Gernrode
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Wappen | Deutschlandkarte | |
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Basisdaten | ||
Bundesland: | Sachsen-Anhalt | |
Landkreis: | Quedlinburg | |
Verwaltungsge- meinschaft: |
Gernrode/Harz | |
Koordinaten: | Koordinaten: 51° 43′ N, 11° 8′ O51° 43′ N, 11° 8′ O | |
Höhe: | 217 m ü. NN | |
Fläche: | 34,07 km² | |
Einwohner: | 3900 (30. Juni 2005) | |
Bevölkerungsdichte: | 114 Einwohner je km² | |
Postleitzahl: | 06507 | |
Vorwahl: | 039485 | |
Kfz-Kennzeichen: | QLB | |
Gemeindeschlüssel: | 15 3 64 007 | |
Adresse der Stadtverwaltung: |
Marktstraße 11 06507 Gernrode |
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Webpräsenz: | ||
Bürgermeister: | Werner Grundmann (FDP) |
Gernrode ist eine Kleinstadt am nordöstlichen Rand des Harzes. Sie liegt am Fuße des Ramberges in einer Höhe von 200–320 m ü. NN. Die höchste Erhebung in der näheren Umgebung ist die Viktorshöhe mit 585 m. Gernrode gehört zum Landkreis Quedlinburg im Bundesland Sachsen-Anhalt und ist Hauptort der Verwaltungsgemeinschaft Gernrode/Harz. Die Stadt liegt an Straße der Romanik. Zur Stadt Gernrode gehören die Forsthäuser Haferfeld und Sternhaus.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Gründung und Entstehung
Der Markgraf Gero gründete nach dem Tode seiner beiden Söhne, Sigfrid und Gero, das Stift Gernrode. Er setzte seine Schwiegertochter Hedwig (Hathui) als Äbtissin ein und beschenkte sie fürstlich. Entsprechend einer Urkunde vom 25. März 964 umfasste das Stift Besitz in 76 Ortschaften, Kirchen und Gütern.
Kaiser Otto I. bestätigte die Stiftung schon im Jahre 961. Bedeutende nachfolgende Kaiser erteilten dem Kapitel in Urkunden die Freiheit, eine Äbtissin zu wählen und einen Schutzvogt nach dem Bedürfnis des Klosters anzunehmen. Gernrode lag im Sprengel des Bistums Halberstadt, unterstand aber unmittelbar dem Papst und dem Kaiser. Die zu wählenden Äbtissinnen waren meist Fürstentöchter oder aus dem hohen Adel, die Zahl der Stiftsdamen soll 24 gewesen sein.
Die namentliche Bezeichnung der Stiftung um 961 schwankt zwischen Rode, Gerenrod und Gernrod.
Eine Burg ("urbs") Geronisroth, die neben dem Kloster gelegen haben soll (lt. Weyhe), wird ebenso 961 erstmals erwähnt. Das eigentliche Gründungsjahr ist nicht genau nachweisbar. Für die Entstehung kommen drei bedeutende Faktoren im Zusammenhang in Betracht:
- eine Burg Geronisroth (militärischer Charakter)
- ein Kloster (klösterlicher Charakter)
- ein Ort (lat. civitas) (kaufmännischer Charakter)
Hans Hartung legte in seiner Spezialschrift, „Zur Vergangenheit von Gernrode“ (1912) folgendes dar: „Das älteste auf uns gekommene Schriftstück, das von dem Dasein des Ortes unter seinen heutigen Namen berichtet, ist eine Urkunde, durch welche Otto I. das von dem Markgrafen Gero und dessen Sohn Sigfrid bei Gernrode gestiftete Nonnenkloster in seinen besonderen Schutz nimmt. Sie ist am 17. Juli des Jahres 961 ausgestellt und zwar in Sipponifelde, einem Reichsjagdhof, der an der von Karl dem Großen angelegten, auf der Höhe des Harzes führenden Heerstraße, der so genannten Hohen- oder Klausstraße lag, nahe dem heutigen Dorf Siptenfelde. Die dabei erwähnte „urbs Geronisroth“ mag demnach an der Stelle, wo das heutige Gernrode liegt, gewesen sein. Das lateinische Wort „urbs„ bedeutete im Mittelalter soviel wie: ummauerter Platz und entsprach etwa unserem „Burg“! Hartung legt weiter dar: “Wie alt diese Burg GERONISROTH im Jahre 961 war, ob sie von Gero gebaut, käuflich erworben oder dem früheren Besitzer mit Gewalt abgenommen wurde, wissen wir nicht. Offenbar gehörte zu ihr auch ein großer Komplex Wald, berichtet doch der Annalist Saxo, dass Gero das Kloster Gernrode in einem Walde, der seinen Namen trug, erbaut habe“.
Das kann bedeuten, dass ein Ort RODE, aus dem später Gernrode entstand, recht gut noch älteren Datums als die Burg Geronisroth sein kann.
Ein weiterer Gründungsteil neben dem Kloster und der urbs Geronisroth ist ein Marktflecken, den Hartung schildert. Er setzt diesen zwischen Burg und Kloster, die Burg lag nahe dem Kloster.
Bei der "Burg" GERONISROTH, wie sie 961 erwähnt wurde, handelte es sich nicht um eine Burg, wie man sie heute vor Augen hat. Man sollte sich vielmehr zweigeschossige Holzhäuser vorstellen, welche die neuen Klostergebäude nicht überragt haben. Das Ganze bildete ein „Bergendes Haus“, eine „Burg“, im urtümlichen Sinne des Wortes. Wodurch war sie geschützt, so dass man sich bergen konnte? Durch ihre Lage auf einem Hügel, dem jetzigen Stiftshügel, den sie mit seinen Vorplätzen ausfüllte. Den Hügel schützte im Süden der teichartig verbreiterte Bach aus dem Hagental (Spittelteich). Zwei Bacharme umflossen im Osten und Westen in tiefen, zum Teil steilen Gräben den Hügel. Im flachen Gelände der Nordseite verursachten sie ein breites Sumpfgebiet, mehr bedurfte eine Burg in der natürlichen geographischen Bucht zwischen Bückeberg und Harzrand nicht. Die freie Ostseite des Hofes wird einen Zaun (Palisade?) mit einem Tor gehabt haben. Dort führte eine Brücke (Zugbrücke?) über den Graben, dieser Graben ist heute noch in den tiefer gelegenen Gärten der Klosterstraße zu erkennen.
Da Gernrode ein halbes Jahrtausend in rechtsverbindlichen Schriftstücken meist als „Dorf„ bezeichnet wird, steht nichts im Wege, dass GERONROD um 961 als Dorf, als ein Rodedorf, anzusehen ist.
Wie sieht es mit der Lage des Ortes aus? Im Osten kann die Grenze im Tal des Scheelichenbaches angenommen werden, der Bach kann heute nur durch den Straßennamen „Am Scheelichen„ erraten werden, da er verrohrt ist. Vor 1000 Jahren kann man davon ausgehen, das dieser tiefe Rinnen gerissen hatte, und damit einen gewissen Schutz lieferte. Der Nordabschluss ist im Bereich der Marktstraße und der Clara-Zetkin-Straße zu vermuten, während die heutige Schulstraße die Südgrenze des Dorfes anzeigt. Im Westen hingegen bot sich als Grenzbaum eine große Linde im Pfarrgarten an.
Im Jahr 939 wurde Gero als Markgraf ernannt, 952 vermählte er seinen Sohn Sigfrid mit der 13jährigen Hathui, einer nahen Verwandten des sächsischen Königshauses.
Im gleichen Jahr verstarb der Sohn des Markgrafen, wie dieser Gero genannt. Nachkommen aus der Vermählung Sigfrids stellten sich nicht ein.
Sigfrids unheilbare Erkrankung und sein Tod im Jahr 959 verhinderten die Verwirklichung von Geros langfristigen Plänen. Während Sigfrids Krankheit reifte der Entschluss, durch ein frommes Werk sich Beistand zu erflehen. Der Bau der Kirche begann unverzüglich. Geros Hoffnungen basierten ab sofort auf der Schwiegertochter Hathui (Hedwig). Sie wurde als erste Äbtissin des Jungfrauenklosters RODE eingesetzt. Durch den Kaiser wurden die Machtbefugnisse bestätigt. Der Markgraf begab sich nach Rom und erlangte vom heiligen Stuhl, dass seiner Abtei die kirchliche Unabhängigkeit zugesprochen wurde. Daneben brachte er aus Rom die Armreliquie des Heiligen Cyriacus mit, dem daraufhin die neuerbaute Stiftskirche geweiht wurde. Dem hierdurch nach allen Seiten abgeschirmten Herrschaftsbereich der Schwiegertochter verlieh Gero sein ganzes „von seinen Kaisern für ewige Zeiten geschenktes Gut“ als souveränes Territorium, wodurch die Äbtissin in den Reichsstand einer Fürstin erhoben wurde. Zur Schenkung des Markgrafen an das Stift Gernrode gehörten das Kloster in Frose, das dem Stift unterstellt wurde, daneben 23 Dörfer, sowie umfangreicher Landbesitz. Das freie weltliche Stift war frei von Steuern und unterstand direkt dem Papst sowie dem Kaiser.
Am 20. Mai 965 starb Markgraf Gero, der Gernrode zu dieser Zeit zu hohem Ansehen verholfen hatte, beigesetzt wurde er in der vom ihm gegründeten Stiftskirche. Im Jahre 1519 erhielt er ein prachtvolles Grabmonument, es kann dort heute noch besichtigt werden.
[Bearbeiten] Entwicklung zur Zeit des Stiftes Gernrode
Die erste Äbtissin Gernrodes Hathui verstarb am 4. Juli 1014 nach 50 Jahren Herrschaft; sie wurde neben dem Grab von Markgraf Gero beigesetzt. Seit Hathui haben in den 650 Jahren des Bestehens der Abtei 35 Äbtissinnen das Stift geleitet, diese entstammten vorwiegend fürstlichen Häusern. Die Äbtissin von Gernrode hatte im Jahre 999 von Kaiser Otto III. den Titel einer „gubernatrix“ erhalten. Das bedeutete, sie hatte die Rechte und Pflichten eines Landesherren – sie war also eine Fürstin. Das Gernröder Stift war damit den damaligen großen Reichsabteien gleichgestellt.
Die Äbtissinnen hatten also die staatsrechtliche Hoheit über das Dorf Gernrode, sowie die höhere Gerichtsbarkeit. Der Äbtissin stand bei der Erfüllung ihrer Aufgaben ein Schutzvogt zur Seite, dieser hatte die Abtei vor Angriffen zu schützen und er übte die weltliche Gerichtsbarkeit über das Stift und die hohe Gerichtsbarkeit über den Ort Gernrode aus. Im Jahre 1149 wurde Albrecht der Bär aus dem Hause der Askanier der Schutzvogt des Stiftes. Vom Jahr 1149 bis zum Ende der Abtei 1616 stellten die Askanier meistens den Schutzvogt der Abtei. Auch die Äbtissinnen von 1221-1610 entstammten fast ausschließlich dem Fürstenhause Anhalt.
In den ersten 2 Jahrhunderten nach der Gründung gehörte Gernrode zu den bekannten Orten jener Zeit. Kaiser Heinrich V. weilte zu Besuch in Gernrode und Kaiser Friedrich Barbarossa hielt 1188 in Gernrode einen Hoftag ab. Dabei stiftete er eine Glocke für die Stefanikirche, sie hängt noch im Turm und wird noch heute genutzt. Das Kirchenschiff der Stephanikirche wurde 1847 zur Schule umgebaut. Im Mittelschiff wurde eine Decke eingezogen und eine weitere am Boden. Die Form der romanischen Fenster ist noch zu erkennen.
Auf dem Gebiet des Stiftes Gernrode gab es in dieser Zeit auch Bergbau. In den ältesten Nachrichten wird um 1037 erstmals vom Bergbau berichtet. Das Hauptabbaugebiet wird mit dem Osterberg, der Grube zum »güldenen Bären«, angegeben. Von Blei, Silber und sogar Gold wird im gesamten Gernröder Harzbezirk berichtet. Die Dächer der Dome in Halberstadt und Quedlinburg sollen mit Blei aus den Gernröder Gruben gedeckt gewesen sein. Im Jahr 1134 erhielten die Gernröder Bergwerke besondere Privilegien durch den Kaiser Lothar III..
Danach ging die Bedeutung des Stiftes allmählich zurück. Dies lag daran, dass die Äbtissinnen teilweise unfähig waren und dass der Besitz des Stiftes beständig zurückging, was dazu führte, dass das Stiftseigentum an Quedlinburger Kaufleute verpfändet werden musste.
Im Jahre 1504 wurde Elisabeth von Weida zur Äbtissin gewählt. Sie ordnete die Finanzen der Abtei und baute Schulden ab. Sie bekannte sich schon frühzeitig zur Reformation. Dies hatte zur Folge, dass die Abtei bereits 1521 zur Reformation übertrat. Damit war Gernrode nach Wittenberg die erste größere evangelische Ortschaft. Dem Einsatz der Äbtissin ist es auch zu verdanken, dass die Stiftskirche während des Bauernkrieges nicht zerstört wurde. Ihre Grabplatte gehört zu den wenigen, die heute noch zu besichtigen sind, die anderen wurden bei einer Kirchenreparatur von 1830 zu Treppenstufen verarbeitet.
Im Jahre 1533 wurde in Gernrode das erste Schulgebäude auf Geheiß der Äbtissinnen erbaut und aus Mitteln der Abtei betrieben. Eine Schrift Luthers von 1524 bewog Elisabeth von Weida offenbar, den Bau einer Schule zu veranlassen, denn er verlangte, dass für das gemeine Volk Schulen zu errichten seien. Gemeinsam mit Stephan Molitor, den sie 1521 als Pfarrer nach Gernrode zurückgerufen hatte -- er hatte seit 1519 in Wittenberg Theologie studiert -- stellte sie 1530 den Plan zum Bau einer öffentlichen Schule auf. 1532 starb Elisabeth von Weida, aber ihre Nachfolgerinnen, Anna von Plauen und Anna von Kitlitz, führten ihre Schulpolitik fort und hielten auch die Beziehungen zur Universität Wittenberg aufrecht. An der Schule wurden Kinder armer und reicher Familien gleichermaßen unterrichtet. Einer der ersten Lehrer war Andreas Popperodt; er studierte erst später Theologie. Heute geht man davon aus, dass es die wahrscheinlich älteste protestantische Elementarschule in Deutschland war. Noch bis 1847 fand in den Schulräumen Unterricht statt.
Der Gernroder Kulturverein “Andreas Popperodt” e.V. welcher sich 1998 gegründet hatte, erwarb im gleichen Jahr dieses Schulgebäude käuflich, um es vor dem Verfall zu retten. In den Räumen ist heute ein Schulmuseum, sowie das Heimatmuseum von Gernrode untergebracht.
Ihre Nachfolgerin Anna I. von Plauen verlieh am 14. September 1539 dem Ort Gernrode ein Wappen. Wie sah das Wappen aus ? Dazu Grünewaldt, (der Gernroder Amtsschreiber, im Saalbuch 1663): „Anna des Freyen weldtlichen Stiftes Gernrode Aptißin des Heylg. Röm. Reiches geborne Burggräfin zu Meißen, Gräfin zu Hartenstein und Frauen vom Plauen etc. hat dem Rath und gantzen Gemeine des Fleckens Gernrode mit einem Sigil wie folget begabet und begnadet, Nemlich mit zween rothen thürmen, Einer gelben Thüre darzwischen, und einen gelben Leuen zwischen den beiden Thürmen cmporstehend, und mit dem rechten forderfuße des einen thurms Knauff begreifend, Solches alles in einem weißen felde“.
Mauerwerk mit seinen Türmen war das allgemeine und allgemein gültige Symbol für den Stadtcharakter des jeweils siegel- und wappenbesitzenden Ortes. Die Farbe des Mauerwerkes wurde nicht erwähnt, da rot selbstverständlich war. Im Gegensatz die Farbbeschreibung der Türme: Sie wurden als »rot. beschrieben, um von vornherein keinerlei Beziehungen zur Stiftskirche aufkommen zu lassen. Begründet durch die Unkenntnis der Dinge sind auf manchen Abbildungen die Türme des Stadtwappens mit blauer Farbe zu entdecken. Blaue Türme kennzeichnen jedoch die Türme der Kirche.
Der gelbe Löwe ist Geros Zeichen, das er auf seiner Sturmfahne zeigt. Diese Fahne war vom Grund her weiß. Dieses „Weiß, finden wir auf dem Untergrund des Wappens wieder. Es kann festgestellt werden, dass die Äbtissin die Figuren und Farben mit Bedacht ausgewählt hatte. Sie wollte unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass der in den Stadtrang erhobene Flecken Gernrode eine Gründung Geros ist und nicht von der Abtei geschaffen wurde. Das Wissen, dass der Ort älter war als die Abtei, gab dazu entscheidenden Ausschlag. Aus den Farben des Wappens, rot und gelb, sind dann die Farben der Stadtfahne abgeleitet.
Eine ausdrückliche Verleihung des Stadtrechtes hingegen scheint nie erfolgt zu sein, allerdings gratulierte der anhaltische Städtelandtag, in dem Gernrode Sitz und Stimme hatte, 1939 zum 400. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechtes.
Aufgrund seiner geringen Bedeutung blieb Gernrode immer Marktflecken, der Ort bzw. der Markt waren nicht ummauert. Noch im 17. und 18. Jahrhundert wird Gernrode in Urkunden als "Flecken" und ganz selten als "Stadt" bezeichnet.
Nach dem Tode der Anna von Kittlitz im Jahr 1558 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Stiftsdamen und dem Fürsten Joachim Ernst von Anhalt, der seine Stellung als Schutzvogt dazu benutzen wollte, um die Wahl seiner minderjährigen Schwester Elisabeth durchzusetzen. Er sandte seine Räte nach Gernrode, doch der Plan scheiterte am Widerstand des Kapitels, das sich einstimmig für die Dekana Elisabeth II. von Gleichen entschied. Immerhin musste der erst neunjährigen Elisabeth von Anhalt wenigstens die freigewordene Würde einer Dekana übertragen werden. Elisabeth II. war die letzte Äbtissin von Gernrode, die nicht aus dem anhaltinischen Fürstenhause stammte. Als sie am 19. Dezember 1564 starb, wurde nun doch die gleichnamige Schwester des Schutzvogtes zur Äbtissin gewählt.
Als Elisabeth III. eröffnete sie damit die Reihe der anhaltinischen Prinzessinnen, die schon als Kinder zur Äbtissin von Gernrode gemacht wurden und nur bis zu ihrer Verehelichung im Stift blieben. Elisabeth verzichtete 1570 auf ihre Würde. Ihr folgte Anna Maria (1570-1577), Sibylle (1577-1581), Agnes Hedwig (1581-1586), Dorothea Maria (1586-1593), Sophia Elisabeth (1593-1614).Als sich Sophia Elisabeth am 27. Oktober 1614 mit Fürst Georg Rudolf in Schlesien vermählt hatte, wurde zwar eine Neuwahl erwogen, da aber niemand geeignetes gefunden wurde hat man den Posten vakant gelassen. Damit wurde die faktische Eingliederung des Stiftes in das Fürstentum Anhalt vollzogen.
Bei der 1603 erfolgten Teilung Anhalts in 4 Teile wurde das Stift den Senioratsgütern zugewiesen. Die Verwaltung und Regierung des ehemaligen reichsunmittelbatren Stiftes lag nun in den Händen des jeweiligen Seniors der anhaltischen Fürsten lag. Die Rechtsnachfolge über die Abtei wurde 1728 durch Kaiser Franz II. endgültig dem anhaltischen Fürstenhaus übertragen. Im Jahr 1802 erfolgte die letztmalige Belehnung.
[Bearbeiten] Die Zeit der anhaltischen Fürsten und Herzöge bis 1918
Als 1696 die Senioratsgüter aufgeteilt worden sind fiel der nördliche Teil des ehemaligen Stiftsgebietes Großalsleben, Alikendorf u.a. an Anhalt-Dessau. Die am Harz gelegenen Gebiete erhielt Anhalt-Bernburg. Die Stadt Gernrode kam an eine Nebenlinie der Anhalt-Bernburger zu Anhalt-Harzgerode. Ab 1709 gehörte auch die Stadt Gernrode dann zum Fürstentum Anhalt-Bernburg.
Im Jahr 1806 wurde das Fürstentum Anhalt-Bernburg zum Herzogtum erhoben. Nach dem Erlöschen des Herzogtums kam es im Jahr 1863 zusammen mit dem Herzogtum Anhalt-Köthen zum Herzogtum Anhalt mit der Landeshauptstadt Dessau. Das Fürstentum Anhalt-Bernburg gliederte sich im 18. Jahrhundert im zwei Hauptgebiete – das Land Bernburg sowie das Gebiet im Vorharz. Das anhaltische Gebiet im Vorharz bestand aus fünf Justizämtern: Ballenstadt, Gernrode, Güntersberge, Harzgerode, Hoym. Das Amt Gernrode grenzte dabei im Norden und Westen an Preußen, Sitz des Amtes Gernrode war um 1739 der „Fürstliche Amtshof“.
Das Gebäude befand sich westlich der Stiftskirche, vermutlich handelt es sich hierbei um den ehemaligen Äbtissinen-Palas aus dem Mittelalter. 1850 wurde ein Neubau im Schweizer Stil erstellt, hier wohnte nach der Umwandlung des Stiftsbezirkes in eine Domäne der Domanenpächter. Die Umwandlung in einen landwirtschaftlichen Betrieb zog fast die Zerstörung der Stiftskirche und des Stiftsbezirkes nach sich. Mit dem Verkauf im Jahr 1832 an den Amtmann Henneberg wurden aus den Krypten der Kirche Kartoffelkeller und aus den Emporen Getreideböden, die Kreuzgänge wurden zu Viehställen. Erst der letzte Herzog von Anhalt-Bernburg Alexander Carl begann mit dem Rückerwerb der Stiftsgebäude, ab dem Jahr 1859 wurde mit der Restaurierung der Kirche durch Ferdinand von Quast begonnen.
Im frühen 18. Jahrhundert wurden Räume im südlichen Teil des ehemaligen Stiftsbezirkes für gelegentliche Aufenthalte der Anhalter Fürsten benutzt, sie waren wahrscheinlich vom Niveau her für eine Hofhaltung geeignet. Daher wurde dieser Teil von der Bevölkerung bald „das Schloss“ genannt, die sich heute an der noch erhaltenen Sitftsmauer befindliche Schlossallee erinnert daran.
Ab dem Jahr 1721 wurde die Gemahlin des Fürsten Karl Friedrich, Wilhelmine Charlotte Reichsgräfin von Ballenstedt, welche bürgerlicher Abstammung war, zusammen mit ihren Söhnen nach Gernrode verbannt. Sie lebten in dem als „Schloss“ bezeichneten Bereich des ehemaligen Stiftes. Die beiden Söhne trugen die Namen Friedrich und Carl Leopold. Friedrich starb 1758 in Gernrode, sein Bruder wurde General in Hessen-Kassel. Er starb dort 1769. Die Mutter der beiden war schon im Jahr 1740 in Gernrode gestorben.
Von Bedeutung für die Stadt Gernrode war der Fürst Victor Friedrich von Anhalt-Bernburg er regierte vor 1721-1765 im Stil der Zeit, als ein absolutistischer Herrscher. Er hat sich in der Stadt ein Denkmal erbaut, als er 1754 auf dem Stubenberg anstelle einer Rasenbank ein Gästehaus errichten ließ. Später wurde dieses Gästehaus umgebaut und erweitert und als Hotel genutzt.
Johann Wolfgang von Goethe weilte hier im Jahr 1805 auf seiner vierten Harzreise. Der Fürst erreichte nicht nur dieses Gästehaus sondern auch die Jagdhäuser Sternhaus und Viktorshöhe. Beide entwickelten sich später zu beliebten Ausflugszielen.
Das Stadtbild von Gernrode dürfte bis in 18. Jahrhundert hinein mittelalterlich geprägt gewesen sein. Um 1700 herum lebten in der Stadt ca. 1000 Einwohner. Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert veränderte sich auch der Charakter des Ortes, er begann zu einem Erholungsort zu werden. Zu dieser Zeit besuchten viele bekannte Personen den Ort Gernrode, besonders das Hotel auf dem Stubenberg mit seiner schönen Lage zog die Besucher an. So waren neben Goethe auch Heinrich von Kleist und Wilhelm von Kügelgen hier zu Gast. Für einen Sommerurlaub bot Gernrode gute Bedingungen so das milde Klima und die Lage, welche vielfältige Aktivitäten ermöglichte.
Wegen der guten Lage entwickelte sich Gernrode zu einer Stadt der Töchterpensionate. In diesen Töchtenpensionaten sollte jungen Mädchen die Möglichkeit gegeben werden einen Beruf zu lernen oder sich fortzubilden. Der Bedarf scheint enorm gewesen zu sein, noch im Jahr 1929 gab es in Gernrode 12 dieser Pensionate.
Durch den Fremdenverkehr entwickelte sich Gernrode zu einer modernen Kleinstadt, denn für die Urlauber musste die Infrastruktur auf Grund der steigenden Ansprüche verbessert werden. Daneben begann man mit dem Bau von Villen und Fabriken. Den Gästen standen zu damaligen Zeit auch drei Badeanstalten zur Verfügung, diese waren der Osterteich, das Schraderbad und das Ottobad.
Das Ottobad war im Gegensatz zu den beiden anderen, die durch Anstauungen des Wellbaches geschaffen worden waren, ein künstliches Bad. Im Jahr 1918 war durch den bekannten Wünschelrutengäger Otto von Graeve an der Straße „Am Schwedderberg“ Wasser gefunden worden. Daraufhin wurden Bohrungen durchgeführt bei denen eine kohlensäurehaltige Quelle gefunden wurde – sie bekam nach dem Finder den Namen Otto-Quelle. Der Ausstoß der Quelle war so groß, dass man neben der Nutzung als Mineralwasserquelle, im Jahr 1929 eine Badeanstalt errichtete, das Otto-Bad. Zu dieser Zeit wurde das Bad als „Seebad im Harz“ beworben. Bedingt durch Senkungsschäden aus früherem Gipsabbau musste das Bad dann 1974 geschlossen und abgerissen werden.
Auch die Verkehrsanbindungen wurden in dieser Zeit stark verbessert, so wurde im 1885 die Eisenbahnstrecke Quedlinburg-Aschersleben eröffnet. Im Jahr 1887 wurde die Selketalbahn durch die damalige Gernröder-Harzgeröder-Eisenbahngesellschaft eröffnet. Die Revolution im Jahr 1918 beendete die Monarchie im Land Anhalt der Herzog von Anhalt Joachim Ernst dankte am 12. November 1918 ab – das Land Anhalt wurde zum Freistaat erkärt.
[Bearbeiten] Gernrode im 20 Jahrhundert 1918 – 1989
Die Nachkriegsjahre brachten auch für Gernrode schwere Zeiten, Hunger und Entbehrung mit sich. Zu Beginn der Weimarer Republik herrschte darüberhinaus noch eine enorme Inflation. Dieser versuchte man in Gernrode wie auch andernorts durch die Ausgabe von Gutscheinen Herr zu werden.
Ab dem Jahr 1933 kamen dann die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler an die Macht – bei der Landtagswahl 1932 hatte das Land Anhalt bereits eine nationalsozialistische Regierung unter Dr. Alfred Freyberg erhalten. Von 1933 bis 1945 unterstand das Land Anhalt zusammen mit dem Land Braunschweig einem Reichsstatthalter mit besonderen Befugnissen. Das Land Anhalt bildete in dieser Zeit zusammen mit Teilen der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen den Gau Magdeburg-Anhalt. Während dieser Zeit gab es in Gernrode auch eine Schule des BDM (Bund Deutscher Mädel) in einer Villa aus der Gründerzeit.
Der folgende 2. Weltkrieg brachte für Gernrode schwere Einbrüche in der Entwicklung , es waren etliche Verwundete und Verletze zu beklagen. Darüber hinaus gab es einen enormen Zustrom an Flüchtlingen und Übersiedler – die Einwohnerzahl überstieg in dieser Zeit die 6000. Alle freien Betten der Stadt wurden zur Unterbringung genutzt.
Am 19. April 1945 wurde Gernrode kampflos von amerikanischen Truppen besetzt, diese machten dann den Stubenberg zu ihrem Hauptquartier. Sie setzen am 1. Mai 1945 einen neuen Bürgermeister ein, Dietrich Wilde aus Suderode. Nach dem durch die Alliierten im Vorfeld getroffen Einigung über die Aufteilung Deutschland zogen sich die amerikanischen Truppen im Juni 1945 zurück und die sowjetischen Truppen zogen ein.
Am 8. September 1946 fanden erste Gemeinde- und Kreiswahlen statt. Die Wahlen zum Landtag der „Provinz Sachsen-Anhalt“ fanden am 20. Oktober 1946 statt – erster Ministerpräsident wurde Dr. Erhard Hübener. Im Jahr 1947 gab sich die Provinz in eine Verfassung und nennt sich ab dem 25. Februar 1947 Land Sachsen-Anhalt.
Nach der Gründung der DDR am 1949 wurde im Jahre 1952 eine Verwaltungsreform durchgeführt in deren Zuge man die Hauptteile des Landes Sachsen-Anhalt auf die zwei Bezirke Magdeburg und Halle aufteilte. Die Stadt Gernrode kam dabei zusammen mit dem Landkreis Quedlinburg zum Bezirk Halle. Der Landkreis Quedlinburg und der ehemalige anhaltische Landkreis Ballenstedt wurden 1950 zusammengelegt.
In Gernrode selbst wurde mit dem Aufbau des Feriendienstes der Gewerkschaften (FDGB-Feriendienst) begonnen – dies führte zu steigen Übernachtungen. Das Hotel Stubenberg wurde 1948 eines der ersten FDGB-Ferienheime.
Im Jahr 1952 begann man mit dem Bau des Ferienheimes Fritz Heckert, dabei handelt es sich um das erste neugebaute Ferienheim der Gewerkschaft. Daneben gab es noch das Ferienheim Freundschaft, ein ehemaliges Töchterheim. Während dieser Zeit wurden von den Betrieben zahlreiche Betriebsferienheime errichtet – zumeist in den ehemaligen Töchterheimen, welche inzwischen überflüssig geworden waren. Diese zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten führten natürlich zu einer enormen Anzahl von Urlaubern.
1961 wurde in Gernrode feierlich der 1000. „Geburtstag“ der Stadt Gernrode begangen.
In Gernrode gab es nicht nur Tourismus, sondern auch Industrie so wurde 1960 der VEB Harzer Uhren gegründet, dieser entstammte einer privaten Uhrmacherfirma – der Betrieb begann 1969 mit der Produktion der Harzer Kukucksuhren, dort werden sie heute noch produziert, unter dem Namen Harzer Uhren. Daneben gab es in Gernrode noch Betriebe zur Produktion von Polstermöbeln sowie zur Herstellung von Getränken und Spirituosen. In der Landwirtschaft wurden die Flächen der Bauern zu einer LPG zusammengefasst – sie deckte das ganze Spektrum der Landwirtschaft ab von Obstanbau über Viehzucht bis Ackerbau. In Gernrode gab es vor dem Krieg schon eine Baumschule Teickner. Diese wurde 1972 zusammen mit einer Baumschule in Blankenburg zum VEG Saatzucht, Baumschulen und Landschaftgestaltung Gernrode zusammengeschlossen. Im Jahr 1989 hatte man in Gernrode etwas zu feiern und zwar die Verleihung des Stadtrechtes vor 450 Jahre im Jahr 1539.
Aber das Ende der DDR war nah, schon ab Herbst 1989 der allmähliche Zusammenbruch. Die Umwälzungen, brachten das Ende des Feriendienstes der Gewerkschaften und sowie der meisten Betriebe mit ihren Ferienheimen – es kam zu einem enormen Einbruch in den Urlauberzahlen. Die ehemaligen Ferienheime wurden alle bis auf den Stubenberg geschlossen, dieser wurde an Privatleute verkauft und wieder in ein Hotel umgewandelt.
[Bearbeiten] Gernrode von 1990 bis heute
Nach der Wiedervereinigung 1990 schlossen sich die ehemaligen Bezirke Halle und Magdeburg zum Land Sachsen-Anhalt zusammen. Am 14. Oktober 1990 wurde der erste Landtag des neuen Bundeslandes gewählt.
Mit dem Wegbleiben der Urlauber und der Schließung der Betriebe kam es zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Man versuchte Nutzungskonzepte für die ehemaligen Ferienheime zu finden was leider misslang, die ehemaligen Ferienheime Fritz-Heckert und Freundschaft sind leider stark verfallen und können wahrscheinlich nur noch abgerissen werden. Der Stubenberg hingegen konnte 1992 an einen privaten Investor verkauft werden und wurde als Hotel wiedereröffnet.
Einige der in der DDR in Gernrode angesiedelten Betriebe überstanden die „Wende“ allerdings stark verkleinert, so gibt es die Likörfabrik, die Harzer Uhren, ebenso Baumschule noch heute. Zahlreiche andere Betriebe haben sich in den neugebauten Gewerbegebieten der Stadt angesiedelt. Auch in der Stadt selbst hat sich viel getan – neue Wohngebiete wurden erschlossen. Demnächst soll auch ein neues Stadtzentrum entstehen mit Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten - Baubeginn ist im Jahr 2006.
Die Stadt ist seit dem 1. Januar 1994 Teil und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Gernrode/Harz. Zu ihr gehören neben der Stadt Gernrode die Gemeinden Rieder, Bad Suderode, Friedrichsbrunn und Stecklenberg. Der Bürgermeister der Stadt Gernrode ist seit dem 6. Mai 2001 Werner Grundmann.
Ein wichtiges Datum war der 4. März 2006, mit Bahnhofsfesten in Gernrode und Quedlinburg und den ersten offiziellen Sonderzügen wurde die offizielle Eröffnung der von Normal- auf Schmalspur umgebauten Strecke Gernrode – Quedlinburg durchgeführt.
Die Selketalbahn hatte damit wieder Anschluss an das normale Schienennetz. Der planmäßige Verkehr wurde am 26. Juni 2006 – pünktlich zum Harzfest in Gernrode aufgenommen. Der Umbau der Strecke Quedlinburg – Frose – Aschersleben wurde möglich da die DB AG seit dem 31. Januar 2004 den Personenverkehr einstellte und die Strecke brach lag. Das Vorhaben wurde aus Mitteln der HSB sowie umfangreichen Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt finanziert.
Neben der Selketalbahn und der Stiftskirche St. Cyriakus gibt es noch weitere Sehenswürdigkeiten in Gernrode so die Riesenkuckucksuhr, aus deren Fenster zu jeder Viertelstunde eine Kuckuck erscheint und die Anwesenden begrüßt (1998 ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen), ein Riesenwetterhäuschen, das immer aktuell die Wetterlage anzeigt, ein Riesenholzthermometer (7,45 m hoch) und der größte Skattisch der Welt.
Am 1. Juli 2007 wird in Sachsen-Anhalt eine neue Kreisgebietsstruktur in Kraft treten – das heißt für Gernrode, dass es zusammen mit dem Landkreis Quedlinburg dann in dem neuen Landkreis Harz seinen Platz finden muss.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
- Walsrode, Niedersachsen
- Bachant , Frankreich
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
- 1885 - 2.533
- 1910 - 3.327
- 2005 - 3.931
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Stiftskirche St. Cyriakus
Gernrode liegt unmittelbar am Harzrand. Die Stadt liegt im alten sächsisch-ottonischen Herrschaftsgebiet und besitzt in der Stiftskirche St. Cyriakus einen bedeutenden ottonischen Kirchenbau, überhaupt den ältesten Großbau aus ottonischer Zeit. Bereits im Jahr 961 fand hier die Gründung des Markgrafen Gero als Kanonissenstift für 24 Damen des sächsischen Hochadels statt. Neben Quedlinburg, Essen und Gandersheim zählte es zu den vornehmsten und angesehendsten Frauenklöstern des Reiches.
Es war kein strenges Kloster: Die Damen wohnten in Häuschen südlich der Kirche, durften unbeschränkt Fleisch und Käse essen, nahmen an den Messen und Totenmessen der Stifterfamilie teil und konnten schließlich auch das Stift wieder verlassen. Diese Kanonissenstifte mit ihrer wenig strengen Ordnung waren der offiziellen Kirche nicht selten ein Ärgernis. Der Papst selber musste oft in Gernrode gegen sittliche Ausschweifungen durchgreifen, nicht immer mit Erfolg.
Die Stiftskirche steht in der Mitte der ehem. Burg „Geronisroth“ des Markgrafen Gero. Er wird wahrscheinlich den Hügel, auf dem die Kirche steht, gerodet haben (Gernrode). Zunächst als Familienkloster gedacht, schenkte es Gero dem Kaiser, somit wurde es zum Reichsstift, das auch Rom unterstellt war. Aus diesem Grund konnte der Papst hier überhaupt erst tätig werden.
Die Grundform des sächsischen Westriegels wird man sofort erkennen. Hier wurde aber offensichtlich noch eine Apsis, also ein Westchor angebaut und damit wurde aus dem Westriegel ein Westwerk, eine eigenständige liturgische Einheit. Das ist nicht der Originalzustand des 10. Jhs. Die jetzige Form entstand erst um 1130, als die Äbtissin Hedwig II. (1118-1152) einen wesentlichen Umbau der Kirche veranlasste. Die Westapsis begrenzt den westlichen Chorraum innen mit einer Orgelempore. Die Türme sind durch eine Quergiebelwand verbunden, in der sich die Glockenstube befindet. Sie wurden 1907/10 mit den alten Steinen neu aufgebaut. Daraus resultiert ihr heutiges tadelloses Aussehen.
Im Innenraum sieht man an der Mittelschiffwand die Arkadenöffnungen eines Emporengeschosses. Ursprünglich befand sich in den frühchristlichen Kirchen an dieser Stelle glatte Mauerfläche, die mit Mosaiken oder mit Wandmalerei bedeckt gewesen war. Hier haben wir in dem historisch frühesten ottonischen Großbau eine Öffnung in der Wand, eine eigene Empore, eine vollkommen neue Bauidee auf deutschem Boden, die lange Zeit keine Nachfolger fand, auch in den ottonischen Bauten selber nicht (Binding, Günther: Architektonische Formenlehre. Darmstadt 1980, S. 129).
Ebenfalls neu für Deutschland ist die Art, wie die Arkadenbögen durch sog. Überfangbögen zusammengebunden werden. Das Motiv des Überfangbogens im Emporengeschoss, das hier noch ganz flächenhaft eingebundenen erscheint, ist ebenso aus der byzantinischen Baukunst abzuleiten wie die in Deutschland einzigartigen Emporen selbst, die für die Nonnen gedacht waren.
Den Typus der Emporenbasilika - so heißt diese Kirchenform - kannte das Abendland bisher nicht. Er ist aus Byzanz (Hagios Demetrios, Saloniki) in seinem Weg über Gallien übernommen worden und bleibt für Deutschland bis zur Spätromanik einzigartig, wo er erst 1135 in Köln in der Ursula-Kirche wieder aufgegriffen wurde. Erst die Gotik greift diesen Gedanken der Wandöffnung wieder deutlich auf.
Angeregt wurden diese neuen Bauideen wahrscheinlich von der Kaiserin Theophanu während ihrer Quedlinburger Aufenthalte zwischen 973 bis 987. Vermutlich nahmen die 24 Damen hinten den 24 Bogenöffnungen Platz. Theophanu war eine Nichte des byzantinischen Kaisers und damit auch Prinzessin. Kaiser Otto II. hatte im Jahr 972 Theophanu geheiratet, um seine Anerkennung als Kaiser auch im Osten zu gewährleisten. Theophanu wird auch noch in der Kölner Kunstgeschichte eine Rolle spielen. Der seltsame byzantinische Einfluss hier in Gernrode erklärt sich vor allem aus dieser familiendynastischen Verbindung.
Ebenfalls neu ist der Stützenwechsel Säule-Pfeiler-Säule und die damit verbundene Betonung der Raummitte im mittleren Pfeiler. Vorher gab es nur eine einheitliche Reihung gleicher Elemente. Anders als bei den karolingischen Wänden davor, die einen sich in die Länge entwickelnden kontinuierlichen Ablauf der Bauglieder zeigten, werden hier in Gernrode zum ersten Mal rhythmisch ordnende Kräfte spürbar, und zwar sowohl in der Unterscheidung einzelner Bauglieder zwischen Säule und Pfeiler, wie auch darin, dass Maueröffnungen zu Gruppen zusammengefasst, also nicht einfach nur gereiht werden. Man sieht im Emporengeschoss, dass durch Überfangbögen und eingesetzte Pfeiler die Arkadenreihe deutlich rhythmisch gegliedert ist.
Die einzelnen architektonischen Elemente des Innenraumes kommen zwar aus dem byzantinischen Raum, aber im Rhythmisieren dieser byzantinischen Voraussetzungen macht Gernrode einen entscheidenden Schritt nach vorne als Vorläufer für die Baukunst des 11. Jh., in der dann auch der Stützenwechsel weite Verbreitung findet. Der sächsische Stützenwechsel ist gekennzeichnet durch die Reihe Pfeiler-Säule-Säule-Pfeiler. Der baut auf diesem Schema hier auf.
Der Ostchor sieht von außen archaisch abweisend aus. Die Apsismalerei ist nur im oberen Teil mittelalterlich, wo im 14. Jh. Christus als Salvator mundi dargestellt ist. Die übrige Malerei der Apsis ist nicht mittelalterlich, sondern im 19. Jh. mittelalterlichen Vorbildern nachempfunden worden, genauso wie die Bemalung der Holzdecke. Der Ostchor und die darunter liegende Hallenkrypta sind der älteste Teil der Kirche.
Gernrode verfügt über eine große Anzahl hervorragender Kapitelle. Dieses Kapitell gehört zu den frühesten figürlichen Darstellungen dieser Art in Deutschland. Hier wachsen u.a. Menschenköpfe aus dem Blattwerk heraus. Andere Kapitelle der Kirche lehnen sich an die antike korinthische Form an.
Die Wände im Norden und Westen mussten bei der Restaurierung zu Beginn des 20. Jhs. völlig erneuert werden ähnlich wie die Mauern des Westchores außen. Hier sieht man auch die älteste Form des Stützenwechsels, denn hier sind die Säulen noch um einiges höher als die Pfeiler. In Hildesheim und in Quedlinburg waren die Stützen jeweils gleich hoch. Hier hat die unterschiedliche Höhe noch etwas mit der Rhythmisierung des Raumes zu tun, die für Gernrode so charakteristisch ist.
[Bearbeiten] Das „Heilige Grab“
Hinter den Säulen des südlichen Seitenschiffes fällt eine Art Wand auf, die aber zu einer Grabanlage gehört, dem bedeutendsten plastischen Kunstwerk der Kirche, dem sog. „Heiligen Grab“ aus dem ausgehenden 11. Jh., nach anderer Datierung zwischen 1100-1130.
Es ist eine Nachbildung des Hl. Grabes in Jerusalem, eine kultische Darstellung des Auferstehungsfestes für liturgische Osterspiele. Derartige Nachbildungen des Hl. Grabes hatten in der mittelalterlichen Liturgie ihren festen Platz. Das Gernroder Beispiel ist wohl das älteste auf deutschem Boden.
Während des Karfreitagsgottesdienstes wurde der vom Kreuz genommene Corpus in den Sarkophag des Hl. Grabes gelegt, in der Auferstehungsliturgie des Ostersonntags wurde er dann wieder feierlich daraus hervorgeholt und den Gläubigen gezeigt.
Der gesamte Reliefschmuck des Hl. Grabes bezieht sich auf das Thema der Grablegung und der Auferstehung. Hier wurde erstmals in Deutschland nach Vorbildern aus der byzantinischen Kleinkunst, beispielsweise Buchdeckeln und Elfenbeinkästchen, ein Werk monumentaler Plastik errichtet. Wie bei den byzantinischen Vorbildern werden die Figuren von Rankenbändern umgeben. Leise, verhalten, von individueller Physiognomie und zarter Bewegung verkünden diese Figuren das heilige Geschehen.
Die Westwand des heiligen Grabes zeigt in plastischen Bildern vorzugsweise Tierdarstellungen, die Geschichte von der Verlorenheit des sündigen Menschen und ihre Erlösung durch das Gotteslamm in der Mitte oben. Die Erlösung wird angekündigt von den Propheten, von denen stellvertretend rechts Moses aus dem Alten Testament und links Johannes der Täufer aus dem Neuen Testament dargestellt sind.
Diese Wand zeigt auffallend reichen plastischen Schmuck; in der Literatur wird sie daher häufig eine „Predigt in Stein“ genannt. Die Mitte der gestalteten Wand nimmt die Stuckplatte mit einer stehenden weiblichen Figur ein. Diese Figur wurde früher als Stifterin gedeutet; heute erkennt man in ihr zu Recht die vor dem Grabe stehende Maria Magdalena. Ein breites umlaufendes Rahmenband schließlich grenzt die Mittelgruppe ein.
Dieses Band ist unterteilt in eine äußere Weinranke mit Trauben, die von Schlangenköpfen ausgeht, und eine innere Ranke, welche große Schlingen ausbildet, in die Menschen- und Tiergestalten eingeflochten sind.
In der Mitte der oberen Ranke steht das Lamm Gottes (Opfertod), in der linken oberen Ecke Johannes der Täufer und in der rechten oberen Ecke Moses, beide Vorläufer, Wegbereiter für Christus, sie weisen auf das Lamm Gottes hin. Zur Seite der beiden alttestamentlichen Figuren je ein Löwe. Der Löwe ist hier ein gutes Tier, ein Hinweis ist gegeben durch seine Zähmung, er frisst von den Weintrauben.
Der Vogel mit dem Nimbus wird als Phönix anzusehen sein, das immer wiederkehrende Symbol für die Auferstehung. Wenn man die symbolische Bedeutung von Tierdarstellungen des Mittelalters analysieren will erscheint es immer angeraten, den Physiologus zu konsultieren. Wer oder was ist das? Der Physiologus ist ein Buch, es entstand um die Zeit 200 n. Chr. und ist ein Schlüsselwerk zur Tiersymbolik in seiner Wirkung auf die bildende Kunst. Und nach diesem Physiologus verbrennt dieser Vogel Phönix sich selbst und erwacht nach drei Tagen zu neuem Leben.
Der Vogel auf der anderen Seite des Lammes ist ein Adler. Auch er ist ein Christussymbol, da er nach alter Meinung von allen Vögeln am höchsten fliegt und in die Sonne blicken kann (Gleichnis für die Himmelfahrt Christi). Auch die anderen Bildelemente lassen sich in dieser Weise symbolisch dem Generalthema zuordnen.
Die Bildertheologie dieser Westwand teilt sich in eine obere und eine untere Zone; die untere ist den irdischen Wesen, den Sterblichen vorbehalten, die leicht der Sünde verfallen können. Ihr gegenüber stellt sich der Bereich der Erlösung in der oberen Zone, in dessen Mittelpunkt das apokalyptische Lamm erscheint; die übrigen Symbole weisen auf die Grundtatsachen der christlichen Lehre hin: Opfertod, Auferstehung und Himmelfahrt.
Die Nordwand zeigt rechts von der Säule eine Christusfigur und noch weiter rechts Maria Magdalena. Beide Figuren zusammen bilden eine sog. Noli-me-tangere-Gruppe. „Noli me tangere“ heißt übersetzt „Rühr mich nicht an“. Gemeint ist damit in der Ikonograpie der religiösen Kunstgeschichte eine Darstellung des auferstandenen Christus, der nach Joh. 20, 14-18 der Maria Magdalena als Gärtner erscheint und sich mit abweisenden Armbewegungen dagegen sträubt, von ihr berührt zu werden. Die weichen, zurückhaltenden Formen deuten an, dass man noch der Kunst des 11. Jhs. verpflichtet ist, die Verfestigung der späteren Jahre der Romanik kennt man noch nicht.
Im Inneren des Grabes ist auf der Rückseite der Westwand eine Christus- oder Bischofsfigur zu erkennen. Genau weiß man das nicht; nach der neueren Forschung handelt es sich um den Märtyrerbischof Metronus, ihm war der Altar auf dem Westchor geweiht. Rechts davon stehen zwei beschädigte Skulpturen, die entweder eine Gruppe der Frauen darstellen oder zwei Grabengel.
- Bläkhof
- Ehemaliger Klosterhof - Turmhaus
- Elementarschule Gernrode/Harz
- Turm der Stephanikirche
- Stubenberg
- Selketalbahn
- Harzer Uhrenfabrik – mit großer Kuckucksuhr
- Größter Skattisch der Welt (Guinness-Buch der Rekorde)
- Größtes Holzthermometer (Guinness-Buch der Rekorde)
[Bearbeiten] Bedeutende Persönlichkeiten
[Bearbeiten] Äbtissinnen von Gernrode
Liste der Äbtissinnen von Gernrode
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt
- Andreas Popperodt, Rektor der Elementarschule und erster Pfarrer nach der Reformation - Verfasser der „Annales Gernrodensis - 1589“
- Carl Friedrich Christian Mohs (1773 – 1839), deutsch österreichischer Mineraloge – Entwickler der nach ihm benannten Mohshärteskala
- Friedrich Moldenhauer (1797 – 1866), Erfinder der Phosphorzündhölzer
- Jürgen Röber (* 1953), Fußballtrainer
[Bearbeiten] Weblinks
- Touristeninformation Gernrode
- Chronik
- Elementarschule Gernrode
- Links zum Thema „Gernrode, Harz“ im Open Directory Project
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