Burg Calenberg
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Die Burg Calenberg war eine mittelalterliche Niederungsburg bei Pattensen, Ortsteil Schulenburg, 13 km westlich von Hildesheim. Sie wurde von dem welfischen Herzog Otto dem Strengen ab 1292 als Wasserburg errichtet und 1313 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts ist sie zu einer modernen Feste umgebaut worden. Sie diente dazu, den Einfluss des Bischofs von Hildesheim, mit dem die Welfen in dauernden Auseinandersetzungen lebten, im Raum Hannover zurückzudrängen und Landgewinne zu erzielen. Die Feste Calenberg hat dem im 15. Jahrhundert zusammengefassten welfischen Teilfürstentum Calenberg seinen Namen gegeben. Sie war jedoch nicht groß genug, um den Hofstaat oder eine ganze Stadt aufzunehmen. Sie war daher kein Residenzschloss, sondern eher ein Gästehaus und nur eine gewisse Zeit Sitz der Vogtei. Die eigentliche Verwaltung des Fürstentums lag in Neustadt. Die Feste Calenberg wurde aber von den Fürsten als Stammschloss des Hauses betrachtet und dementsprechend gepflegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor sie ihre militärische Bedeutung.
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[Bearbeiten] Die Wasserburg Calenberg
Die Burg war in erster Linie offensiv ausgerichtet. Daher wurde sie auch an der damaligen Grenze zum bischöflich-hildesheimischem Gebiet als Tiefenburg und nicht als Bergburg erbaut. Sie stand als Wasserburg auf dem heute in der Burganlage noch sichtbaren erhöhten Plateau, das ein Rechteck mit nördlich angesetztem Trapez bildete und etwa 50 Meter breit und 70 Meter lang war. Dieses Plateau der Wasserburg war damals von einem umlaufenden Wassergraben umgeben, der später beim Umbau der Burg zu einer viel größeren Festung wieder verfüllt worden ist. Ursprünglich war die Wasserburg wohl nur als Turmbau drei Stockwerke hoch mit einem Grundriss 14,4 x 14,4 m und einem nördlich gelegenen Wohnflügel errichtet, der die Heerstraße von Gestorf durch das Leinetal nach Hildesheim beherrschen sollte.
Obwohl die Burg als Grenzbefestigung eine strategisch wichtige Position erfüllte, wurde sie aus Geldmangel schon ab 1327 dem Ritter Konrad von Saldern zu Lehen gegeben. Ihm wurde auch genehmigt, südlich der Burg eine unbefestigte Stadt anzulegen. Die 1327 gegründete Siedlung Lauenstadt hat sich jedoch nie richtig entwickelt, im Jahr 1613 stand sie in der Auflistung der Städte des Fürstentums Calenberg an letzter Stelle. Bis etwa 1900 wurden in Lauenstadt Krammärkte abgehalten, bei denen Gegenstände des täglichen Bedarfes an offenen Ständen verkauft wurden.
Bis 1350 wurde die Burg um einen langen Westflügel (32,6 x 9,6 m) ergänzt, an den sich ein weiterer Torturm (13,9 x 13,9 m) anschloss, und der Rest des etwa 2,5 m erhöhten Burgplatzes von Mauern eingegrenzt. Im Jahr 1363 gehörte zur Anlage eine Mühle und eine Zollstation zur Zahlung von Brückenzoll an der Leinebrücke.
Die Familie von Saldern musste die Burg aber 1364 an Herzog Wilhelm abtreten, weil sie sich an einem geheimen Pakt mit dem Bischof von Hildesheim beteiligt hatte.
1380 widerstand die Burg Calenberg der Belagerung durch den Bischof von Hildesheim; danach ist die bischöfliche Burg Nabershausen bei Barnten geschleift worden. Seit 1371 diente die Burg als Sitz herzoglicher Vögte der Großvogtei Calenberg, 1432 wurde sie zur Residenz eines welfischen Herzogs bestimmt. Seit 1405 war die Burg Verwaltungssitz der Vogtei Calenberg.
[Bearbeiten] Die Feste Calenberg
Nach der Einführung der Feuerwaffen war die Burg Angreifern nicht mehr gewachsen. Sie wurde daher Anfang des 16. Jahrhunderts noch vor der Hildesheimer Stiftsfehde unter Erich I. zu einer modernen Feste umgebaut, die über zwei Brücken zugänglich war. Als wichtigste Maßnahme wurde ein 700 m langer Wall angelegt, der den Burgplatz vor Geschützfeuer schützen sollte. Dieser sog. Hauptwall mit acht gemauerten Schanzen wurde mit einem 40 m breiten Graben umgeben, der über einen Kanal aus dem Rössingbach geflutet wurde. Der westlichen Zugangsseite mit der Zugbrücke war eine unbefestigte Vorwerksinsel mit dem Flurnamen Die Bleiche vorgelagert. Direkt hinter der Brücke lag der dreistöckige Batterieturm von etwa 24 m Durchmesser und 2 m dicken Mauern mit Geschützscharten in doppelgeschossiger Anordnung. Die Festung wurde durch siebzehn Kanonen geschützt und war damit besser ausgestattet als die zum Fürstentum gehörenden Städte Göttingen und Hannover.
Die Feste Calenberg hat mehrere Belagerungen überstanden. Während der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 wurde sie drei Wochen lang erfolglos belagert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Feste Calenberg 1625 drei Wochen lang von Tilly belagert; sie kapitulierte erst nach einer Meuterei der Besatzung. 1632 gelang es dem auf schwedischer Seite kämpfenden welfischen Herzog Georg von Braunschweig-Calenberg trotz sechswöchiger Belagerung zunächst nicht, die Burg zurückzuerobern. Erst nach seinem Sieg in der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf und einer weiteren Belagerung konnte er die stark beschädigte Feste Calenberg 1633 einnehmen. Nach mehreren Erbteilungen fielen 1634 die Fürstentümer Calenberg und Göttingen an das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg-Celle und bildeten nach Verleihung der Kurwürde ab 1692 das Kurfürstentum Hannover. Nachdem Herzog Georg von Braunschweig-Calenberg im Dreißigjährigen Krieg zunächst noch mit schwedischen Truppen das Gebiet 1636 wieder für die Welfen zurückerobern konnte, wählte er Hannover zur Residenzstadt. Ab 1648 wurde das Schloßgebäude in der Feste Calenberg wieder hergestellt. Es diente nun als Garnison, 1673 als Glasmanufaktur und immer wieder als Gefängnis. Die Feste wurde von 1656 bis 1662 noch einmal instandgesetzt.
[Bearbeiten] Der Kupferstich von Merian
Im Jahr 1654 veröffentlichte Caspar Merian (1627 – 1686) in der Topographia Germaniae Braunschweig-Lüneburg seinen Kupferstich von der Feste Calenberg, der auf einen Entwurf des Vermessungsingenieurs Conrad Buno zurückgeht.
Der Kupferstich zeigt einen perspektivischen Blick aus Richtung Gestorf in Richtung Hildesheim, also von Nordwesten zum Südosten. Links im Vordergrund steht die Richtstätte Das alte Gericht, dahinter die Domäne Neues Calenberg (B. Fürstlich Vorwerck) mit den damaligen Häusern und im Hintergrund die Festungsanlage Calenberg mit ihren darin eingeschlossenen Gebäuden (A. Das Schloss) und mit einem Wohnhaus für Angestellte auf der Vorwerksinsel, die vor der Festungsanlage liegt. Rechts von der Festungsanlage befinden sich die Häuser von Lauenstadt (D. Lawenstat), davor sieht man diesseits der Leine (G. Leina Fluss) die Calenberger Mühle (C. Die Mühle). Rechts im Vordergrund liegt der Ort Schulenburg (F. Dorf Schulenburg), dahinter jenseits der Leine der Ort Rössing (E. Dorf Rossi). Links im Hintergrund befindet sich der Ort Barnten (H. Bornden). Das Dorf rechts hinter der Festung ist nicht benannt; es handelt sich um Emmerke.
Die Richtstätte Das alte Gericht befand sich nördlich von dem Schulenburger Poggenworthsteich am Südrand der Heerstraße von Schulenburg nach Gestorf (jetzt L 460). Sie wurde später durch die Richtstätte Das neue Gericht ersetzt, die sich nordöstlich der Straßenkreuzung der B 3 mit der L 460 befand.
[Bearbeiten] Der Niedergang der Feste Calenberg
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Burg der größeren Reichweite der Geschütze nicht mehr gewachsen. Außerdem bildete sie ein Sicherheitsrisiko, weil Feinde sie in ihren Besitz nehmen und von da aus das Calenberger Land bedrohen konnten.
Die Burg wurde aufgegeben und aufgrund von Baumängeln ab 1690 abgebrochen. 1692 wurde die Feste Calenberg geschleift, dabei wurde der südliche Burgwall abgetragen und in den Festungsgraben verfüllt. Daraufhin ist die Stadt Hannover zur Festung ausgebaut worden. Auf der linken Leineseite entstand 1669 in dem jetzigen Hausgut Calenberg in Schulenburg die Domäne Neues Calenberg mit dem damaligen Brauhaus von 1673 und mit dem Amtssitz von Calenberg, der bis in das 19. Jahrhundert hinein eine mittlere Verwaltungsbehörde bildete.
Aus den Steinen des abgerissenen Schlosses wurde 1765 im nordöstlichen Bereich der Feste ein Criminal-Gefängnis errichtet, das von Fluchtmauern umgeben war, bis 1930 als Gefängnis diente und vor dem 2. Weltkrieg abgerissen wurde. Südlich davon stand bis 1981 das Wohnhaus für den Gefängnisaufseher und den Gerichtsboten; es diente später als privates Wohnhaus mit einem südlichen Nebengebäude und einem südwestlich gelegenen Gemüsegarten.
Zwei aneinandergebaute Fachwerkhäuser aus dem Jahr 1830 standen mittig auf dem Fundament des Westflügels der Burg aus dem frühen 14. Jahrhundert, südlich davon befand sich ein Nebengebäude aus Natursteinen. Die im Osten liegende Fläche des abgerissenen Schlosses diente als Hausgarten. Die Gebäude waren 1981 so baufällig, dass ihre Bausubstanz in den folgenden Jahren abgetragen werden musste und die früheren Gärten mit Waldbäumen bepflanzt wurde. Ein Unterflurhydrant am Weg weist noch auf die ehemalige Bebauung hin.
Auf dem Schulenburger Berg bauten die Welfen im 19. Jahrhundert das Schloss Marienburg, das sich im Besitz des Welfenhauses befindet und in der Gegenwart als Museum und als Ort für Empfänge des Welfenhauses dient.
Von dem Calenberg sind heute noch Keller und Fundamente der Burg und des Schlosses sowie Reste des Batterieturms erhalten. Die Wallanlage besteht noch im Nordwesten, im Norden und im Nordosten. Die umlaufenden Gräben führen kein Wasser mehr. Das ganze Areal ist mit Bäumen, Sträuchern und Brennesseln bestanden, es finden sich auch Schneeglöckchen und wilde Narzissen. Eine Gefahr geht von Zecken aus, die auf dem Gelände vorkommen.
Die Besichtigung ist ohne Eintritt möglich. Einen Überblick über die Anlage erhält man am besten im Winterhalbjahr, wenn die Bäume entlaubt sind.
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts findet am Vormittag des Himmelfahrtstages bei günstigem Wetter ein ökumenischer Gottesdienst im südlichen Bereich der Burg Calenberg statt (Stand: 2007).
[Bearbeiten] Gefangenschaft auf der Feste Calenberg
Der katholische Landesherr Erich II. akzeptierte im Jahr 1548 das Augsburger Interim des katholischen Kaisers. Auf der lutherischen Synode von Münden stellten sich der lutherische Reformator Anton Corvinus und der Pattenser Prediger Walter Hoiker (auch Hocker genannt) gemeinsam mit 140 Geistlichen 1549 erbittert gegen das Interim. Daraufhin setzte Erich II. Anton Corvinus und Walter Hoiker am 2. November 1549 in der Feste Calenberg in Beugehaft, um sie und die übrigen Geistlichen zur Annahme des Interims zu zwingen. Die Gefangenen wurden gut verpflegt, konnten Post empfangen und beantworten und durch ein geöffnetes Fenster mit ihren Besuchern sprechen. Später nach dem Passauer Vertrag, als der Kaiser das Interim für ungültig erklärt hatte und Erich II. bei ihm in Ungnade gefallen war, entließ Erich II. die beiden Gefangenen am 21. Oktober 1552.
[Bearbeiten] Die Leinebrücke
Die Leinebrücke zwischen der Feste Calenberg und dem Ort Schulenburg wurde schon 1363 urkundlich erwähnt. Die bestehende Steinbrücke mit drei elliptischen Jochen auf zwei Strompfeilern wurde 1751 erbaut und im Wappenstein mit einem Monogramm des Königs Georg II. von Hannover datiert. Sie ist durch eine Ampelanlage gesichert und kann im Wechsel nur einspurig befahren werden.
Die beiden Bürger Conrad Kösel und Rudolf Ohlmer aus Adensen wollten am Ende des 2. Weltkrieges die Sprengung dieser Leinebrücke und der Marienbergbrücke durch deutsche Soldaten verhindern. Während der Rückfahrt von den beiden Brücken wurden sie am 6. April 1945 auf der K 505 kurz vor Adensen von den heranrückenden Panzern der US-Army in ihrem Fahrzeug erschossen.
[Bearbeiten] Literatur
- Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover Bd. 29: I,3 Kreis Springe. Hannover 1941, Seite 30 bis 32, 191 bis 192.
- Kurt Brüning, Heinrich Schmidt (Herausgeber): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 2: Niedersachsen und Bremen. 4. Aufl., Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1976. Seite 91-93.
- Edgar Kalthoff: Die Burg und Feste Calenberg – Versuch einer Rekonstruktion. In: Burgen und Schlösser, 19 (1), 1978, S. 2-11
- Edgar Kalthoff: Die Geschichte der Burg Calenberg. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 50 (1978), S. 321-346
- Historisches Museum am Hohen Ufer, Hannover, Burgstraße (Hrsg.): Calenberg – Von der Burg zum Fürstentum. Hannover 1979
- Carl-Hans Hauptmeyer: Calenberg – Geschichte und Gesellschaft einer Landschaft. Hannover 1983
- Henner Hannig: Landkreis Hannover. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen Bd. 13.1. Verlag Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig und Wiesbaden 1988. Seite 128f und 238ff.
- Eckard Steigerwald: Die Feste Calenberg: ein vergessenes Denkmal niedersächsischer Geschichte? Rotary Club Calenberg-Pattensen, Pattensen ca. 1991.
- Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen, Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1992. ISBN 3-422-03022-0
- Margret Zimmermann, Hans Kensche: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land. Lax Verlag, Hildesheim, 2. Aufl. 2001.
[Bearbeiten] Karten
- Flurnamenkarte 1:10.000 Blatt 5/3 Gestorf des Landkreises Hannover (ohne Jahresangabe).
[Bearbeiten] Archive
- GSTA Berlin, HA STA Königsberg, HBA A2 1584 – 1586 (K. 92) Inventarium 3: Calenberg.
- Celle Br 2 Nr. 335, Br 57 Nr. 126.
- HSTA Düsseldorf, Werden Akten V d, Nr. 1, Bl. 2.
- Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover, Cal Br 2 Nr. 78 + 335, Cal Br 8 Nr. 944, Cal Br 21, 2869, Hann 74 Cal. Nr. 93 + 1302 + 1303 + 1342, Hann 76 c B Nr. 101, Hann 88A Nr. 989.
[Bearbeiten] Weblinks
Commons: Burg Calenberg – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
Koordinaten: 52° 11' 47" N 9° 47' 47" O