George Olivier Wallis
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Georg Olivier Graf von Wallis, Freiherr von Carrighmain (* 1673; † 19. Dezember 1744 in Wien), aus alter irischer Familie stammend, war ein österreichischer Feldmarschall.
Sein Ahnherr Richard Wallis von Carrickmines, County Dublin, trat schon 1612 als einer der ersten irischen Offiziere in kaiserliche Dienste. Er starb 1632 als Oberst an einer in der Schlacht bei Lützen erlittenen Verwundung. Sein älterer Sohn Theobald kehrte in die Heimat zurück, wobei dieser Zweig der Familie den Namen Walsh annahm. Der jüngere Sohn Olivier Wallis diente im kaiserlichen Heer weiter und wurde der Stammvater der österreichischen Wallis. Er starb 1667 als Generalmajor in Ungarn. Dessen Sohn, Feldzeugmeister Ernst Georg Wallis, fand 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg in einem Gefecht bei Mainz den Soldatentod. Er war der Vater von Georg Olivier Wallis.
Nach dem Tod seines Vaters kam Georg Olivier als Edelknabe an den kaiserlichen Hof. 1690 erhielt er eine Kompanie des Infanterieregiments 47 und machte 1697 als Hauptmann die Schlacht bei Zenta mit. Bereits 1703 war er Oberst und Regimentskommandant. Bei Kämpfen in Tirol konnte er sich erstmals besonders hervortun. 1705 bis 1707 diente er in der Lombardei. Mit dem Korps des Feldzeugmeisters Graf Wirich Daun nahm er an der Eroberung Neapels teil, wobei er mit Miliztruppen und bewaffneten Bauern einen erfolgreichen Kleinkrieg führte. In der Folge konnte er Pescara und Piombino erobern, worauf er 1708 zum Generalfeldwachtmeister (Generalmajor) befördert wurde. Bis 1713 nahm er an Kämpfen in Italien und Spanien teil. 1716 kam er zur Armee des Prinzen Eugen nach Ungarn. Als Feldmarschallleutnant war er an der Schlacht von Peterwardein (5. August) und der Einnahme von Temesvar (12. Oktober) beteiligt. Auch bei der Eroberung Belgrads 1717 konnte er sich auszeichnen. Von 1718 bis 1727 diente Wallis wieder in Italien. 1723 wurde er Feldzeugmeister (General der Infanterie).
Nach einem längeren Aufenthalt auf seinen böhmischen Gütern wurde er 1728 mit der Verteidigung Siziliens betraut. Dabei trat sein unverträglicher Charakter zutage und es kam zu Unstimmigkeiten nicht nur mit dem Vizekönig Graf Sastago, sondern auch mit dem Prinzen Eugen. Nach weiterer kurzer Tätigkeit in Norditalien wurde er 1736 als Feldmarschall und Oberbefehlshaber gegen die Türken in die Walachei entsandt. Diese Entscheidung erwies sich weder für ihn noch für den Staat als glücklich. 1739 wurde er bei Grocka geschlagen und musste in der Folge alles von Österreich im Frieden von Passarowitz Errungene wieder preisgeben. Der weder bei Vorgesetzten noch bei Untergebenen beliebte Wallis wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und im Februar 1740 trotz früherer Verdienste zu Festungshaft auf dem Spielberg bei Brünn verurteilt. Zu seinem Glück begnadigte ihn Maria Theresia bei ihrem Regierungsantritt nach wenigen Monaten.
Angehörige dieser alten irischen Familie dienten vom 17. bis in das 20. Jahrhundert hinein in der k.u.k. Armee und erreichten Generation nach Generation stets hohe Ränge. Vier wurden Feldmarschall, zwei Feldzeugmeister und fünf Feldmarschallleutnant. An Feldmarschällen sind nächst Georg Olivier noch Anton Johann (FM 1764, † 1789), Franz Wenzel (FM 1754, † 1774) und Michael Johann (FM 1789, Hofkriegsratspräsident 1791 - 1796, † 1798) zu nennen. Patrick Olivier Wallis erwarb als Oberst am 1. Oktober 1761 bei Schweidnitz den Maria-Theresien-Orden; er starb 1787 als Feldmarschallleutnant.
[Bearbeiten] Literatur
- Oscar Criste: Wallis, Georg Olivier Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 40, S. 749–751.
- Brennan, Paintings in a Military Academy
- Murtagh, Irish Soldiers in Central Europe 1600 - 1800, in der Zeitschrift Irish Sword, Jg. 1990.
Personendaten | |
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NAME | Wallis, Georg Olivier Graf von, Freiherr von Carrighmain |
KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Feldmarschall |
GEBURTSDATUM | 1673 |
STERBEDATUM | 19. Dezember 1744 |
STERBEORT | Wien |