Olaf Dinné
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Olaf Dinné (* 16. Dezember 1935 in Berlin) ist ein bremischer Politiker und bundesweit einer der ersten vier Abgeordneten einer grünen Partei in einem Landesparlament.
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[Bearbeiten] Ausbildung und Beruf
Dinné ist Architekt und war nach dem Studium als freier Architekt tätig. 1964 übernahm Dinné mit einem Kollektiv das Lokal Lila Eule im „Viertel“ in Bremen. Dieses Lokal wurde als ein Jazz-Lokal mit politischem Anspruch betrieben. Im Laufe der Unruhen um 1968 wurde es Ausgangs- und Treffpunkt der bremischen Außerparlamentarischen Opposition. Insbesondere die „Bremer Staßenbahnunruhen“ im Januar 1968 wurden hier vorbereitet.
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Bürgerinitiative gegen die „Mozarttrasse“
Als außerparlamentarischer Politiker wurde Olaf Dinné besonders bekannt im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die sogenannte „Mozarttrasse“, die nach den Plänen des Senats und der SPD-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft als Umgehungsstraße das Viertel durchschneiden sollte. Gegen diese auch in der Bauwirtschaft unterstützten Planungen regte sich Widerstand in der örtlichen Bevölkerung und der SPD-Basis. Es kam zur Gründung einer Bürgerinitiative und zu Demonstrationen. 1968 hatte der Ortsteilbeirat Altstadt beschlossen, sich anstatt auf Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg oder die Notstandsgesetze auf Reformen innerhalb der Stadt und den Kampf gegen die Trassenführungen zu konzentrieren. Als seinerzeitiges Mitglied der SPD war Dinné für seine Partei Mitglied im Ortsteilbeirat und schließlich führender Aktivist in der Bürgerinitiative gegen die „Mozarttrasse“. Im März 1969 wurde eine Fragebogenaktion im Ostertorviertel gestartet, die eine Ablehnung der Trassenführung von 95 % ergab und so den Rückhalt sicherstellte. Der Widerstand wurde vor allem über die Beiräte und die Ortsämter durch Dinné organisiert. Am 5. Dezember 1973 führte der Widerstand der SPD-Basis zu einem ablehnenden Beschluss bezüglich der „Mozarttrasse“ in der SPD-Bürgerschaftsfraktion, nachdem noch am Tag zuvor die Fraktion sich für die Planungen ausgesprochen hatte.
[Bearbeiten] Grünenpolitiker
Seitens der SPD-Führung wurde nach dem Ende der „Mozarttrasse“, um in Zukunft einen massiven Widerstand der Basis zu unterbinden, der bis dahin einheitliche SPD-Stadtbezirk in drei Unterbezirke aufgeteilt. Dies führte zu 29 Parteiaustritten und der Gründung der Bremer Grünen Liste (BGL) um Olaf Dinné. 1979 gelang es der BGL, bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft 5,1 % der Stimmen in der Stadt Bremen zu erreichen und als erste grüne Partei in einem Landesparlament vertreten zu sein. Einer der vier Abgeordneten der BGL in der Bürgerschaft war Olaf Dinné. Politisch vertrat er seinerzeit einen strikt anti-kapitalistischen Kurs und versuchte seiner ehemaligen Partei nachzuweisen, dass diese die Interessen der kleinen Leute verraten habe.
Auf dem Gründungsparteitag der Grünen im März 1980 sprach sich Olaf Dinné deutlich gegen die Doppelmitgliedschaft in den Grünen und anderen Parteien und Gruppierungen aus. Er begründete dies offen mit der wahlstrategischen Überlegung, dass eine Abgrenzung zu den Kommunisten notwendig sei, damit nicht der Eindruck entstünde, die neue Partei sei kommunistisch unterwandert. Hierfür wurde er besonders von links kritisiert[1].
Neben der BGL bildete sich in der Folge der Gründung der bundesweiten Partei „Die Grünen“ auch in Bremen ein Landesverband neben der BGL. Es kam zu Auseinandersetzungen innerhalb der BGL. 1982 trat der BGL-Abgeordnete Peter Willers aus der Abgeordnetengemeinschaft und der BGL aus und bei den Grünen ein. Bei der Bürgerschaftswahl am 26. September 1983 traten in Bremen drei grüne Gruppierungen an: Die Grünen, die BGL um Dinné und die Betrieblich-Alternative Liste. Nur die Grünen konnten mit 5,4 % der Stimmen in die Bürgerschaft einziehen.
[Bearbeiten] Veröffentlichungen
- Olaf Dinné, 15 Jahre SPD in Bremen, dann Grün, Klartext-Verlag, Bremen 1979
- Olaf Dinné / Hans-Werner Lüdke (Hrsg.), Die Grünen. Personen, Projekte, Programme, Busse-Seewald Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-512-00603-5
- Olaf Dinné, Das grüne Manifest, Robinson, Frankfurt 1985, ISBN 3-88592-006-9
- Olaf Dinné / Jochen Grünewaldt / Peter Kuckuk (Hrsg.), 1968. Anno dunnemals in Bremen, WMIT-Druck-u.-Verlags-GmbH, Bremen 1998, ISBN 3-929542-10-2
- Konstanze Radziwill/Olaf Dinné (Hrsg. für die Franz-Radziwill-Gesellschaft), Trude Rosner-Kasowski, (Ausstellungskatalog), Bremen, 2002
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ KPD-Mitglieder zum Beschluß über das Verbot der Doppelmitgliedschaft, Die Rote Fahne vom 28. Januar 1980, Zur Gründung der Grünen Partei, Die Rote Fahne vom 28. Januar 1980
[Bearbeiten] Weblinks
- Radio Bremen über das Ende der Mozarttrasse
- Deutsche Welle, Kalenderblatt zum Einzug der BGL in die Bremische Bürgerschaft
- Als Deutschland ergrünte, Hamburger Abendblatt vom 15. Oktober 2004
- Literatur von und über Olaf Dinné im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Personendaten | |
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NAME | Dinne, Olaf |
KURZBESCHREIBUNG | bremischer Politiker und einer der ersten grünen Abgeordneten in einem Landtag |
GEBURTSDATUM | 16. Dezember 1935 |
GEBURTSORT | Berlin |