Neoklassizismus (Kunst)
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Neoklassizismus (veraltet Neuklassizismus) ist eine eklektizistische Kunstrichtung.
Der Begriff Neoklassizismus wird in der Kunstgeschichte einzelner Nationen unterschiedlich gebraucht. In Frankreich und Großbritannien wird mit dem Neoklassizismus die Stilepoche die auf das Rokoko folgte beschrieben. Anders als in Deutschland, in dem diese Epoche mit dem Begriff des Klassizismus beschrieben wird.
Der Begriff Neoklassizismus findet in Deutschland Verwendung für die Bezeichnung eines der Hauptstile innerhalb des Historismus. Als Hauptströmung entwickelte sich der Neoklassizismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts und blieb bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts hinein bestimmend.
Der Neoklassizismus verstand sich als Gegenbewegung zum Naturalismus und zur Moderne. Der Neoklassizismus ist an den Klassizismus angelehnt. Die Künstler strebten dabei nach einer „klaren Linie“; charakteristisch sind beispielsweise tempelartige Säulenbauten. Auffallend ist auch die Überproportioniertheit der Gebäude: Man fühlt sich klein, wenn man vor einem solchen Gebäude steht. Das ist zwar allgemein ein Merkmal für den Klassizismus, wurde aber im Neoklassizismus ad extremum getrieben.
Während die anderen Stile des Historismus 1885/90 im allgemeinen vom Jugendstil abgelöst wurden, hat sich der auf Monumentalität ausgerichtete Neoklassizismus in verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel der Sowjetunion und den USA, bis in die 1950er Jahre gehalten. Auch für die Architektur im Deutschland der Dreißigerjahre war dieser Stil maßgeblich. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte als sogenannte Stalinsche Architektur eine Abwandlung dieses Stils das Bauen bis Mitte der 50er Jahre in den kommunistischen Staaten (z.B. Polen, DDR).
Auswahl von neoklassizistischen Bauwerken des 20. Jahrhunderts:
- Olympiastadion Berlin
- National Gallery of Art, Washington (D.C.)
- Tate Gallery of British Art, London
- Gauforum, Weimar
- Kulturpalast, Warschau
- Ringbebauung, Leipzig
- Karl- Marx- Allee, Berlin
[Bearbeiten] Literatur
- Tyrannei des Schönen. Architektur der Stalin-Zeit. Hrsg. von Peter Noever. Wien, MAK. 1994. ISBN 3-7913-1340-1
- Herbert Nicolaus; Alexander Obeth: Die Stalinallee: Geschichte einer deutschen Straße. Verlag für Bauwesen. Berlin. 1997. ISBN 3-345-00605-7
- Frank-Bertolt Raith: Der heroische Stil: Studien zur Architektur am Ende der Weimarer Republik. Verlag für Bauwesen. Berlin. 1997. ISBN 3-345-00606-5
- Birk Engmann: Bauen für die Ewigkeit: Monumentalarchitektur des zwanzigsten Jahrhunderts und Städtebau in Leipzig in den fünfziger Jahren. Sax- Verlag. Beucha. 2006. ISBN 3-934544-81-9