Schwarzstirnwürger
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Schwarzstirnwürger | ||||||||||
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Systematik | ||||||||||
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Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
Lanius minor | ||||||||||
J. F. Gmelin, 1788 |
Der Schwarzstirnwürger (Lanius minor) ist ein Vogel und Mitglied der Familie der Würger (Laniidae).
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Aussehen
Der Schwarzstirnwürger ist ca. 20 cm groß und ähnelt stark dem Raubwürger. Auf der Rückenfläche und dem Kopf ist der Schwarzstirnwürger grau gefärbt, der schwarze Augenstreif zieht sich wie ein breites Band über die Stirn. Dieses Band ist beim Weibchen an der Stirn weniger dick und nicht klar gegen das graue Kopfgefieder abgegrenzt. Die weiße Kehle setzt sich klar gegen das blassrosa Brustgefieder ab. Auf den schwarzen Flügeln befindet sich an den Handschwingen ein kleiner weißer Fleck. Der Schwanz des Schwarzstirnwürgers ist größtenteils schwarz und hat nur am linken und rechten Rand einen weißen Streifen. Der Schnabel ist wie bei allen Würgern hakenförmig, die Beine sind schwarz.
[Bearbeiten] Verbreitung
Das Vorkommen des Schwarzstirnwürgers als Brutvogel beschränkt sich in Mitteleuropa auf Ungarn, das südliche Polen sowie Tschechien und die Slowakei. In Südeuropa begegnet man ihm in Italien und dem Balkan, Süd-Frankreich sowie im nordöstlichem Spanien. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich nach Osten über die Ukraine und Weißrussland bis nach Russland und Kasachstan, und über den Kaukasus und den Südosten der Türkei bis in den Iran. Das Überwinterungsgebiet sind die Steppen Südwestafrikas, bevorzugt in Botswana und Namibia. Sein Sozialverhalten ist sehr aggressiv.
[Bearbeiten] Lebensraum
Der Schwarzstirnwürger ist ein Vogel der offenen Landschaften mit Einzelbäumen, Gebüschen und Baumgruppen. Solange die Anzahl der Bäume gering ist, besiedelt er auch Obstwiesen, von Feldern umgebene Obstbaumalleen und Viehweiden sowie extensiv bewirtschaftete Weinstöcke. Wenn möglich meidet er die Nähe zum Menschen.
[Bearbeiten] Ernährung und Lebensweise
Der Schwarzstirnwürger sitzt häufig in waagerechter Haltung auf exponierten Warten wie beispielsweise dem obersten Ast eines Baumes, einem Telegrafenmast, Pfählen oder Steinen. Sind keine geeigneten Ansitze vorhanden, jagt er auch wie ein Turmfalke im Rüttelflug, d.h. er "steht" in der Luft. Der Schwarzstirnwürger ernährt sich hauptsächlich von größeren Insekten wie Hummeln und Käfern, die er bei schönem Wetter in der Luft jagt. Bei schlechtem Wetter jagt er zu Fuß, und untersucht flatterd und hüpfend den Boden. Bevorzugt werden Laufkäfer, Aaskäfer, Blattkäfer und Rüsselkäfer, wobei er sich von Warnfarben und Giftdrüsen nicht abschrecken lässt. Kleinnager wie Mäuse werden eher selten verzehrt. Das Aufspießen der Beute ist beim Schwarzstirnwürger eher selten.
[Bearbeiten] Stimme
Die Rufe des Schwarzstirnwürgers sind ähnlich rau wie die Rufe anderer Vertreter der Familie der Würger. Sein Gesang hingegen ist leise und wohltönend mit gelegentlichen rauen Lauten. Es treten auch Imitationen anderer Vogelarten auf, wie z.B. Finken-, Lerchen- und Rauchschwalbenstrophen sowie Rufe von Fasan, Rebhuhn, Wachtel und Limikolen.
[Bearbeiten] Fortpflanzung
Das Nest des Schwarzstirnwürgers wird immer auf Bäumen, bevorzugt Obstbäumen und Pappeln, in vier bis zwölf Metern Höhe errichtet. Bemerkenswert ist, dass er sein Nest größtenteils mit frischen Kräuter- und Staudensprossen sowie mit blühenden Zweigen und Pflanzen, deren Blüten nach außen zeigen, baut. Weiß behaarte, duftende Pflanzen werden bevorzugt. Zur Polsterung des Nests dienen z. B. Tierhaare und Schafwolle. Das Weibchen legt fünf bis sieben helle, grünliche Eier mit dunkelbraunen Flecken, die es ca. sechzehn Tage bebrütet. Nach vierzehn Tagen im Nest fliegen die Jungen aus, bleiben aber noch mindestens vierzehn Tage von ihren Eltern abhängig.
[Bearbeiten] Gefährdung
Der Schwarzstirnwürger ist stark von Insekten als Nahrungsquelle abhängig, so dass ihm durch den Einsatz von Insektengiften in der intensiven Landwirtschaft die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Weiter reagiert er empfindlich auf starke Landschaftsveränderungen. In der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands (1998) wird als Aussterbedatum das Jahr 1987 angegeben. Seine letzten Brutvorkommen lagen in Bayern und Baden-Württemberg. Im 19. und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts war die Art in Deutschland noch recht verbreitet, sie brütete zum Beispiel auch in Niedersachsen.
[Bearbeiten] Weblinks
Commons: Schwarzstirnwürger – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- http://www.halleseite.de/vogelarten/arten/Schwarzstirnwuerger/schwarzstirnwuerger.shtml
- Lanius minor in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: BirdLife International, 2004. Version vom 12. Mai 2006