Brömserburg
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Die Brömserburg (auch Niederburg genannt) liegt in Rüdesheim am Rhein in der Nähe des Rheinufers. Sie gehört in ihren Ursprüngen wohl zu den ersten festen Burgen im Oberen Mittelrheintal.
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[Bearbeiten] Geschichte
Möglicherweise steht die Brömserburg auf den Fundamenten eines römischen Kastells. Bei Grabungsarbeiten wurde unter den mittelalterlichen Mauern spätantike Bausubstanz entdeckt. Ob es sich um einen Wachtturm oder Brückenkopf zum linksrheinischen Bingium (Bingen) gegenüber handelte, ist nicht geklärt.
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand die mittelalterliche Burg wahrscheinlich als Zollburg auf den Fundamenten eines frühmittelalterlichen Wehr- und Wohnturms aus der Zeit um 1000; sie wurde 1124 erstmals urkundlich erwähnt.
Die Anlage war durch eine Ringmauer mit Wassergraben und Torturm gesichert; der Rhein floss damals, historischen Stichen zufolge, im Unterschied zu heute - da eine Straße und breite Uferzone zwischen Burg und Wasser liegt - unmittelbar an der Südfront entlang. Noch im gleichen Jahrhundert wurde die Mauer auf das Doppelte erhöht und im Burghof ein Bergfried erbaut. Dieser hatte ursprünglich im unteren Abschnitt eine Mauerstärke von mehr als 4 m und war ca. 35 m hoch. Zusätzliche Wohnbauten - die heutigen Flügelanlagen - wurden im Burghof errichtet und alte aufgestockt, so dass der Burghof zu einem schmalen Schacht wurde. Bauherren waren die Mainzer Erzbischöfe, in deren Besitz die Burg sich befand.
Im 13. Jahrhundert ist das Geschlecht der Brömser aus dem Wispertal als Burgherren überliefert, in deren lehensfreies Eigentum die Burg überging. 1640 wurde die rheinseitige Südostecke im Dreißigjährigen Krieg durch die französischen Truppen des Herzogs Heinrich II. von Longueville gesprengt; dabei wurden auch der obere Teil des Bergfrieds und der ursprüngliche, frühmittelalterliche Donjon zerstört. In den Bergfried wurde ein Minengang vorgetrieben; es kam aber nicht zur Sprengung, so dass dieser noch heute sichtbar ist.
Nach Aussterben der Brömser vergab der Erzbischof von Mainz das Lehen 1678 an Emmerich von Metternich. Da der Besitz unbewohnt blieb, verfiel die Burg im 18. Jahrhundert zur Ruine.
Nach 1811 erfolgte durch die neuen Besitzer - die Grafen von Ingelheim - ein romantisierender Ausbau zum Landsitz. Im Südflügel wurden diese „Zutaten“ in den 1950er Jahren bei einer Sanierung wieder entfernt.
Bis 1937 war die Burg bewohnt; 1941 kaufte sie die Stadt Rüdesheim. Seit 1950 beherbergt sie das „Rheingauer Weinmuseum“ mit Ausstellungsstücken zur Weinkultur von der Antike bis zur Gegenwart. 1961 wurde die zerstörte Südostecke rekonstruiert und der Bergfried 1969 wieder auf eine Höhe von 27 m aufgestockt.
[Bearbeiten] Burganlage
Der heutige massive, quaderförmige Bau besteht aus vier dreistöckigen, flachgedeckten Flügeln mit 4-5 m dickem Mauerwerk und kleinen rundbogigen Fensteröffnungen rund um einen schmalen rechteckigen Innenhof. Die mittelalterlichen Wassergräben sind zugeschüttet. Der nordwestliche Wehrturm aus der Bauzeit um 1200 ist noch vorhanden.
In der südöstlichen Innenecke der Anlage erhebt sich der auf dem unzerstörten Stumpf wiederaufgebaute quadratische Bergfried, auf dem sich heute eine begehbare Aussichtsterrasse befindet.
Die Innenräume sind tonnen- und kreuzgratgewölbt. Durch die Ausbauten und Veränderungen im 19. Jahrhundert ist die ursprüngliche Aufteilung nicht mehr nachvollziehbar.
Die Anlage ist von einem kleinen Park umgeben, der in das Museum integriert ist.
[Bearbeiten] Rheingauer Weinmuseum
Betreiber ist die Firma der Rüdesheimer Familie, die auch Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett, eine Sammlung historischer Musikinstrumente, unterhält.
Den tonnengewölbten Eingangsbereich flankieren zwei mittelalterliche Ritterrüstungen, die die ursprüngliche Funktion der Burg unterstreichen; Thema des Museums aber ist der im Rheingau ebenso alte Weinbau vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Anhand von Dokumentationsmaterial und Arbeitsgeräten werden Rebsorten und Anbaumethoden, die Arbeit des Winzers, des Küfers und des Kellermeisters erläutert. Erklärt werden auch die Geschichte des Weinfasses und der Weinflasche in ihren variablen Ausgestaltungen bis zur EU-Standardflasche seit 1977. Eine weitere Sammlung betrifft Korken und Etiketten. Ein besonderer Raum ist der ältesten Rüdesheimer Wein- und Sektgroßhandlung Dilthey, Sahl & Co. (1815-1969) gewidmet, die bevorzugt bis 1917 die russischen Zaren belieferte.
Das Pendant zur Dokumentation des Weinbaus und des Weinhandels bildet eine vom kulturhistorischen Standpunkt repräsentative Keramik- und Glassammlung von Kannen- und Trinkgefäße für Wein.
Die ältesten Exponate betreffen vor- und frühgeschichtliche Keramikvasen und Skulpturen aus Ägypten und Vorderasien, der minoischen Zeit und der Villanovakultur. Antiker Wein war saurer als das heute kultivierte Getränk und wurde mit Wasser oder Met gemischt.
Aus dem Römischen Reich findet sich neben Keramikgefäßen ein kleines Sortiment einfachen Gebrauchsglases.
Im Übrigen bildet die Sammlung einen anschaulichen Querschnitt durch alle Epochen der europäischen Glasgeschichte:
- Mittelalterliches Waldglas vom Krautstrunk zum klassischen Römer des 18. Jahrhunderts mit Nuppen, ferner Römer des Historismus in variablen Farben und Dekoren;
- Glas à la façon de Venise mit Flügeldekoren, Faden- und Netzglas;
- barockes Schnittglas und stilgleiches Glas des Historismus (19. Jahrhundert);
- barocke Becher mit Emailmalerei sowie Glas des Historismus in diesem Stil;
- Ansichtenglas der Biedermeiers, insbesondere mit Ansichten vom Rhein;
- wenig Glas des Jugendstils und des Art déco, beispielsweise seriell hergestelltes Gebrauchsglas nach Entwürfen von Lalique.
Zu den kunsthistorisch wertvollsten Exponaten hat das Museum einen Nürnberger Kokosnusspokal (um 1600) mit fein elaboriertem barockem Golddekor sowie einen Elfenbeinpokal (um 1800) mit Putten-Reliefs erklärt.
Auf dem Rundgang durch die Ausstellungsräume werden durch mehrere Treppenauf- und -abgänge die verschiedenen Trakte innerhalb des massiven Mauerwerks rund um einen kleinen Innenhof zugänglich gemacht. Man besteigt den Bergfried mit Aussichtsplattform nach Süden über den Rhein nach Bingen mit seinem Rochusberg sowie rheinaufwärts in den Rheingau hinein.
Zum Museum gehört auch der Burggarten, in dem historische Keltern (die älteste von 1594), Fässer und Transportgeräte sowie die Sandsteinskulptur eines Winzers, eine Weinrebe tragend, ausgestellt sind.
[Bearbeiten] Literatur
- Michael Fuhr: Wer will des Stromes Hüter sein? 40 Burgen und Schlösser am Mittelrhein. 1. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2002, ISBN 3795414601
- Kunsthistorischer Wanderführer Hessen, Stuttgart/Züric 1984
[Bearbeiten] Weblinks
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Koordinaten: 49° 58′ 39" n. Br., 7° 55′ 3" ö. L.