Bronzefiguren der Nuraghenkultur
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Die Bronzefiguren der Nuraghenkultur (ital. Bronzetto, plur. Bronzetti nuragici) entstanden mehrheitlich zwischen dem 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. Etwa 500 dieser bis zu 40 cm hohen Statuetten, fand man bisher auf Sardinien. Die meisten in Brunnenheiligtümern aber auch in Gräbern, Nuraghen, Siedlungen und Werkstätten, wie den „Dämon von Teti“, der im Nuraghendorf von Abini bei Teti gefunden wurde.
Wie die Kunst des Bronzegusses im Wachsausschmelzverfahren nach Sardinien gefunden hat ist unklar, jedoch waren die Leute der Glockenbecherkultur, die die Metallverarbeitung mitbrachten, Jahrhunderte zuvor auf die Insel gelangt und die Etrusker fertigten zeitgleich ebenfalls Bronzefiguren an. Unbestätigte Vermutung besagen, dass die Herstellung der Bronzestatuetten schon wesentlich länger ausgeübt worden sein soll. Im 12. Jh. v. Chr. bestanden bereits Handelskontakte mit den Mykenern und zur metallreichen Insel Zypern. Auch Sardinien war reich an Kupfer, Silber und Blei.
Die teilweise abstrakten Formen der Bronzefiguren wirken ungewöhnlich modern und lassen sich in zwei Stilarten unterscheiden:
- Geometrischer Stil – Krieger, Bogenschützen, Stammesfürsten und Lampen in Schiffsform, oft mit Tierköpfen (meist Hirsche) am Bug.
- Naturalistischer Stil – (im Bergland häufig) Hirten, Musikanten, Tiere. Nach heutigem Forschungsstand dienten die Figuren vorwiegend als Votivgaben für die Götter.
Über phönizische Handelsniederlassungen an der Küste bestanden nach einer Unterbrechung durch den Niedergang Mykenes seit dem 8. Jahrhundert wieder Handelsbeziehungen ins östliche Mittelmeer, so dass Bronzen der Nuragher auch außerhalb der Insel bescheidene Verbreitung fanden und z.B. Idole der Kykladenkultur nach Sardinien kamen (Monte d'Accoddi, tomba II).
Bemerkenswert, aber nicht mehr völlig ungeklärt ist, wie die bis dahin im Bereich der Plastik, von einfach skulpierten Idolen der Bono Ighinu Kultur und Statuenmenhiren abgesehen, scheinbar nicht vertretenen sardischen Kulturen, Skulpturen mit derartig hohem Niveau schaffen konnten. Die Funde vom Monte Parma auf der Sinis-Halbinsel (Arborea) stellen offenbar eine Vorstufe zum Bronzeguss dar. Hier fand man 1974 die Reste von 30 Statuen, die den Bronzefiguren weitgehend entsprechen - allerdings handelt es sich um überlebensgroße Steinfiguren.
Die Funde sind weitgehend im Nationalmuseum von Cagliari zu sehen.
[Bearbeiten] Literatur
- Manlio Brigaglia, Sardegna archeologica, Istituto geografico De Agostini, Novara, 1983, (Landkarte und 64-seitiger Führer)