Ostflucht
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Als Ostflucht bezeichnet man die stetige Abwanderung größerer Bevölkerungsteile aus den wirtschaftsschwachen östlichen Landesteilen Preußens im späteren 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ziel der arbeitssuchenden Menschen aus den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien und der Posen, darunter viele aus dem starken polnischsprachigen Bevölkerungsteil dieser Gebiete, waren die aufstrebenden Industrieregionen im Westen des Reiches. Vor allem im Ruhrgebiet zeugt die noch heute weite Verbreitung polnischer Familiennamen von dieser Wanderungsbewegung.
Zum Politikum wurde die Ostflucht durch den Umstand, dass mehr Deutsch- als Polnischsprachige abwanderten und dies mit dazu beitrug, das Zahlenverhältnis in den Ostprovinzen zugunsten letzterer zu verschieben. Die preußischen Behörden fürchteten, diese Bevölkerungsgruppen könnten sich auf kurz oder lang der Forderung der polnischen Nationalbewegung nach einem unabhängigen Staat Polen anschließen und die Zugehörigkeit der betreffenden Gebiete zu Preußen und zum Deutschen Reich infragestellen.