Kau
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kau ist eine Ortschaft der Stadt Tettnang im Bodenseekreis mit 1.598 Einwohnern (Stand: 31.12. 2006)[1]. Zur Ortschaft gehören neben dem Hauptort die Wohnplätze Pfingstweid, Walchesreute und Motzenhaus.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Die Ortschaft Kau liegt westlich der Altstadt Tettnangs und südlich von Meckenbeuren und dessen Ortsteil Kehlen. Im Westen liegt Friedrichshafen, im Süden Eriskirch und Langenargen. Kau wird durch die Schussen im Westen, die Landstraße 333 im Norden und den Tettnanger Wald im Süden abgegrenzt. Während der Hauptort Kau eher im Süden liegt, befinden sich die Wohnplätze Motzenhausen im Nordwesten, Walchesreute im Norden und Pfingstweid im Nordosten.
[Bearbeiten] Geschichte
Walchesreute ist die früheste Siedlung des Ortes. Sie wurde erstmals 1219 in einer Kaufurkunde des Klosters Weißenau erwähnt. 1262 kaufte das Kloster auch einen Besitz in Motzenhaus. Beide Orte waren einer Beschreibung der Herrschaft Montforts von 1515 nach nur sehr klein: Walchesreute verzeichnete sechs, Motzenhaus drei Häuser. Um das Jahr 1700 entstand Kau, als die Grafen von Montfort, die in Tettnang residierten, Siedlern eine gerodete Fläche als Lehen übergaben. Aufgrund dieser Rodung, wurde der Hof „Gehau“ genannt, aus dem sich über „G'Hau“ der heutige Ortsname entwickelte. Die Bevölkerung stieg rasch an, da Graf ernst von Montfort einigen besitzlosen Werben gestattete, sich in seiner Grafschaft niederzulassen. Pfingstweid war ursprünglich ein Flurname bis sich 1864 eine Heil- und Pflegeanstalt niederlies.
Alle diese Wohnplätze gehörten zum Landwaibelamt Tettnangs bis sie 1810 unter württembergischer Herrschaft an die Gemeinde Meckenbeuren kamen. 1937 wurden sie Teil der neu gegründeten Gemeinde Kehlen, das jedoch 1972 seine Selbstständigkeit aufgab und Kau wieder an Meckenbeuren abgab. Aufgrund der guten Verkehrsverbindung und der kirchlichen Zugehörigkeit der Bewohner Kaus zu Tettnang stellte eine Aktionsgemeinschaft beim Regierungspräsidium in Tübingen einen Antrag auf Umgliederung nach Tettnang. Bei einer Bürgeranhörung entschieden sich 52 % der Abstimmenden für diesen Antrag. Trotz einer Klage des Gemeinderats von Meckenbeuren wurde Kau eine Ortschaft innerhalb des Gesamtstadtverbandes Tettnang mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
[Bearbeiten] Religionen
Seit der Entstehung einer römisch-katholischen Gemeinde in Kau gehörte diese zur Pfarrei Langenargen, nur der Wohnplatz Walchesreute zählte zu Kehlen. Aufgrund der großen Entfernung zur Pfarrkirche versuchten die Bewohner des Ortes im Jahr 1742 zum ersten Mal zur Pfarrei Tettnang zu gelangen und sandten deshalb eine Bitte an Graf Ernst von Montfort. Nachdem diese abgelehnt worden war, verweigerten die 187 Gemeindemitglieder 1794 der Pfarrei Langenargen Abgaben und erreichten so die Umgliederung. 1824 kamen auch die Gemeindeteile Kehlens an die Tettnanger Pfarrei St. Gallus. Gotteshaus der katholischen Gemeinde ist die Kapelle St. Josef.
Eine evangelische Gemeinschaft entstand 1849, als die Pilgermission St. Chrischona das Anwesen Pfingstweid kaufte, um in Kau einen Missionsstützpunkt zu errichten. Unter Mithilfe des evangelischen Tettnanger Pfarrers wurde diese Arbeit augenommen. 1861 gehörten die evangelischen Christen Kaus offiziell zur Kirchengemeinde Tettnang. Seit 1984 existiert die evangelische Heilig-Geist-Kapelle.
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Wappen
Zehn Jahre nachdem Kau eine Ortschaft geworden war, entschloss sich der Ortschaftsrat zur Schaffung eines eigenen Wappens, das zur Jubiläumsfeier vorgestellt wurde. Da der Gemeindeordnung Baden-Württembergs nach nur selbständige Kommunen ein Wappen tragen dürfen, hat es keinen offiziellen Charakter und wird nur im nichtamtlichen Bereich verwendet. Abgebildet sind ein schwarzer Baumstumpf mit einem Beil, der auf die Namensentstehung Kaus hinweist, sowie eine rote dreilatzige Fahne, die an die Zugehörigkeit zur Grafschaft Montfort erinnert.
[Bearbeiten] Ortschaftsrat
Die Bewohner der Ortschaft Kau nehmen an den Gemeinderatswahlen von Tettnang als Wohnbezirk Kau teil und bestimmen so zwei Mitglieder. Die Gemeinderatswahl erfolgt nach dem System der Unechten Teilortswahl. Ein hauptamtlicher Ortsvorsteher und der Ortschaftsrat, die alle 5 Jahre gewählt werden, vertreten die Interessen der Bürger Kaus in der Kommunalpolitik. In den Aussschüssen des Gemeinderats darf ein Mitglied des Ortschaftsrates teilnehmen. Seit 2004 ist Konrad Wolf Ortsvorsteher, zuvor hatte Josef Elbs das Amt drei Perioden lang inne.
[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur
Die Landwirtschaft in Kau besitzt eine große Tradition und spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. Das Landschaftsbild rund um Kau ist von Hopfengärten geprägt, in denen Tettnanger Hopfen angebaut wird. Außerdem befindet sich in dieser Ortschaft ein Werk der Linde AG. Daneben sind die Industriebetriebe Friedrichshafens ein wichtiger Arbeitgeber.
[Bearbeiten] Pflegeheim Pfingsweid
Im Wohnplatz Pfingstweid befindet sich ein gleichnamiges Pflegeheim für behinderte Menschen. Die Pilgermission St. Chrischona kaufte das Gebäude 1849 vom Basler Bankier Ryhmer Christ, um in der katholischen Gegend einen Missionsstützpunkt zu errichten. Zwischen 1850 und 1860 diente es als Waisenhaus, wurde jedoch 1862 in die erste deutsche Pflegeanstalt für Epileptiker verwandelt. Kurz darauf gründete sich ein Trägerverein, um dem Heim finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm es zum ersten Mal einen katholischen und einen jüdischen Patient auf. Im Zuge der Nationalsozialistischen Rassenhygiene wurden insgesamt 33 Insassen in die NS-Tötungsanstalt Grafeneck verlegt; 29 fanden dort den gewaltsamen Tod.[2] Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude wesentlich erweitert. Eine Werkstatt, die der beruflichen Rehabilitation dient wurde eingerichtet. Zusätzlich existieren Angebote, die behinderten Menschen die Möglichkeit eröffnen, zu Hause oder bei Angehörigen zu leben.
[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen
Die Seldnerhalle ist das Veranstaltungsgebäude Kaus. Neben der Nutzung für Bälle, Versammlungen und Volksfeste dient sie auch als Sporthalle des Sportvereins. Ihr Name leitet sich von der Bezeichnung Seldner für Tagelöhner oder Kleinhandwerker ab, die die ersten Bewohner Kaus waren.
Neben der Seldnerhalle befindet sich die Grundschule Kau, die im Schuljahr 2006/2007 90 Schülern Unterricht bietet[3]. Sie ist die einzige Bildungseinrichtung Kaus. Weiterführende Schulen befinden sich in den umliegenden Städten.
[Bearbeiten] Verkehr
Kau und seine Wohnplätze liegen an der Landstraße 333 zwischen Meckenbeuren und Tettnang. Diese kreuzt die Bundesstraßen B 467 und B 30 und ermöglicht damit den Zugang zu den Flug-, Schiffs- und Bahnverbindungen Friedrichshafens. Auf der L 333 verkehren außerdem Busse des Regionalverkehrs Alb-Bodensee, die die Haltestellen Pfingstweid und Kau mit Friedrichshafen und Tettnang verbinden.
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Kapellen
Eine dem heiligen Josef geweihte, katholische Kapelle ist die einzige öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeit des Ortes. Ihr Bau begann am 17. Juli 1903; am 14. September 1904 wurde sie vom Tettnanger Pfarrer und vom Dekan eingeweiht. Die Finanzierung wurde durch Spenden der Bewohner Kaus und der umliegenden Gemeinden gedeckt. Zehn Jahre Später wurde eine Turmuhr eingebaut. Wichtige Renovierungsmaßnahmen wurden infolge des zweiten Weltkriegs und zur Rettung des Deckengemäldes durchgeführt. In ihr ist eine barocke Madonnenfigur aus der Zeit um 1740 und eine Statue des heiligen Josef aufgestellt. Außerdem befindet sich dort eine Ehrentafel für die Opfer beider Weltkriege und eine im Jahr 2000 gestiftete Orgel.
Daneben existiert die evangelische Heilig-Geist-Kapelle des Pflegeheims Pfingstweid. Ihr Bau 1984 erfüllte den Mitarbeitern und Bewohnern den Wunsch nach einer eigenen Kapelle. Auffällig am nach Plänen der Architekten „Unterlöhner, Waibel und Partner“ errichteten, kleinen Gotteshaus ist das pyramidenförmige Glasdach und der Glockenturm, in dem sich zwei Glocken befinden. Der Innenraum enthält ein schlichtes Altarbild, eine elektronische Orgel und eine Gedenktafel für die Euthanasieopfer. Die Wände sind durch Werke der Heimbewohner geschmückt.[4]
[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen
In der Region ist Kau vor allem für das jährlich im Sommer stattfindende, traditionelle Hopfenfest bekannt, mit dem die Hopfenernte eingeläutet wird. Es wird von verschiedenen Verein organisiert und findet seinen Höhepunkt im Wettbewerb des Preis-Hopfenbrockens.[5] Das erste Hopfenfest fand im Jahr 1956 statt.[6]
Daneben spielt die Fasnet nach schwäbisch-alemannischer Tradition eine große Rolle, an der die Kauer Narrenzunft Waldteufel teilnimmt. Sie organisiert im Ort selbst verschiedene Veranstaltungen und Bälle und nimmt an Umzügen in den umliegenden Städten teil. Das Häs des seit 1990 existierenden Verein besteht aus roten und schwarzen Filzstreifen und einer geschnitzten Holzmaske sowie einem Schellenring an den Füßen. Ihr Ruf lautet „Kau Kau - Oho!“.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Zahlen und Fakten auf der Website der Stadt Tettnang
- ↑ Ingo Bernhard, Prof. Dr. Wolfgang Fix, Andreas Fuchs: Die Pfingstweide 1850 - 1966. Tettnang 2001
- ↑ Schülerzahlen der Schulen Tettnangs
- ↑ Gisbert Hoffmann: Kapellen in Tettnang und Meckenbeuren. Förderkreis Heimatkunde, Tettnang (Hrsg.), Druckhaus Müller, Langenargen 2004; ISBN 3-00-013294-5 (S. 166 - 170)
- ↑ Wochenblatt Friedrichshafen: Auch Laien dürfen an den Hopfen ran. 11. August 2005
- ↑ Peter Heidtmann: Grünes Gold - 150 Jahre Hopfenbau in Tettnang. Verlag Lorenz Senn GmbH & Co. KG, Tettnang, 1994. ISBN 3-88812-167-1
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Literatur
- Kapellenpflege St. Josef, Kau (Hrsg.): 100 Jahre St. Josef in Kau - Schrift zum Kapellenjubiläum 2004
Koordinaten: 47° 40' 0" N, 9° 33' 15" O
Dieser Artikel befindet sich derzeit im Reviewprozess. Sag auch dort deine Meinung und hilf mit, ihn zu verbessern! |