Hoflößnitz
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Hoflößnitz ist ein ehemals Kurfürstlich-Sächsisches, heute städtisches Weingut in Radebeul (Oberlößnitz) an der Sächsischen Weinstraße. Im 21. Jahrhundert ist es zum Museum ausgebaut und unterhält wieder ein Weingut mit Verkaufsstelle und Ausschank.
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[Bearbeiten] Geschichte
Am 8. Mai 1401 kaufte Markgraf Wilhelm I. der Einäugige den Burggrafen von Dohna, die die Rebhänge um Radebeul (die so genannte Lößnitz) seit dem 13. Jahrhundert in Besitz hatten, das Presshaus und umliegendes Gelände ab. Damit brachten die Wettiner den verstreuten Weinbergbesitz der Umgebung für fast 5 Jahrhunderte (bis 1889) unter ihre Kontrolle und konzentrierten den Weinbau auf dieses Hofgut.
1650 baute Kurfürst Johann Georg I. mit Hilfe seines Baumeisters Ezechiel Eckhardt ein Schlösschen neben das Presshaus. Sein Sohn Johann Georg II. feierte hier alljährlich die Weinlese, beschäftigte den Niederländer Albert Eckhout als Hofmaler und veranlasste größere Erweiterungen in der Innenarchitektur sowie Anbauten.
August der Starke lud seine Jagdgesellschaften nach Hoflößitz ein und veranstaltete Tanzfeste mit Weinausschank. Er hegte erste Pläne für ein weiteres Lustschlösschen auf der Höhe; ausgeführt wurde dieses jedoch erst unter seinem Sohn August III., der 1749 nach Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann das Spitzhaus unter Verwendung älterer Bauteile barock umbauen ließ; ein Vorgängerbau ist 1622 belegt. Eine Jahrestreppe mit geplanten 365 (in Wirklichkeit 390) Stufen führt vom Schlösschen auf die Höhe (Wiederherstellung 1845-47, saniert 1992).
Neben das Presshaus war das Verwaltungsgebäude für den Winzer (so genanntes Bergverwalterhaus) gebaut worden. Beide Ursprungsbauten brannten 1824 ab und wurden nach 1834, als das kurfürstliche Weingut in ein Staatsweingut umgewandelt wurde, durch klassizistische Nachfolgebauten ersetzt.
Ende des 19. Jahrhunderts richtete die Reblaus schweren Schaden an den Weinbergen an. Die Regierung verkaufte den verfallenden Besitz, der durch mehrere Hände ging, an den Hoflößnitzverein, der ihn 1912/13 restaurierte und ein erstes Museum einrichtete.
1915 musste der Verein Konkurs anmelden und die Gemeinde Oberlößnitz (seit 1934 eingemeindet in Radebeul) erwarb das Anwesen. Nachdem es in der DDR volkseigenes Gut war, erhielt es 1992 die Stadt Radebeul zurück. Damit war der Weg frei für eine grundlegende Sanierung, Reaktivierung des Weinbaus, Überarbeitung des Museums sowie eine touristische Nutzung (Führungen durch das Schlösschen, Museum und das Weingut mit Weinproben, Weinverkauf und Ausschank).
[Bearbeiten] Die Anlage
Der Komplex umfasst folgende Gebäude und Areale:
- Das zweigeschossige Schlösschen mit Obergeschoss in Fachwerk, Walmdach und 6-eckigem Treppenturm birgt im Untergeschoss das Museum zur historischen Dokumentation des Weinbaus auf dem Gut. Im Obergeschoss sind die kurfürstlichen Wohn- und Repräsentationsräume eingerichtet. Die Gemächer gelten als eines der wenigen Beispiele unversehrt erhaltener Innenarchitektur des 17. Jahrhunderts in Sachsen an der stilistischen Grenze zwischen spätem Manierismus und Barock. Glanzstück ist der Festsaal: In den 80 quadratischen Feldern seiner Balkendecke hat Albert Eckhout exotische Naturmotive, insbesondere tropische Vögel, gemalt; Anregungen dazu hatte der Maler auf einer Brasilienreise erfahren. Auf die vertäfelten Wänden sind die Kardinaltugenden sowie weitere weibliche allegorische Figuren, Embleme und Sinnsprüche in den Grundtönen Grün und Grau mit Vergoldungen gemalt. Die Komposition wird Christian Schiebling (1603-1663; Ausgestalter des Riesensaals im Dresdner Residenzschloss) zugeschrieben. Die Ausmalung der kurfürstlichen Wohn- und Schlafräume einschließlich Kaminen und Meißner Öfen stammt ebenfalls aus der Zeit Johann Georgs II.
- Das Presshaus und das ehemalige Bergverwalterhaus nebenan (Kavaliershaus) bilden heute den zu touristischen Zwecken genutzten Teil. Ein Teil des Museums mit historischem Winzergerät aus dem 19. Jahrhundert (Weinpresse, Fässer) umfasst auch den Innenhof.
- Die barocke Himmelsleiter, die längste Treppenanlage Sachsens, führt vom Schlösschen 220 m hoch durch die Einzellage Goldener Wagen zum Spitzhaus (heute Panoramarestaurant mit weitem Blick über die Elbe) und Bismarckturm; beide Gebäude werden durch den ca. 5 km langen Oberlößnitzer Weinwanderweg berührt.
- Hier stand lange Zeit das älteste und bedeutendste in Radebeul erhaltene Sandstein-Bildwerk, die Figurengruppe Chronos und die Trauernde oder auch Chronos und klagendes Weib (wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert). Nach der Restaurierung 2005 wurde es auf dem Kirchhof der Friedenskirche nahe seines Ursprungsorts wiederaufgestellt.
[Bearbeiten] Das Weingut
Alle Weine des heutigen, nach 1992 restaurierten Weingutes Hoflößnitz stammen aus ökologischem Anbau. Produziert werden Weine aus gängigen Rebsorten (Riesling, Müller-Thurgau, Weißburgunder, Gutedel, Grauburgunder, aber auch die lokalen Besonderheiten (Goldriesling und Rotling).
Ausgebaut wird trocken oder halbtrocken; in der Regel werden Prädikate bis zur Spätlese erzielt.
[Bearbeiten] Literatur
- Magirius, Heinz: Die Hoflößnitz, Große Baudenkmäler Heft 506, 1. Aufl. 1996, Deutscher Kunstverlag München/Berlin
[Bearbeiten] Weblinks
Koordinaten: 51°06'42" N, 13°39'43" O