Lohnstückkosten
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Als Lohnstückkosten werden angefallene Lohnkosten je erbrachter Leistung bezeichnet. Um die Lohnstückkosten zu erhalten, wird die Gesamtheit der Lohnkosten, die für ein Produkt oder eine Dienstleistung anfallen, durch die resultierende Leistung (z. B. Stück, o. ä.) dividiert. Lohnstückkosten können somit für einzelne Produkte oder Unternehmen berechnet werden, aber auch für ganze Branchen und Volkswirtschaften.
In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden Lohnstückkosten berechnet als der Quotient aus Arbeitnehmerentgelt und BIP. Verwendet man das reale BIP, das BIP zu Preisen eines bestimmten Basisjahres berechnet, dann erhält man die nominalen (!) Lohnstückkosten. Verwendet man das nominale BIP, also in jeweiligen Preisen berechnet, erhält man die realen (!) Lohnstückkosten. Erstere Größe soll Auskunft geben, welcher Druck auf das Preisniveau durch Lohnsteigerungen ausgeübt wird, letztere Größe soll darüber Auskunft geben, wie sehr die Unternehmen "real" belastet sind, also auch unter der Berücksichtigung, dass die Unternehmen ihrerseits ja die Preise anheben können. Die realen Lohnstückkosten sind auch eine Art von Lohnquote, die aber nicht auf das Volkseinkommen, sondern auf das BIP bezogen ist. In der Abbildung bilden die vier unteren Größen ((1) Nettolöhne und -gehälter, (2) Sozialbeiträge der Arbeitnehmer und (3) -geber und die (4) Lohnsteuern) das Arbeitnehmerentgelt. Sein Anteil am BIP, dies wären dann die realen Lohnstückkosten, entspricht fast seinem Anteil am BNE, der hier abgebildet ist (BNE in der Abbildung = 100 % gesetzt).
Falls die Lohnkosten stärker steigen als die "reale" oder "nominale" Produktivität, steigen die "nominalen" oder "realen" Lohnstückkosten. Lohnstückkosten auf einem niedrigen Niveau entstehen durch niedrige Löhne und/oder eine hohe Produktivität. Viele glauben dieses Ziel dadurch zu erreichen, indem in Niedriglohnländern auf einem hohen technischen Grad gearbeitet wird. In Industrieländern sind die hohen Lohnkosten mit einer hohen Produktivität verbunden, wodurch die Lohnstückkosten ebenfalls niedrig sind. (Umgekehrt kann man argumentieren, dass hohe Lohnkosten durch hohe Produktivität gerechtfertigt sind.) Eine alleinige Betrachtung des Angebots blendet die Nachfrageseite aus. In Niedriglohnländern ist die durchschnittliche Produktivität niedrig, so daß von dem geringen Lohn auch wenig gekauft werden kann. Weil dieser Zusammenhang oft wenig beachtet wird, wird nur ca. 1/4 der Betriebsverlagerungen ins Ausland zum Erfolg [1].
Im übrigen sollten Lohnstückkosten stets vorsichtig betrachtet werden. Zum einen können Lohnstückkosten aufgrund kapitalintensiver Produktionsprozesse niedrig ausfallen. Zum anderen wird in die Lohnstückkosten nur die Produktivität der Arbeitnehmer eingerechnet, während Arbeitslose unberücksichtigt bleiben. Des weiteren können bei der Berechnung von Lohnstückkosten Unterschiede auftreten, die davon abhängen, ob auf Nationalwährungsbasis oder in einheitlicher Währung gerechnet wird.
Laut einer Studie des DIW [2] sind die nominalen Lohnstückkosten in Deutschland seit 1980 prozentual mehr gestiegen als in Japan, während sich im Falle von realen Lohnstückkosten ein umgekehrtes Ergebnis ergibt.
[Bearbeiten] Bereinigung der realen Lohnstückkosten
Ähnlich wie bei der Lohnquote kann man auch bei den realen Lohnstückkosten eine Bereinigung vornehmen, um die Wirkung von Änderungen der Zusammensetzung der Zahl der Erwerbstätigen nach Arbeitnehmern und Selbständigen mit mithelfenden Familienangehörigen herauszurechnen. Dies geschieht, indem jedem Selbständigen ein kalkulatorischer Unternehmerlohn zugesprochen wird in Höhe des Durchschnittsarbeitnehmerentgeltes.
Die Bereinigung erfolgt also, indem das Arbeitnehmerentgelt mit der Zahl der Erwerbstätigen multipliziert und dann mit der Zahl der Arbeitnehmer dividiert wird.
Diese Vorgehensweise führt allerdings zu verzerrten Ergebnissen für Länder oder Zeiten, in welchen der Anteil der Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen sehr hoch ist. Dies war in Japan beispielsweise noch bis Ende der 60er Jahre der Fall und ist heute noch so in Ländern wie Griechenland. Die Annahme, dass ein Selbständiger das durchschnittliche Arbeitsentgelt eines Arbeitnehmers bekommt, überzeichnet dann die Einkommen der Selbständigen und bläht das korrigierte Arbeitnehmerentgelt auf, sodass sich reale Lohnstückkosten von nahe 100 % oder gar mehr ergeben können.
In der Abbildung sind für die drei größten Volkswirtschaften der Welt USA, Japan und BRD (siehe Triade) die bereinigten und unbereinigten realen Lohnstückkosten dargestellt.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Quellenangaben
- ↑ Tobias Meyer, Ulrich Näher: Damit der Standort zum Erfolgsfaktor wird. VDI-Nachrichten Nr. 9/2006, S. 15
- ↑ DIW Wochenbericht Nr. 14/2004: Lohnkosten im internationalen Vergleich (PDF-Datei, 198kB)
- ↑ Eigene Berechnung nach ameco-Datenbank