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Englischer Bürgerkrieg 1135–1154 - Wikipedia

Englischer Bürgerkrieg 1135–1154

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Englische Bürgerkrieg von 1135 bis 1154, im Englischen einfach The Anarchy genannt, war ein Thronfolgestreit in der Regierungszeit des englischen Königs Stephan.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Stephan von Blois war der Lieblingsneffe des Königs Heinrich I. (regierte 1100–1135) gewesen, dessen einziger ehelicher Sohn am 25. November 1120 beim Untergang des White Ship umgekommen war. Heinrich heiratete kurz darauf, Anfang 1121, ein zweites Mal, machte dann, als diese Ehe kinderlos blieb, seine Tochter Mathilde zur Thronerbin. Sie war die kinderlose Witwe des deutschen Kaisers Heinrich V. († 1125) und wurde daher in England Empress Maud genannt. Heinrich zwang seine Barone, darunter auch den späteren König Stephan, mehrmals (1. Januar 1127, 8. September 1131 und 2. August 1133), ihr Treue zu schwören, obwohl in England bis zu diesem Zeitpunk niemals eine Frau Herrscherin aus eigenem Recht gewesen war. Mathilde heiratete darüber hinaus am 22. Mai 1127 Gottfried Plantagenet, den Erbgrafen von Anjou, der bei den Normannen in England keinen guten Ruf genoss, da er versucht hatte, das Herzogtum Normandie zu erobern. Diese Hochzeit verstärkte die Abneigung des Adels gegen Mathilde.

[Bearbeiten] 1135: Die Usurpation

Nach Heinrichs Tod am 1. Dezember 1135 eilte Stephan nach England. Da die Barone sich bereits darauf zu verständigen schienen, Stephans älteren Bruder Theobald II., Graf von Champagne und Blois, zu wählen, zog Stephan in London ein, wo er sich von der Stadtbevölkerung (die die Königswahl als ihr altes Recht ansah), zum König ernennen ließ.

Von hier aus ging er nach Winchester, wo er sich mit Hilfe seines jüngeren Bruders Heinrich von Blois, der dort Bischof war, die Burg, den Staatsschatz und die Unterstützung des Erzbischofs von Canterbury, Wilhelm von Corbeil, sowie des Chief Justiciar Roger, des Bischofs von Salisbury, sowie der Neffen des letzteren, des Bischofs von Lincoln und des Bischofs von Ely sicherte. Die Barone wiederum zogen Stephan gegenüber Mathilde vor, stimmten der Usurpation mehrheitlich zu und huldigten ihm am 22. März 1136 in Westminster Abbey, wobei der größte Widerstand von Mathildes Halbbruder kam, Heinrichs unehelichem Sohn Robert von Gloucester. Im April 1136 fand eine Synode in Oxford statt, auf der Stephan dem Klerus wichtige Zugeständnisse machte und auch die Huldigung Robert von Gloucesters erreichte.

Am 11. Dezember 1136 erhielt er die Zustimmung von Papst Innozenz II. (der durch seinen Kampf gegen seinen Konkurrenten Anaklet II. anderweitig gebunden war), der ihn als Stephan, König von England anredete.

[Bearbeiten] 1136–1144: Der Krieg in der Normandie

[Bearbeiten] 1136–1138

Mathilde und ihr Ehemann Gottfried Plantagenet gaben der Eroberung der Normandie als Nachbarland des Anjou Priorität. Sie errichteten ihre Herrschaft über Argentan, Exmes und Domfront und plünderten die Güter ihrer Gegner, beginnend mit der Grafschaft Mortain. Jedoch gelang es ihnen nicht, die Unterstützung der Adeligen des Cotentin oder der Haute-Normandie zu gewinnen, wo Galéran de Beaumont, der Graf von Meulan und Schwiegersohn Stephans, den Widerstand anführte. Erst der Tod wichtiger Anhänger Beaumonts ermöglichte es Mathilde, wenigstens einen Teil des Contentin in die Hand zu bekommen.

Am 25. Februar 1137 ging Stephan in Frankreich an Land, um dem französischen König Ludwig VI. für die Normandie zu huldigen. Im Juli wurde mit Anjou ein zweijähriger Waffenstillstand vereinbart.

Ostern 1138 wechselte Robert von Gloucester ins Lager seiner Halbschwester über. Er hatte bereits die Burgen von Caen und Bayeux, sowie das Bistum Bayeux in seiner Hand (wo sein Sohn Richard Bischof war) und brachte auch das Bessin mit auf Mathildes Seite. Als Reaktion traten nun Galéran IV. von Meulan und Wilhelm von Ypern, der Befehlshaber der Söldner, in den Kampf ein. Gottfried von Anjou zog sich in sein Heimatland zurück. Stephans Anhänger griffen Caen an, konnten es nicht eroberten und begnügten sich mit der Plünderung des Umlandes.

[Bearbeiten] 1141–1144

1141 griff Gottfried Plantagenet die Normandie an. Er eroberte die Burgen Le Teilleul und Saint-Hilaire-du-Harcouët in der Grafschaft Mortain, Falaise und Lisieux, verwüsteten Le Perche und drangen ins Vexin ein. Gleichzeitig wurden Coutances et de Saint-Lô belagert. Mit der Gefangennahme Stephans (siehe unten) ging die Normandie dann ganz an Mathilde und Gottfried über.

Im Juli 1142, als Stephan wieder auf dem Thron saß, und in England ein Waffenstillstand galt, traf er sich mit Plantagenet in Caen. Am 3. April 1143 starb der Anjou-freundliche Bischof von Bayeux Richard von Gloucester; Bayeux ging an Philippe d’Harcourt, einem Gefolgsmann Stephans, dem Gottfried die Einnahme seines Sitzes verweigerte. Im gleichen Jahr starb Gottfrieds Vater Fulko V., wodurch Gottfried Plantagenet Graf von Anjou und Maine wurde. Am 19. Januar 1144 eroberte er Rouen und ließ sich am Tag darauf in der Kathedrale als Herzog von Normandie inthronisieren. Die Garnison auf der Burg von Rouen ergab sich erst drei Monate später. Er huldigte Ludwig VII. von Frankreich und trat ihm die Burg Gisors ab.

Als Gottfried Philippe d'Harcourt dann das Bischofsamt in Bayeux zugestand, trat in der Normandie Frieden ein. 1147 und 1148 flammte der Konflikt um Bayeux noch einmal auf, aber jetzt stellte Gottfried gemeinsam mit dem Bischof den Frieden wieder her.

Gottfried Plantagenet starb wenig später, 1151, sein und Mathildes Sohn Heinrich II. (* 1133) wurde Herzog der Normandie, Graf von Anjou und Maine.

[Bearbeiten] 1138–1141: Der Krieg in England

[Bearbeiten] 1138

Nachdem Robert von Gloucester Ostern 1138 die Seiten gewechselt hatte, beschlagnahmte Stephan dessen gesamten Besitz, darunter vor allem die wichtige Festung Bristol, die aber von Philipp, dem ältesten Sohn Roberts verteidigt wurde. Stephan zögerte, die Stadt Gloucester anzugreifen, wandte sich statt dessen gegen Hereford, das sich unterwarf.

Vom 22. bis 27. August 1138 belagerte Stephan Shrewsbury, das von William Fitz-Alan, einem Neffen Robert von Gloucesters verteidigt wurde. Der Ort hielt eine Woche stand, bis William Fitz-Alan die Flucht ergriff.

Mathildes größte Hoffnung, ihr Onkel, der schottische König David I., fiel – angeblich zu ihrer Unterstützung – in Northumberland ein, wurde aber nach einigem Geplänkel von Thurstan, dem Erzbischof von York, am 22. August 1138 in der Standartenschlacht geschlagen und zur Flucht nach Cardiff gezwungen, einer weiteren Burg Robert von Gloucesters.

[Bearbeiten] 1139

Zur gleichen Zeit traf Stephan eine Reihe von Entscheidungen, die ihm seine Anhänger entfremdeten. Er ließ Bischof Roger von Salisbury und seine bischöflichen Neffen am 24. Juni 1139 verhaften; zwar gelang dem Bischof von Ely die Flucht, doch endete diese Aktion damit, dass die drei Bischöfe ihre Burgen dem König abtraten. Damit hatte Stephan jedoch den hohen englischen Klerus gegen sich aufgebracht. Selbst sein eigener Bruder, Bischof Heinrich von Winchester, wandte sich nun gegen ihn, da er die Verhaftung als Angriff auf die Kirche ansah: auf einer Synode in Winchester entzog ihm dieser am 22. August 1139 die Unterstützung.

Wenige Tage später, am 30. August 1139 kam Mathilde nach England und ließ sich in Arundel Castle nieder, wo sie sich am 30. September oder 1. Oktober mit ihrem Gegner traf – was ihn nicht daran hinderte, Malmesbury und South Cerney zu besetzen. Mathildes Anhänger plünderten gleichzeitig Worcester und am 7. November 1139 bemächtigte sich Robert von Gloucester Winchester und damit der Staatsschatzes.

[Bearbeiten] 1141

Gegen Ende des Jahres schloss sich Ranulph de Gernon, der Earl of Chester, der bislang – obwohl ebenfalls Schwiegersohn Robert von Gloucesters – neutral geblieben war, Mathilde an. Mit seinem Halbbruder William de Roumare, dem Earl of Lincoln, besetzte er Anfang 1141 der Burg von Lincoln. Zwar verständigte sich Stephan anfangs mit Ranulph, reagierte dann aber auf eine Bitte der Bürger der Stadt und bereitete den Angriff auf die Burg vor. Ranulph konnte der Belagerung entkommen und stellte gemeinsam mit seinem Schwiegervater Robert von Gloucester ein Ritterheer auf. Am 2. Februar 1141 kam es dann zur 1. Schlacht von Lincoln in den Straßen der Stadt, in der Stephan unterlag und gefangen genommen wurde. Er wurde in Bristol eingekerkert, und Mathilde konnte nun von London aus regieren: sie proklamierte sich am 3. März 1141 zur Domina Anglorum, Herrin der Engländer. Am 8. April wurde Stephan auf einer Synode in Winchester von seinem eigenen Bruder, Heinrich von Blois, abgesetzt. Am gleichen Tag wurde Mathilde zur Angliae Normanniaeque domina ernannt, zur Herrin von England und der Normandie.

Im Juni reiste sie nach London ab, um sich zur Königin krönen zu lassen. Sie betrat die Stadt am 24. Juni, konnte sich dort aber nicht lange aufhalten: sie erhob sofort schwere Steuern in der Stadt, die Bürger organisierten den Widerstand, so dass Mathilde sich bald gezwungen sah, die Hauptstadt zu verlassen und nach Oxford auszuweichen. Der Vorteil, den sie aus dem Sieg bei Lincoln gezogen hatte, schwand aufgrund ihres Charakters schnell dahin.

Der Bischof Heinrich von Winchester wechselte nun erneut die Seiten und schloss sich wieder seinem Bruder an. Mathilde begab sich daraufhin nach Winchester, um ihn zur erneuten Unterwerfung zu zwingen. Stephans Ehefrau Mathilde von Boulogne und sein Söldnerführer Wilhelm von Ypern nutzten die Gelegenheit und verwickelten die Gegenseite in Scharmützel, die heute als Schlacht von Winchester bekannt sind.

Am 14. September gelang Mathilde die Flucht aus Winchester, während ihre Armee dort noch belagert wurde. Wenig später wurde Robert von Gloucester, der die Flucht seiner Halbschwester gedeckt hatte, in Stockbridge gefangen genommen, woraufhin Mathilde einem Austausch – Stephan gegen Robert – zustimmte, der am 1. November auch stattfand. Der freigelassene Stephan wurde am 7. Dezember 1141 durch eine weitere Synode unter Leitung seines Bruders Heinrich erneut zum König proklamiert, die Krönungszeremonie fand am 25. Dezember in der Kathedrale von Canterbury statt.

[Bearbeiten] Das Abflauen der Kämpfe

Anfang 1142 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, Ende des Jahres gelang es Stephan, Ranulph von Chester in sein Lager herüberzuziehen. Im September griff Stephan Oxford an, wo Mathilde sich aufhielt. Die Stadt fiel am 26. September, die Burg (mit Mathilde) hielt stand. Am 20. Dezember gelang ihr die Flucht.

1143 plante Stephan, die Nachschublinien Mathildes durch die Einnahme von Wilton zu unterbrechen. Robert von Gloucester wurde gewarnt und verlegte im März Truppen an den Ort. Als der König am 1. Juli vor Wilton erschien, entkam er nur knapp der erneuten Gefangennahme.

Obwohl Mathilde nach dem Tod Roberts (31. Oktober 1147) nach Frankreich zurück ging, kehrte in England keine Ruhe ein. Die Peterborough Chronicle berichtet, Stephan sei „softe and gode“ gewesen, der keine Gerechtigkeit übte („no iustice didde“), während Christus und alle Heiligen schliefen („Crist and alle his sayntes slept“) - dies und „mare thanne we cunnen sæin, we tholeden xix wintre for ure sinnes“ („mehr als wir sagen können, wir büßten 19 Winter für unsere Sünden“).

[Bearbeiten] Die Entscheidung

Mathildes Sohn, der spätere König Heinrich II., der in militärischer Umgebung und unter Stephans Gegnern aufgewachsen war, kam 1153 nach England mit dem Ziel, das Land zu erobern. Als sich die Kontrahenten dann auf einem Schlachtfeld nahe Wallingford gegenüber standen, wurden die Auseinandersetzung schließlich dadurch verhindert, dass eine Reihe von Adligen gegen diese endlosen und fruchtlosen Kämpfe aufbegehrte. Stephan ließ sich überzeugen, Verhandlungen begannen und ein Waffenstillstand wurde vereinbart.

Stephans ältester Sohn Eustach von Boulogne, den Stephan bereits zu seinen Lebzeiten zu seinem Nachfolger hatte krönen lassen wollen, was der Papst jedoch unter Androhung eines Interdikts untersagt hatte, geriet über die Verhandlungen derart in Zorn, dass er abreiste. Eustach starb kurz darauf, am 10. August [1153]] so unerwartet, dass eine Vergiftung angenommen werden kann.

Nach dem Tod seines ältesten Sohnes wurde der Waffenstillstand von Wallingford zu einem Vertrag erweitert, der in Winchester ausformuliert und Ende November 1053 auf einer Adelsversammlung am gleichen Ort präsentiert wurde; am 25. Dezember 1153 wurde er Vertrag in der Westminster Abbey unterzeichnet, weswegen die Vereinbarung sowohl Vertrag von Wallingford, Vertrag von Winchester, als auch Vertrag von Westminster genannt wird.

Dieser Vertrag beendete 17 Jahre Bürgerkrieg. Heinrich wurde als Thronerbe anerkannt, was formal durch eine Adoption geschah, wodurch aber auch Gerüchte aufkamen, das Heinrich Stephans leiblicher Sohn sei, zumal Stephan mit Wilhelm von Boulogne einen weiteren Sohn hatte; es gibt allerdings keine Hinweise darauf, die dieses Gerücht stützen könnten.

Anfang 1154 nahm Heinrich in Anwesenheit Stephans in Oxford die Huldigung der Barone entgegen. Stephan, er bereits seit längerem kränklich war, überlebte den Vertragsabschluss nur um wenige Monate, und starb am 25. Oktober 1154 in Dover.

[Bearbeiten] Der Bürgerkrieg in der Literatur

Der Bürgerkrieg war in den vergangenen Jahren Hintergrund für eine Reihe von Romanen:

  • Cecelia Hollands The Earl, auch als Hammer for Princes (1971) veröffentlicht, gibt eine Beschreibung der letzten Jahre der Auseinandersetzung, Heinrichs Invasion und seine Anerkennung als Erben
  • Ellis Peters hat für ihre Kriminalromane um den Mönch Cadfael (veröffentlicht 1977–1994) den Bürgerkrieg als Hintergrund.
  • Ken Folletts Roman Die Säulen der Erde (veröffentlicht 1989) spielte ebenfalls in dieser Zeit.
  • Sharon Kay Penmans Roman, When Christ and His Saints Slept (veröffentlicht 1995) gibt eine Übersicht über die gesamte Auseinandersetzung.
  • Jean Plaidys Passionate Enemies (um 1976) aus der mehrbändigen Abhandlung über die britische Monarchie beschreibt die Stimmung der Zeit und die Charaktere von Mathilde und Stephan.

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