegner zu beseitigen.

[Bearbeiten] Das Massaker

Eine Verschwörung begann, in die der königliche Ankläger und Sekretär des Königs John Dalrymple, der Kommandant der Streitkräfte in Schottland Sir Thomas Livingston und sogar, weil er die Befehle schließlich unterzeichnete, König Wilhelm verwickelt waren.

Ende Januar oder Anfang Februar 1692 wurden die 1. und 2. Kompanie des Earl of Argyll’s Regiments unter dem Kommando von Robert Campbell of Glenlyon, etwa 120 Soldaten beim Clan der MacDonalds in Glencoe einquartiert. Diese bewirteten sie, wie es traditionell im Hochland üblich war. Der Großteil des Regiments waren Rekruten aus den Ländereien von Argyll, aber nur eine Minderheit trug den Namen Campbell. Die Offiziere kamen hauptsächlich aus dem schottischen Tiefland. Captain Campbell war sogar durch seine Heirat mit dem alten MacDonald verwandt, deshalb wurde er selber im Haus des Clanoberhaupts einquartiert. Etwa 14 Tage lang besuchte Captain Campbell jeden Morgen das Haus von Alexander MacDonald, Alistair MacDonalds jüngstem Sohn, der mit Campbells Nichte verheiratet war. Sie war die Schwester von Robert Roy MacGregor. Es ist bis heute nicht klar, ob Campbell schon zu diesem Zeitpunkt wusste, was er durchführen sollte.

Am 12. Februar kam ein Captain Drummond in Glencoe an. Aufgrund einiger Auseinandersetzungen zwischen MacDonald und Drummond im Zusammenhang mit der Eidesleistung, war Drummond kein gern gesehener Gast. Obwohl Drummond als Captain des 1. Grenadierregiments eigentlich ranghöher war als Campbell, übernahm er nicht das Kommando. Er überbrachte lediglich die folgenden Befehle für Robert Campbell, ausgestellt von einem Major Duncanson.

Faksimileabdruck der Befehle an Campbell
Faksimileabdruck der Befehle an Campbell



Ballacholis
12. Februar 1692

Sir.
Sie werden hiermit beauftragt, die Rebellen zu überfallen, die MacDonalds of Glencoe, und alle Personen jünger als 70 Jahre hinzurichten. Sie werden insbesondere angewiesen darauf zu achten, dass der alte Fuchs und seine Söhne auf keinen Fall Ihnen entkommen können. Sie haben alle Straßen und Wege zu sichern, dass kein Mann entkommen kann. Diesen Befehl müssen Sie exakt um 5 Uhr morgens ausführen. Ich werde um diese Uhrzeit oder kurz danach mit einer starken Streitmacht zu Ihnen stoßen. Sollte ich nicht um 5 Uhr kommen, haben Sie nicht auf mich zu warten, sondern weiterzumachen. Dieser Befehl kommt direkt als Spezialauftrag vom König, zum Wohle und zur Sicherheit des Landes, damit die Wurzeln dieser Kreaturen abgeschnitten werden. Achten Sie darauf, dass dieser Befehl unparteiisch befolgt wird, andernfalls werden Sie als Feind des Königs und der Regierung betrachtet und als unfähig ein königliches Kommando zu führen. In Erwartung, dass sie schon in eigenem Interesse erfolgreich sein werden, unterzeichne ich dies eigenhändig
Unterzeichnet Robert Duncanson
Im Dienste Ihrer Majestät

An Captain Robert Campbell of Glenlyon



Drummond verbrachte den Abend mit Kartenspiel mit seinen ahnungslosen Opfern und nahm noch eine Einladung zum Essen am folgenden Tag mit dem Clanoberhaupt MacDonald an, bevor er schlafen ging.

Alastair MacDonald wurde getötet, als er gerade aus dem Bett aufstehen wollte aber seine Söhne konnten fliehen, wie zunächst auch seine Frau. Insgesamt wurden 38 Männer in ihren Häusern oder während der Flucht in die Hügel ermordet. Weitere 40 Frauen und Kinder starben später, da sie der winterlichen Witterung ungeschützt ausgeliefert waren, weil ihre Häuser niedergebrannt worden waren. Teilweise kam es andernorts dazu, dass einige Soldaten ihre Gastgeber gewarnt hatten, andere, wie die Leutnants Francis Farquhar und Gilbert Kennedy verweigerten den Befehl und zerbrachen lieber ihre Säbel, als den Befehl auszuführen. Sie wurden festgenommen und ins Gefängnis gebracht, später jedoch entlassen, weil sie als Zeugen der Anklage gegen ihre kommandierenden Offiziere aussagten.

Zusätzlich zu den Soldaten, die sich in Glencoe aufhielten, standen in dieser Nacht zwei weitere Abteilungen mit jeweils 400 Mann bereit und sperrten die Fluchtwege ab. Beide Abteilungen erreichten jedoch ihre Positionen zu spät, nicht zuletzt durch den Schneesturm, der den Weg über den Devil’s Staircase bei Kinlochleven unpassierbar machte. Ebenso ist es möglich, dass sie einfach nicht rechtzeitig ankommen wollten, um an dem Verbrechen nicht teilnehmen zu müssen.

[Bearbeiten] Untersuchung der Vorfälle

1695 wurde eine Kommission eingesetzt, die die Vorfälle untersuchen sollte. Im schottischen Recht gibt es eine strafverschärfende Vorschrift, den „Mord unter Missbrauch des Vertrauens“. Das Glencoe Massaker passte eindeutig in diese Kategorie. Die folgende Untersuchung wies eindeutige Parallelen zu den späteren Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen auf, in denen auch die zentrale Frage behandelt wurde, ob Verbrechen dadurch gerechtfertigt werden können, dass Befehle befolgt werden mussten.

Das Ziel der Anklage war es, die Verantwortlichen für die Befehle zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei gab es einige Schwierigkeiten. Der König, der die Befehle selbst unterschrieben hatte, sollte nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Das Argyll Regiment war zwischenzeitlich nach Frankreich versetzt worden und hatte sich in Flandern den Franzosen ergeben müssen. Aus diesem Grund standen Campbell, Drummond und Duncanson der schottischen Gerichtsbarkeit nicht zur Verfügung.

Der Abschlussbericht der Kommission bestätigte somit auch die Unschuld des Königs und schob alle Schuld dem Staatssekretär John Dalrymple zu. Nachdem das schottische Parlament den Kommissionsbericht zur Kenntnis genommen hatte, erklärten sie die Hinrichtung der MacDonalds zum Mord und beauftragten das „Komitee für die Sicherheit des Königreichs“, sich an den König zu wenden, damit dieser die für das Massaker Verantwortlichen bestrafen und gleichzeitig die Überlebenden MacDonalds entschädigen sollte. Soweit bekannt ist, wurde niemand für das Massaker zur Rechenschaft gezogen.

Clachaig Inn in Glencoe
Clachaig Inn in Glencoe

[Bearbeiten] Schlussbetrachtung

Das Glencoe Massaker wurde propagandistisch dazu benutzt, Sympathien für die jakobitische Bewegung zu erlangen, die sich eine Generation später, im Jahre 1745 erneut erhob. In der Victorianischen Zeit lebte das Interesse an dem Massaker erneut auf und wurde in der Kunst und Literatur romantisiert dargestellt. Sir Walter Scotts Roman „Die Hochlandwitwe“ ist ein Beweis dafür. Durch die Teilnahme des Argyll Regiments unter Robert Campbell of Glenlyon wurde das Massaker nicht als Regierungsaktion bewertet, sondern als Teil der langjährigen Fehde zwischen den Clans MacDonald und Campbell angesehen.

Ein weiterer Erklärungsansatz für das Massaker ist der, dass durch das bewusste Beauftragen des Argyll Regiments, das eindeutig den Campbells zugerechtet wurde, der jahrhundertealte Zwist zwischen den Hochlandclans neu geschürt werden sollte. Staatssekretär Dalrymple war bekannt dafür, dass er als Lowländer die Bewohner des Hochlands nur als Barbaren ansah und sie hasste. In Glencoe nahm sein Hass dann mörderische Formen an. Die Erinnerung an das Massaker und die Fehde zwischen beiden Clans besteht teilweise bis heute. Bis Ende des 20. Jahrhunderts hatte der bei Bergsteigern beliebte Gasthof „Clachaig Inn“ in Glencoe den Hinweis auf der Eingangstür „Zutritt für Hausierer und Campbells verboten". Und Generationen von schottischen Kindern lernen heute noch "never trust a Campbell".

Jedes Jahr findet am 13. Februar von der „Clan Donald Society of Edinburgh“ eine Kranzniederlegung am Denkmal des Massakers in Glencoe statt. Dazu reisen Mitglieder des Donald Clans aus der ganzen Welt an.

Das Massaker schockierte damals weniger aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl der Opfer als vielmehr wegen des eklatanten Missbrauchs des Gastrechts durch die Campbells. Die Tat wird von vielen Schotten noch heute als Schandfleck in deren Clangeschichte betrachtet.

[Bearbeiten] Weblinks

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