Selbstjustiz
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Selbstjustiz bezeichnet das außergesetzliche Vorgehen von nicht Berufenen (meist Betroffenen) gegen eine Straftat oder sonst als rechtswidrig oder ungerecht empfundene Handlung. Die Selbstjustiz widersetzt sich dem Gewaltmonopol des Staates und ist in diesem Rahmen strafbar. Der Staat behält sich das Recht der Bestrafung als Dritter selbst vor. Daher wird das Pendant der Selbstjustiz auch als "Fremdjustiz" bezeichnet.
Als Rechtfertigung für einen Akt der Selbstjustiz vorgebracht wird meist das Versagen der Justiz oder deren Unfähigkeit, gegen die als verbrecherisch empfundene Handlung effektiv, schnell oder überhaupt vorzugehen.
Nicht unter die Definition der Selbstjustiz fallen solche Handlungen, die von der Rechtsordnung nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, der Notwehr oder zur Abwendung eines Notstandes erfolgen. Ebensowenig wird der Begriff der Selbstjustiz auf Handlungsformen im Rahmen eines möglicherweise billigenswerten Widerstandsrechtes gebraucht.
[Bearbeiten] Vigilantismus
Aus dem angelsächsischen Sprachraum wandert in den heutigen deutschen Sprachgebrauch der Ausdruck Vigilantismus (von lat. vigilans 'wachsam') für eine systemstabilisierende und somit meist konservative Selbstjustiz. Viele dieser Gruppen engagieren sich in Bereichen, wo es ihrer Meinung nach keine ausreichende institutionelle Unterstützung des Rechts gibt. Es handelt sich der häufigsten Deutung nach um rechte Milizen oder Polizeigruppen, die das Gesetz gleichsam "in die eigenen Hände nehmen". Vigilanten operieren häufig als geheime Verschwörer.
In den USA war der Vigilantismus während des Goldrauschs und besonders in Kalifornien während des Kampfes um die Beherrschung der Goldfelder nach dem Goldrausch von 1849 in Montana verbreitet, sowie während der Arbeitslosigkeit zwischen den Weltkriegen. Der Vigilantismus brach auch in anderen Landesteilen aus und endete häufig in der Lynchjustiz gegenüber verdächtigten Personen oder erkannten Verbrechern. Nicht alle Aktivitäten waren nur vorübergehend. Im 19. Jahrhundert gab es in Amerika zahlreiche gut organisierte Vigilanzkomitees.
In der heutigen westlichen Welt kommt es zu Vigilantismus, wenn die Bevölkerung mit offenkundig unfairen Gerichtsverfahren und -vorschriften brüskiert wird, die scheinbar frei stellen, dass Täter frei oder nichtschuldig gesprochen werden. Vigilante "Justiz" geschieht dann häufig in Gestalt von Anschlägen oder Brandstiftung und nimmt bisweilen den Tod der angeschuldigten Person in Kauf.
Selbstjustiz ist gesetzlich verboten, weil der Staat als Gewaltmonopol, das Recht beansprucht, Bestrafungen ausschließlich nach Recht und Gesetz durch die Justiz (Richter und Staatsanwalt) auszusprechen.
[Bearbeiten] Selbstjustiz und Vigilantismus in Kunst und Literatur
Das Prinzip des Vigilantismus ist ein verbreitetes Motiv für zahlreiche Produktionen der trivialen Kunst und Literatur. Dazu werden beispielsweise Heftromane und Superhelden-Comics gezählt. Viele Helden der Fictionliteratur, wie Doc-Savage und The Shadow oder Superhelden, wie Superman und Spider-Man, gelten als Vigilanten wegen ihres persönlichen Einsatzes für Law and Order, der erfolgreicher als der von den institutionellen Gesetzesdienern dargestellt wird. Das Extrem des Vigilantentyps a la Superhero stellt Marvel Comics' Figur The Punisher dar, der skrupellos unter Einsatz auch terroristischer Methoden wie Mord Verbrecher bekämpft. Neuere Tendenzen im Superheldencomic thematisieren oft das Faschistoide in Vorgehensweise und Charakter ihrer Protagonisten und zeichnen diese eher als gebrochene, kaputte Charaktere denn als strahlende Helden.
In der deutschen Literatur behandelt Heinrich von Kleist das Thema der Selbstjustiz nach Versagen der Rechtsgewährung durch die Obrigkeit in seiner Erzählung Michael Kohlhaas. Eine moderne Variante findet sich in Peter Handkes Der Chinese des Schmerzes.
[Bearbeiten] Bekannte Fälle
- Im spektakulärsten deutschen Fall erschoss Marianne Bachmeier 1981 den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal.
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