Vogtei
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Der Begriff Vogtei wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet:
1. So bezeichnete Vogtei im Mittelalter den Machtbereich eines Vogtes. Erste Vogteien ließ Karl der Große ab 802 einrichten. In einer Vogtei hatte der Vogt meist als Vertreter des Kaisers, gelegentlich auch des Landesherrn die Schutzherrschaft und meist auch die hohe Gerichtsbarkeit inne. Im Spätmittelalter wurden die Vogteien erblich. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verloren auch die Vogteien ihre Bedeutung. Vor allem in Grundherrschaften von Klöstern und Bistümern wurden Vögte eingesetzt, um die Polizei- und Gerichtsgewalt der Kirche auszuüben. Diese Vogteien über kirchlichen Grundbesitz in den Händen des benachbarten Adels wurden schnell erblich und oft eine Voraussetzung für die entstehende Landesherrschaft. Auch die Abschaffung des Eigenkirchenrechts im Rahmen der Kirchenreform ab ca. 1050 wurde für den Adel abgemildert durch die verstärkte Nutzung des Vogteirechts, bei dem zwar der Kirche ein Großteil der Geldeinkünfte einer Grundherrschaft verblieb, die judikativen und administrativen Rechte jedoch von einen "Vogt" ausgeübt wurden, der manchmal von der Kirche zu ernennen, in der Regel aber vom "Schenker" des Grundbesitzes gleich mitbestimmt worden war.
2. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit Vogtei gelegentlich auch die Schutzgewalt eines Ehemanns oder Vormundes bezeichnet.
3. Abgeleitet vom Amtsgebäude eines Vogts ist der Name Vogtei zum Teil auch heute noch für bestimmte Gebäude gebräuchlich.
4. In Westthüringen hat sich die Vogtei als Landschaftsbezeichnung für die drei Dörfer Oberdorla, Niederdorla und Langula erhalten. Als Wappen trägt sie das dreiblättrige Kleeblatt (für die drei Orte). In diesen Orten wird das Vogteier Platt gesprochen, eine besondere Mundart des Plattdeutschen. Bis 1329 hatten die Herren des Erzbistums Mainz und die Herren von Treffurt das Sagen in den drei Dörfern der Mark Dorla, die sich aus dem einstigen Urdorla gebildet hatten. Die Treffurter waren Raubritter. Die immer gefährdeten und benachbarten Mainzer, Hessen und Sachsen stellten die Raubritter auf einem Raubzug. Besitzungen und Rechte der Treffurter gehörten zur Kriegsbeute der drei Sieger. Diese einigten sich auf eine gemeinsame Verwaltung der drei Dörfer Oberdorla, Langula und Niederdorla. Die drei Siegerländer setzten von 1333 an je einen Vogt in die drei Dörfer, um ihre Rechte und Liegenschaften zu wahren. So entstand wohl das kleinste Land im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen. Weil dieses Ländchen von drei Vögten regiert wurde, hießen die Leute von da an und bis heute eben Vogteier. Weit und breit ordnet man die Bewohner der drei Orte erst gar nicht einem Dorf zu, man nennt sie Vogteier.
Der Verwaltungsgemeinschaft Vogtei gehören neben den drei Orten noch Kammerforst und Oppershausen an.
Von einer reichsunmittelbaren Vogtei leitet sich auch das Vogtland (Terra advocatorum) ab, das Teile Sachsens und Oberfrankens umfasst.